Nicht 'Nein' sagen/ absagen können

Hallo,

es geht mir hier nicht ums „nicht Nein sagen können“ im Sinne von „dann macht man’s doch, obwohl man es nicht will“ sondern darum, dass jemand etwas definitiv nicht will, dies auch so durchzieht, jedoch immer noch so tut, als gäbe es trotzdem eine Chance.

Zwei Beispiele:

a) Person sucht eine Wohnung, kontaktiert den potentiellen Vermieter telefonisch. B meint, bis zur Wohnungsbesichtigung dauere es noch eine Woche „oder so“, weil noch renoviert werden müsse. Beim nächsten Anruf heißt es, es werde „vielleicht die obere und nicht die untere Wohnung vermietet“. Beim nächsten Anruf hat der potentielle Vermieter „gerade keine Zeit, weil er morgen verreist“. Beim nächsten Anruf ist der potentielle Vermieter stinkesauer, warum man schon wieder anruft.
Sprich: Derjenige möchte (zumindest an diese Person) die Wohnung nicht vermieten und wollte dies wohl von Anfang an nicht.
Anstatt das aber klipp und klar zu sagen, wird rumgeduckst.

b) Person A soll mit jemandem ein Referat über einen Praktikumsversuch erledigen. Normalerweise wird dieses Referat mit, sagen wir mal, dem Sitznachbarn B durchgeführt und zwar über den vierten oder fünften Versuch. (Zur Einschätzung der Personen: Es handelt sich hier um eine Situation in der Uni, nicht in der Schule.)
B sagt zuerst, man müsse sich noch überlegen, ob man das vierte oder fünfte Thema nehme.
Später meint B, ihm würden beide Themen „nicht so recht passen“ und es wäre sinnvoll, jeweils das Referat in einem anderen Kurs zu halten (möglich), aber A solle sich „nochmal melden, wenn das zu umständlich ist“. A meldet sich später bei B nochmals, erhält keine Antwort. A kontaktiert B nochmals und erfährt, dass B sich längst für einen anderen Referatspartner entschieden hat und wohl nie mit A das Referat halten wollte.

Kennt ihr solche Situationen auch?
Warum wurde in beiden Situationen (und anderen) so rumgeduckst?

Eigentlich hätten jeweils beide beteiligte Personen von Ehrlichkeit (die nicht mal unbedingt eine „direkte“ Ehrlichkeit a la „an Sie vermiete ich nicht“, „mit dir will ich nicht zusammenarbeiten“ bedeuten muss, sondern einfach nur „die Wohnung ist definitiv nicht mehr zu haben“, „ich werde das Referat keinesfalls in diesem Kurs machen“) profitiert:
Der Vermieter bzw. Person B, da sie so nicht mehr durch Nachfragen belästigt werden; der potentielle Mieter bzw. Person A, da sich derjenige gleich um eine andere Wohnung bzw. anderen Referatspartner kümmern kann.

Viele Grüße,
Nina

Hallo Nina,

bei der ersten Situation tippe ich mal auf unsichere Höflichkeit. Der Vermieter hat keine Lust (wie Du am Ende wohl folgerichtig angibst), an diese Person zu vermieten. Er könnte also z. B. während des ersten Gespräches, um Zeit zu gewinnen, Konversation machen: Was suchen Sie so im allgemeinen, sind Sie sicher, dass Sie einen Balkon wollen, die Küche ist sehr klein aber gemütlich (wenn der andere eine grosse Küche sucht und die Küche wirklich nicht allzu gross ist), das Bad ist geräumig, wenn auch ohne Fenster (falls der andere von gut lüftbaren Wohnungen schwärmt und das Bad wirklich ohne Freilicht) usw., dann nach einer gewissen Zeit kann der Vermieter zurückrufen, dass die Wohnung leider doch nicht zu haben ist.

Bei der zweiten Situation können verschiedenste Gründe da sein, es kann sein, dass B tatsächlich mit A hätte arbeiten wollen, jedoch aus x-welchen Gründen andere Personen für besonders wünschenswert hält oder z. B. denkt, dass er mit den anderen besser zusammenarbeitet. Ich hatte einmal einen Lernkollegen, der war höflich und freundlich, ich hatte aber von Anfang an den Eindruck, wir könnten nicht gut zusammen lernen. Möglich, dass es gut geworden wäre, wenn ich darauf eingetreten wäre.

In so einer Situation ist es dann aber äusserst schwierig, dem andern mit guten Gründen abzusagen. Am besten geht immer noch: „Ich hab nun so viele andere Termine, vorläufig muss ich das eine Zeitlang hinausschieben“ und bei Nachfrage: „Es geht vorläufig unmöglich, in deinem Interesse ist es wohl besser, wenn du einen andern suchst, und nein, über meine Gründe kann ich nicht reden, aber es geht mir schon gut, ich habe einfach wirklich kaum Zeit“ oder „es tut mir leid, es geht doch nicht, ich hatte mal schon länger mit X und Y abgemacht und dann geglaubt, diese melden sich nicht mehr, aber weil ich jetzt bei ihnen mitmachen kann, wäre es mir zuviel, hier auch noch; bitte entschuldige“.

Wenn man längerfristig unentschlossen ist und vorläufig klar ein Problem mit der Zusammenarbeit hat, dann kommt es oft vor, dass man nicht ganz absagt, sondern dass der andere mehrmals nachfragen muss, um dann doch am Ende keine Chance zu haben. Ich finde das auch nicht höflich, besser ist es, wenn man in so einem Fall die Sache auf Eis legt und dem andern die Möglichkeit gibt, seinerseits abzusagen.

Gruss
Mike

Allgemeines zu Absagen
Hallo Nina,

ich bin jemand, der Zuverlässigkeit sehr hoch schätzt, und sehr empfindlich reagiert, wenn sich jemand als unzuverlässig erweist. Deshalb ist das Thema „Absagen“ etwas, das mich immer irgendwie beschäftigt.
Ich möchte den Begriff „Versäumnis“ einführen. Immer dann, wenn jemand ankündigt etwas zu tun, es dann aber nicht tut, macht er sich des Versäumnisses schuldig. Dabei spielt zunächst keine Rolle, warum er es versäumt hat, seiner Ankündigung Taten folgen zu lassen.
Es kommt vor, dass jemand sein Versäumnis vorher ankündigt. Dies nennt man dann Absage.

Typische Beispiele
Ankündigung: Ich besuche dich morgen um 20:00.
Absage: Um 19:00 sms „kann nicht kommen, weil…“
Versäumnis: Die Person kommt nicht zu Besuch.

Ankündigung: Ich bringe dir die CD morgen mit.
Versäumnis: Oh, Mensch, habe ich total vergessen.
Absage: entfällt

Ein Spezialfall der Absage ist die, die mit einer erneuten Ankündigung einhergeht: Ich kann um 20:00 nicht kommen, würde aber dafür morgen zum Frühstück kommen. Natürlich ist dies nichtsdestoweniger eine Absage.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es im Privaten heutzutage häufiger zum Versäumnis kommt als zur tatsächlichen Durchführung der angekündigten Handlung.

Ich habe schon mit einigen Leuten über dieses Phänomen und seine möglichen Ursachen gesprochen. Das Handy wird gerne als schuldig benannt, weil man damit leicht absagen kann und weil viele glauben, dass ein Versäumnis mit Absage nicht so schlimm sei, was auch richtig ist, allerdings nicht in dem Maße wie viele es glauben.
Die Möglichkeit, absagen zu können, setzt die Hemmschwelle ein Versäumnis einzugehen, deutlich herab.

Meine Analyse ist folgende: Ob jemand eine Ankündigung wahr macht, hängt sehr stark von seinen Interessen ab. Klingt trivial, aber ist es gar nicht, wenn man bedenkt, dass es ja auch zum größeren Teil von den Interessen des Menschen abhängen könnte, dem gegenüber er die Ankündigung geäußert hat.
Wenn ICH etwas von jemandem will, dann werde ich mich eher an eine Verabredung halten, als wenn ER etwas von mir will.

„Ah ja“, wird man sagen, „die Ich-Bezogenheit des modernen Menschen und sein Egoismus sind schuld“, und damit Recht haben.
Hinzu kommt aber auch das große Angebot an alternativen Optionen und
Ablenkungen.

Diese drei Komponenten, also Egoismus, Erlebnis-Optimierung und Absagen-Können ohne großen Aufwand, sorgen dafür, dass Versäumnisse so häufig sind.

Jetzt gibt es aber einen wichtigen Punkt, der endlich, nach dieser langen und unnötigen Vorrede, deine Frage adressiert: Jemanden nicht enttäuschen wollen.

Es gab mindestens ein psychologisches Experiment, das deutlich gezeigt hat, dass Menschen es als unangenehm empfinden, einen anderen Menschen zu enttäuschen. Wir sind ja keine Psychopathen, sondern durchaus zu Mitgefühl fähig. Daher verursacht es uns ein negatives Gefühl, einem Bewerber abzulehnen, jemandem einen dringenden Wunsch abzuschlagen oder ein Treffen abzusagen.

Die Menschen, die in deinen Beispielen vorkommen, lassen sich in zwei Gruppen einteilen:

Erste Gruppe:
Solche, bei denen zwei Faktoren zusammentreffen:

  1. Ein besonders starkes negatives Gefühl, wenn sie jemanden enttäuschen müssen.
  2. Das Unterdrücken der eigentlich einfach zu begreifenden Tatsache, dass ein Versäumnis, das das Gegenüber anhand ausbleibender Handlungen erst über längere Zeit entdecken muss, zu einer mindestestens ebenso großen Enttäuschung führt wie eine klar formulierte Absage.

Das sind Leute, die dich lieber langsam vergiften als dich erschießen würden.
Im Grunde sind dies die sanfteren Menschen, die die nicht hart sein können.

Zweite Gruppe:
Menschen, die sich aus Gewohnheit immer alle Möglichkeiten offen halten wollen, die Verbindlichkeiten scheuen und denen es egal ist, ob die Menschen, die sie hinhalten, darunter leiden.

Die aus der ersten Gruppe haben also besonders viel Mitgefühl, die aus der zweiten besonders wenig.

Tychi

Hallo Mike,

bei der ersten Situation tippe ich mal auf unsichere
Höflichkeit. Der Vermieter hat keine Lust (wie Du am Ende wohl
folgerichtig angibst), an diese Person zu vermieten.

es ist klar, dass er das aufgrund von Höflichkeit nicht zugeben wollte.
Anstatt rumzuducksen, ginge dies aber auch eindeutig aber ohne unfreundlich zu wirken (z.B. sagen, dass man die Wohnung aus persönlichen Gründen nicht vermieten kann oder bereits ein Mieter gefunden wurde).
Dies ist - meiner Meinung nach - auch freundlicher als „Herumducksen/ Hinhalten“, weil man sich ernst genommen fühlt.
Geht mir zumindest so: Wenn mir jemand gleich sagt, dass etwas nicht möglich ist, ist mir das lieber, weil ich mich sofort nach einer Alternative umsehen kann und ich dann auch davon ausgehen kann, dass mein Gegenüber meine Lage nachvollziehen kann. In dem Beispiel mit dem Vermieter fände ich jedenfalls den, der mir sofort sagt dass das mit der Wohnung nichts wird, freundlicher als den, der herumduckst und dann nach ein, zwei Wochen (während derer ich mich z.B. um eine Alternative hätte kümmern können) mal mit der Wahrheit rausrückt.

Er könnte
also z. B. während des ersten Gespräches, um Zeit zu gewinnen,
Konversation machen: Was suchen Sie so im allgemeinen, sind
Sie sicher, dass Sie einen Balkon wollen, die Küche ist sehr
klein aber gemütlich (wenn der andere eine grosse Küche sucht
und die Küche wirklich nicht allzu gross ist), das Bad ist
geräumig, wenn auch ohne Fenster (falls der andere von gut
lüftbaren Wohnungen schwärmt und das Bad wirklich ohne
Freilicht) usw., dann nach einer gewissen Zeit kann der
Vermieter zurückrufen, dass die Wohnung leider doch nicht zu
haben ist.

So könnte man natürlich auch handeln.

Bei der zweiten Situation können verschiedenste Gründe da
sein, es kann sein, dass B tatsächlich mit A hätte arbeiten
wollen, jedoch aus x-welchen Gründen andere Personen für
besonders wünschenswert hält oder z. B. denkt, dass er mit den
anderen besser zusammenarbeitet.

Es war mit hoher Wahrscheinlichkeit so, dass es für B von Anfang an nicht in Frage kam, mit A zusammenzuarbeiten - nicht, weil B sich schlecht mit A verstand, sondern weil B etwas gegen die Themen hatte und die Alternative hatte, das selbe später mit anderen Themen _und_ mit einem guten Freund (statt der x-beliebigen Person A) zu machen.

In so einer Situation ist es dann aber äusserst schwierig, dem
andern mit guten Gründen abzusagen.

Warum kann B nicht einfach sagen: „Tut mir leid, ich hatte schon vorher mit meinem Freund vereinbart, zusammenzuarbeiten“ oder die Notlüge „Ich bin in dieses Semester/ diese Semesterferien so beschäftigt, dass ich keinesfalls das Referat halten/ vorbereiten kann.“
Dann weiß A, dass es definitiv so ist (und darauf kommt’s an) und geht nicht davon aus, dass B nur das Thema nicht so sehr mag, aber trotzdem Referatspartner sein würde.

Am besten geht immer noch:
„Ich hab nun so viele andere Termine, vorläufig muss ich das
eine Zeitlang hinausschieben“

Warum „darf“ man in dieser Situation nicht gleich sagen (behaupten), dass man absolut keine Zeit hat? Das wird auch nicht zu mehr Missmut führen und würde dem anderen mehr Zeit geben, sich auf die Situation einzustellen (und z.B. noch jemand anderen zu finden, mit dem man zusammenarbeiten kann, bevor alle vergeben sind).
Oder siehst du das anders?

und bei Nachfrage: „Es geht
vorläufig unmöglich, in deinem Interesse ist es wohl besser,
wenn du einen andern suchst, und nein, über meine Gründe kann
ich nicht reden, aber es geht mir schon gut, ich habe einfach
wirklich kaum Zeit“

Statt später fände ich es sinnvoll, dies gleich zu sagen (also, sobald die Frage gestellt wird, ob man zusammenarbeiten kann) - fände ich zumindest fair _und_ freundlich.

oder „es tut mir leid, es geht doch nicht,
ich hatte mal schon länger mit X und Y abgemacht und dann
geglaubt, diese melden sich nicht mehr, aber weil ich jetzt
bei ihnen mitmachen kann, wäre es mir zuviel, hier auch noch;
bitte entschuldige“.

Oder auch dies - aber gleich sagen.

Viele Grüße,
Nina

Hallo Tychi,

ich bin jemand, der Zuverlässigkeit sehr hoch schätzt, und
sehr empfindlich reagiert, wenn sich jemand als unzuverlässig
erweist.

genauso geht es mir auch :smile:
Und darum hat mich das beschriebene Verhalten gestört, da ich es als hochgradig unzuverlässig finde. Dabei empfinde ich nicht primär die Absage als unzuverlässig, sondern das Herumducksen.

Ich möchte den Begriff „Versäumnis“ einführen. Immer dann,
wenn jemand ankündigt etwas zu tun, es dann aber nicht tut,
macht er sich des Versäumnisses schuldig. Dabei spielt
zunächst keine Rolle, warum er es versäumt hat, seiner
Ankündigung Taten folgen zu lassen.
Es kommt vor, dass jemand sein Versäumnis vorher ankündigt.
Dies nennt man dann Absage.

Ja genau.
Und hier ging es explizit um Dinge, die man vorher vereinbaren bzw. absagen muss und auch nichts, das jemand versäumt hat. Es wurde ja kein Rückruf oder ein Referatstermin „verpennt“, sondern schlichtweg auch bei Rückfrage nicht zugegeben, dass man die Wohnung nicht vermieten oder das Referat nicht zusammen halten möchte.

Ein Spezialfall der Absage ist die, die mit einer erneuten
Ankündigung einhergeht: Ich kann um 20:00 nicht kommen, würde
aber dafür morgen zum Frühstück kommen. Natürlich ist dies
nichtsdestoweniger eine Absage.

Das ist eine Absage mit einer gewissen „Entschuldigung“ - und wird dann die Alternative einfach nicht eingehalten, wirkt es durchaus frech.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es im Privaten
heutzutage häufiger zum Versäumnis kommt als zur tatsächlichen
Durchführung der angekündigten Handlung.

Das ist mir bezüglich mancher Leute auch aufgefallen.
Aber würdest du die beschriebenen Fälle auch als Versäumnis bezeichnen?

Oder, anders herum: Warum sagen viele Leute etwas zu, von dem sie wissen, dass sie es absagen müssen/ werden?

Meine Analyse ist folgende: Ob jemand eine Ankündigung wahr
macht, hängt sehr stark von seinen Interessen ab. Klingt
trivial, aber ist es gar nicht, wenn man bedenkt, dass es ja
auch zum größeren Teil von den Interessen des Menschen
abhängen könnte, dem gegenüber er die Ankündigung geäußert
hat.

Nur: Warum werden Ankündigungen gemacht, wenn man sich sicher ist, diese nicht wahr zu machen?
Warum wird z.B. einem sich telefonisch meldenden potentiellen Mieter gesagt, die Wohnung müsse noch renoviert werden und es dauere „eine Woche oder so“ bis zur Besichtigung (und dann weitere Ausreden), anstatt schlichtweg etwas zu sagen/behaupten, das klar macht, dass die Chancen auf die Wohnung exakt Null sind (schon vermietet)?
Letzteres wäre doch viel einfacher - da braucht man nicht einmal eine scheinbare Vereinbarung treffen, wird nicht mehr durch Anrufe „belästigt“ und muss sich nicht erneute Ausreden einfallen lassen.

Wenn ICH etwas von jemandem will, dann werde ich mich eher an
eine Verabredung halten, als wenn ER etwas von mir will.

Klar.

„Ah ja“, wird man sagen, „die Ich-Bezogenheit des modernen
Menschen und sein Egoismus sind schuld“, und damit Recht
haben.

Schon klar. Nur: Dieses Herumducksen wie oben beschrieben passt kaum zum Egoistisch-Sein. Immerhin führt es dazu, dass man sich weiter mit der Situation beschäftigen muss, man erneut „gestört“ wird, sich Ausreden ausdenken muss (wie der Vermieter, der laufend Anrufe bekommt, ob es mit der Wohnung doch noch was wird).
Ein wirklich egoistischer Mensch würde hier doch eher klipp und klar sagen, dass nichts daraus wird - eben, um Ruhe zu haben.

Diese drei Komponenten, also Egoismus, Erlebnis-Optimierung
und Absagen-Können ohne großen Aufwand, sorgen dafür, dass
Versäumnisse so häufig sind.

Das trifft natürlich auf Versäumnisse bei bereits getroffenen Versprechen zu.
Aber warum werden solche Versprechen gemacht, wenn klar ist, dass sie nicht eingehalten werden können bzw. man sie nicht einhalten will?
Das verstehe ich nicht, da es dem zuwider läuft.

Jetzt gibt es aber einen wichtigen Punkt, der endlich, nach
dieser langen und unnötigen Vorrede, deine Frage adressiert:
Jemanden nicht enttäuschen wollen.

Mit dem Verhalten erzielt man aber genau das: Den anderen (sehr) enttäuschen.
Was meinst du, wie enttäuscht jemand ist, der wochen- bis monatelang denkt, mit jemand bestimmtem ein Referat zu halten und dann die Absage so kurzfristig erhält, dass sich kein neuer Referatspartner finden lässt und man alles alleine machen muss? :wink:
Oder jemand, der spätabends fertig angezogen und geschminkt fürs Ausgehen telefonisch eine Absage bekommt und es arg zu spät für eine Alternative ist, da alle Freunde die evl. Zeit gehabt hätten schon etwas anderes vor haben - sicherlich unangenehmer, als wenn nachmittags oder einen Tag zuvor das Telefon diesbezüglich klingelt und man sich noch eine Alternative für den Abend überlegen kann.

Sicherlich enttäuschter als jemand, der gleich erfährt das daraus nichts wird, und noch genug Zeit hat, sich nach einer Alternative umzusehen.

Es gab mindestens ein psychologisches Experiment, das deutlich
gezeigt hat, dass Menschen es als unangenehm empfinden, einen
anderen Menschen zu enttäuschen. Wir sind ja keine
Psychopathen, sondern durchaus zu Mitgefühl fähig.

Aber _gerade_ weil man zu Mitgefühl fähig ist, ist es unlogisch, wie oben beschrieben zu handeln.
Kann ich mich in mein Gegenüber hineinversetzen, weiß ich, wie unangenehm es ist, eine Absage zu erhalten - aber ich weiß dann auch, dass es unangenehmer ist, eine Absage „auf den letzten Drücker“ anstatt frühzeitig zu erhalten. Folgerichtig würde derjenige, der es unangenehm findet andere zu enttäuschen, aufgrund seines Mitgefühls ehrlich sein und sofort absagen bzw. gar nicht erst die Vereinbarung treffen.
(Aus exakt diesem Grund handele ich wie zuletzt beschrieben - Absagen immer so früh wie möglich.)

  1. Das Unterdrücken der eigentlich einfach zu begreifenden
    Tatsache, dass ein Versäumnis, das das Gegenüber anhand
    ausbleibender Handlungen erst über längere Zeit entdecken
    muss, zu einer mindestestens ebenso großen Enttäuschung führt
    wie eine klar formulierte Absage.

Genau das.

Im Grunde sind dies die sanfteren Menschen, die die nicht hart
sein können.

Dies habe ich auch schon festgestellt. Sind oft sehr harmoniebedürftige Menschen, die aber irgendwie nicht merken, dass dieses Verhalten sehr „harmoniefeindlich“ ist.

Zweite Gruppe:
Menschen, die sich aus Gewohnheit immer alle Möglichkeiten
offen halten wollen, die Verbindlichkeiten scheuen und denen
es egal ist, ob die Menschen, die sie hinhalten, darunter
leiden.

Das gibt es auch, passt aber kaum zu obigen Beispielen - da jeweils von vornherein feststand, dass daraus nichts wird und auch schon die Alternative feststand.

Die aus der ersten Gruppe haben also besonders viel Mitgefühl, die :aus der zweiten besonders wenig.

Eigentlich müsste man sagen, dass die Menschen aus beiden Gruppen wenig Mitgefühl haben - die aus ersterer Gruppe versuchen zwar noch, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen, schaffen dies aber nicht.

Viele Grüße,
Nina

Hallo Nina,

Warum kann B nicht einfach sagen: „Tut mir leid, ich hatte schon
vorher mit meinem Freund vereinbart, zusammenzuarbeiten“

Selbst wenn dies stimmt, weiss B es vermutlich über längere Zeit nicht. Dass er darüber nachdenken sollte, versteht sich.

dass man absolut keine Zeit hat

kaufe ich nicht jedem ab, aber im Prinzip: ja, es ginge.

gleich sagen

kann man nur, wass man „gleich weiss“. Leider nicht jede/-r.

Hi Nina,

ich bin jemand, der Zuverlässigkeit sehr hoch schätzt, und
sehr empfindlich reagiert, wenn sich jemand als unzuverlässig
erweist.

genauso geht es mir auch :smile:

Wahrscheinlich geht es sogar den meisten Menschen so. Auch die Unzuverlässigen erwarten Zuverlässigkeit von anderen.

Und darum hat mich das beschriebene Verhalten gestört, da ich
es als hochgradig unzuverlässig finde. Dabei empfinde ich
nicht primär die Absage als unzuverlässig, sondern das
Herumducksen.

Sehe ich auch so.

Oder, anders herum: Warum sagen viele Leute etwas zu, von dem
sie wissen, dass sie es absagen müssen/ werden?

Wenn sie es schon ganz sicher wissen, dass sie nicht können, sagen nur noch Gestörte zu, würde ich sagen.
Aber viele sagen zu, wenn es durchaus sein kann, dass sie es nicht einhalten können. Dann sagen sie nicht etwa: „Ich weiß es jetzt noch nicht. Ich sage dir bis … Beschreid“, sondern machen eine Zusage. Keine Ahnung warum. Gedankenlosigkeit vielleicht.

Nur: Warum werden Ankündigungen gemacht, wenn man sich sicher
ist, diese nicht wahr zu machen?
Warum wird z.B. einem sich telefonisch meldenden potentiellen
Mieter gesagt, die Wohnung müsse noch renoviert werden und es
dauere „eine Woche oder so“ bis zur Besichtigung (und dann
weitere Ausreden), anstatt schlichtweg etwas zu
sagen/behaupten, das klar macht, dass die Chancen auf die
Wohnung exakt Null sind (schon vermietet)?

Manchmal springen Mieter im letzten Moment ab. Es kann auch sein, dass sie schon unterschrieben, aber noch kein Geld überwiesen haben und sich dann aus dem Staub machen. Vielleicht wollte er dich für diesen Fall warmhalten.
Ist natürlich eine miese Tour.

Letzteres wäre doch viel einfacher - da braucht man nicht
einmal eine scheinbare Vereinbarung treffen, wird nicht mehr
durch Anrufe „belästigt“ und muss sich nicht erneute Ausreden
einfallen lassen.

Du, oftmals ist die richtige Erklärung für seltsames Verhalten ganz einfach, dass die betreffende Person bekloppt ist.

Ein wirklich egoistischer Mensch würde hier doch eher klipp
und klar sagen, dass nichts daraus wird - eben, um Ruhe zu
haben.

Ja, das leuchtet ein.

Aber warum werden solche Versprechen gemacht, wenn klar ist,
dass sie nicht eingehalten werden können bzw. man sie nicht
einhalten will?
Das verstehe ich nicht, da es dem zuwider läuft.

Bin ich auch überfragt.

Was meinst du, wie enttäuscht jemand ist, der wochen- bis
monatelang denkt, mit jemand bestimmtem ein Referat zu halten
und dann die Absage so kurzfristig erhält, dass sich kein
neuer Referatspartner finden lässt und man alles alleine
machen muss? :wink:

Brauchst du MIR nicht zu erklären. Ich versuche immer verbindlich zu sein und zu sagen, was Sache ist.

Oder jemand, der spätabends fertig angezogen und geschminkt
fürs Ausgehen telefonisch eine Absage bekommt und es arg zu
spät für eine Alternative ist, da alle Freunde die evl. Zeit
gehabt hätten schon etwas anderes vor haben - sicherlich
unangenehmer, als wenn nachmittags oder einen Tag zuvor das
Telefon diesbezüglich klingelt und man sich noch eine
Alternative für den Abend überlegen kann.

Ist mir neulich erst passiert. Ich mache mich fertig und freue mich auf das Treffen und bekomme gewissermaßen beim Verlassen des Hauses die Nachricht, dass es kein Treffen geben wird.

Aber _gerade_ weil man zu Mitgefühl fähig ist, ist es
unlogisch, wie oben beschrieben zu handeln.
Kann ich mich in mein Gegenüber hineinversetzen, weiß ich, wie
unangenehm es ist, eine Absage zu erhalten - aber ich weiß
dann auch, dass es unangenehmer ist, eine Absage „auf den
letzten Drücker“ anstatt frühzeitig zu erhalten. Folgerichtig
würde derjenige, der es unangenehm findet andere zu
enttäuschen, aufgrund seines Mitgefühls ehrlich sein und
sofort absagen bzw. gar nicht erst die Vereinbarung treffen.

Nicht ganz. Das wäre dann rationales Handeln (ich ÜBERLEGE mir was für den anderen wohl unangenehmer wäre). Beim Mitgefühl meine ich das echte GEFÜHL, das man in dem Moment hat, in dem man dem anderen absagt.

Tychi

Hi,

Herumducksen

jetzt muss ich doch mal nachfragen. Du hast es ja schon mehrmals so geschrieben, also kann es sich nicht um einen Tippfehler halten. Sagst du wirklich „herumducksen“? Ich kenne nur „herumd r ucksen“…

Gruß
Steffie

Hallo Steffie,

jetzt muss ich doch mal nachfragen. Du hast es ja schon
mehrmals so geschrieben, also kann es sich nicht um einen
Tippfehler halten. Sagst du wirklich „herumducksen“? Ich kenne
nur „herumd r ucksen“…

ich kenne das Wort nur ohne „r“.
Ich habe mal gegoogelt - man findet beides.
Der „Duden“ sagt aber, man schreibt’s mir „r“ - und das werde ich in Zukunft auch tun :smile:
Danke für den Hinweis!

Viele Grüße,
Nina

Hallo Tychi,

Manchmal springen Mieter im letzten Moment ab. Es kann auch
sein, dass sie schon unterschrieben, aber noch kein Geld
überwiesen haben und sich dann aus dem Staub machen.
Vielleicht wollte er dich für diesen Fall warmhalten.
Ist natürlich eine miese Tour.

nö, es war so - wie ich dann erfuhr - dass sie die Wohnung doch nicht vermieten wollten (somit wohl weder ich, noch ein anderer potentieller Vermieter in Frage gekommen wäre).

Letzteres wäre doch viel einfacher - da braucht man nicht
einmal eine scheinbare Vereinbarung treffen, wird nicht mehr
durch Anrufe „belästigt“ und muss sich nicht erneute Ausreden
einfallen lassen.

Du, oftmals ist die richtige Erklärung für seltsames Verhalten
ganz einfach, dass die betreffende Person bekloppt ist.

:wink:
Dann müssten aber sehr viele Leute „bekloppt“ sein, da ich ein solches Verhalten schon so oft beobachtet habe.

Was meinst du, wie enttäuscht jemand ist, der wochen- bis
monatelang denkt, mit jemand bestimmtem ein Referat zu halten
und dann die Absage so kurzfristig erhält, dass sich kein
neuer Referatspartner finden lässt und man alles alleine
machen muss? :wink:

Brauchst du MIR nicht zu erklären. Ich versuche immer
verbindlich zu sein und zu sagen, was Sache ist.

Das habe ich auch nicht dir erklärt :wink:
Meinte eher: Ich denke, es müsste doch jedem klar sein, dass man mit einer kurzfristigen Absage denjenigen umso mehr enttäuscht und es nicht geeignet sein kann als Mittel, wenn man den anderen nicht enttäuschen will.
Aber hier denken wohl diejenigen, die dies tun, zu kurzfristig: „Ich will ihn nicht enttäuschen - also sage ich es ihm nicht.“ Quasi: Das Übermitteln der Nachricht wird als schlimmer als der Inhalt angesehen.

Nicht ganz. Das wäre dann rationales Handeln (ich ÜBERLEGE mir
was für den anderen wohl unangenehmer wäre). Beim Mitgefühl
meine ich das echte GEFÜHL, das man in dem Moment hat, in dem
man dem anderen absagt.

Okay. Das halte ich durchaus für zutreffend. Es wird sich nur auf den Moment des Absagens bezogen, und da als schlimm empfunden, wird es hinausgezögert (ohne zu bedenken, dass Hinauszögern die Sache rational gesehen schlimmer macht).

Danke schon mal für die Erklärung!

Viele Grüße,
Nina

Hallo Mike,

Warum kann B nicht einfach sagen: „Tut mir leid, ich hatte schon
vorher mit meinem Freund vereinbart, zusammenzuarbeiten“

Selbst wenn dies stimmt, weiss B es vermutlich über längere
Zeit nicht. Dass er darüber nachdenken sollte, versteht sich.

ab einem bestimmten Zeitpunkt weiß B es aber und könnte dann sofort A informieren.

gleich sagen

kann man nur, wass man „gleich weiss“. Leider nicht jede/-r.

Damit meinte ich: Sobald feststeht, dass man absagen muss, es gleich sagen. Also sobald B mit dem Freund vereinbart hat, mit ihm (statt mit A) zusammenzuarbeiten, _gleich_ A informieren dass man nicht zusammenarbeiten kann.

Viele Grüße,
Nina

Vielleicht ein Problem von A?
Hallo

es gibt 2 Möglichkeiten die ich sehe. Entweder ist A schwer von Begriff und versteht nicht genau was der Gegenüber A sagen will

Oder A ist schwer von Begriff und versteht nicht einfach nochmal tacheles zu reden wenn gedruckst wird…

Es kann auch sein das die anderen denken A ist ein freak und wollen A nicht verletzen…

Im Grunde ist es aber egal was es genau ist, A sollte es sich einfach zu herzen nehmen das die anderen etwas komplizierter sind. Das die Kommunikation eine verdammt komplizierte Sache ist. A sollte lernen mit solchen Dingen klar zu kommen, denn A sollte wissen dass es nicht die anderen Mitglieder des Alphabets ändern kann sondern nur sich selbst.

Manchmal muss man über solche Dinge auch reden, da geb ich A recht.

Ich denke dass weder die B’s oder C’s noch das A einen „Schaden“ haben, jedenfalls nicht mehr als die übrigen
M’s-e’s-n’s-s’s-c’s-h’s-e’s-n’s :wink:

Hallo Daniel,

Oder A ist schwer von Begriff und versteht nicht einfach
nochmal tacheles zu reden wenn gedruckst wird…

eher unwahrscheinlich - bei A handelt es sich nicht immer um die selbe Person, das betrifft Leute quer durch alle Bildungsschichten, betrifft auch nicht ausschließlich Leute mit unterdurchschnittlicher Menschenkenntnis.

Zum „Tacheles reden“:
Das könnte evl. helfen - nur wird man dies kaum tun, wenn eine Situation nicht entsprechend wirkt (C sagt zu A, dass ihm das Thema nicht ganz so recht ist, A sich aber auf jeden Fall (!) noch melden solle falls A kein anderes Thema mit jemandem nehmen kann - das wirkt doch eindeutig nach „zur Not machen wir, C und A, das Referat zusammen!“).

Es kann auch sein das die anderen denken A ist ein freak und
wollen A nicht verletzen…

Auch eher unwahrscheinlich bzgl. „Freak“ - es ging um ganz verschiedene Situationen, oft auch um solche, in denen B und C wenig
von A mitbekommen hat bzw. A sich nicht „auffällig“ verhalten hat (A ruft an, „Guten Tag, ich hatte gesehen dass Sie in der xyz-Zeitung eine Wohnung inseriert haben…“). Das ist ein x-beliebiger Kontakt, austauschbar.

Der Punkt, andere nicht verletzen zu wollen, spielt sicher auch eine Rolle.

Im Grunde ist es aber egal was es genau ist, A sollte es sich
einfach zu herzen nehmen das die anderen etwas komplizierter
sind. Das die Kommunikation eine verdammt komplizierte Sache
ist. A sollte lernen mit solchen Dingen klar zu kommen, denn A
sollte wissen dass es nicht die anderen Mitglieder des
Alphabets ändern kann sondern nur sich selbst.

Mir - aber bei weitem nicht nur mir! - geht es auch öfter mal wie A.
Ich habe mir da schon angewöhnt, bei kleineren Unsicherheiten des anderen („eher nicht so gerne“, „mal sehen“) nochmal nachzuhaken.

Was mich eher interessierte und interessiert:
_Warum_ verhält sich jemand wie B und C, was erwarten sich diese
Personen davon?
Dass sowas passiert, ist mir bekannt, und auch, wie man solche Missverständnisse besser vermeiden kann (eben: bei „eher nicht so gerne“, „mal sehen“, wenn etwas mehrmals verschoben wird u.ä. nochmal nachhaken).

Ich denke dass weder die B’s oder C’s noch das A einen
„Schaden“ haben, jedenfalls nicht mehr als die übrigen
M’s-e’s-n’s-s’s-c’s-h’s-e’s-n’s :wink:

Von „Schaden“ würde ich auch nicht reden.
Mich interessieren nur einfach menschliche Verhaltensweisen, gerade, wenn sie zumindest auf den ersten Blick wenig nachvollziehbar wirken (weder B noch C tun sich oder A mit dem Verhalten einen Gefallen).

Viele Grüße,
Nina