Nicht-Weiterdenken

Hallo,

es fällt mir auf, daß zunehmend „nicht-weiter-gedacht“ wird. Sind Menschen heute leichter manipulierbar?

Das Beispiel: Der Atomausstieg.

Früher waren es Alternative, Bewußte, Nachdenkende, die den Atomausstieg forderten und auch stromsparend lebten. Wir liebten Kerzen und das helle Neon-Licht der Kaufhäuser war uns ein Graus.
Heute wollen Menschen den Atomausstieg, ohne irgendetwas zu verändern.

Der Bundestag beleuchtet, ohne etwas zu verändern
Die Weihnachtsmärkte verbrauchen Strom ohne Ende
Ein Haushalt verbraucht Strom, gedankenlos Kleiner Tischstaubsauger, Parmesan wird elektrisch gerieben, Fernseher und Radio.
Läden beleuchten jedes einzelne Produkt.

Aber alle sind für den Atomausstieg, aber jeder würde sich beschweren, wäre seine Straße nicht beleuchtet.

Realitätsverlust unserer Gesellschaft?
Ich will etwas, will aber nichts dafür tun, nichts verändern.
Auch in Beziehungen/Ehen spielt dies zunehmend eine Rolle.

Was mich interessiert:
Seit wann hat sich das verändert?
Sind wir manipulierbarer als früher?
Hinterfragen wir nicht mehr und durch was werden wir abgelenkt?
Gibt es psychologisch schon einen Namen für diese Blockade oder gibt es wissenschaftliche Studien dazu?

Danke im voraus
Karin

Hallo Schlummerle,

was du da anführst, sind keine probleme der Psychologie aber dass du sie aufführst, könnte durchaus eines sein. Aber eher bei DIR. Du glaubst, die anderen sind alle falsch - aber du weisst, wie es sein müsste.

Das Beispiel: Der Atomausstieg.

Früher waren es Alternative, Bewußte, Nachdenkende, die den
Atomausstieg forderten und auch stromsparend lebten. Wir
liebten Kerzen und das helle Neon-Licht der Kaufhäuser war uns
ein Graus.

Wenn jemand mit Kerzen Strom sparen will, dann hat er einen Knall! Die Kerzen kommen ja auch irgendwo her und man müsste mal die Energiebilanz einer Kerze untersuchen und die dann mit dem Aufwand für die Beleuchtung vergleichen.

Heute wollen Menschen den Atomausstieg, ohne irgendetwas zu
verändern.

Wer sagt denn das? Ist ein Ausstieg denn keine Veränderung?

Der Bundestag beleuchtet, ohne etwas zu verändern
Die Weihnachtsmärkte verbrauchen Strom ohne Ende
Ein Haushalt verbraucht Strom, gedankenlos Kleiner
Tischstaubsauger, Parmesan wird elektrisch gerieben, Fernseher
und Radio.

Diese kleinen Helfer wie elekrische Dosenöffner und so Zeug brauchen für ihre Herstellung mehr Energie, als sie in ihren Gebrauchsleben je verbrauchen werden. Um das Material deines Eheringes zu gewinnen müssen einige Kubikmeter Erde umgedreht werden, mit riesigen LKW transportiert, gewaschen, getrennt, geschmolzen, transportiert werden …Und für Kupferkabel, Aluminium etc gilt das gleiche …

Und du redest von den kleinigkeiten wie Strom für Beleuchtung!

Aber alle sind für den Atomausstieg, aber jeder würde sich
beschweren, wäre seine Straße nicht beleuchtet.

Sagst Du!

Realitätsverlust unserer Gesellschaft?
Ich will etwas, will aber nichts dafür tun, nichts verändern.
Auch in Beziehungen/Ehen spielt dies zunehmend eine Rolle.

Ach ja?

Was mich interessiert:
Seit wann hat sich das verändert?
Sind wir manipulierbarer als früher?

Ja, wir haben das Wissen und die Lebenserfahrung an Experten abgegeben. Aber du bist auch dabei: Du pickst dir ein paar Kleinigkeiten heraus (hier die Beleuchtung, die keine große Rolle spielt) und schließt dann auf die große weite Welt.

Hör dir mal den Aula - Vortrag „Selbstbeweusst und kompetent“ von SWR 2 an:
http://www.swr.de/swr2/wissen/swr2wissen-podcasts/-/…

Hinterfragen wir nicht mehr und durch was werden wir
abgelenkt?

Wir haben unseren Verstand an die Experten abgegeben und verlassen uns auf die.
Gruß
PW

Moinsen,

natürlich es gibt viele Menschen, die weiterdenken.

Manche Menschen glauben tatsächlich immer noch, das klassischen Medien wie Fernsehen und Zeitung per se immer die Wahrheit sagen und das die Infos aus dem Internet per se unglaubwürdig sind.

Andere Menschen schauen sich die Tagesschau an und suchen anschließende im Internet nach weiteren Informationen und bilden sich dann eine Meinung. Du würdest dich wundern, was du allein bei Youtube an Dokumentationen findest die nie im Fernsehen ausgestrahlt wurden (oder erst nach 23:30 Uhr).

Google z.B. einfach mal nach Retalin, Psychopharmaka, Psychatrie, Atomausstieg, Neue Germanische Medizin, Impfschäden, BRD, Klima, 9/11, Evolutionstheorie usw. und schaue dir dann die Seiten an, von den du noch nie etwas gehört hast.

Zu deiner letzten Frage: ich glaube, es gibt einen Namen für diese „Blockade“. Sigmund Freud hat die narzistische Kränkung beschrieben. Vielleicht passt das. :smile:

Gruß Ralf

Hallo,

es fällt mir auf, daß zunehmend „nicht-weiter-gedacht“ wird.
Sind Menschen heute leichter manipulierbar?

Dem ist nicht so. Wenn man sich die politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen der Vergangenen Jahrhunderte in unserem Land ansieht, kommt man nicht zum Schluss, dass die Menschen viel weiser waren.

Menschliche Entscheidungen werden mehr oder weniger emotional getroffen. Bei der Bildung einer Meinung spielt eine große Rolle, wie die Mitmenschen denken. Emotiale Berichte und Filme spielen eine große Rolle. Nackte Fakten sind da eher untergeordnet.

Warum hast du beispielsweise diese Frage ins Forum gestellt?
Denk,
denk
denk,…

Weil du dich aufgeregt hat. Was hat dich aufgeregt?
Mitleid?
Eine Kränkung?
Das Gefühl einer großen Ungerechtigkeit?

Nein, es waren Ängste. Die Angst, dass in Zukunft der Strom teuerer wird und dass es zu Stromausfällen kommt.

Das Beispiel: Der Atomausstieg.

Denk nach.
Der Beschluss eines beschleunigten Atomausstiegs kam von Parteien, die der Kernernergie positv gegenüber steht. Sie hat diesen Beschluß aus Panik gefasst, in den Wahlen gnadenlos abzustürzen.
Die CDU hat zwar an Wählergunst eingebüsst, aber bei striktem Festhalten an der Atompolitik musste sie Fürchten auf SPD-Niveau zu sinken und zudem nicht mit den Grünen koalieren zu können.
Der Beschluss der Regierung war also nicht die Folge eines „Nicht-Weiterdenken“, sondern die Folge von einer Mischung aus Ängsten und rationalen Überlegungen.

Warum nun sind die Wähler gegen Kernenergie. Auch hier gibt es eine Mischung aus Ängsten und rationalen Überlegungen, wobei hier die Ängste massiv überwiegen.

Ängste sind nun mal Emotionen und beruhen nicht auf der Bewertung von statistischen Risikoanalysen.
Der Eine hat mehr Angst vor einer radioaktiven Verseuchung, der Andere vor Stromausfällen.

Gibt es psychologisch schon einen Namen für diese Blockade
oder gibt es wissenschaftliche Studien dazu?

Schon mal in Betracht gezogen, dass Manche derjenigen, die für einen schnellen Ausstieg sind, einfach besser informiert und klüger sind als du?
Reg’ dich bitte nicht auf, sondern überdenke diese Aussage nochmal.

Gruß
Carlos

Hallo,

Menschliche Entscheidungen werden mehr oder weniger emotional
getroffen.
Bei der Bildung einer Meinung spielt eine große
Rolle, wie die Mitmenschen denken. Emotiale Berichte und Filme
spielen eine große Rolle. Nackte Fakten sind da eher
untergeordnet.

Warum hast du beispielsweise diese Frage ins Forum gestellt?
Denk,

Das ist ganz einfach:
Ich wundere mich zunehmend über Antworten auf meine Fragen:

„Gehst Du zur Wahl?“:
„Nein, das hat keinen Sinn. Alle machen sowieso was sie wollen“.
Nicht-Weiter-Denken hier: Es ist eine Stimme verloren.
Früher haben wir politisiert, das Für und Wider der einzelnen Parteien diskutiert.

„Was hälst Du vom Atomausstieg“?
„Ist super, endlich, Bio!“
„Und wo kommt der Atommüll hin?“
„Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht“
„Und wo soll der Strom dann herkommen?“
„Von den Windkrafträdern“
Nicht-Weiter-Denken hier!

Weil du dich aufgeregt hat.

Ja, ich habe mich aufgeregt, ich lebe noch!

Was hat dich aufgeregt?
Mitleid?
Eine Kränkung?
Das Gefühl einer großen Ungerechtigkeit?

Nein, es waren Ängste. Die Angst, dass in Zukunft der Strom
teuerer wird und dass es zu Stromausfällen kommt.

Das Beispiel: Der Atomausstieg.
Denk nach.

Das tu ich immer.

Der Beschluss der Regierung war also nicht die Folge eines
„Nicht-Weiterdenken“
sondern die Folge von einer Mischung aus
Ängsten und rationalen Überlegungen.

Wobei für mich die rationalen Überlegungen überwiegen. Gerade die Regierung „denkt ja weiter“ in Bezug auf
Atomausstieg ist für mich lächerlich, wenn gleichzeitig hinter den östlichen Grenzen neue Atomkraftwerke gebaut werden. Werden die Atomkraftgegner im Bayrischen Wald dann umziehen?

Warum nun sind die Wähler gegen Kernenergie. Auch hier gibt es
eine Mischung aus Ängsten und rationalen Überlegungen, wobei
hier die Ängste massiv überwiegen.

Psycholgisch-verhaltenstherapeutisch gesehen, sollte in die Angst hineingegangen, sie angeschaut, ausgehalten und dann, mit dem Angstobjekt (ob Spinne oder Maus)leben zu können.
Wenn hier die Ängste massiv überwiegen ist das Leben doch sehr eingeschränkt, mit Ängsten ist keine freie Entscheidungswahl möglich.

Ich gehe auch nachts als Frau aus dem Haus obwohl die Vergewaltigungsstatistik in diesem Stadtteil sehr hoch ist oder einem Raub zum Opfer fallen könnte.

Ängste sind nun mal Emotionen und beruhen nicht auf der
Bewertung von statistischen Risikoanalysen.

Und deshalb Abschaltung der Atomkraftwerke?
Deshalb Zukauf von Strom aus anderen Ländern?
Deshalb die Verteuerung von Strom?
Deshalb Windparks?

Gibt es psychologisch schon einen Namen für diese Blockade
oder gibt es wissenschaftliche Studien dazu?

Ich sprach von der Blockade des Nicht-Wissen-Wollens und woher sie resultiert. Wie Du meinst aus Angst. Man könnte psychologische Beratungsstellen dazu einrichten?

Schon mal in Betracht gezogen, dass Manche derjenigen, die für
einen schnellen Ausstieg sind, einfach besser informiert und
klüger sind als du?

Nein, noch gar nie.

Reg’ dich bitte nicht auf, sondern überdenke diese Aussage
nochmal.

Ich bin ganz entspannt und lehne mich jetzt mit einem Lächeln zurück.
Danke, Carlos

Karin

[MOD] Auf den psychologischen Aspekt beschränken
Hallo zusammen,

da dieser Artikel auch politischen Zündstoff enthält, bitte ich darum, in diesem Brett ausschließlich die psychologische Fragestellung zu behandeln.

Da dies hier das Psychologiebrett ist, werden Artikel mit vorwiegend politischen Antworten gelöscht.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo,

Ich wundere mich zunehmend über Antworten auf meine Fragen:

„Gehst Du zur Wahl?“:
„Nein, das hat keinen Sinn. Alle machen sowieso was sie
wollen“.
Nicht-Weiter-Denken hier: Es ist eine Stimme verloren.
Früher haben wir politisiert, das Für und Wider der einzelnen
Parteien diskutiert.

Mir ist jetzt der passende Fachausdruck eingefallen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ignoranz

Und nun die entscheidende Frage. Wie lässt sich Ignoranz messen und gibt es Studien, die eine Zunahme von Ingnoranz in den letzten Jahren/Jahrzehnten belegen?

Was in Studien, z.B. der Shell Jugendstudie gemessen wurde, war der grad der Politisierung. Diese hat durchaus seit den 70er 80er Jahren abgenommen.
Bedeutet nun der höhere Grad an Politisierung, dass die Menschen weiter gedacht haben? Nicht unbedingt, es war eine Modeströmung. Viele haben die Parolen und Argumente ihrer Peergroup aufgegriffen. Eine wirkliche tiefe Auseindersetzung mit dem Thema und ein vorurteilslose Betrachtung war aber genauso die Ausnahme, wie sie es heute ist.

Übrgens finde ich Ignoranz nicht per se als schlecht, sondern als eine absolute Notwendigkeit. Du kannst als Mensch nur Leben, wenn du unzählige Dinge ignoriert.

Gruß
Carlos

3 „Gefällt mir“

Hallo Carlos,

Übrgens finde ich Ignoranz nicht per se als schlecht, sondern
als eine absolute Notwendigkeit. Du kannst als Mensch nur
Leben, wenn du unzählige Dinge ignoriert.

Genau! Und um zur Psychologie zurückzukommen: Jeder Mensch ist ein freies Individuum. Einer ignoriert jenes und kämpft für das andere und umgekehrt. Das sollte auch so bleiben. Ich bin dabei.

Gruß
Karin

Nachtrag:

Ja - genau, das Wort Ignoranz war es!
Danke!

Karin

Als anlassbedingt wieder ab und an hier Mitlesender hab´ ich diesen Eintrag zwar etwas verspätet, aber immerhin noch erspäht.
Trotzdem noch mein Kommentar dazu:

Die Fragestellung ist hier in diesem Forum, wo die „wissenschaftlichen“ Vermutungen als Maßstab im Vordergrund stehen und auch so moderiert werden, nicht wirklich ausdiskutierbar.

Ich will daher nur noch auf einen zwar banalen, in seinen Auswirkungen auf die Praxis aber folgenschweren Logikfehler hinter allen diesen Vermutungen hingewiesen haben:

Jedes beliebige, an einem/jedem Menschen beobachtbare und dann natürlich auch beschreibbare „Symptom“, sei dieses auf der individuellen Ebene eines körperlicher Natur („medizinisch“) oder eines, das Verhalten betreffend („psychologisch“), aber auch alle solche auf der kollektiven Ebene, setzt, um hinsichtlich dessen tatsächlicher Ursache auch erklärt werden zu können, das Verständnis des Menschen an sich in seiner GANZHEIT voraus!

Wird diese TATSACHE ignoriert (was in der „wissenschaftlichen“ Vorgangsweise aber der Fall ist), ist jede Aussage oder Schlussfolgerung in Bezug auf die Ursache bereits falsch!

Ich erspare mir hierzu nun aber eine zu lange Begründung, weil ich – wie der Zufall halt so spielt :smile: – vor einigen Wochen genau darüber auch einen Kommentar auf meinem Blog publiziert habe:
http://gertkriwetz.wordpress.com/ursachenforschung-h…

Die tatsächliche URSACHE, nicht nur für die in der Fragestellung angesprochene und sicher auch jedem so bewusste Sonderbarkeit in den zwischenmenschlichen Beziehungen ist/wäre daher auch von einem ganz anderen Eck´ her aufzurollen. Bloß würde der Platz dafür hier nicht ausreichen… :smile:

Grüße
Gert