seit einiger Zeit denke ich darüber nach, woher bestimmte Redewendungen oder Begriffe im Deutschen kommen, die rein äußerlich betrachtet gar keinen Sinn ergeben. Beispiele:
nichts für ungut
Un-kosten (also entweder eine Sache verursacht Kosten oder sie ist kostenlos - oder nicht?)
mach mal halblang
hab dich nicht so
gehab dich wohl (altertümlich)
Minuswachstum (ich dachte immer, entweder wächst eine Sache oder sie wird weniger…?)
Woher kommen solche Ausdrücke? Dienen sie wirklich nur zur Verschleierung? Natürlich weiß ich, was sie bedeuten und in welchen Zusammenhängen sie verwendet werden, aber mich würde mal interessieren, wie solche Redewendungen entstehen.
Fallen Euch weitere alltägliche Beispiele ein? Vielleicht machen wir ja eine kleine Sammlung?
Minuswachstum (ich dachte immer, entweder wächst eine Sache
oder sie wird weniger…?)
Das ist vermutlich eine dezent verhüllende Managerformulierung. Der Depp (= Kunde) hört nur Wachstum, freut sich, spielt aber eigentlich keine Rolle. Und der, den es wirklich zu interessieren hat, der schaut sowieso genau hin. Insofern verstehe ich solche Floskeln nicht. Einfach spinnert …
Das ist schon älter - ergänze „nichts für ungute Gefühle“ (ungut = böse)
Un-kosten (also entweder eine Sache verursacht Kosten oder
sie ist kostenlos - oder nicht?)
Un|kos|ten [eigtl. = unangenehme, vermeidbare Kosten]: a)
[unvorhergesehene] Kosten, die neben den normalen Ausgaben entstehen (sagt Mr.Check)
mach mal halblang
eher umgangssprachlich. Bedeutung: „Mäßige dich.“, „Übertreibe es nicht“
hab dich nicht so
„sich gehaben“= sich verhalten. hier verkürzt.
gehab dich wohl (altertümlich)
in der Tat, wie zuvor mit „gehaben“ verbunden. Heute sagt mal wohl eher „Machs gut.“
Minuswachstum (ich dachte immer, entweder wächst eine Sache
oder sie wird weniger…?)
Das ist neudeutsches Marketing-Gewäsch, das eine unangenehme Tatsache (das Schrumpfen) verschleiern soll.
Dienen sie wirklich nur zur Verschleierung?
Zum Teil man möchte gelegentlich eine Tasache nicht gar zu deutlich sagen, um das Gegenüber nicht zu verletzen oder zu beleidigen. Daher sucht man nach Umschreibungen, Parabeln. Besonders griffige Formulierungen gliedern sich in den allgemeinen Sprachgebrauch ein (wir kennen das ja aus der Werbung oder Sportberichten. Jeder weiß, dass „Ich habe fertig!“ grammatisch falsch ist, dennoch ist es ein geflügeltes Wort geworden)
machen wir ja eine kleine Sammlung?
Geflügelte Worte, Verzeichnisse von Redewendungen gibt es bereits mehrfach.
Minuswachstum (ich dachte immer, entweder wächst eine Sache
oder sie wird weniger…?)
Das ist vermutlich eine dezent verhüllende
Managerformulierung.
Hallo,
würde ich nicht so beurteilen. Ich glaube eher, daß es von dem Umstand kommt, daß man in der Volkswirtschaftslehre immer von „gesamtwirtschaftlichen Wachstum“, „Wirtschaftswachstum“, „Wachstumsraten“ spricht. Wenn dieses Wachstum ausbleibt, fehlen zunächst die Begriffe, „Schrumpfung“, „Minderung“ und so, das wird nicht gleich mit dem selben Sachverhalt assoziiert. Deswegen „negatives Wachstum“ und, wenn Journalisten das dann auf einen griffigen Begriff bringen „Minus-Wachstum“.
Ich kann daran aber nichts beschönigendes finden. Minus hat für mich einen absolut negativen Beiklang, klingt für mich also nicht besser als z.B. „Schrumpfung“.
Ich kann daran aber nichts beschönigendes finden. Minus hat
für mich einen absolut negativen Beiklang, klingt für mich
also nicht besser als z.B. „Schrumpfung“.
Klingt für mich schon etwas positiver. Und ist vor allem länger. Schrumpfung oder Senkung ist einfach nur kürzer und - wie ich finde - bringt es vor allem besser auf den Punkt. Dass Minuswachstum toll klingt finde ich auch nicht, aber vielleicht sehen diejenigen, die Minuswachstum zu verkünden haben, das etwas anders.