Niedergang der deutschen Sprache in den Medien ?

Ich frage mich immer öfter, ob unsere Journalisten der deutschen Sprache nicht mehr mächtig sind.
Da kommt irgendwann einer mit einer neuen Wortkonstruktion daher, und anscheinend müssen es dann alle falsch nachplappern…

Kann mir vielleicht jemand erklären, wieso immer von „Geldern“ die Rede ist?
Das Wort Geld ist doch schon Einzahl und Mehrzahl zugleich, man sagt doch auch nicht, das sind Kieser, sondern das ist ein Haufen Kies!

Klärt mich jemand auf?
Danke
Claus

Hi,
ich konnte im Duden keinen Hinweis finden, dass es das Wort „Gelder“ nicht gibt.
Also klär’ du uns mal bitte auf!
Gruß.Timo

Vielleicht ist es in der heutigen Zeit einfach nötig geworden, zu differenzieren welches Geld man meint. Es gibt ja gerade in der Politik mehrere Kassen und wenn man von „Geld“ spricht, dann meint man doch eher alles zusammen oder? Und Gelder mag eine Neuschöpfung sein (das weiß ich nicht aus dem hohlen Bauch heraus), aber dient doch durchaus dem Verständnis, wovon gesprochen wird. Insofern für mich völlig in Ordnung, Sprache befindet sich nun mal im Wandel. Zudem wurden die deutschen Wortbildungsregeln eingehalten.

Da fand ich „unkaputtbar“ schlimmer. Hast du noch mehr Beispiele aus den Medien? Das Thema ansich ist ja durchaus interessant!

Grüße Coco

Hallo Claus

Der „Niedergang der Sprache“ wird seit Menschengedenken
wahrscheinlich in allen, gewiss aber in der deutschen Sprache,
beklagt.
Bedenke bei deiner Kritik, dass die Regeln, auf die du dich berufst
und deren Einhaltung und Bestand du wuenschst, selbst das Ergebnis
eines damals von vielen beklagten Sprachwandels sind.
Dein spezielles Beispiel „Gelder“ ist nun ganz und gar nicht
geeignet, den Sprachverfall zu dokumentieren. Sicher ist Geld wie
Zucker oder Salz an und fuer sich ein nicht zaehlbares Substantiv,
jedoch gibt es Kontexte, in denen eine Differenzierung sinnvoll ist.
So spricht man von einfachen und komplexen Zuckern (Kohlenhydraten)
oder verschiedenen Salzen (aus dem Meer, aus dem Fels oder als
Ergebnisse der Reaktionen verschiedener Saeuren mit Metallen).
Dementsprechend ist eine Unterscheidung von Geld nach Herkunft oder
Einsatzzweck durchaus nuetzlich.
Soviel gestehe ich dir jedoch zu: Im Unterschied zu Zuckern und
Salzen ist es immer moeglich von oeffentlichem Geld statt von
oeffentlichen Geldern oder von Geld aus Privatvermoegen statt von
Geldern aus Privatvermoegen zu sprechen. Dass diese Moeglichkeit,
immer den Singular zu verwenden, besteht, heisst aber nicht, dass es
falsch waere, sich des Plurals zu bedienen.

Gruss, Tychi

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Ja, hab ich.
Bei der Wahlberichterstattung fällt mir auf, daß nicht mehr von Prozenten, sondern von Punkten gesprochen wird.
Ursprünglich wollte man wohl die Prozentdifferenz damit ausdrücken (Die Partei hat um 2 Punkte zugelegt,von 10 auf 12 Prozent)
Mittlerweile hat sich aber auch bei der richtigen Ausdrucksweise Prozent dieses unsägliche „Punkte“ eingebürgert…schrecklich!
Gruß
Claus

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Hi,
ich konnte im Duden keinen Hinweis finden, dass es das Wort
„Gelder“ nicht gibt.
Also klär’ du uns mal bitte auf!
Gruß.Timo

Hi Timo,
es gibt aber wohl auch keinen Hinweis darauf, dass es dieses Wort gibt, oder ?
Gruß
Claus

Unterschied!
Hallo, Claus!

Da muss ich Dich korrigieren:
Mit den „Punkten“ sind Prozentpunkte gemeint und dies ist korrekt! Die Prozente sind der eigentlich falsche Begriff. Mathematisch korrekt legt eine Partei Prozentpunkte zu, nicht Prozente!

Gruß
Lea

Hallo Claus,

es gibt aber wohl auch keinen Hinweis darauf, dass es dieses
Wort gibt, oder ?

Doch! Es wird benutzt und verstanden, also gibt es das Wort. So einfach ist das.

Gruß
Roland

Hi Lea,
in dem Fall sind wir einer Meinung, es geht um das Zulegen.
Es hat sich aber auch dort eingeschlichen, wo es schlicht Prozent heissen muss.
Gruß
Claus

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Hallo Claus,

Sprache lebt und der Niedergang derselben wird seit Menschnegedenken lamentiert.

Hier zwei Beispiele von Deutscher Sprache, das erste ist von Walter von der Vogelweide

Mißstimmung

Wer kan nu ze danke singen?
dirre ist trurie, der ist fro.
Wer kann daz zesamene bringen?
dirre ist sus und der ist so.
Sie verirrent mich
und versument sich:
wess ich waz si wollten, daz sung ich.

Froide und sorge erkenne ich beide,
da von singe ich swaz ich sol.
Mir ist liebe, mir ist leide,
summerwünne tuot mir wol.
Swaz ich leides han,
daz tuot zwivelwan,
wiez mir umb die lieben sül ergan.

Wol iu kleinen vogellinen!
iuwer wünneclicher sanc
der verschallet gar den minen:
al diu werlt diu seit iu danc.
Also danken ir …

Und hier nun das Hildebrandlied

Das Hildebrandslied


Ik gihorta dat seggen,
dat sih urhettun ænon muotin,
Hiltibrant enti Hadubrant untar heriun tuem.
sunufatarungo iro saro rihtun.
5 garutun se iro gudhamun, gurtun sih iro suert ana,
helidos, ubar hringa, do sie to dero hiltiu ritun,
Hiltibrant gimahalta [Heribrantes sunu]: her uuas heroro man,
ferahes frotoro; her fragen gistuont
fohem uuortum, hwer sin fater wari
10 fireo in folche, …
… „eddo hwelihhes cnuosles du sis.
ibu du mi enan sages, ik mi de odre uuet,
chind, in chunincriche: chud ist mir al irmindeot“.
Hadubrant gimahalta, Hiltibrantes sunu:
15 „dat sagetun mi usere liuti,
alte anti frote, dea erhina warun,
dat Hiltibrant hætti min fater: ih heittu Hadubrant.
forn her ostar giweit, floh her Otachres nid,
hina miti Theotrihhe enti sinero degano filu.
20 her furlaet in lante luttila sitten
prut in bure, barn unwahsan,
arbeo laosa: her raet ostar hina.
des sid Detrihhe darba gistuontun
fateres mines: dat uuas so friuntlaos man.
25 her was Otachre ummet tirri,
degano dechisto miti Deotrichhe.
her was eo folches at ente: imo was eo fehta ti leop:
chud was her… chonnem mannum.
ni waniu ih iu lib habbe“…
30 „wettu irmingot [quad Hiltibrant] obana ab hevane,
dat du neo dana halt mit sus sippan man
dinc ni gileitos“…
want her do ar arme wuntane bauga,
cheisuringu gitan, so imo se der chuning gap,
35 Huneo truhtin: „dat ih dir it nu bi huldi gibu“.
Hadubrant gimahalta, Hiltibrantes sunu:
„mit [Edit: Firmenname entfernt] scal man geba infahan,
ort widar orte. …
du bist dir alter Hun, ummet spaher,
40 spenis mih mit dinem wortun, wili mih dinu speru werpan.
pist also gialtet man, so du ewin inwit fortos.
dat sagetun mi seolidante
westar ubar wentilseo, dat inan wic furnam:
tot ist Hiltibrant, Heribrantes suno“.
45 Hiltibrant gimahalta, Heribrantes suno:
„wela gisihu ih in dinem hrustim,
dat du habes heme herron goten,
dat du noh bi desemo riche reccheo ni wurti“.
„welaga nu, waltant got [quad Hiltibrant], wewurt skihit.
50 ih wallota sumaro enti wintro sehstic ur lante,
dar man mih eo scerita in folc sceotantero:
so man mir at burc eni[Edit: Firmenname entfernt] banun ni gifasta,
nu scal mih suasat chind suertu hauwan,
breton mit sinu billiu, eddo ih imo ti banin werdan.
55 doh maht du nu aodlihho, ibu dir din ellen taoc,
in sus heremo man hrusti giwinnan,
rauba birahanen, ibu du dar enic reht habes“.
„der si doh nu argosto [quad Hiltibrant] ostarliuto,
der dir nu wiges warne, nu dih es so wel lustit,
60 gudea gimeinun: niuse de motti,
hwerdar sih hiutu dero hregilo rumen muotti,
erdo desero brunnono bedero uualtan“.
do lettun se ærist asckim scritan,
scarpen scurim: dat in dem sciltim stont.
65 do stoptun to samane staim bort chludun,
heuwun harmlicco huitte scilti,
unti imo iro lintun luttilo wurtun,
giwigan miti wabnum …


So richtig mit dem aktuellen Deutsch hat das wohl eher weniger zu tun - oder?!

Gandalf

Hallo,

in dem Fall sind wir einer Meinung, es geht um das Zulegen.
Es hat sich aber auch dort eingeschlichen, wo es schlicht
Prozent heissen muss.

Bei „Pozentpunkten“ oder verkürzt „Punkten“ handelt es sich um einen Begriff aus der Satistik, insofern ist er erstmal korrekt. Bei Wahlberichterstattungen wird eigentlich immer nur von Prozentpunkten gesprochen. Ich habe noch nie eine Statistik gesehen, in der der prozentuale Zuwachs/Verlust einer Partei dargestellt wurde.

Grüße
Kaj

es gibt aber wohl auch keinen Hinweis darauf, dass es dieses
Wort gibt, oder ?

Aber klar doch! Gefunden bei www.wissen.de auf der Suche nach dem Wort Geld:

Aus: BERTELSMANN Wörterbuch
Geld [n. 3] 1 Zahlungsmittel, Münzen (Hart~) oder Banknoten (Papier~); ich habe nur großes G. bei mir nur Geldscheine; kleines G. Münzen; G. ausgeben, verdienen; das ist hinausgeworfenes G. eine unnötige Ausgabe 2 Vermögen, Vorrat an Zahlungsmitteln; er hat viel G.; er lebt von seinem G.; G. machen [ugs.] rasch und viel verdienen; er schwimmt im G. er ist sehr reich 3 [meist Pl.] für einen Zweck bestimmte, von einer Institution oder Person stammende, größere Summe; staatliche, öffentliche ~er; er hat ~(er) unterschlagen 4 [Börse; kurz für] Geldkur

Beachte die Bedeutung 3. Diese Verwendung gibt es m. E. schon seit ziemlich langer Zeit und nicht erst seit den letzten zwei Jahren.

Bis denne
Schnoof

Hallo, Claus,

ich konnte im Duden keinen Hinweis finden, dass es das Wort
„Gelder“ nicht gibt.

es gibt aber wohl auch keinen Hinweis darauf, dass es dieses
Wort gibt, oder ?

den gibt es schon bei Grimm http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/woerterbu…

(in Auszügen:smile:

GELD

  1. f) daher auch im p l u r.

    β) jetzt g e l d e r , von verschiednen geldsummen, geldposten u. ä., mit verschiedenen nebenbegriffen

    die gelder wol die zahlungen die in der zeit der not in die casse nicht eingehen; von einkünften, wobei gleichfalls an die einzelnen zahlungen gedacht ist…

    man wolle die arbeiten beschleunigen, zu dem ende gelder aufnehmen und zu deren abtragung die zahlungstermine anweisen, die vom vorwerksverkauf zurückgeblieben waren. GÖTHE …

Gruß
Kreszenz

Hi Roland,

analog zu „monies“ im Englischen, das mir des öfteren
von (deutschen) Besserwissern beanstandet wird und
dennoch existiert.

Gruß
Elke

Hallo Kaj,
diesen Begriff aus der Statistik kannte ich nicht…wieder was gelernt!
Nun macht die Sache doch etwas mehr Sinn :smile:
Gruß
Claus

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Hai, Claus,

tz, tz - und Du lästerst über den Sprachverfall… :wink:

Nun macht die Sache doch etwas mehr Sinn :smile:

In der deutschen Sprache kann Sinn nichts machen und nichts kann Sinn machen - etwas hat Sinn (oder nicht), oder bekommt Sinn (oder nicht), oder ist sinnvoll (oder sinnlos)…
…„macht Sinn“ ist eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen…

Gruß
Sibylle

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Das kreatiefe Superstlativ
Hallo Claus,

hier scheint wohl die Werbung die Fernsehsprache verfärbt zu haben. In den Radio-Podcast sind die oralen Entgleisungen eher weniger vorhanden. Nichtsdestotrotz sei es erlaubt auch mit Sprache (genau wie mit Musik und den bildgebenden Künsten) kreatief umzugehen. Gerade in der kesprochenen Sprachä.

Eine entgültige/endgültige (na? was stimmt) Lösung hat es dafür nicht.

Auf jeden Fall endsorge (ist zwar falsch, drückt aber den Sachverhalt richtiger aus) jetzt meine ganz alten Wörterbücher. (Besserer Satz ist mir nicht eingefallen).

Nein, ehrlich, ich schreibe oft ENDsorgen, ENDscheiden im persönlichen Schriftverkehr in der Hoffnung, dass die nicht ganz ungebildeten Adressaten den Hintersinn verstehen.

Gruß

Stefan

Hi!

Bei Geldern hab ich mir eigentlich noch nie was dabei gedacht. Hört sich für mich absolut richtig an und kenn ich auch schon lange.

Hab dazu folgendes gefunden:http://de.wiktionary.org/wiki/Geld

Obs richtig ist oder nicht kann ich nicht sagen, für mich ist Geldern auf jeden fall vertraut.

Grüße Dusan

Hallo Stefan,
deine Wortspielchen gefallen mir gut :smile:
Ich habe auch schon öfter die Grußformel „Mit freundlichem Grinsen“ unter offizielle Briefe geschrieben, und keiner hats gemerkt…war aber so von mir gemeint :smile:)

Mit freundlichem Grinsen
Claus

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Sehr interessant!

Werde ich mir merken! Danke

Coco