Hallo,
mein Threatthema ist etwas komplex, oder anders: um die Überschrift herum gibts noch Einiges drumherum.
Ich fang einfach mal an und hoffe, das hier liest jemand, der kurzfristig eine Idee hat:
Mein Vater ist 67 Jahre alt. Vor zwölf Jahren ist im linken Lungenflügel ein Tumor entdeckt worden, daraufhin hat man ihm den betroffenen Lungenflügel entnommen. Er kam mit dem verbleibenden Lungenflügel gut zurecht, mal abgesehen davon, dass er daran ein Emphysem hat, welches immer mal wieder Bronchoskopien und KH-Aufenthalte erforderlich machte, weil er sehr infektanfällig ist. Zu Hause hat er ein tragbares Sauerstoffgerät, welches er bei Bedarf nutzen kann.
Wichtig wäre noch zu wissen, dass das Herz meines Vaters auch nicht mehr hundertprozentig in Ordnung ist.
Vor einigen Monaten wurde im Rahmen einer Untersuchung ein Tumor im rechten Lungenlappen festgestellt. Zuerst war der Plan, diesen Tumor zu bestrahlen. Bis dann aber alle notwenigen Untersuchungen erfolgt waren, stellte sich heraus, dass der Tumor für eine Bestrahlung zu groß ist. Man entließ meinen Vater einen Tag vor dem Bestrahlungstermin mit der Therapie-Empfehlung, eine palliative Chemotherapie machen zu lassen.
Im Januar erfolgte dann der erste Chemoblock, den mein Vater mal abgesehen von den üblichen Erscheinungen (Müdigkeit, Haarausfall) ganz gut überstanden hat. Vier Wochen später - Mitte Feb. - stand der zweite Chemoblock an - in einer Röntgenuntersuchung vorher stellte sich heraus, dass der Tumor kleiner geworden ist.
Die zweite Chemo hat mein Vater ebenfalls gut weggesteckt, so dass für Mitte März der dritte Chemoblock erfolgen sollte. Der Tumor wurde übrigens wiederum kleiner. Da mein Vater zu diesem Zeitpunkt eine leichte Erkältung hatte, wurde die Chemo verschoben und er statt dessen stationär mit Antibiotika behandelt wurde. Zeitgleich bekam er starke Schmerzen in der linken Schulter. Nachdem einige Untersuchungen angestellt wurden, gingen die Ärzte davon aus, dass ein Nerv eingeklemmt oder entzündet ist und mein Vater bekam Pysiotherapie - davon wurden die Schmerzen weniger.
Jetzt stellte ich allerdings heraus, dass die Blutwerte nicht in Ordnung waren, inwiefern, wurde weder meinem Vater noch den Angehörigen erklärt. Klar war nur, dass die Chemo weiter verschoben werden musste. Mein Vater klagte über zunehmende Appetitlosigkeit und war genervt, dass es mit der Chemo nicht weitergeht und er weiterhin Antibiotika nehmen muss.
Verg. Sonntag fuhren wir ihn besuchen und fanden ihn schlafend vor. Wir versuchten, ihn zu wecken - nix zu machen. Er schlief tief und fest, hörbar war ein „rasselnder Atem“, als wenn er eine dicke Erkältung hätte. Nach einigen Aufweckversuchen wurde das Pflegepersonal sehr hektisch. Blutzucker war ok, CO2 im Blut war auch im grünen Bereich, Blutdruck nicht. Daraufhin kam eine Ärztin und untersuchte ihn. Er wurde weder bei dieser Untersuchung noch bei dem Gepiekse vorher wach. Die Ärztin bat uns daraufhin ins Arztzimmer und erklärte, dieser Zustand könne verschiedene Ursachen haben - keine davon sei ohne schwerwiegende Folgen. Es könne ein Schlaganfall sein oder seine Sepsis. Wir müssten damit rechnen, dass mein Vater nicht wieder wach wird. Außerdem würden die Nieren Probleme bereiten, der Keratenin-Wert sein zu hoch. Dann wollte sie wissen, ob für einen solchen Fall irgendwelche Absprachen oder Verfügungen vorhanden seinen. Da es keine Patientenverfügung gab, habe ich der Ärztin erklärt, was mein Vater immer wieder gesagt hat: Keine Maschinen, keine Reanimation, keine Geräte. Und das dieser Wunsch für uns so wichtig sei wie für uns und wir deswegen hoffen würde, dass seitens der Ärzte dem entsprochen werde.
Die Ärztin schien daraufhin erleichtert und meinte, ich solle die anderen nächsten Verwandten (meine Schwester und meine Mutter) anrufen und diese informieren. Sie - die Ärztin -werde die Verlegung auf ein Einzelzimmer veranlassen und dafür sorgen, dass mein Vater palliativ betreut werde.
Also habe ich Schwester und Mutter angerufen, die dann auch in die Klini kommen wollten. Nach den Telefonaten bin ich wieder ins Zimmer gegangen und habe einen weiteren Weckversuch gestartet - daraufhin wurde mein Vater wach, war aber anfangs sehr desorientiert. Auffällig war, dass er aufgedunsen wirkte und zittrig. Er kam dann aber bewusstseinsmäßig wieder herbei und konnte auch adäquate Antworten auf Fragen geben und sich an Gesprächen beteiligen.
In der Nacht zu Montag kam es wieder zu einem solchen Bewusstseinsverlust mit Bettnässen, morgens war er wieder klar, aber schlapp und zittrig. Das ging so weiter, Dienstag wurde dann eine CT-Aufnahme gemacht, deren Ergebnisse lagen Mittwoch vor. Zitat Chefarzt: „Es ist nichts Eindeutiges feststellbar. Wir machen mit der bisherigen Behandlung weiter.“ Meine Frage: „Was ist mit den neurologischen Ausfällen?“ Arzt: „Die guckt sich gleich eine Neurologin an.“ Die kam dann auch und meinte, es schiene, als habe mein Vater so eine Art epileptische Anfälle. Woher die kommen, wäre nicht ganz klar, es scheint aber so, als wären Medikamente daran schuld. Sie wollte ihm jetzt ein Antidepressivum verschreiben (er äußerte den Wunsch, sich am Besten vor einen Zug zu werfen) und ein Mittel gegen Epilepsie. Nachdem die Neurologin wieder raus war, erklärte mein Vater, er könne schlecht laufen und als er sich eben zur Toilette geschleppt hätte, wäre „nicht mal was gekommen“. Ich fragte, ob er diese Probleme heute schon mehrfach hatte und er sagte, das ginge schon den ganzen Tag so. Er habe zwei Fl. Mineralwasser getrunken aber es käme nix wieder raus. Also habe ich die Schwester informiert, die mir antwortete: „Das wissen wir, dass seine Nieren nicht richtig funktionieren. Wir wissen aber nicht, warum.“
Donnerstag war mein Vater morgens wieder nicht richtig ansprechbar, konnte nicht laufen und war sogar gefallen. Nachmittags war er klar, hat es mit einem Rollator auch eine ganze Strecke über den Flur geschafft. Heute morgen war er relativ klar, sprach aber sehr verwaschen.
Heute Nachmittag hat meine Schwester ihn besucht und er war total durcheinander. Er suchte seine Zigaretten (er raucht seit 12 J. nicht mehr, wusste aber, welche Marke er suchen musste), konnte nur ein paar Meter laufen, war wirr im Kopf und nur ganz kurze Momente im Hier und Jetzt. Er meinte, er bekäme nichts zu essen dort, als er versucht hat, einen Joghurt zu essen, konnte er ihn nicht halten und ließ ihn fallen.
Als meine Mutter zwei Std. später bei ihm anrufen wollte, ging er nicht ans Telefon. Daraufhin hat sie im Schwesternzimmer angerufen und eine Schwester hat erklärt, dass es meinen Vater sehr schlecht geht und wohl damit zu rechnen ist, dass er stirbt. Meine Mutter machte sich Sorgen, ob er wohl Schmerzen hat, das verneinte die Schwester. Dann meinte meine Mutter, sie hoffe, er würde jetzt nicht in ein langes Sichtum fallen und die Schwester erklärte, das würde jetzt ganz schnell gehen.
Ich habe daraufhin im Web gesurft und bin an dem Begriff „Urämisches Koma“ hängengeblieben. Wenn ich mir die Erklärungen dafür ansehe und auch die Symptome für akutes Nierenversagen, passt das alles zu meinem Vater.
Meine Frage ist: Könnte ihm in so einem Zustand mit Dialyse geholfen werden, den Körper zu entgiften? Wäre eine Dialysetherapie nicht viel früher schon angezeigt gewesen? Hat man hier schlichtweg die Symptome des Nierenversagens übersehen? Sollen wir jetzt einfach die Dinge laufen lassen oder die Ärzte bitten, nephrologische Therapiemöglichkeiten zu nutzen? Ich hatte nicht den Eindruck, dass der Zustand meines Vaters lebensbedrohlich war, bevor diese urämischen Symptome auftraten.
Was ratet ihr mir zu sagen/zu tun, wenn wir heute früh ins KH fahren und dem Arzt gegenübersitzen?
In der Hoffnung auf baldige Antworten wünsche ich allen Threatlesern eine gute Nacht.
Micha