NLP wer hat Ahnung?

Hallo Patrick,

es ist doch genau die „Masche“ der „Gurus“, sich auf wissenschaftliche Autoritäten, Studien, etc. zu beziehen. Der von mir im Posting http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?..
genannte Anthony Robbins, der ganz sicher zu ihnen zählt, wirft mit solchen Verweisen nur so um sich, also mit Daten und Zitaten, die eindeutig in einem wissenschaftlichen Kontext produziert wurden.

Nun ist die Frage der empirischen Überprüfung eine sehr schwierige. Viele psychologische Modelle lassen sich nicht ohne weiteres gemäß dem methodologischen Ideal des (angewandten) Empirismus in Einzelsätze zergliedern, zu unabhängigen Variablen zurichten, etc. Sind sie deshalb gleich esoterisch? (Zumal der Empirismus bereits seit geraumer Zeit selbst dahin gelangt ist, seine eigene Nicht-Überprüfbarkeit zu erkennen.) Keine einzige Theorie, kein einziges Modell der Psychologie ist verifiziert, als endgültig wahr erkannt, genausowenig wie eines davon als eindeutig falsch erkannt wäre, ganz einfach weil jede Eindeutigkeit eines solchen Urteils eines wiederum eindeutigen Fundaments ermangeln müsste. Deshalb ist natürlich noch lange nicht die Grenze zwischen Wissenschaft und Esoterik aufgehoben, aber sie lässt sich nicht mehr von einem sich selbst fragwürdig gewordenen Empirismus mit seinem Validierungs-Instrumentarium errichten.

Vielmehr scheint mir diese Grenze heute darin zu bestehen, inwieweit sich eine (psychologische) Praxis dem kritischen Blick anderer Praxen öffnet, inwieweit sie ihre Problematik mit den Problematiken benachbarter Modelle, Disziplinen parallelisiert. Und dies scheint der „innere Kern“ der NLP sehr wohl zu tun, indem er durchaus Notiz nimmt von z.B. neueren Erkenntnissen der Kommunikationsforschung. Natürlich besagt dies noch lange nichts über die (ebenfalls äußerst schwierige Frage der) Leistungsfähigkeit der NLP.
Viele Grüße
franz

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Hallo,

dieser Argumentation bedienen sich v.a. die Vertreter derjenigen Richtungen, deren Ernsthaftigkeit in Zweifel gezogen wird. Das machen sie geschickt, indem sie Halbwahrheiten verkaufen. In Deinem Beispiel wird die richtige Aussage, daß Theorien niemals als wahr bewiesen werden können, mit der falschen Aussage verknüpft, daß man mit Hilfe der in den empirischen Wissenschaften verwendeten Methodik keine Grenze zwischen wissenschaftlichen Aussagen und Scharlatanerie, Quacksalberei und Esoterik ziehen kann.

Mich wundert diese Argumentation nicht, weil aleatorische Psychoanalyse und philosophischer Marxismus genau in das Graufeld zwischen eindeutiger Wissenschaft und eindeutiger Pseudowissenschaft fallen und deshalb ein Interesse daran haben, die Grenzzäune einzureißen, anstatt ihre Methoden zu verbessern.

Grüße,

O. Walter

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Hallo Patrick,

die Wissenschaftlichkeit von NLP ist umstritten. Die Gesellschaft zur Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) zumindest ordnet sie unter den Parawissenschaften ein:

http://gwup.org/themen/texte/nlp/

Das GWUP-Mitglied Dr. Christoph Bördlein, Diplom-Psychologe, urteilt ebenfalls nicht positiv über das Neurolinguistische Programmieren:

http://www.boerdlein.gmxhome.de/nlpmemo.html

Auch in der großen Therapievergleichsstudie von Grawe et al. heißt es zur Wirksamkeit von diversen exotischen Therapierichtungen inklusive NLP:

„Für folgende Therapieformen fehlt bisher jede stichhaltige Wirksamkeitsuntersuchung und damit das Minimalkriterium dafür, daß man von einer wissenschaftliche fundierten Therapieform sprechen kann: - Aktualisierungstherapie, Aqua-Energetik …, Neurolinguistisches Programmieren , … Transzendenztherapie, Z-Prozeß-Beziehungstherapie.
Der Leser mag dieser Liste noch einige mehr oder weniger exotische Namen hinzufügen“
(Grawe, Donati & Bernauer, 1994, S. 753).

Eine angebliche Studie von Frau Martina Genser-Medlitsch aus Wien, die ab 1996 immer wieder als „Beweis“ für die Wirksamkeit von NLP zitiert wurde, war laut Bördlein bis 2001 nicht aufzufinden. Ob sie bis heute gefunden wurde, ist unbekannt.

Ich selbst fand bei Recherchen nur NLP-Seiten, die sich positiv über den hohen Wirksamkeitsgrad dieser Methoden äußern.

Eine Untersuchung von Margit Theis-Scholz und Inge Thümmel über NLP-Techniken in der Sonderschule kommt allerdings zu dem Ergebnis:

„Bereits eine erste Analyse des Inhalts der neurolinguistischen Wundertüte desillusioniert!“

und

„Das neurolinguistische Programmieren scheint ein Konglomerat aller möglichen, altbekannten verhaltenstherapeutischen Techniken zu sein, die lediglich umbenannt und ein wenig für die Schulpraxis aufbereitet wurden. Die Wundertüte der „modelers“ erwies sich beim näheren Hinsehen als Mogelpackung, vom Kauf derselben, seien sie als Lehrgänge, Workshops, Anleitungen zur Unterrichtsplanung, oder als Übungskassetten ausgewiesen, wird daher dringend abgeraten!“
(Quelle: http://www.uni-koblenz-landau.de:81/~proedler/nlp.htm)

Demzufolge werden in NLP ein paar alte verhaltenstherapeutische Konzepte „verwurstet“ und unter hochtrabenden Namen dem gutgläubigen Volk untergejubelt. Warum dann nicht das Original? Da hat man jedenfalls die Gewißheit, das man hochwirksame Methoden auf aktuellem Stand einkauft.

Grüße,

Oliver Walter

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Hallo Oliver,

ich habe doch gar nicht wirklich bestritten, dass die empirischen Wissenschaften keine Grenze zwischen „Wissenschaft“ und „Esoterik“ ziehen könnten. Mein Punkt ist vielmehr der, dass diese Grenze auf deren methodologisches System beschränkt ist, außerhalb dieses Systems keine Gültigkeit erlangen kann. Und mir fällt es einfach schwer, an ein System zu glauben , dessen grundlegender Glaubenssatz meines Erachtens die Eineindeutigkeit der Abbildung des Realobjekts im Erkenntnisobjekt ist (Du wirst selbst zugestehen müssen, dass ein solcher Satz nicht empirisch überprüfbar ist).

Desweiteren freut es mich unglaublich, von einem Vertreter der „wissenschaftlichen Wissenschaft“ wie Dir, das wunderbare Konzept des „Erkenntnisinteresses“ zu lesen. Das ist ja ganz genau meine Haltung, nur dass ich dieses nicht nur den (Pseudo-) Wissenschaften zuschreiben würde, die am Rande der staatlich geförderten Wissenschaft (=universitäre Ausbildung, Krankenkassenfinanzierung, etc.) stehen und natürlich Interesse haben, die Grenzen zwischen Wissenschaft und Esoterik einzureißen, sondern auch denen, die den „Platz an der Sonne“ innehaben, und deshalb die bestehenden Grenzen mit solchen Argumenten verteidigen.

Überdies habe ich ja selbst ein (nicht-empiristisches) Kriterium zur Unterscheidung von Wissenschaft und Esoterik vorgeschlagen, reiße also keine Grenzen ein (höchstens die der empiristischen Ideologie).

Und zuletzt: Ich finde es nicht ganz ok, die Vita eines Argumentanden ins Feld der Argumentation zu führen, zumal dann nicht, wenn meine Argumentation bisher weder vom Standpunkt der Psychoanalyse, noch von dem des Marxismus (erst in Absatz 2 und 3 dieses Postings!) aus geführt wurde.

Viele Grüße
franz

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Hallo Franz!

Ich sehe das mit dem Platz an der Sonne übrigens genau umgekehrt:

An den Unis wird immer mehr gespart, es wird diskutiert, dass die Studenten für Ihre Ausbildung zahlen sollen (als ob die Gesellschaft nicht genug profitieren würde - wie hoch wäre wohl die durchschnittliche Lebenserwartung ohne Akademiker) etc.

Derweil - immer mehr Geld wird für - ich nenne es einmal fragwürdige - Praktiken ausgegeben. Dieses Geld ist für den Fortschritt und die Wissenschaft direkt verloren und schwächt indirekt die Lobby, welche Wissenschaft hat.

Geraden diesen Ressourcenwandel halte ich für bedenklich - scheinbar scheint die Gesellschaft vergessen zu haben, was sie Wissenschaft verdankt.

Und - wenn ich mich in meiner Wohnung umschaue - dann fällt mir nicht eine einzige bahnbrechende „pseudowissenschaftliche“ Errungenschaft auf, welche mein Leben entscheidenf verändern würde. Die Leistung der zahlreichen Ingenieure, Techniker und Architekten sorgen für Wärme, Behaglichkeit und Unterhaltung, und das ich all dies bei bester Gesundheit geniessen kann schulde ich wohl der Medizin.

In diesem Sinne einen schönen Restsonntag

Lieben Gruß
Patrick

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Hi!

Wer kann mir ein gutes Buch über NLP empfehlen? Aber eins wo
es auch gelehrt wird nicht nur darauf eingegangen wird, was es
ist.

Wir haben mal für eine Übung auf der Uni folgende Bücher lesen und vorbereiten müssen:
Dilts, Bandler, Grinder: Strukturen subjektiver Erfahrung (Junfermann-Verlag)
Grinder, Bandler: Therapie in Trance (Klett-Cotta)

Weiter unten wurde schon heftig über NLP gestritten, wobei mich insbesondere 'Patri500k’s spontane und angeblich unwissende Antworten eher an einen schon jahrelang kämpfenden NLP-Kritiker denken lässt.

NLP wurde von Richard Bandler und John Grinder entwickelt (die beiden waren von der Ausbildung Mathematiker und Informatiker). Robert Dilts und Judith DeLozier sind dann später dazugestoßen und gehören auch zu den wichtigsten Vertretern.

NLP ist ein sehr sehr mächtiges Werkzeug (plus dessen Grundlagen und Bedienungsanleitung) zur Kommunikation mit und Veränderung von Menschen. Gerade das wird von zwei Gruppen von Menschen ausgenutzt

  • skrupellose Manipulierer und
  • Geschäftemacher.

Die skrupellosen Manipulierer verwenden die mächtigen Methoden um andere Menschen zu manipulieren, damit der/die Manipulierer/in einen Vorteil erlangt. Beispiele sind insbesondere in der Werbe- und Verkaufsbranche.

Geschäftemacher verwenden die teilweise sehr reißerischen Grundannahmen von NLP und die Möglickeiten um NLP-Seminare anzukündigen. Es ist sehr schwierig, zwischen professionellen und ehrlichen Anbietern und solchen Geschäftemachern zu unterscheiden.

Die beiden Punkte bringt NLP sehr in Verruf. Besonders weil es für Laien schwer bis unmöglich ist, die beiden Punkte zu erkennen. Trotzdem muss man dazu sagen, dass NLP nur Dinge beschreibt, die es auch ohne NLP gibt. Es macht aber viele Methoden beschreibbar und auch lern- und lehrbar.

Nur ein Beispiel: Hitler war ein brillianter Redner und konnte Menschen für seine Ideen und Haltungen gewinnen. Er wusste genau wie er seine Reden aufbauen musste, wie die Umgebung der Zuschauer sein musste, usw. Er hatte auch viele unbewusst eingesetze Eigenschaften und Methoden.

Zu Hitler’s Zeiten gab es noch kein NLP, es war aber trotzdem möglich, unzähliche Leute für seine Idiotie zu gewinnen. Genauso gibt es heutzutage brilliante Kommunikation ohne NLP. NLP ermöglicht uns aber, brilliante Kommunikation (und alle anderen brillianten Verhalten) zu beschreiben und dann zu lernen.

Das NLP-Zentrum hier in Wien finde ich sehr seriös und professionell. http://www.nlpzentrum.at/

Bye
Hansi

PS: Ich kenne selbst nur die Grundlagen von NLP. NLP ist aber mehr als nur Kenntnis. Man muss viel üben bevor man es „beherrscht“. Diese Übung habe ich nicht, möchte aber (bei genug Geld und Zeit) richtige Seminare besuchen. Leider gibt es keine vollständigen NLP-Kurse als Lehrveranstaltungen an der Uni. :frowning:

Hallo!

Weiter unten wurde schon heftig über NLP gestritten, wobei
mich insbesondere 'Patri500k’s spontane und angeblich
unwissende Antworten eher an einen schon jahrelang kämpfenden
NLP-Kritiker denken lässt.

Da Du mich direkt ansprichst: Bis gestern habe ich noch nie was von NLP gehört. Da ich Psychologie studiere, nahm ich zunächst an, ich sollte es schon einmal gehört haben. Darauf hin habe ich „gegoogelt“ und kam zu einem anderen Schluss.

Nach dem Artikel von Oliver Walter zu dem Thema weiter unten, kann ich es auch noch besser einordnen.

Ich finde den Titel schon zweifelhaft - persönlich erweckt er bei mir den Eindruck, als wäre er zu „Marketing“-Zwecken gewählt. Er suggeriert, dass man den Menschen programmieren kann, auf „Neuro“-Ebene.

Dieses Wunschdenken spricht natürlich extrem viele Menschen an - und es suggeriert gleichzeitig, das man selber gar nicht mehr so viel tun muss (also die Auseinandersetzung mit sich selber, der eigene Arbeitsaufwand wird gerinegr durch diese Möglichkeit).

Aber ich gebe gerne zu, dass ich sehr skeptisch bin - dies gilt auch für diejenige Lehre, die ich persönlich favorisiere.

Auch Dein Link überzeugt meine Skeptiker-Seele nicht: 1.) Jedes Teammitglied verkauft sich als Multitalent - hat mindestens 5 Berufe oder Ausbildungen, warum gehen die dann nicht einer dieser Qualifikation angemessenen Beschäftigung nach, sondern geben 2.) stattdessen Seminare zu NLP, die für 2 Tage 350,00 und für 5 Tage 650,00 EUR bei mehreren Teilnehmern kosten, und die 3.) jeder besuchen kann, der will - ohne Vorbildung also, nur Vorkasse - um diesen Krams dann anschliessend weiter in die Welt zu tragen und was 4.) auch erklärt, warum die Leute alle so viele Berufe haben…

Warum studieren eigentlich so viele Menschen, wenn doch alles so einfach ist.

Im übrigen konnte noch niemand eine Studie zitieren, welche die Wirksamkeit von NLP (denn dabei handelt es sich ja wohl um eine Therapieform) belegt!

Lieben Gruß
Patrick

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Hallo,

ich habe doch gar nicht wirklich bestritten, dass die
empirischen Wissenschaften keine Grenze zwischen
„Wissenschaft“ und „Esoterik“ ziehen könnten.

aber sicherlich hast Du das. Schließlich hast Du diesen Satz geschrieben, den Du jetzt behauptest, nicht geschrieben zu haben:

„Deshalb ist natürlich noch lange nicht die Grenze zwischen Wissenschaft und Esoterik aufgehoben, aber sie lässt sich nicht mehr von einem sich selbst fragwürdig gewordenen Empirismus mit seinem Validierungs-Instrumentarium errichten.“

Natürlich weißt Du, daß Dein „fragwürdig gewordene[r] Empirismus mit seinem Validierungs-Instrumentarium“ eine Strohpuppe ist, auf die sich zwar leicht einschlagen läßt, die so aber schon seit langer Zeit gar nicht mehr existiert.

Trotzdem besteht in den empirischen Wissenschaften - deren wissenschaftstheoretische Grundlagen keineswegs Deine Strohpuppe „Empirismus“ ist - die Möglichkeit, sich mit methodischen Mitteln gegenüber den Pseudowissenschaften sicher abzugrenzen. Daß Du und ein anderer Apologet so fragwürdiger „Wissenschaften“ behauptet, es habe mit Konkurrenzdenken zu tun, läßt genau erkennen, wo der Schuh drückt. Es geht gar nicht um Erkenntnis oder um die Entwicklung wirksamer Interventionen. Es geht schlicht um das große Geld, das man wittert, wenn man doch nur endlich „wissenschaftlich anerkennt“ wäre. Daher läßt sich feststellen, daß das Gerede gegen die Strohpuppe „Empirismus“ nur eine Bestätigung für die heutige Praxis ist, weiterhin zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft zu unterscheiden.

Und zuletzt: Ich finde es nicht ganz ok, die Vita eines
Argumentanden ins Feld der Argumentation zu führen, zumal dann
nicht, wenn meine Argumentation bisher weder vom Standpunkt
der Psychoanalyse, noch von dem des Marxismus (erst in Absatz
2 und 3 dieses Postings!) aus geführt wurde.

Ja, das glaube ich gern, daß Dir das nicht Recht ist. Aber Du mußt es Dir schon gefallen lassen, wenn man die Basis, von der Du aus argumentierst beim Namen nennt. Schließlich bist Du ja kein Vertreter empirischer Wissenschaft, sondern ein Vertreter derjenigen Disziplinen, die ihre wissenschaftliche Anerkennung noch suchen. Da es nunmal mühsamer ist, die beschwerlichen Prüfungen wissenschaftlicher Gütekriterien zu bestehen als gegen sie zu motzen, wird halt gemotzt. Daß gemotzt wird, ist empirischer Beleg dafür, daß die Kriterien das leisten, was sie leisten. Die Spreu vom Weizen zu trennen. :smile:

Einen schönen Wochenstart wünscht Dir

Oliver Walter

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Hi!

Ich finde den Titel schon zweifelhaft - persönlich erweckt er
bei mir den Eindruck, als wäre er zu „Marketing“-Zwecken
gewählt. Er suggeriert, dass man den Menschen programmieren
kann, auf „Neuro“-Ebene.

Das erste was ich in der Vorbesprechung zur NLP-Lehrveranstaltung gehört habe, war die Bedeutung der Buchstaben NLP und der Zusammenhang der 3 dahinter stehenden Wörtern. Es wurde uns sehr sachlich erklärt und von deinem unterstellten Marketing war nichts zu merken. Auch von deiner unterstellten erhofften Deutung war keine Ree.

Die heutige Zeit ist stark geprägt durch die Bequemlichkeit der Menschen. Das meine ich in der Form, dass viele (vorallem Leute aus bildungsfernen Schichten) sich gar nicht mehr die Mühe machen, aufgeschnappte Messages zu hinterfragen und sich genauer zu informieren. Sie lassen sich alle Informationen vorkauen bzw. befinden ihre augenblicklichen Assiziationen für ausreichend. Dadurch entsteht natürlich leicht der Eindruck, dass „Neuro…“ absichtlich genau auf solche Leute abzielt. Du übersiehst dabei aber, dass fast alle komplexen und umfangreichen Fachdiziplinen Namen haben, die man nur dann wirklich richtig versteht, wenn man von der Diziplin einiges mitgekriegt hat. Für außenstehende ergeben die Namen meiste nur unverständliche Worthülsen oder befremdend wirkende Assoziationen. Das gilt für alle Bereiche, von Technik über Geisteswissenschaften zu Humanwissenschaften usw. Auch NLP ist so ein Fachbegriff.

Auch Dein Link überzeugt meine Skeptiker-Seele nicht: 1.)
Jedes Teammitglied verkauft sich als Multitalent - hat
mindestens 5 Berufe oder Ausbildungen, warum gehen die dann
nicht einer dieser Qualifikation angemessenen Beschäftigung
nach, sondern geben 2.) stattdessen Seminare zu NLP, die für 2
Tage 350,00 und für 5 Tage 650,00 EUR bei mehreren Teilnehmern
kosten, und die 3.) jeder besuchen kann, der will - ohne
Vorbildung also, nur Vorkasse - um diesen Krams dann
anschliessend weiter in die Welt zu tragen und was 4.) auch
erklärt, warum die Leute alle so viele Berufe haben…

Im ÖTZ-NLP kann man nur die Einstiegsveranstaltung ohne Vorbedingungen besuchen. Alle weiteren Seminare setzen voraus, dass man schon einschlägige Seminare besucht hat. Für sehr fortgeschrittene Ausbildungen (ich glaub zB NLP-Trainer, Coach, Supervisor) muss man sogar ein abgeschlossenes Psychologie- oder Psychiater-Studium vorweisen. Wahrscheinlich hast du das beim Durchschauen überlesen.

Bye
Hansi

Hallo!

Auch von deiner unterstellten erhofften Deutung war keine Rede.

Um es auf den Punkt zu bringen: Da gibt es nichts zu unterstellen oder zu hoffen. Wenn es sich nun einmal „Neuro-Linguistisches Programmieren“ nennt und ausschliesslich auf Anwendung beim Menschen bezieht, dann sagt der Name aus, dass diese Behandlung eine Programmierung am Menschen durchführen soll. Dazu aber später mehr.

[…], dass fast alle komplexen und umfangreichen Fachdiziplinen Namen haben, die man nur dann wirklich richtig versteht, wenn man von der Diziplin einiges mitgekriegt hat.

Du meinst, so komplizierte Namen wie „Verhaltenstherapie“ oder „Psychoanalyse“? Ich finde die sehr elegant, kurz, knapp und präziese.

Wahrscheinlich hast du das beim Durchschauen überlesen.

Das ist absolut falsch.

Du kannst bei dem von Dir genannten Institut jeden Lehrgang dort besuchen (Vorr.: Auswahlgespräche und Besuch des jeweils vorangegangenen Lehrgangs).

Um später auch Kapital daraus ziehen zu können, muss man allerdings eine Qualifikation haben. Praktischerweise kann man diese Berufsqualifikation direkt an dem Institut erwerben - eine zweieinhalbjährige Ausbildung zum „Lebensberater“. Dies beinhaltet übrigens auch eine Tätigkeit von 750h Praxisstunden, welche aber geschickterweise vom Institut teilweise umgangen werden, da sich auch andere Erfahrungen (die aus den übrigen NLP-Lehrgängen) anrechnen lassen .

Zum Vergleich: in Deutschland muss jemand - um als Psychologischer Psychotherapeut zugelassen zu werden - ein normalerweise 4,5-jähriges Studium der Psychologie mit Hauptfach „klinische Psychologie“ und zwei externe Praktika (12 Wochen) absolvieren. Nachdem er das getan hat, muss er im Anschluss in 3 Jahre Berufserfahrung von 1000 Klinikstunden sowie 2000 Praxisstunden absolvieren, sowie (kostenpflichtige) Lehrgänge

Bei uns in Düsseldorf ist zusätzlich schon während des Grundstudiums ein Präparierkursus am menschlichen Gehirn, 3 Praktika in der psychol. Forschung sowie fachexterne Leistungsnachweise in der Medizin (Physiologie) nötig.

Wir reden hier also zwangsläufig von Äpfel und Birnen.

Übrigens wartet das von Dir gelobte Institut auch mit den üblichen Versprechungen auf, ich zietiere:

„NLP ist heute eine der effektivsten Trainingsmethoden zur Erweiterung und konstruktiven Veränderung menschlichen Erlebens und Verhaltens. NLP ist die angewandte Summe neuer Erkenntnisse der Psychologie, Sprach- und Gehirnforschung und macht erfolgreiche Kommunikation sowie zielorientiertes Denken und Handeln für die persönliche und berufliche Weiterentwicklung lern- und lehrbar.“

und weiter

"Mit NLP lernen Sie,

  • Ziele für sich und andere zu formulieren,
  • guten Kontakt und Vertrauen aufzubauen,
  • Sprache und Körpersprache wirkungsvoll einzusetzen,
  • unbewusste Fähigkeiten und Erfahrungen zu nützen,
  • Denkmuster und Handlungsweisen zu verstehen,
  • Stress, Ängste und Zwänge abzubauen,
  • Lösungen für Probleme und Konflikte zu finden,
  • Fremdbestimmung in Selbstbestimmung zu verwandeln und
  • die eigenen Wünsche und Vorhaben kreativ und erfolgreich zu verwirklichen."

Dergleichen wird z.B. bei einem wissenschaftlichem Studium nicht versprochen - also vielleicht doch nur Verkaufsargumente…?

Aber dafür kostet ein Studium auch nicht:

OETZ-NLP
Ausbildungstarif „Lebensberater“: € 8.500,- bis € 13.500,-
Stufe 1: € 350,-
Stufe 2: € 690,-
Stufe 3: € 3.990,-
Stufe 4: € 3.990,-
Stufe 5: € 3.500,-

= EUR 31.000,00 bis EUR 36.020,00.

Liebe Grüße
Patrick

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Hallo,
nu misch ich mich auch noch ein…

Da Du mich direkt ansprichst: Bis gestern habe ich noch nie
was von NLP gehört. Da ich Psychologie studiere, nahm ich
zunächst an, ich sollte es schon einmal gehört haben. Darauf
hin habe ich „gegoogelt“ und kam zu einem anderen Schluss.

Ja, das wundert mich allerdings auch. Die meisten Psychologiestudenten haben es zumindest schon einmal gehört.

Ich finde den Titel schon zweifelhaft

Meinst du mit Titel den Namen NLP?

  • persönlich erweckt er
    bei mir den Eindruck, als wäre er zu „Marketing“-Zwecken
    gewählt. Er suggeriert, dass man den Menschen programmieren
    kann, auf „Neuro“-Ebene.

Hm ja, das stimmt, es ist kein glücklich gewählter Name. Als NLP „entwickelt“ wurde, hat, glaube ich, noch niemand an die Vermarktung gedacht. Da ging es vorangig darum, diese Sammlung von Techniken, die NLP ja ursprünglich war, unter einem möglichst passenden Namen zusammenzufassen. Die Begründer des NLP sind Linguist und Informatik/Psychologiestudis gewesen, da sie entdeckten, dass sie mittels bestimmter Sprachmuster bzw. Anwendung/Anpassung von Sprache Verhaltensmuster (Verhaltensprogramme) verändern konnten, war die Bezeichnung neurolinguistisches Programmieren doch recht passend gewählt, oder nicht?

Dieses Wunschdenken spricht natürlich extrem viele Menschen an

  • und es suggeriert gleichzeitig, das man selber gar nicht
    mehr so viel tun muss (also die Auseinandersetzung mit sich
    selber, der eigene Arbeitsaufwand wird geringer durch diese
    Möglichkeit).

Naja, die Gefahr hast du natürlich immer, dass Menschen glauben, jetzt bin ich bei einem Berater/Coach/Therapeuten und der sagt mir schon, was mit mir los ist. Natürlich ist es auch im NLP nicht so, dass der NLPler ein paar Zauberworte sagt und der Klient muss nichts mehr tun. Ich kann die hier geäusserte Kritik durchaus nachvollziehen, denke aber auch, dass die Art und Weise wie NLP vermarktet wird, nicht wirklich etwas darüber aussagen muss, wie und ob NLP wirkt. Leider werden aber die Leute, die am lautesten trommeln, auch am ehesten gehört… und zitiert :smile:

NLP ist keine eigenständige Methode. Die Begründer von NLP hatten nur im Sinn herauszufinden, warum manche Therapeuten mehr Erfolg hatten als andere…, haben sie beobachtet, verglichen und das, was sie als Erfolgsfaktoren herausfanden, in Modelle gepackt, so dass es jeder lernen kann.

Genau deshalb gibt es auch keine Zugangsbeschränkung für NLP-Seminare, weil dieses Wissen um Strukturen der Kommunikation kein elitäres ist und es auch nicht werden soll. Das, was man in einer NLP-Ausbildung lernt, ist, diese Kommunikationsstrukturen a) selbst zu entdecken und so von anderen Menschen lernen zu können und b) die Modelle, die andere Menschen erfolgreich anwenden.

Ebenfalls eignet sich NLP IMHO nicht ausschliesslich als Therapieansatz… Ein Therapeut sollte Meiner Meinung nach, auch wenn er hauptsächlich mit NLP arbeitet, fundiert pädagogisch/psychologisch ausgebildet sein. Aber ich glaube auch, dass man ausschliesslich mit klientenzentrierter Gesprächstherapie nicht so weit kommt.

Aber ich gebe gerne zu, dass ich sehr skeptisch bin - dies
gilt auch für diejenige Lehre, die ich persönlich favorisiere.

Wäre ja auch schlimm, wenn du alles kritik- und kommentarlos schlucken würdest :smile: noch besser fände ich allerdings ein wenig Offenheit gegenüber Dingen, die vielleicht noch nicht durch zig Studien bewiesen wurden.

1.)
Jedes Teammitglied verkauft sich als Multitalent - hat
mindestens 5 Berufe oder Ausbildungen, warum gehen die dann
nicht einer dieser Qualifikation angemessenen Beschäftigung
nach,

Hmm, ich weiss ja nicht, in welchem Bereich du nach deinem Studium arbeiten möchtest, aber stell dir mal vor, du wärest Therapeut und ein Klient oder kollege würde deine Qualifikation in Frage stellen, nur weil du vorher Detektiv warst… sehr fundiert, stimmts?

sondern geben 2.) stattdessen Seminare zu NLP, die für 2
Tage 350,00 und für 5 Tage 650,00 EUR bei mehreren Teilnehmern
kosten, und die 3.) jeder besuchen kann, der will - ohne
Vorbildung also,

Dazu hab ich oben was geschrieben.

nur Vorkasse - um diesen Krams dann
anschliessend weiter in die Welt zu tragen und was 4.) auch
erklärt, warum die Leute alle so viele Berufe haben…

Ja? Inwiefern erklärt der Besuch einer NLP-Ausbildung und das In-die-Welt-tragen der Inhalte derselben, dass (oder ob) die Leute mehrere Berufe haben?

Warum studieren eigentlich so viele Menschen, wenn doch alles
so einfach ist.

Warum ist eigentlich eine Psychoanalyse-Ausbildung kein Studiengang?
Warum eigentlich ist eine Gesprächstherpie-Ausbildung kein Studium?

Im übrigen konnte noch niemand eine Studie zitieren, welche
die Wirksamkeit von NLP (denn dabei handelt es sich ja wohl um
eine Therapieform) belegt!

Nein, es handelt sich nicht um eine Therapieform. Es handelt sich um eine Sammlung von Techniken und Instrumenten vor dem Hintergrund eines humanistischen Weltbildes

Lieben Gruß

Ebenfalls liebe Grüße
Xelya