wenn ich mir die links ansehe, die nun als Antwort kamen (dankeschön dafür )- kommt für mich eine weitere Frage auf.
Liest man die Risikofaktoren für Männer und Frauen- und ich zitiere jetzt einige: „Niedriger sozioökonomischer, Niedriges Bildungsniveau, Alleinlebend, Hausfrau, Scheidung/Trennung, Arbeitslo Statu, Arbeitlosigkeit, Berufliche Gratifikationskrisen, Alleinerziehend, Pensionierung, Geringe soziale Unterstützung, Chronische Erkrankungen, Versorgung pflegebedürftiger Angehöriger, Sexueller Missbrauch in Kindheit“ (Frauen und Männer nun beides zusammen notiert)–
dann frage ich mich, ob EIN ganz zentraler Kernpunkt die Isolation ist?
Man kann natürlich unzählige Geschichten dazu erleben- das in jedem Bereich des Lebens- aber ist die Essenz aus den Risikofaktoren nicht vor allem die Isolation?
Wenig bis keinen sozialen Kontakt nach außen (durch vielfältige Ursachen) und damit eine Verarmung als soziales Wesen?
Damit fehlende Verbindung, die der Mensch überlebenswichtig braucht?
Könnte man das so sagen?
Das Isolation ein oder gar DER Grundpfeiler bei der Depression ist?
Reduziert man Geschichten, Vorgänge, Abläufe, Lebensumstände- dann bleibt nur die Essenz…die womöglich die empfundene Isolation ist?
Und das nicht nur nach außen sondern auch nach innen- die fehlende Verbindung zu sich selbst, die auch eine Isolation darstellt.
Es gibt in der Regel eben nicht die eine Ursache, sondern es liegt eine oft sehr unübersichtliche Gemengelage von Faktoren vor, die alle dazu beitragen.
In der öffentlichen Meinung vernachlässigt sind diverse körperliche Faktoren sowie die Epigenetik - Traumata der Eltern und Großeltern begünstigen Depressionen bei den Nachkommen.
dein Gedanke ist nicht falsch, die Einbettung in ein soziales Netz, sprich die Pflege sozialer Kontakte und Aktivitäten gilt im Vorfeld als ein wichtiger Schutzfaktor gegen die Entstehung von Depressionen.
Dabei ist nicht ausschlaggebend, dass die Kontakte problemrelevante Austauschmöglichkeiten bieten, sondern es geht um die Zufuhr positiver Emotionen durch soziale Interaktionen.
Setzt natürlich voraus, dass das Regulativ für einfließende positive und negative Emotionen (da letztere ja auch in sozialen Interaktionen entstehen) bei den betreffenden Personen intakt ist.
Womit sich wieder die Frage nach Ursächlichkeiten und Machbarkeit stellt.
Ich kann dir mal den „Gegenpol“ liefern, bevor du mir deiner Auseinandersetzung mit Depressionen noch selbst ganz depressiv wirst
bist du auch sicher, dass Psychiatrie-Patienten nicht i.d.R. ein Maß an Komorbidität aufweisen, so dass sie nur einen kleinen Ausschnitt aus der Wirklichkeit bieten?
Nein, weil von Depression auch Menschen mit einem funktionierenden sozialen Netzwerk, mit Freunden und Familie betroffen sind. Es kann allerdings sein, dass der depressive das nicht mehr wahrnimmt; das ist aber etwas anderes.
diese Risikofaktoren sind bei weitem nicht die einzigen Auslöser. Wer in der Kindheit kein Selbstwertgefühl vermittelt bekommt, der wird depressiv, und zwar nicht als Erwachsener. Und wer kein ausreichendes Selbstwertgefühl hat, wird durch „gewöhnliche“ Lebenskrisen mehr mitgenommen als andere. Arbeit, Beförderung, soziales umfeldkönnen dabei sowohl kompensieren helfen als auch verdrängen helfen.
Alkohol und Drogen dienen dem Verdrängen der Depression und ihrer Folgen und sind so eine Konsequenz von Depressionen. Netürlich können sie diese auch auslösen - aber in der Regel ist man erst depressiv und dann abhängig.
Liebe Grüße,
die Franzi (depressiv, lebbenslang drogen- und alkoholfrei)
Die Frage ist dabei für mich- WER hat denn die Beschreibung von „funktionierendem Netzwerk“ abgegeben?
Nur weil Außenstehende oder Menschen innerhalb dieses Netzwerkes so eine Beschreibung wählen, muss der Betroffene das nie so empfunden haben. Was von außen scheint- muss sich im Kern nicht genauso abbilden .
das ist schön für Dich. So ist es aber nicht. isolation alleine ist nicht schlimm - wenn man sich traut, kommt man da raus. Egal, ob man Arbeit hat oder nicht, KLinder hat oder nicht, Hausfrau oder erwerbstätig. Aber um den Schritt tun zu können, muss man ihn sich wert sein. Ihn sich gönnen.
ich habe Freunde. Ich weiß, dass das Freunde sind und keine Zufälle. Und ich habe Depressionen.
Ich könnte mehr Kontakt haben, das stimmt, auch wenn es schwer ist, bei mir zu Hause was zu finden. Aber ich erwarte Ablehnung, und daher fällt es mir schwer bzw. ist fast unmöglich. Warum erwarte ich Ablehnung? Weil es lange so war, weil ich es beigebracht bekommen habe, und weil es mittlerweile Gewohnheit ist, dass ich für jeden neuen sozialen Kontakt Entschuldigungen finde - dass mein Gegenüber nur zufällig mit mir redet, weil die Alternativen noch dööfer sind, …
Und selbst wenn ich mehr Freunde hätte - ein paar sind ja schon dazugekommen - werde ich dadurch nicht weniger depressiv. Weil ich mich eben nicht leiden kann.
Aber fühlst Du diese Freundschaften auch als solche?
Sie benehmen sich wie Freunde, sind freundlich zu mir, ich empfinde das - und finde in sekundenschnelle eine Ausrede (Variante A), dass ich da eben was fehlinterpretiere, oder lasse es zu, und denke mir, dass es ja eh nichts ändert - es sind eben liebe Menschen, die Mitleid haben.
zu wenig Verbindung zu Dir selbst
Ich weiß, wie ich ticke, und warum. Das wissen viele Depressive bereits vor der Therapie. Es nützt nur etwas, wenn eine Therapiedarauf aufbaut und Alternativen anbietet zu den eingefahrenen Mechanismen und Blockaden.
Nehmen wir mal für einen Moment an, Isolation wäre ein passender Begriff (ist er zumindest in deer Fachwelt nicht - Isolation bedeutet körperliches Alleinesein, also physische Distanz zu anderen, und absichtliches Ausgegrenztwerden). Wie soll das bei Depression helfen? „Reiß Dich zusammen. Sei fröhlich. Geh raus.“ So? Das ist das Mantra, mit dem jeder einzelne Depressive lebt, seit Jahren und Jahrzehnten, und an denen er scheitert - oder sie. Wieso soll ich zu mir nett sein? Vor meinem ionneren Auge bin ich ein schleimiger glasiger kleiner Haufen. Ein sehr fröhlicher Gedanke.
Die Isolation ist in der Regel die Folge der Depression.
Wenn die Depression erst manifest wird, war sie eigentlich schon vorhanden, hat die Isolation nur verstärkt.
Isolation kann, aber muss nicht zu einer psychischen Erkrankung führen. Genauso kann sich in der Isolation eine Psychose herausbilden.
Genauso kann ein Mensch gestärkt aus der isolation hervorgehen, je nachdem wie die Person befähigt ist, sich mit der konkreten Situation zu arrangieren.
In einer belastenden Beziehung festzustecken wobei man den Partner 24 h täglich um sich hat, auch wenn man täglich einkaufen geht und Kontakte pflegt, kann genauso depressiv machen.
Ich glaube, dass die meisten Frauen mit ihrem Schicksal besser umgehen können und nur statistisch häufiger an Depression erkranken, und dass Männer viel häufiger an ihrer gut maskierten Depression leiden, welche den Frauen das Leben ja letztlich auch erschwert.
Ein Teufelskreis.
Ich möchte damit nicht anzweifeln, dass es weltweit Frauen schwerer haben.