Noch einmal: Kopftuch

Hallo Omar!
Zu der Frage, wie das Kopftuch im Islam legitimiert wird, hast du geschrieben:

Aber letztlich entscheiden tatsächlich Muslime, was der Islam
ist. Die Mehrheit der Muslime erkennen in den bekannten
Passagen, dass die Frauen ihren Körper inkl. Haaren bedecken sollen.

Wenn das mal so einfach wäre!
Grundsätzlich würde ich sagen: Erst einmal hast du recht! Jede Glaubensgemeinschaft auf der Welt darf sich ihre eigenen Regeln geben.
Allerdings: Im Mittelalter fand die Mehrheit der Christen es völlig in Ordnung, Frauen (und Männer) aufgrund unbewiesener Anschuldigungen als Hexen bei lebendigem Leibe und schön langsam zu verbrennen. Heute sagen wir, das war Unrecht. Warum?
Es gibt offenbar allgemeine, wenn auch schwer im Einzelnen zu definierende Menschenrechte. Und dort, wo religiöse Regelungen diese Menschenrechte massiv verletzen, kann mir das nicht gleichgültig sein.
Beim Kopftuch ist das so eine Sache! Wird es von einer Frau freiwillig getragen, ist es ein „harmloses“ Symbol der Religionszugehörigkeit, das ich natürlich auch in Deutschland akzeptiere. Ist es dagegen ein Mittel von Männern und religiösen Gruppen zur Unterdrückung von Frauen, von Freiheit, Demokratie u.s.w. finde ich es schlimm!
Ich hoffe, du liest meine Zeilen nicht als eine Ablehnung des Islam! Mein Ideal ist ein friedliches tolerantes Zusammenleben von Moslems, Christen, Atheisten und … unter der allgemeinen Anerkennung der Menschenrechte!
Gruß!
Christian

Hallo Omar!
Zu der Frage, wie das Kopftuch im Islam legitimiert wird, hast
du geschrieben:

Aber letztlich entscheiden tatsächlich Muslime, was der Islam
ist. Die Mehrheit der Muslime erkennen in den bekannten
Passagen, dass die Frauen ihren Körper inkl. Haaren bedecken sollen.

Wenn das mal so einfach wäre!

Hallo,

zum Einen gibt es klare Belegstellen dafür im Koran, ich wollte nur klarstellen, dass trotzdem es der jeweiligen Religionsgemeinschaft zustehen sollte, diese Stellen hervorzuheben, zu interpretieren und im Übrigen sich daran zu halten oder nicht.

Allerdings: Im Mittelalter fand die Mehrheit der Christen es
völlig in Ordnung, Frauen (und Männer) aufgrund unbewiesener
Anschuldigungen als Hexen bei lebendigem Leibe und schön
langsam zu verbrennen. Heute sagen wir, das war Unrecht.
Warum?
Es gibt offenbar allgemeine, wenn auch schwer im Einzelnen zu
definierende Menschenrechte. Und dort, wo religiöse Regelungen
diese Menschenrechte massiv verletzen, kann mir das nicht
gleichgültig sein.
Beim Kopftuch ist das so eine Sache! Wird es von einer Frau
freiwillig getragen, ist es ein „harmloses“ Symbol der
Religionszugehörigkeit, das ich natürlich auch in Deutschland
akzeptiere. Ist es dagegen ein Mittel von Männern und
religiösen Gruppen zur Unterdrückung von Frauen, von Freiheit,
Demokratie u.s.w. finde ich es schlimm!

Und wenn eine Hose einer Frau (oder wenn wir schon dabei sind auch einem Mann) aufgezwungen wird, so ist sie Symbol für die Unterdrückung… Das hört man immer wieder und ich muss sagen, wenn das so wäre, hätte die Politik keine so klare Abgrenzung zum Kopftuch an sich gemacht. Es ist doch ganz klar, dass das Kopftuch medientechnisch und politisch verteufelt wurde. Würde man allgemein deiner Meinung sein, müsste sich eine andere Herangehensweise herauskristallisiert haben: Man würde den Zwang bekämpfen, nicht das Objekt an sich. So aber, hat man das Kopftuch zum Symbol der Intolleranz der deutschen Gesellschaft gemacht!

Ich hoffe, du liest meine Zeilen nicht als eine Ablehnung des
Islam! Mein Ideal ist ein friedliches tolerantes Zusammenleben
von Moslems, Christen, Atheisten und … unter der
allgemeinen Anerkennung der Menschenrechte!

Das ist schön und gut, aber meinst du nicht, dass die „Kopftuchproblematik“ grösser gemacht wurde, als sie tatsächlich ist? Deine Ausführungen zum Beispiel zeugen von der Überbewertung des Problems, denn du vergleichst das Kopftuchtragen mit der Hexenverbrennung!

Wir glauben, dass sich der Islam nicht ändern kann/darf. Zumindest darf keine menschliche Instanz den Islam ändern. Das wiederspräche dem Sinn des Ganzen: Die Worte Gottes sollten tatsächlich die Worte Gottes sein. Was passiert ist, dass man immer wieder in den Koran schaut und neue Schlüsse zieht. Das Wichtige dabei ist, dass keine islamische Kirche den Menschen vorschreibt, was im Koran steht. Es gibt eine Vielzahl von Gelehrten, die sich durchaus nicht einig sind und schon immer die Möglichkeit gehabt haben, ihre „Meinungen“ publik zu machen, auf dass sie die Menschen überzeugen. Deshalb kann es organisatorisch keine solchen Fehler gegeben haben wie in der kirchlichen Geschichte. Versteh mich nicht falsch, es gab Fehler. Ich nenne einfach mal den Abriss einer wichtigen Kirche in Palästina. Dies wurde aber durch einen Herrschenden durchgeführt und vom nächsten wiedergutgemacht in voller Anerkennung der christlichen Gemeinde in der Gegend.

Das Kopftuch wird heutzutage öfters als klare Trennung seitens der Nichtmuslime vorgehalten, um zu sagen „Die sind anders“. Und mit anders ist hier keineswegs „besser“ gemeint. Wenn es tatsächlich um den Zwang gehen würde, dann würde man sich genauso auch den Zwängen gegen das Kopftuch annehmen: Männer, die ihren Töchtern, Ehefrauen oder Schwestern das Kopftuchtragen verbieten. Aber das scheint vollkommen in Ordnung zu sein…

Gruss, Omar Abo-Namous

Moin,

Das ist schön und gut, aber meinst du nicht, dass die
„Kopftuchproblematik“ grösser gemacht wurde, als sie
tatsächlich ist? Deine Ausführungen zum Beispiel zeugen von
der Überbewertung des Problems, denn du vergleichst das
Kopftuchtragen mit der Hexenverbrennung!

Wenn Kopftuchzwang bei Mädchen (und hier kann es sich nur um Zwang handeln, da IMHO kein Kind unter 14 oder 16 in der Lage ist, eine dermaßen weitreichende Entscheidung souverän für sich selbst zu treffen) dazu führt, dass Mädchen in den Schulen als „freaks“ rumlaufen und von ihren Mitschülern ausgegrenzt werden (häufig bleibt es ja nicht beim Kopftuch, sondern hinzu kommen Verbote zur Teilnahem an Aktivitäten wie Sportunterricht und Klassenfahrten), dann sollte eigentlich auch dem letzten „Toleranzbefürworter“ klar sein, dass hier Grundsteine für gestörtes Sozialverhalten gelegt werden, die man so in dieser Gesellschaft eben nicht tolerieren sollte.

Der Verweis auf andere Zwänge, die sicher auch schlimme Auswirkungen haben können, zieht hier übrigens nicht. Denn hier geht es um das Kopftuch.

Im Endeffekt muss die Frage immer lauten: Was erreiche ich mit einem Ver-/Gebot bei Kindern an Positivem: In diesem Fall (Kopftuch nein), höher Akzeptanz bei Mitschülern, Zugehörigkeitsgefühl, Chance auf Integration etc. gegenüber Kopftuch ja: ja was denn überhaupt ? Was kann ein Kopftuch an der Schule für eine 7-Jährige an Positivem bringen ?

Fragt
Marion

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Was kann ein Kopftuch an
der Schule für eine 7-Jährige an Positivem bringen ?

Da sie sich ausgeschlossen fühlt, wächst in ihr das Gefühl, etwas besonderes zu sein. Mit 16 ist sie dann soweit als Märtyererin für Allah zu sterben und kommt ergo ins moslemische Paradies.

Was soll daran jetzt nicht positiv für sie selbst sein.

(Negativ halt nur für diejenigen, die sie aufstappeln muss, um an die Himmelspforte klopfen zu dürfen, aber das sind eh nur Ungläubige)

Lieben Gruß
Skyver

PS: Ich glaube das nennt man Polemik, wobei ich nicht weiss, was die Polen damit wieder zu tun haben sollen.

Hallo Omar!

Wieso ist dann das Kopftuch in der Türkei verboten?

Das soll keine provokative Frage sein! Es interessiert mich wirklich.

Gruß
Siân

Hallo,

weil dort nicht Muslime entschieden haben, sondern Attatürk und seine militärischen Nachfolger. Aber das scheint niemand der Türkei vorzuhalten, denn eine Freiheitseinschränkung in dieser Richtung ist in Ordnung.

Gruss, Omar Abo-Namous

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

danke OwT

PS: Ich glaube das nennt man Polemik, wobei ich nicht weiss,
was die Polen damit wieder zu tun haben sollen.

Hi,

die Polen haben auch nix damit zu tun sondern die Polemier.

Grüße (:wink:)))
Sue