Noch mal Unterkunft - 100 Jahre später?

Hallo Leute,
um das Thema der vorhergehenden Frage noch mal leicht abgewandelt aufzunehmen - 100 Jahre später, 1530: Wenn da eine Hochzeit auf einer Burg gefeiert wurde, deren Platz ja wirklich nicht unendlich war, wo schliefen Küchenmeister, Soßenkoch, Hühnerrupfer, Wasserträger, Spießbratendreher, Feuerholzholer, Credenziere, Mundschenk (hab ich wen vergessen? :wink: ) sowie Wachleute, Diener für Tisch und Tafel, Zimmermädchen - waren das Leute, die jeden Tag auf der Burg gebraucht wurden und da wohnten (aber wo?), weil dauernd so geprasst wurde, oder waren das Leute aus dem Dorf? Wenn 300 Leute zu Besuch kommen, braucht man entsprechend Personal, das sich vor Ort auskennen sollte, sonst geht einiges schief. Oder gabs vielleicht zu der Zeit, die ja ungefährlicher war, abgesehen von den Bauernkriegen, die ab 1525 stattfanden, vielleicht schon feste Häuser rund um die Burg herum, die damals allmählich zu komfortablerenn Renaissanceschlössern umgebaut und erweitert wurden?..
Danke für euer Mitgrübeln, Susanne

Tach Susanne,

um 1530 war das Lehns-und Fronwesen in seiner schönsten Blüte: jeder bäuerliche Untertan hatte seinem Herrn „Hand- und Spanndienste“ zu leisten. Diese waren im Vertrag, der bei jedem Wechsel - entweder des Herrn oder des Bauern - neu geschrieben wurde, genau aufgeführt.
Zu solchen Diensten wird auch die Hilfe bei Festen gehört haben, wenngleich ich im Augenblick kein Beispiel zur Hand habe.

Hochzeiten und andere Feste wurden damals zweifellos an den Möglichkeiten und der Bedeutung der adligen Familie ausgerichtet, will sagen: ein kleiner Freiherr - meinetwegen der Freiherr von Sternenfels in Zaberfeld (ja, den gabs wirklich!) - wird anders gefeiert haben als der Herzog in Stuttgart. Da werden also keine 300 Bediensteten gebraucht worden sein.

Also solltest Du Dir klarwerden, welche Bedeutung und welchen Rang Dein Adliger hatte: einfacher Ritter, Freiherr, Graf? Reichsunmittelbar oder Lehnsmann eines anderen Adligen?

Fragen über Fragen.

Welche Gegend? Nord- oder Süddeutschland?

Das alles ist zu bedenken. Freilich wird die Regel gewesen sein, daß der Adlige Leute aus den Dörfern geholt hat. Und Dörfer müssen dagewesen sein - woher hätte er sonst seinen Zehnten bekommen?

Gruß - Rolf