Noch mal von vorn

So…jetzt ist der erste Teil vom ersten Teil erst mal umgeändert und ich bin schon mittendrin in der Fortsetzung.
Das Meiste ist vollkommen umgeschrieben, alle Kritiken sind berücksichtigt, Vorschläge wurden übernommen (oder auch nicht). Und gerade jene sind insbesondere jetzt wieder willkommen. Also, wer meint, seinen Senf dazugeben zu wollen: Nur zu! Wer Ideen für eine Weiterführung der Handlung hat: Immer her damit!
Ich habe mir alle Mühe gegeben, weniger Sülze und mehr Dialoge einzubasteln. Mir sind dabei die Ideen ausgegangen, und ich weiß, dass ich die Klasse von diversen Autoren dabei nicht erreicht habe. Trotz aller Kritik an meinen (zugegeben) zu häufig eingebauten Beschreibungen, gehören Beschreibungen der Umwelt der Romanfiguren nun mal in einen Roman. Hab mich auch über Headsets und dergleichen informiert und Heinrichs Klischees ausgebaut. Ich hoffe auch ein Rolf ist zufrieden.
Viel Spaß beim Lesen und Kritisieren!

In dem kleinen, fensterlosen Raum des Theaters war es stockdunkel. Jane saß verstört auf einem harten Metallstuhl. Ihre Hände hatte man ihr brutal mit Klebeband hinter der Rückenlehne gefesselt und die Füße an die Stuhlbeine gebunden. Ihr Mund war zugeklebt, sodass sie nur durch die Nase atmen konnte, und die Augen waren mit einem schwarzen Tuch verbunden. In dieser Lage konnte sie sich kaum bewegen. Ihre Schultern schmerzten und das Band zerrte an ihren Handgelenken. Sie fühlte sich so schwach und ausgeliefert wie noch nie in ihrem Leben.
Die verzweifelten Hilferufe waren durch das Klebeband zu einem armseligen, unverständlichen Wimmern erstickt. Ihr Gesicht war rot und aufgedunsen, die braunen, lockigen Haare hingen ihr in Strähnen in das verschwitzte Gesicht. Gierig atmete sie die stickige, warme Luft ein. Außer dem hektischen Schnaufen durchdrang nun kein Laut mehr die gespenstische Stille.
Jane hatte das Schreien aufgegeben. Die Hoffnung auf eine baldige Rettung war verschwunden; jetzt überwältigte sie das entsetzliche Gefühl der Angst. Sie wusste nicht wie lange sie schon hier saß. Es konnte eine halbe Stunde sein. Aber wenn man tatenlos herumsitzt, kommt einem die Zeit länger vor. Vielleicht waren es nur zehn Minuten, für sie war es eine Ewigkeit.
Heute sollte die Nachwuchsgruppe des Theaters eine Eigeninterpretation des Dramas von Dr. Faust aufführen und ihre Freundin Susan hatte sich bereiterklärt die Moderation des Abends zu übernehmen. Moderiert hatte sie noch nie eine Vorstellung, da ihre Freundin sonst selber als Schauspielerin auf der Bühne stand, und so hatte Susan sie gebeten mitzukommen, um als Zuschauer moralischen Beistand zu leisten. Da sie eine halbe Stunde früher gekommen war, hatte sie sich noch mit einem Glas Sekt in der Hand im Foyer hingestellt und die eintreffenden Gäste beobachtet, die die ausgetretenen Stufen von der Garderobe heraufkamen.
Ein freundlicher, kräftiger Herr hatte sie später an der Bar angesprochen und sie nach den Toiletten gefragt. Sie hatte ihn hingeführt, hätte sie ihm den Weg beschrieben, wäre er wahrscheinlich nie dort angekommen. Die Toiletten lagen im Untergeschoss in einem kleinen Seitengang. Nachdem der Mann hinter der Tür mit dem goldenen Männchen verschwunden war, hatte ihr plötzlich jemand aus dem Nichts ein Klebeband auf den Mund und die Hand vor die Augen gepresst. Gleichzeitig hatte sich ein muskulöser Arm von hinten um ihren Hals geschlungen und sie gewaltvoll bis in das Zimmer gezerrt, wo sie gefesselt wurde.
Der Weg dorthin schien endlos gewesen. Ihr gedämpftes Schreien wurde von einer lauten, inszenierten Unterhaltung mit einem weiteren Mann übertönt. Mit ihr hatten die unbekannten Männer nicht gesprochen. Wortlos hatten sie den Raum wieder verlassen und hinter sich abgeschlossen.
Jane ließ das Kinn auf die Brust sinken. Warum ausgerechnet sie? Was hatte sie den Männern getan? Wo hielt man sie gefangen? War sie überhaupt noch im Theater? Noch mehr Fragen stellten sich ihr, auf die sie verzweifelt eine Antwort suchte. Fieberhaft ging sie die Erlebnisse der vergangenen Stunde in ihren Gedanken noch einmal durch, aber sie verstand es nicht. Hatte der kräftige Herr von der Bar etwas damit zu tun, oder hatte er sie nur zufällig angesprochen? Sie machte sich Vorwürfe und wusste gleichzeitig, dass sie dadurch nichts erreichte. Jetzt konnte sie nur noch darauf hoffen, dass Susan ihr Verschwinden schnell bemerken und die Polizei rufen würde.

Mit langen Schritten ging Susan Hall durch einen der vielen engen Korridore des Theaters, vorbei an weißen Holzschränken, in denen die Schauspieler ihre Kostüme aufbewahrten, und vorbei an Umkleidezimmer und Tanzsälen.
Aus den Zimmern links und rechts des Ganges hörte man nur vereinzelte Stimmen heraus. Die Schauspieler der Theatergruppe hatten sich vor der Vorstellung zurückgezogen und bereiteten sich auf ihren Auftritt vor. Allein das dumpfe Poltern ihrer Schuhe auf den Holzbohlen hallte durch den Flur.
Vor ihr öffnete sich eine Seitentür und der Programmleiter Brian Dean steckte seinen Kopf in den schwachbeleuchteten Gang.
„Ah, Sue, ich wusste, dass du’s bist.“ Jetzt trat er ganz in den Gang hinaus, gab Susan die Hand und ging dann mit ihr zusammen in Richtung Bühne. Dean war ein hochgewachsener, schlanker Mann mit braungebrannter Haut, durch die sich viel Falten zogen. Er trug eine Armanie-Brille aus dünnem, silbernem Metall. Auf dem Kopf hatte er blasse Muttermahle, die wenigen grauen Haare klebten an seinem Hinterkopf. Die obersten Knöpfe seines verblichenen Hemdes trug er offen, weißes Brusthaar lugte hervor. „Ich sehe aus, wie ein alter weißer Mann, der in der Nachbarschaft die Dosen aufsammelt“, hatte er einmal zu Susan gesagt. So sah der Programmleiter geradezu gutmütig aus.
„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“, schimpfte er laut während er neben ihr herging, und fuchtelte dabei wild mit den Händen. "Ich gebe mir die größte Mühe die Kinder unter einen Hut zu bringen, aber immer hat irgendeiner ein Problem. Text vergessen, Kostüm kaputt, Lampenfieber, und im Büro gibt es ständig diese Anrufe. Da gibt es immer noch Deppen, die nach Karten für die Vorstellung fragen. Ich hab jetzt Elli ans Telefon verbannt. Sie ist die Einzigste, die ich hier noch entbehren kann.“
Susan schüttelte lächelnd den Kopf. „Du machst dir selbst das Leben schwer. Die Kids sind froh, dass sie vor soviel Leuten auftreten können. Die Texte fallen ihnen wieder ein, die Kleider können sie austauschen und das Lampenfieber verschwindet, sobald sie nur einen Fuß auf die Bühne gesetzt haben. Der Abend wird glatt laufen, Brian. Was die Putzfrau betrifft, wir können sie auch gleich als Sekretärin einstellen. Saubermachen bringt in diesem Haus sowieso nichts und Elli macht den Job ja nicht zum ersten Mal. Ich wäre enttäuscht, wenn du wegen ein paar Nachwuchsschauspielern und einem Telefon das Handtuch wirfst.“
„Da hast du wohl Recht“, seufzte Brian. Er setzte seine Brille ab und rieb die Gläser mit seinem Hemd sauber.
„Und außerdem“, fuhr Susan fort, „tut uns allen ein bisschen Dampf unter dem Hintern auch gut. Schau dir unseren Direktor an. Greenberg versucht schon seit Jahren der Stadt ein paar Cent für das Theater abzudrücken.“ Sie deutete dabei auf die Wände, wo schon der fehlende Putz das Mauerwerk freigelegt hatte.
Brian winkte ab. „Soviel Dampf habe ich aber nicht.“
„Ich weiß, du hast viel mit dir selbst zu tun und du gibst dir alle Mühe, dass es hier im Theater zumindest nicht schlechter wird. Das macht aber keiner besser als du.“
Der Programmleiter lächelte. „Naja, ich mag den Job. Bloß an Tagen wie diesen bin ich nicht ganz so in die Arbeit vernarrt wie sonst.“
Als er keine Anstalten machte, noch etwas zu sagen, fragte Susan: „War Jane schon hier?“
„Ja, vor einer Viertelstunde. Sie hat nach dir gefragt, aber ich wusste nicht, wo du warst. Sie wollte im Foyer auf dich warten.“
Der Gang machte jetzt eine Biegung. Susan überlegte, ob sie Jane noch vor der Aufführung oder erst hinterher aufsuchen sollte.
„Übrigens, auch Jeff wollte vorhin mit dir sprechen“, unterbrach Dean ihre Gedanken. „Ich glaube, es geht um deine Verkabelung.“
Um was sonst, dachte sie genervt. „In Ordnung, ich geh gleich zu ihm.“
Jeff Kurth, der Techniker, war ein meistens gehetzt dreinblickender, junger Mann, der darauf bedacht war, jede Vorstellung fehlerfrei über die Bühne zu bringen. Lieber prüfte er die Elektronik mehrmals, als dass sie während einer Aufführung zusammenbrach. Und so probte er, zum Leid der Bühnenarbeiter, immer und immer wieder das Öffnen und Schließen des Vorhangs, das An- und Ausmachen der Scheinwerfer und der Musik.
Jeff war es auch gewesen, der mühsam, mit einer Kabelrolle bewaffnet, die Leitungen so durch den Saal verlegte und auf dem Boden festklebte, dass kein Besucher darüber stolpern konnte. Jetzt suchte er Susan, um ihr zum wiederholten Mal die für ihn durchaus komplizierte Funktionsweise ihres Headsets zu erklären.
Sie erreichten die schwere Eisentür, auf der in schwarzen Großbuchstaben das Wort ‚STAGE’ prangte. Dean öffnete sie und beide betraten einen großen, abgedunkelten Raum mit hoher Decke, der direkt an die Hauptbühne anschloss. Die große vergitterte Lampe über der Tür ließ ihre Köpfe kurz in rotem Licht aufleuchten. Neben den vielen Vorhängen, die von mehreren Seilrollen und elektrischen Kurbeln getragen wurden, hingen noch Teile von Bühnenbildern von der Decke. Verschiedene Requisiten aus vergangen Theaterstücken standen herum, viele mit einer mächtigen Staubschicht. Außer ihnen waren noch zwei verdreckte Bühnenarbeiter und Jeff Kurth in diesem Raum.
Gleich nachdem sie hereingekommen war, ging der Techniker auf Susan zu. „Hey, Sue, ich hab hier was für dich.“
Susan verdrehte unmerklich die Augen und sah zu Brian, der zu Rob, einem der Bühnenarbeiter, hinübergegangen war und jetzt heftig mit ihm diskutierte. Seinen Gesten nach zu urteilen, ging es dabei wohl um den Kasten Bier, den der Programmleiter hinter einem künstlichen Springbrunnen entdeckt hatte.
Jeff drückte ihr ein Headset in die Hand. Gleich würde wieder der Teil kommen, wo er ihr dessen Gebrauch in aller Ausführlichkeit erklären wollte.
„Das Ding funktioniert wie ein Telefonhörer“, begann er langsam, als hätte er Probleme mit dem Sprechen. „Nur fehlt eben der Telefonhörer. Hier ist das Mikrofon, da deine Hörmuschel.“ Jeff tippte mit dem Finger drauf. „Hier schaltet man auf stumm; die Lautstärke ist eingestellt, müsste alles kein Thema sein.“
Susan atmete auf; heute war es nur die Fünfzehn-Sekunden-Variante.
Während sie sich unterhielten, beobachtete Susan auf den Monitoren der Überwachungskameras, wie sich der Saal auf der anderen Seite des schweren Vorhangs langsam mit Gästen füllte. Die ruhige Musik eines Streichorchesters spielte leise aus den Lautsprechern. Zwei große, zentnerschwere Kronleuchter warfen ihr helles Licht durch unzählige Glaskristalle durch den Raum, während wuchtige Vorhänge aus purpurrotem Stoff vor den Fenstern verhinderten, dass Tageslicht hereinkam.
Der Techniker grinste: „Falls du vorhaben solltest, deinen Scotch schon auf der Bühne zu trinken, dann musst du nur das Mikro hochklappen.“
Er führte es ihr vor und kippte den hautfarbenen Bügel, welcher eng an ihrer Wange zum Mund führte, nach oben und wieder runter. „Wenn du raus gehst, drück erst auf den Stumm-Knopf, sonst wird es ziemlich peinlich. Viel Glück.“
Susan war froh, als er sich wieder seinem Mischpult zuwendete. Sie hasste es, wie selbstverständlich Jeff ihr im Gesicht rumfummelte, und er schien es jedes Mal aufs Neue zu genießen. Konnte er seine Spielereien nicht demonstrieren, wenn sie das Gerät nicht aufgesetzt hatte? Hoffentlich ließ er sie wenigstens während der Vorstellung in Ruhe. Dialogtext gab es nicht, an den man sie über das Headset erinnern müsste und der Programmablauf würde wohl auch nicht kurzfristig geändert werden.
Sie schaute auf ihre Armbanduhr. In wenigen Minuten war Vorstellungsbeginn und vom Saal drangen die immer lauter werdenden Unterhaltungen der Zuschauer herein.
Claire, die engagierteste Maskenbildnerin, die man an diesem Theater je gesehen hatte, prüfte noch einmal ihr Make-up und ihre Kleidung – ein enger blauer Rock mit weißer Bluse. Claire hatte eine Schwäche für Röcke und so hatte sie auf dieses Kostüm bestanden, obwohl Susan lieber eine weite Hose getragen hätte.
Auch wenn die Maskenbildnerin um Welten kräftiger war als Susan, war sie sich noch nie zu schade einmal in der Woche in neuer Kombination zur Arbeit zu kommen. Jeff konnte es nicht lassen, sich bei jeder Gelegenheit über die Beine der Maskenbildnerin lustig zu machen, und diese mit allen möglichen Utensilien zu vergleichen. Trotzdem mochte Susan ihre liebenswürdige, naive Art mit Menschen umzugehen. Derartige Eigenschaften konnte sie bei Jeff Kurth vergebens suchen.
Die meisten Gäste hatten jetzt im Raum ihre Plätze eingenommen. Brian Dean, die letzten Minuten immer mit einem Ohr am Vorhang und ständigem Blickwechsel mit der Uhr, deutete ihr an, sie solle sich langsam bereithalten.
„Noch fünf Minuten bis zu deinem Auftritt, Sue“, rief er ihr zu. „Ich weiß, du könntest Stunden füllen“, witzelte er, wohl wissend, dass die Moderation für Susan eine Premiere war. „Aber das würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Halt dich also lieber zurück.“
Susan versuchte ein gequältes Lächeln. Langsam wurde sie unruhig. Sie versuchte sich krampfhaft an die aufmunternden Worte von Direktor Greenberg zu erinnern. „Moderieren ist das Gleiche wie Schauspielern, meine Liebe. Bloß redest du hier nicht mit deinen Kollegen, sondern mit dem Publikum. Alles andere ist reine Routine, und da fehlt es dir bestimmt nicht an Erfahrung. Alles klar?“
Greenberg war stets ein fröhlicher Mensch, der in anderen meist nur das Gute sah. So zweifelte er auch nie an den Erfolg dieses Abends. Aber auch wenn sie schon viele Stunden vor Zuschauern verbracht hatte, fühlte sie sich dennoch ein Stück verlassen mit ihrer Aufgabe.
Sie atmete tief durch. Trotzdem, nach all den Jahren, die sie bis jetzt am Theater verbracht hatte, war das Lampenfieber immer noch so stark, wie an ihrem ersten Tag. Doch sie wusste, dass der Kampf gegen die Angst gewonnen sein würde, sobald sie auf der Bühne war.
Durch einen kleinen Spalt im Vorhang versuchte sie Jane ausfindig zu machen. Sie überflog die vorderen Reihen, doch sie fand ihre Freundin nicht. Wo mag Jane nur sein? Susan verdrängte die Gedanken und versuchte sich zu konzentrieren. Jane war vielleicht gerade nicht unter dem Publikum oder sie saß weiter hinten im Raum oder hatte einen Platz auf der Empore.
Gleich würde es losgehen. Das Blut pochte ihr in den Adern, sie stand angespannt am Vorhang. Im Saal erlosch langsam das Deckenlicht – vorsichtig, als wolle man die Zuschauer nicht mit plötzlicher Dunkelheit überraschen. Jeff spielte die ihr wohlbekannte Musik ein. Doch hier hinter dem Vorhang kamen ihr die heiteren Töne so merkwürdig fremd vor, obwohl sie diese Melodie schon oft bei den Proben gehört hatte.
Brian stand an der linken Seite des Vorhangs, von wo er auf die Bühne blicken konnte. „OK, Sue. Showtime!“ Er streckte den Daumen nach oben. „Kein Problem für dich.“
„Ich wünschte, ich wäre mir da auch so sicher“, lachte Susan und schaltete ihr Mikrofon ein. Sie schob den schweren Stoff des Vorhanges ein Stück zu Seite; der Spot-Scheinwerfer blitzte von der Empore auf und hüllte sie in gleißendes Licht.
Die Gäste brachen in tosenden Beifall aus, als sie auf die Bühne trat. Jetzt kam das Lächeln von ganz allein; Angst und Aufregung waren vergessen, die Zuschauer saßen gespannt in ihren Sitzen und blickten erwartungsvoll auf die junge, attraktive Frau, die strahlend in das Publikum schaute.

Brian hegte keinen Zweifel daran, dass Susan die Zuschauer auf ihre Seite ziehen würde. Insgeheim bewunderte er ihre positive Ausstrahlungskraft und ihre Art, wie sie Menschen mit ihrem sympathischen Lächeln für sich gewann. Er hatte mit ihr von Anfang an hier zusammen gearbeitet und ihren Optimismus schätzen gelernt. Seit dem ersten Tag, war sie immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert worden; einen Absturz hatte sie nie erlebt. Offensichtlich genoss sie die entspannte Athmosphäre am Theater, in der sich jeder Schauspieler frei entfalten konnte.
Brian schaute hinaus auf die Bühne. Keine zehn Meter von ihm entfernt stand Susan und lachte in die tobende Menge. Er hatte schon des Öfteren daran gedacht, diese Frau mit dieser begehrenswerten Gestalt zum Dinner auszuführen. Doch auch wenn ihm niemand bei der Organisation des Theaterprogramms das Wasser reichen konnte, blieb der Zeitplan seines eigenen Lebens auf der Strecke. Versuchte er sich mit Gewalt darin Platz zu schaffen, konnte er sich trotzdem nie ganz überwinden seine Kollegin auf ein abendliches Essen anzusprechen. Es fehlte ihm der Mut, und daran verzweifelte er.
Während Brian Dean seinen Gedanken nachhing, bemerkte niemand, wie jemand langsam den Griff der Eisentür nach unten drückte und die Tür einen Spalt breit aufzog. Im Gang draußen war es stockdunkel. Ein Augenpaar suchte den Raum ab und entdeckte die wenigen Theaterleute – in diesem Moment ganz auf die Geschehnisse auf der Bühne konzentriert.
Jeff hatte den Kopfhörer aufgesetzt und starrte auf den Bildschirm vor sich, die zwei Bühnenarbeiter, müde von der Anstrengung des langen Arbeitstages, saßen auf beiden Seiten einer hohen Klappleiter, vor sich eine gefüllte Teekanne, und warteten darauf, dass die Schauspieler aus den Kabinen kamen. Ab und zu füllten sei ihre geleerten Becher nach, die sie dann bedächtig, als wollten sie die beruhigende Wirkung des Getränkes nicht mindern, in langen, vorsichtigen Zügen austranken.
Hätte jemand den Fremden bemerkt, hätte er nur das Weiß der Augen zu sehen bekommen, die Gesichtszüge lagen im Schatten. Geräuschlos wurde die Tür jetzt ganz geöffnet. Zwei schemenhafte Gestalten huschten geräuschlos durch den Eingang und wurden nur für den Bruchteil einer Sekunde unter dem roten Licht der Lampe über dem Zugang beleuchtet. Ein dritter Mann bewachte draußen den Gang und verhinderte, dass die Tür zu laut ins Schloss fiel.
Die Gestalt, die als erster den Raum betreten hatte, wies kurz auf Dean, der immer noch abgewandt neben dem Vorhang stand. Mit kurzen, schnellen Schritten schlich der zweite Mann geduckt auf den Programmleiter zu. Einer Katze gleich warf sich der Fremde auf ihn, die muskulösen Arme schräg vor der Brust wie zwei wuchtige Rammen. Dean stürzte zu Boden, der Mann über ihm fiel auf ihn drauf und presste die Luft aus dem Brustkorb. Brian wollte schreien, aber kein Laut drang durch seinen vor Entsetzen und Überraschung aufgerissenen Mund.
Die zwei Bühnenarbeiter, sich eben noch leise unterhaltend, blickten erschreckt auf, ihre Gesichter verzerrten sich in Panik, die Tassen fielen polternd zu Boden. Der erste Mann lief mit ausgestrecktem Armen auf die beiden zu; die Hände in schwarzen Lederhandschuhen hielten eine Pistole auf die zwei Theaterleute gerichtet. Der lange Lauf des Schalldämpfers wirkte bedrohlich und machte die Waffe um einiges gefährlicher. Ein Schuss würde nur die Lautstärke eines leisen Hustens haben – höchstens.
Die kalten Augen des Mannes waren ohne Skrupel. Falls die Bühnenarbeiter nur einen Laut von sich geben würden, wäre es ihr letzter gewesen.
In kurzer Zeit waren alle vier Personen im Raum gefesselt und mit abgerissenen Teilen eines alten Vorhangs, der zusammengelegt auf einem Tisch gelegen hatte, geknebelt. Und dann war es vorbei.
Der erste Mann schritt auf den Platz des Technikers zu, der jetzt mit zusammengebundenen Händen und Knien neben den drei anderen Gefangenen saß und nun hilflos zusehen musste wie der unbekannte Mann sich vor die Bildschirme niederließ und den Kopfhörer aufsetzte.

Chapeau!
Hi mifune,

waow, Du hast einen riesigen Schritt in die richtige Richtung gemacht :smile: Du hast die Kritikpunkte von unten sehr gut umgesetzt *lob* DAS ist was, was - zumindest wenn Deine ViKa stimmt - viel ältere Leute nicht schaffen! Sauber gemacht.

Und natürlich ist’s auch um einiges leichter die Werke von anderen Leuten zu „verreissen“ als es selber besser zu machen… Aber ich gestehe - ich selber lerne beim kritisieren sehr viel. Darum erneut ne Menge Senf. Wie schon vorhin gesagt - das hier ist um eine Welt besser als die erste Version.

Wie gesagt, das alles nur mein Eindruck, nicht persönlich gemeint und bitte nicht übel nehmen wenn manches patzig klingt. Ist so nicht gemeint. Achja, und im übrigen warte ich gespannt auf die Fortsetzung :wink:

*wink*

Petzi

Ich habe mir alle Mühe gegeben, weniger Sülze und mehr Dialoge
einzubasteln. Mir sind dabei die Ideen ausgegangen, und ich
weiß, dass ich die Klasse von diversen Autoren dabei nicht
erreicht habe.

Ja und? Rome wasn’t built in a day. Oder wie mal jemand zu mir sagte „Schreiben ist ein Handwerk, das man lernen muss“.

In dem kleinen, fensterlosen Raum des Theaters war es
stockdunkel. Jane saß verstört auf einem harten Metallstuhl.
Ihre Hände hatte man ihr brutal mit Klebeband hinter der
Rückenlehne gefesselt und die Füße an die Stuhlbeine gebunden.
Ihr Mund war zugeklebt, sodass sie nur durch die Nase atmen
konnte, und die Augen waren mit einem schwarzen Tuch
verbunden. In dieser Lage konnte sie sich kaum bewegen. Ihre
Schultern schmerzten und das Band zerrte an ihren
Handgelenken. Sie fühlte sich so schwach und ausgeliefert wie
noch nie in ihrem Leben.
Die verzweifelten Hilferufe waren durch das Klebeband zu
einem armseligen, unverständlichen Wimmern erstickt. Ihr
Gesicht war rot und aufgedunsen, die braunen, lockigen Haare
hingen ihr in Strähnen in das verschwitzte Gesicht. Gierig
atmete sie die stickige, warme Luft ein. Außer dem hektischen
Schnaufen durchdrang nun kein Laut mehr die gespenstische
Stille.

Dieser Anfang gefällt vom Inhalt her gut. Gerade da Du ja nicht auf einen Liebesroman loswillst sondern das wohl schon eher in einen (Kurz-)Krimi gehen soll.
Aber ich finde gerade hier in dieser Situation zu viel Beschreibung. Das heisst - nicht eigentlich „zu viel“ Beschreibung, sondern vielleicht die falschen Dinge. So als Beispiel: dass Janes Haare braun sind und ihr Gesicht aufgedunsen, interessiert mich nicht sooo sehr. Das interessiert mich, wenn sie in irgendeiner Situation mal in nen Spiegel guckt. Dafür ist vielleicht spannend, dass der Stuhl hart ist, oder (wie Du ja auch schreibst) dass es stickig in dem Raum ist oder dass ihr die Handgelenke weh tun.
Dann machst Du noch was, was die Profis hier im Brett sicher mit irgendwelchen Fachwörtern belegen können. Ich Laie muss mich aufs Beschreiben verlegen. Und zwar schreibst Du einmal aus „allwissender“ Perspektive (mit nem Tuch vor den Augen sieht sie nicht, dass der Raum kein Fenster hat) und dann wieder beschreibst Du ihre Gedanken („fühlte sich ausgeliefert“). Zumindest an dieser Stelle sehe ich keine Notwendigkeit für diese allwissende Perspektive - ist doch viel spannender wenn sie erstmal überlegt, warum ihre Hände und Schultern so weh tun. Oder auch das mit dem Tuch: sie wird wohl nicht wissen, dass das Teil schwarz ist - aber vielleicht stinkt das Teil? Oder es ist zu eng gebunden? Oder sie kann es durch Grimassenschneiden ein bisschen verschieben und schliesslich runterrutschen lassen, so dass sie was sieht?

Dann zu der „gespentischen Stille“. Warum lässt Du nicht irgendwelche gedämpften Geräusche ankommen? Dann kann sie später mal rätseln, wo sie sein könnte…

Jane hatte das Schreien aufgegeben. Die Hoffnung auf eine
baldige Rettung war verschwunden; jetzt überwältigte sie das
entsetzliche Gefühl der Angst. Sie wusste nicht wie lange sie
schon hier saß. Es konnte eine halbe Stunde sein. Aber wenn
man tatenlos herumsitzt, kommt einem die Zeit länger vor.
Vielleicht waren es nur zehn Minuten, für sie war es eine
Ewigkeit.

Das würde ich umdrehen. Lass sei erstmal überlegen, wie lange sie wohl schon da sitzt und ob sie vielleicht noch pünktlich zur Vorstellung kommt. Denn vielleicht verlässt sie sich am Anfang ja darauf, dass Susan sie vermissen wird und glaubt, dass sie innerhalb der nächsten 10 min befreit wird. Und dann wird ihr vielleicht klar, dass Susan ja mal erzählt hat, dass sie keine Gesichter im Publikum sehen kann. Sprich, sie würde sie frühestens in der Pause (falls sie sich da hätten treffen wollen) vermissen.

Heute sollte die Nachwuchsgruppe des Theaters eine
Eigeninterpretation des Dramas von Dr. Faust aufführen und
ihre Freundin Susan hatte sich bereiterklärt die Moderation
des Abends zu übernehmen.

Hmmm - das dumme ist, dass wir ja noch nicht richtig wissen, in welche Richtung die Geschichte gehen soll. Aber ich glaube, Du hast etwas mehr Möglichkeiten, wenn das eher ein „bunter Abend“ wird und Susan immer zwischen irgendwelchen Vorträgen auf die Bühne muss. Da hast Du mehr Varianten, wann sie wie mit ihrer „Geisterstimme“ reden kann. Und vielleicht kann sie auch mal in so einer „Pause“ versuchen, Hilfe zu arlamieren?

Moderiert hatte sie noch nie eine
Vorstellung, da ihre Freundin sonst selber als Schauspielerin
auf der Bühne stand, und so hatte Susan sie gebeten
mitzukommen, um als Zuschauer moralischen Beistand zu leisten.

Hier ist Dir was passiert, was vielen Leuten passiert: es ist Dir entglitten wer nun „sie“ ist :wink: Sprachlich würde ich das überhaupt umdrehen „Jane wusste, dass Susan noch nie eine solche Vorstellung moderiert hatte. Darum…“

Da sie eine halbe Stunde früher gekommen war, hatte sie sich
noch mit einem Glas Sekt in der Hand im Foyer hingestellt und
die eintreffenden Gäste beobachtet, die die ausgetretenen
Stufen von der Garderobe heraufkamen.

„sich hinstellen“ ist doch eigentlich nicht das was man tut, wenn man zu früh im Theater ist und für die Freundin nervös ist. Meinste nicht, dass sie sich irgendwo an der Seite einen „günstigen“ Beobachtungsposten sucht um unauffällig die Leute zu beobachten. Oder lass das ganz raus und sie von der Toilette rauskommend entführt werden.

Ein freundlicher, kräftiger Herr hatte sie später an der
Bar angesprochen und sie nach den Toiletten gefragt. Sie hatte
ihn hingeführt, hätte sie ihm den Weg beschrieben, wäre er
wahrscheinlich nie dort angekommen.

Überleg mal, ob Du da das eine oder andere „sie“ rauslassen kannst?

Die Toiletten lagen im
Untergeschoss in einem kleinen Seitengang. Nachdem der Mann
hinter der Tür mit dem goldenen Männchen verschwunden war,
hatte ihr plötzlich jemand aus dem Nichts ein Klebeband auf
den Mund und die Hand vor die Augen gepresst.

Das hat sie so schnell mitgekriegt?

Gleichzeitig
hatte sich ein muskulöser Arm von hinten um ihren Hals
geschlungen und sie gewaltvoll bis in das Zimmer gezerrt, wo
sie gefesselt wurde.

Auch hier - meinste wirklich, dass sie bemerkt hat, dass der Arm „muskulös“ war? Sicherlich jedoch ist ihr aufgefallen, dass der Kerl stärker war als sie und ihre Gegenwehr nicht erfolgreich.

„Gewaltvoll“ - ich ahne nicht was der gute Herr Duden zu diesem Wort sagt. Aber zumindest im Zusammenhang mit „zerren“ würde ich sagen „leise schleichen“ - wie soll ich denn bitteschön „laut schleichen“? Ausserdem haben die Jungs (der Kerl? - auch darüber könnte sie sich mal Gedanken machen) sie vielleicht eher geschleift? „Zerren“ ist eigentlich eher wenn Du ein störrisches dreijähriges Kind an der Hand wohin zerrst wo es eigentlich nicht hin will :wink:

Der Weg dorthin schien endlos gewesen.

Da haste mal wieder ein bisschen was pathetisches getroffen :wink: Eher so, dass sie eigentlich gar nicht abschätzen konnte, wie weit die Jungs sie geschleift haben?

Jane ließ das Kinn auf die Brust sinken.

Gut. Rein anatomisch betrachtet könnte es sein, dass ihr dabei dann die Schultern mächtig wehtun :wink:

Warum
ausgerechnet sie? Was hatte sie den Männern getan? Wo hielt
man sie gefangen? War sie überhaupt noch im Theater? Noch mehr
Fragen stellten sich ihr, auf die sie verzweifelt eine Antwort
suchte.

Würde ich ganz rauslassen.

Fieberhaft ging sie die Erlebnisse der vergangenen
Stunde in ihren Gedanken noch einmal durch, aber sie verstand
es nicht. Hatte der kräftige Herr von der Bar etwas damit zu
tun, oder hatte er sie nur zufällig angesprochen? Sie machte
sich Vorwürfe und wusste gleichzeitig, dass sie dadurch nichts
erreichte. Jetzt konnte sie nur noch darauf hoffen, dass Susan
ihr Verschwinden schnell bemerken und die Polizei rufen würde.

Ah, damit hat sich das oben mit dem Gerettet-Werden natürlich erübrigt.

Mit langen Schritten ging Susan Hall durch einen der
vielen engen Korridore des Theaters, vorbei an weißen
Holzschränken, in denen die Schauspieler ihre Kostüme
aufbewahrten, und vorbei an Umkleidezimmer und Tanzsälen.

Generell wäre es vielleicht kein Schaden, wenn Du Dir mal ein Theater „hinter den Kulissen“ anschauen würdest. Ich kenne mich da zwar auch nicht soo gut aus, aber da scheint mir einiges logisch ungereimt.

Aus den Zimmern links und rechts des Ganges hörte man nur
vereinzelte Stimmen heraus. Die Schauspieler der Theatergruppe
hatten sich vor der Vorstellung zurückgezogen und bereiteten
sich auf ihren Auftritt vor. Allein das dumpfe Poltern ihrer
Schuhe auf den Holzbohlen hallte durch den Flur.

Du driftest wieder ein wenig ab in Beschreibungen die keinen so recht interessieren. Vielleicht murmelt sie irgendwelche Textstellen vor sich hin? Oder sie rummst völlig in Gedanken mit irgendwem zusammen? Oder trifft jemanden? Kriegt ne Tür die zum Gang hin aufgeht an den Schädel?

Vor ihr öffnete sich eine Seitentür und der
Programmleiter Brian Dean steckte seinen Kopf in den
schwachbeleuchteten Gang.
„Ah, Sue, ich wusste, dass du’s bist.“ Jetzt trat er ganz
in den Gang hinaus, gab Susan die Hand und ging dann mit ihr
zusammen in Richtung Bühne. Dean war ein hochgewachsener,
schlanker Mann mit braungebrannter Haut, durch die sich viel
Falten zogen. Er trug eine Armanie-Brille aus dünnem,
silbernem Metall. Auf dem Kopf hatte er blasse Muttermahle,
die wenigen grauen Haare klebten an seinem Hinterkopf. Die
obersten Knöpfe seines verblichenen Hemdes trug er offen,
weißes Brusthaar lugte hervor. „Ich sehe aus, wie ein alter
weißer Mann, der in der Nachbarschaft die Dosen aufsammelt“,
hatte er einmal zu Susan gesagt. So sah der Programmleiter
geradezu gutmütig aus.

Auch hier - zu viel Beschreibung. EIN hervorstechendes Merkmal - in dem Fall vielleicht die Falten die seinem Gesicht Ausdruck verleihen ihn aber auch 20 Jahre älter aussehen lassen - würde reichen. Und das mit den Dosen fand ich nicht soo richtig logisch.

„Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll“, schimpfte er
laut während er neben ihr herging, und fuchtelte dabei wild
mit den Händen. "Ich gebe mir die größte Mühe die Kinder unter
einen Hut zu bringen, aber immer hat irgendeiner ein Problem.
Text vergessen, Kostüm kaputt, Lampenfieber, und im Büro gibt
es ständig diese Anrufe. Da gibt es immer noch Deppen, die
nach Karten für die Vorstellung fragen. Ich hab jetzt Elli ans
Telefon verbannt. Sie ist die Einzigste, die ich hier noch
entbehren kann.“

Einzige. Einzige. Einzige. EinziSTe ist schwäbisch *schimpf* Ansonsten super! An Katastrophen könnte noch passieren, dass jemand ständig Pipi muss und die Toilette blockiert oder irgendwelche hypernervösen Eltern die da rumstreunen.

Susan schüttelte lächelnd den Kopf. „Du machst dir selbst
das Leben schwer. Die Kids sind froh, dass sie vor soviel
Leuten auftreten können. Die Texte fallen ihnen wieder ein,
die Kleider können sie austauschen und das Lampenfieber
verschwindet, sobald sie nur einen Fuß auf die Bühne gesetzt
haben. Der Abend wird glatt laufen, Brian. Was die Putzfrau
betrifft, wir können sie auch gleich als Sekretärin
einstellen. Saubermachen bringt in diesem Haus sowieso nichts
und Elli macht den Job ja nicht zum ersten Mal. Ich wäre
enttäuscht, wenn du wegen ein paar Nachwuchsschauspielern und
einem Telefon das Handtuch wirfst.“

Naja, das mit dem Handtuch werfen hatte Brian ja auch nicht behauptet. Lass weg - eher sowas „Du machst das schon!“

„Da hast du wohl Recht“, seufzte Brian. Er setzte seine
Brille ab und rieb die Gläser mit seinem Hemd sauber.
„Und außerdem“, fuhr Susan fort, „tut uns allen ein
bisschen Dampf unter dem Hintern auch gut. Schau dir unseren
Direktor an. Greenberg versucht schon seit Jahren der Stadt
ein paar Cent für das Theater abzudrücken.“

Abdrücken tue ICH die Cents. Rausleiern tue ich Cents jemand anderem :wink: Ausserdem - so ganz verstehe ich den Zusammenhang nicht zwischen Brian, der grad versucht nen Sack Flöhe zu hüten und den finanziellen Schwierigkeiten. Das mit dem „Dampf unterm Hintern“ kommt falsch an, der Sprung ist zu gross. Warum lässt Du sie nicht nach dem Satz hier "…wenn du wegen ein paar Nachwuchsschauspielern und

einem Telefon das Handtuch wirfst.“ in ein Stück rungergebröckelten Putz reinlatschen.

Sie deutete dabei
auf die Wände, wo schon der fehlende Putz das Mauerwerk
freigelegt hatte.

Näääää.

Der Programmleiter lächelte. „Naja, ich mag den Job. Bloß
an Tagen wie diesen bin ich nicht ganz so in die Arbeit
vernarrt wie sonst.“

Sollte er da nicht eigentlich in seinem Element sein und eher die Bürokratie hassen?

Als er keine Anstalten machte, noch etwas zu sagen,
fragte Susan: „War Jane schon hier?“

Lass den ersten Teil vom Satz weg - die Frage reicht.

Der Gang machte jetzt eine Biegung. Susan überlegte, ob
sie Jane noch vor der Aufführung oder erst hinterher aufsuchen
sollte.

Und was genau spielt nun die Biegung vom Gang für ne Rolle?

„Übrigens, auch Jeff wollte vorhin mit dir sprechen“,
unterbrach Dean ihre Gedanken. „Ich glaube, es geht um deine
Verkabelung.“
Um was sonst, dachte sie genervt. „In Ordnung, ich geh
gleich zu ihm.“
Jeff Kurth, der Techniker, war ein meistens gehetzt
dreinblickender, junger Mann, der darauf bedacht war, jede
Vorstellung fehlerfrei über die Bühne zu bringen. Lieber
prüfte er die Elektronik mehrmals, als dass sie während einer
Aufführung zusammenbrach.

Naja, das tun Elektroniken erfahrungemäss trotzdem ganz gerne :wink: Warum sagst Du nicht einfach, dass der Typ ein ätzender Perfektionist ist (kannst ja Susan denken lassen *g*)

Und so probte er, zum Leid der
Bühnenarbeiter, immer und immer wieder das Öffnen und
Schließen des Vorhangs, das An- und Ausmachen der Scheinwerfer
und der Musik.

Och neee. Das sind die Dinge, die er bestimmt im Schlaf kann. Schwieriger sind sicherlich schnelle Wechsel in der Beleuchtung, Spots auf bewegende Leute, Kulissenwechsel (falls er damit was zu tun hat) etc.

Jeff war es auch gewesen, der mühsam, mit einer
Kabelrolle bewaffnet, die Leitungen so durch den Saal verlegte
und auf dem Boden festklebte, dass kein Besucher darüber
stolpern konnte.

Nö - so ein ätzender Pedant macht das nicht selber. Er lässt machen und kontrolliert und mosert dann hinterher. Vielleicht scheisst er grad seinen Assi deswegen zusammen als Susan reinspaziert kommt?

Jetzt suchte er Susan, um ihr zum
wiederholten Mal die für ihn durchaus komplizierte
Funktionsweise ihres Headsets zu erklären.

Das wissen wir doch schon.

Sie erreichten die schwere Eisentür, auf der in schwarzen
Großbuchstaben das Wort ‚STAGE’ prangte.

Lettern - „Grossbuchstaben“ würde ich an dieser Stelle nicht sagen.

Dean öffnete sie und
beide betraten einen großen, abgedunkelten Raum mit hoher
Decke, der direkt an die Hauptbühne anschloss. Die große
vergitterte Lampe über der Tür ließ ihre Köpfe kurz in rotem
Licht aufleuchten. Neben den vielen Vorhängen, die von
mehreren Seilrollen und elektrischen Kurbeln getragen wurden,
hingen noch Teile von Bühnenbildern von der Decke.
Verschiedene Requisiten aus vergangen Theaterstücken standen
herum, viele mit einer mächtigen Staubschicht. Außer ihnen
waren noch zwei verdreckte Bühnenarbeiter und Jeff Kurth in
diesem Raum.

Das ist so eine Sache, wo ich nicht sicher bin, ob das in der Realität auch so aussieht. Zumindest in München an der Staatsoper ist das anders :wink:

Gleich nachdem sie hereingekommen war, ging der Techniker
auf Susan zu. „Hey, Sue, ich hab hier was für dich.“

Nö. „gleich nachdem“ find ich nicht soo gelungen. Entweder „Susan war kaum im Kabuff als…“ oder gar nix sondern „Jeff drückte ihr mit vorwurfsvollem Blick das Headset in die Hand.“

Susan verdrehte unmerklich die Augen und sah zu Brian,
der zu Rob, einem der Bühnenarbeiter, hinübergegangen war und
jetzt heftig mit ihm diskutierte. Seinen Gesten nach zu
urteilen, ging es dabei wohl um den Kasten Bier, den der
Programmleiter hinter einem künstlichen Springbrunnen entdeckt
hatte.

*kicher* Das müssen aber tolle Gesten gewesen sein :wink: Nee, im Ernst: der Witz kommt nicht an.

Jeff drückte ihr ein Headset in die Hand. Gleich würde
wieder der Teil kommen, wo er ihr dessen Gebrauch in aller
Ausführlichkeit erklären wollte.

Ich glaub, das kannst Du auch kürzer ausdrücken.

„Das Ding funktioniert wie ein Telefonhörer“, begann er
langsam, als hätte er Probleme mit dem Sprechen.

Oder hält er Susan für zu blöd, ihn in normaler Sprechgeschwindigkeit zu verstehen?

„Nur fehlt
eben der Telefonhörer. Hier ist das Mikrofon, da deine
Hörmuschel.“ Jeff tippte mit dem Finger drauf. „Hier schaltet
man auf stumm; die Lautstärke ist eingestellt, müsste alles
kein Thema sein.“

„müsste“ sagt der Perfektionist nicht. Eher sowas herablassendes „und wenn Du Scheiss machst werden wir’s wie üblich ausbügeln“

Susan atmete auf; heute war es nur die
Fünfzehn-Sekunden-Variante.

In meiner Variante würde sie eher beleidigt gucken.

Während sie sich unterhielten, beobachtete Susan auf den
Monitoren der Überwachungskameras, wie sich der Saal auf der
anderen Seite des schweren Vorhangs langsam mit Gästen füllte.

Naja, Unterhaltung ist das ja keine - Susan hat noch keinen Mucks gesagt. Vielleicht eher, dass sie schon guckt, solange der Typ noch am Quasseln ist?

Die ruhige Musik eines Streichorchesters spielte leise aus den
Lautsprechern.

Die Musi spielt zwar hier - aber nicht aus Lautsprechern.

Zwei große, zentnerschwere Kronleuchter warfen
ihr helles Licht durch unzählige Glaskristalle durch den Raum,
während wuchtige Vorhänge aus purpurrotem Stoff vor den
Fenstern verhinderten, dass Tageslicht hereinkam.
Der Techniker grinste: „Falls du vorhaben solltest,
deinen Scotch schon auf der Bühne zu trinken, dann musst du
nur das Mikro hochklappen.“
Er führte es ihr vor und kippte den hautfarbenen Bügel,
welcher eng an ihrer Wange zum Mund führte, nach oben und
wieder runter. „Wenn du raus gehst, drück erst auf den
Stumm-Knopf, sonst wird es ziemlich peinlich. Viel Glück.“

Gut.

Susan war froh, als er sich wieder seinem Mischpult
zuwendete. Sie hasste es, wie selbstverständlich Jeff ihr im
Gesicht rumfummelte, und er schien es jedes Mal aufs Neue zu
genießen. Konnte er seine Spielereien nicht demonstrieren,
wenn sie das Gerät nicht aufgesetzt hatte?

Wenn er das jedesmal macht, würde ICH aber anders reagieren. Vielleicht indem sie rechtzeitig den Kopf wegdreht und sagt „ja, ich WEISS“

Hoffentlich ließ er
sie wenigstens während der Vorstellung in Ruhe. Dialogtext gab
es nicht, an den man sie über das Headset erinnern müsste und
der Programmablauf würde wohl auch nicht kurzfristig geändert
werden.

Und ihren eigenen Text weiss sie sicher?

Sie schaute auf ihre Armbanduhr. In wenigen Minuten war
Vorstellungsbeginn und vom Saal drangen die immer lauter
werdenden Unterhaltungen der Zuschauer herein.

Ohoh, nur noch ein paar Minuten und sie ist noch kein bisschen nervös? Hier würde ich die Zeitlinie etwas strecken. Das was sie noch alles vorhat dürfte länger als „wenige Minuten“ dauern. Ausserdem hätten dann die Leute grad eben nicht „strömen“ dürfen sondern allenfalls mit den Füssen scharren.

Claire, die engagierteste Maskenbildnerin, die man an
diesem Theater je gesehen hatte, prüfte noch einmal ihr
Make-up und ihre Kleidung – ein enger blauer Rock mit weißer
Bluse. Claire hatte eine Schwäche für Röcke und so hatte sie
auf dieses Kostüm bestanden, obwohl Susan lieber eine weite
Hose getragen hätte.

Ich würde die Dame vielleicht zunächst namenlos lassen.

Auch wenn die Maskenbildnerin um Welten kräftiger war als
Susan, war sie sich noch nie zu schade einmal in der Woche in
neuer Kombination zur Arbeit zu kommen. Jeff konnte es nicht
lassen, sich bei jeder Gelegenheit über die Beine der
Maskenbildnerin lustig zu machen, und diese mit allen
möglichen Utensilien zu vergleichen.

Das tut eigentlich gar nichts zur Sache. Und ausserdem verwirrst Du Deine Leser hier ein wenig „um Welten“ ist schwer zu beurteilen, wenn man nicht weiss wie fett Susan ist :wink: Wenn schon, dann lass sie gutmütig über das „dünne Handtuch“ von Susan spotten oder so. „war sich noch nie zu schade…“ find ich ebenfalls nicht passend. Eher so, dass sie als Maskenbildernin zwar genial ist aber in ihrer eigenen Mode oft danebengreift.

Trotzdem mochte Susan

ihre liebenswürdige, naive Art mit Menschen umzugehen.
Derartige Eigenschaften konnte sie bei Jeff Kurth vergebens
suchen.

Letzteres lass weg, den haben wir oben schon genug madig gemacht :wink: Und vielleicht ist ja gerade er dann am Ende der strahlende Held? Cholerisch aber wenn’s drauf ankommt riskiert er sogar sein eigenes Leben für sie?

Die meisten Gäste hatten jetzt im Raum ihre Plätze
eingenommen. Brian Dean, die letzten Minuten immer mit einem
Ohr am Vorhang und ständigem Blickwechsel mit der Uhr, deutete
ihr an, sie solle sich langsam bereithalten.

Wie macht man Blickwechsel mit seiner Uhr?

„Noch fünf Minuten bis zu deinem Auftritt, Sue“, rief er
ihr zu. „Ich weiß, du könntest Stunden füllen“, witzelte er,
wohl wissend, dass die Moderation für Susan eine Premiere war.
„Aber das würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Halt dich also
lieber zurück.“

Nicht die Premiere ist doch hier der Knackpunkt sondern die Tatsache, dass Susan eine alte Plaudertasche ist, oder?

Susan versuchte ein gequältes Lächeln.

Sprachlich. Entweder versucht man ein Lächeln (welches misslingt) oder man lächelt gequält. Zusammen geht nicht.

Langsam wurde sie
unruhig. Sie versuchte sich krampfhaft an die aufmunternden
Worte von Direktor Greenberg zu erinnern. „Moderieren ist das
Gleiche wie Schauspielern, meine Liebe.

Lass die „meine Liebe“ weg.

Bloß redest du hier
nicht mit deinen Kollegen, sondern mit dem Publikum. Alles
andere ist reine Routine, und da fehlt es dir bestimmt nicht
an Erfahrung. Alles klar?“
Greenberg war stets ein fröhlicher Mensch, der in anderen
meist nur das Gute sah. So zweifelte er auch nie an den Erfolg
dieses Abends. Aber auch wenn sie schon viele Stunden vor
Zuschauern verbracht hatte, fühlte sie sich dennoch ein Stück
verlassen mit ihrer Aufgabe.

Verlassen? Verlassen bin ich VON etwas oder jemandem (oder allen guten Geistern). „verlassen mit“ geht soweit ich weiss nicht. Eher überfordert? Unsicher? Hat sie gar Zweifel, ob das wirklich eine gute Idee war, den Job zu übernehmen? Wollte sie eigentlich gar nicht und musste einspringen? Letzters scheint mir interessante Möglichkeiten zu eröffnen was die Entführung angeht :wink:

Sie atmete tief durch. Trotzdem, nach all den Jahren, die
sie bis jetzt am Theater verbracht hatte, war das Lampenfieber
immer noch so stark, wie an ihrem ersten Tag. Doch sie wusste,
dass der Kampf gegen die Angst gewonnen sein würde, sobald sie
auf der Bühne war.

Nö. Kalter Schweiss, Herzklopfen, der Kopf ist leer. Das alles kann sie notfalls Brian erzählen.

Durch einen kleinen Spalt im Vorhang versuchte sie Jane
ausfindig zu machen.

Das ist aber nicht besonders erfolgversprechend, oder?

Sie überflog die vorderen Reihen, doch
sie fand ihre Freundin nicht. Wo mag Jane nur sein? Susan
verdrängte die Gedanken und versuchte sich zu konzentrieren.
Jane war vielleicht gerade nicht unter dem Publikum oder sie
saß weiter hinten im Raum oder hatte einen Platz auf der
Empore.

Och komm - das wird sie doch wissen. Hat doch der Freundin eigenhändig ne Karte besorgt. „unter dem Publikum“ ist übrigens woanders als „im Publikum“ *fg*

Gleich würde es losgehen. Das Blut pochte ihr in den
Adern, sie stand angespannt am Vorhang. Im Saal erlosch
langsam das Deckenlicht – vorsichtig, als wolle man die
Zuschauer nicht mit plötzlicher Dunkelheit überraschen. Jeff
spielte die ihr wohlbekannte Musik ein. Doch hier hinter dem
Vorhang kamen ihr die heiteren Töne so merkwürdig fremd vor,
obwohl sie diese Melodie schon oft bei den Proben gehört
hatte.
Brian stand an der linken Seite des Vorhangs, von wo er
auf die Bühne blicken konnte. „OK, Sue. Showtime!“ Er streckte
den Daumen nach oben. „Kein Problem für dich.“
„Ich wünschte, ich wäre mir da auch so sicher“, lachte
Susan und schaltete ihr Mikrofon ein. Sie schob den schweren
Stoff des Vorhanges ein Stück zu Seite; der Spot-Scheinwerfer
blitzte von der Empore auf und hüllte sie in gleißendes Licht.

Eigentlich blitzt der Scheinwerfer nicht auf, denn dann würde er ja sofort wieder ausgehen (so wie halt der Blitz beim Fotoapparat)

Die Gäste brachen in tosenden Beifall aus, als sie auf
die Bühne trat. Jetzt kam das Lächeln von ganz allein; Angst
und Aufregung waren vergessen, die Zuschauer saßen gespannt in
ihren Sitzen und blickten erwartungsvoll auf die junge,
attraktive Frau, die strahlend in das Publikum schaute.

okay.

Brian hegte keinen Zweifel daran, dass Susan die
Zuschauer auf ihre Seite ziehen würde. Insgeheim bewunderte er
ihre positive Ausstrahlungskraft und ihre Art, wie sie
Menschen mit ihrem sympathischen Lächeln für sich gewann. Er
hatte mit ihr von Anfang an hier zusammen gearbeitet und ihren
Optimismus schätzen gelernt. Seit dem ersten Tag, war sie
immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert worden;
einen Absturz hatte sie nie erlebt. Offensichtlich genoss sie
die entspannte Athmosphäre am Theater, in der sich jeder
Schauspieler frei entfalten konnte.

Zu viel Gesülz. Sicherlich denkt der doch Klartext - ist doch ein Mann *fg* Vielleicht sülzt er nicht so rum, sondern wird nachher einen Strauss roter Rosen in ihrer Garderobe hinstellen.

Brian schaute hinaus auf die Bühne. Keine zehn Meter von
ihm entfernt stand Susan und lachte in die tobende Menge.

Tobend? Da denk ich an kreischende Teenies bei Tokio Hotel :wink: „Begeistert“ scheint mir für eine Menge Theaterbesucher passender zu sein.

Er
hatte schon des Öfteren daran gedacht, diese Frau mit dieser
begehrenswerten Gestalt zum Dinner auszuführen. Doch auch wenn
ihm niemand bei der Organisation des Theaterprogramms das
Wasser reichen konnte, blieb der Zeitplan seines eigenen
Lebens auf der Strecke. Versuchte er sich mit Gewalt darin
Platz zu schaffen, konnte er sich trotzdem nie ganz überwinden
seine Kollegin auf ein abendliches Essen anzusprechen. Es
fehlte ihm der Mut, und daran verzweifelte er.

Rauslass.

Während Brian Dean seinen Gedanken nachhing, bemerkte
niemand, wie jemand langsam den Griff der Eisentür nach unten
drückte und die Tür einen Spalt breit aufzog. Im Gang draußen
war es stockdunkel. Ein Augenpaar suchte den Raum ab und
entdeckte die wenigen Theaterleute – in diesem Moment ganz auf
die Geschehnisse auf der Bühne konzentriert.
Jeff hatte den Kopfhörer aufgesetzt und starrte auf den
Bildschirm vor sich, die zwei Bühnenarbeiter, müde von der
Anstrengung des langen Arbeitstages, saßen auf beiden Seiten
einer hohen Klappleiter, vor sich eine gefüllte Teekanne, und
warteten darauf, dass die Schauspieler aus den Kabinen kamen.
Ab und zu füllten sei ihre geleerten Becher nach, die sie dann
bedächtig, als wollten sie die beruhigende Wirkung des
Getränkes nicht mindern, in langen, vorsichtigen Zügen
austranken.
Hätte jemand den Fremden bemerkt, hätte er nur das Weiß
der Augen zu sehen bekommen, die Gesichtszüge lagen im
Schatten. Geräuschlos wurde die Tür jetzt ganz geöffnet. Zwei
schemenhafte Gestalten huschten geräuschlos durch den Eingang
und wurden nur für den Bruchteil einer Sekunde unter dem roten
Licht der Lampe über dem Zugang beleuchtet. Ein dritter Mann
bewachte draußen den Gang und verhinderte, dass die Tür zu
laut ins Schloss fiel.
Die Gestalt, die als erster den Raum betreten hatte, wies
kurz auf Dean, der immer noch abgewandt neben dem Vorhang
stand. Mit kurzen, schnellen Schritten schlich der zweite Mann
geduckt auf den Programmleiter zu. Einer Katze gleich warf
sich der Fremde auf ihn, die muskulösen Arme schräg vor der
Brust wie zwei wuchtige Rammen. Dean stürzte zu Boden, der
Mann über ihm fiel auf ihn drauf und presste die Luft aus dem
Brustkorb. Brian wollte schreien, aber kein Laut drang durch
seinen vor Entsetzen und Überraschung aufgerissenen Mund.
Die zwei Bühnenarbeiter, sich eben noch leise
unterhaltend, blickten erschreckt auf, ihre Gesichter
verzerrten sich in Panik, die Tassen fielen polternd zu Boden.
Der erste Mann lief mit ausgestrecktem Armen auf die beiden
zu; die Hände in schwarzen Lederhandschuhen hielten eine
Pistole auf die zwei Theaterleute gerichtet. Der lange Lauf
des Schalldämpfers wirkte bedrohlich und machte die Waffe um
einiges gefährlicher. Ein Schuss würde nur die Lautstärke
eines leisen Hustens haben – höchstens.
Die kalten Augen des Mannes waren ohne Skrupel. Falls die
Bühnenarbeiter nur einen Laut von sich geben würden, wäre es
ihr letzter gewesen.
In kurzer Zeit waren alle vier Personen im Raum gefesselt
und mit abgerissenen Teilen eines alten Vorhangs, der
zusammengelegt auf einem Tisch gelegen hatte, geknebelt. Und
dann war es vorbei.

Zu langatmig. Mitten in seinen Gedanken an Rote Rosen, Abendessen und wat-weiss-ich wird’s auf einmal Nacht. Notfalls lass ihn noch das Geräusch von der Tür hören und sich umdrehen und den Kerl kurz sehen - aber das ist dann auch schon alles.

Der erste Mann schritt auf den Platz des Technikers zu,
der jetzt mit zusammengebundenen Händen und Knien neben den
drei anderen Gefangenen saß und nun hilflos zusehen musste wie
der unbekannte Mann sich vor die Bildschirme niederließ und
den Kopfhörer aufsetzte.

Ich würd dem erstmal ein Stück Filmriss gönnen. Ist doch witzlos, wenn man gleich alles erfährt. Der soll nur später zu sich kommen und erstmal gar nicht wissen was Sache ist, während an seinem Mischpult ein falscher Typ sitzt, sein Kollege gefesselt ist und Susan auf der Bühne „falschen“ Text redet. Achja, mehr als 2 richtige Tontechniker plus den Verbrecher würd ich da nicht reinsetzen. Sonst wird’s nachher so unübersichtlich.

In dem kleinen, fensterlosen Raum des Theaters war es
stockdunkel. Jane saß verstört auf einem harten Metallstuhl.
Ihre Hände hatte man ihr brutal mit Klebeband hinter der
Rückenlehne gefesselt und die Füße an die Stuhlbeine gebunden.
Ihr Mund war zugeklebt, sodass sie nur durch die Nase atmen
konnte, und die Augen waren mit einem schwarzen Tuch
verbunden. In dieser Lage konnte sie sich kaum bewegen. Ihre
Schultern schmerzten und das Band zerrte an ihren
Handgelenken. Sie fühlte sich so schwach und ausgeliefert wie
noch nie in ihrem Leben.
Die verzweifelten Hilferufe waren durch das Klebeband zu
einem armseligen, unverständlichen Wimmern erstickt. Ihr
Gesicht war rot und aufgedunsen, die braunen, lockigen Haare
hingen ihr in Strähnen in das verschwitzte Gesicht. Gierig
atmete sie die stickige, warme Luft ein. Außer dem hektischen
Schnaufen durchdrang nun kein Laut mehr die gespenstische
Stille.

Dieser Anfang gefällt vom Inhalt her gut. Gerade da Du ja
nicht auf einen Liebesroman loswillst sondern das wohl schon
eher in einen (Kurz-)Krimi gehen soll.
Aber ich finde gerade hier in dieser Situation zu viel
Beschreibung. Das heisst - nicht eigentlich „zu viel“
Beschreibung, sondern vielleicht die falschen Dinge. So als
Beispiel: dass Janes Haare braun sind und ihr Gesicht
aufgedunsen, interessiert mich nicht sooo sehr. Das
interessiert mich, wenn sie in irgendeiner Situation mal in
nen Spiegel guckt. Dafür ist vielleicht spannend, dass der
Stuhl hart ist, oder (wie Du ja auch schreibst) dass es
stickig in dem Raum ist oder dass ihr die Handgelenke weh tun.
Dann machst Du noch was, was die Profis hier im Brett sicher
mit irgendwelchen Fachwörtern belegen können. Ich Laie muss
mich aufs Beschreiben verlegen. Und zwar schreibst Du einmal
aus „allwissender“ Perspektive (mit nem Tuch vor den Augen
sieht sie nicht, dass der Raum kein Fenster hat) und dann
wieder beschreibst Du ihre Gedanken („fühlte sich
ausgeliefert“). Zumindest an dieser Stelle sehe ich keine
Notwendigkeit für diese allwissende Perspektive - ist doch
viel spannender wenn sie erstmal überlegt, warum ihre Hände
und Schultern so weh tun. Oder auch das mit dem Tuch: sie wird
wohl nicht wissen, dass das Teil schwarz ist - aber vielleicht
stinkt das Teil? Oder es ist zu eng gebunden? Oder sie kann es
durch Grimassenschneiden ein bisschen verschieben und
schliesslich runterrutschen lassen, so dass sie was sieht?

Dann zu der „gespentischen Stille“. Warum lässt Du nicht
irgendwelche gedämpften Geräusche ankommen? Dann kann sie
später mal rätseln, wo sie sein könnte…

Ich finde, auch wenn Jane das im Moment nicht wahrnimmt, darf doch wenigstens der Erzähler die Umgebung beschreiben und verraten, dass es stockdunkel im Raum ist.

OK, keine gespenstische Stille:
Jane bebte vor Anstrengung, ihr hektisches Schnaufen wurde von den kahlen Wänden zurückgeworfen. Wie aus weiter Ferne hörte sie Menschen miteinander sprechen, dumpf und ohne ein Wort zu verstehen.

Heute sollte die Nachwuchsgruppe des Theaters eine
Eigeninterpretation des Dramas von Dr. Faust aufführen und
ihre Freundin Susan hatte sich bereiterklärt die Moderation
des Abends zu übernehmen.

Hmmm - das dumme ist, dass wir ja noch nicht richtig wissen,
in welche Richtung die Geschichte gehen soll. Aber ich glaube,
Du hast etwas mehr Möglichkeiten, wenn das eher ein „bunter
Abend“ wird und Susan immer zwischen irgendwelchen Vorträgen
auf die Bühne muss. Da hast Du mehr Varianten, wann sie wie
mit ihrer „Geisterstimme“ reden kann. Und vielleicht kann sie
auch mal in so einer „Pause“ versuchen, Hilfe zu arlamieren?

Nein, ich dachte mir, dass die Geiselnehmer die Programmführung gleich zu Beginn übernehmen (siehe künftige Fortsetzung) und dass Susan vorerst nicht von der Bühne kommt.

Da sie eine halbe Stunde früher gekommen war, hatte sie sich
noch mit einem Glas Sekt in der Hand im Foyer hingestellt und
die eintreffenden Gäste beobachtet, die die ausgetretenen
Stufen von der Garderobe heraufkamen.

„sich hinstellen“ ist doch eigentlich nicht das was man tut,
wenn man zu früh im Theater ist und für die Freundin nervös
ist. Meinste nicht, dass sie sich irgendwo an der Seite einen
„günstigen“ Beobachtungsposten sucht um unauffällig die Leute
zu beobachten. Oder lass das ganz raus und sie von der
Toilette rauskommend entführt werden.

Da sie fast eine Stunde früher gekommen war, hatte sie sich noch mit einem Glas Sekt in der Hand an einen Foyertisch gesetzt und die eintreffenden Gäste unauffällig beobachtet, die die ausgetretenen Stufen von der Garderobe heraufkamen.

Ein freundlicher, kräftiger Herr hatte sie später an der
Bar angesprochen und sie nach den Toiletten gefragt. Sie hatte
ihn hingeführt, hätte sie ihm den Weg beschrieben, wäre er
wahrscheinlich nie dort angekommen.

Überleg mal, ob Du da das eine oder andere „sie“ rauslassen
kannst?

Ein freundlicher, kräftiger Herr hatte Jane später an der Bar angesprochen und nach den Toiletten gefragt. Sie hatte ihn hingeführt; mit einer Wegbeschreibung wäre er wahrscheinlich nie dort angekommen.

Gleichzeitig
hatte sich ein muskulöser Arm von hinten um ihren Hals
geschlungen und sie gewaltvoll bis in das Zimmer gezerrt, wo
sie gefesselt wurde.

Auch hier - meinste wirklich, dass sie bemerkt hat, dass der
Arm „muskulös“ war? Sicherlich jedoch ist ihr aufgefallen,
dass der Kerl stärker war als sie und ihre Gegenwehr nicht
erfolgreich.

„Gewaltvoll“ - ich ahne nicht was der gute Herr Duden zu
diesem Wort sagt. Aber zumindest im Zusammenhang mit „zerren“
würde ich sagen „leise schleichen“ - wie soll ich denn
bitteschön „laut schleichen“? Ausserdem haben die Jungs (der
Kerl? - auch darüber könnte sie sich mal Gedanken machen) sie
vielleicht eher geschleift? „Zerren“ ist eigentlich eher wenn
Du ein störrisches dreijähriges Kind an der Hand wohin zerrst
wo es eigentlich nicht hin will :wink:

Der Weg dorthin schien endlos gewesen.

Da haste mal wieder ein bisschen was pathetisches getroffen
:wink: Eher so, dass sie eigentlich gar nicht abschätzen konnte,
wie weit die Jungs sie geschleift haben?

Gleichzeitig hatte sich ein Arm von hinten um ihren Hals geschlungen, mit Schrecken war ihr sofort bewusst geworden, dass sie körperlich hoffnungslos unterlegen war, sie hatte keinen Widerstand geleistet. Unsanft wurde sie bis in das Zimmer gezogen, wo sie gewaltsam gefesselt wurde. Sie wusste nicht wieviel Zeit verstrichen war, bis sie dort angelangt waren, es war alles so schnell und unerwartet gekommen.

Mit langen Schritten ging Susan Hall durch einen der
vielen engen Korridore des Theaters, vorbei an weißen
Holzschränken, in denen die Schauspieler ihre Kostüme
aufbewahrten, und vorbei an Umkleidezimmer und Tanzsälen.

Generell wäre es vielleicht kein Schaden, wenn Du Dir mal ein
Theater „hinter den Kulissen“ anschauen würdest. Ich kenne
mich da zwar auch nicht soo gut aus, aber da scheint mir
einiges logisch ungereimt.

Ich hab schon mehrere Theater auch hinter den Kulissen begutachten dürfen, soweit hergeholt ist die Beschreibung nicht. Unabhängig davon bin ich auch schon mehrfach in Theatern aufgetreten, als Artist. Durfte mich demnach auch auf der Bühne heldenhaft zum Besten geben.

Aus den Zimmern links und rechts des Ganges hörte man nur
vereinzelte Stimmen heraus. Die Schauspieler der Theatergruppe
hatten sich vor der Vorstellung zurückgezogen und bereiteten
sich auf ihren Auftritt vor. Allein das dumpfe Poltern ihrer
Schuhe auf den Holzbohlen hallte durch den Flur.

Du driftest wieder ein wenig ab in Beschreibungen die keinen
so recht interessieren. Vielleicht murmelt sie irgendwelche
Textstellen vor sich hin? Oder sie rummst völlig in Gedanken
mit irgendwem zusammen? Oder trifft jemanden? Kriegt ne Tür
die zum Gang hin aufgeht an den Schädel?

Ich finde, dass der Leser bei zwei bis drei Sätzen Beschreibung nicht gleich in den Tiefschlaf fallen wird. Ich lese gerade ein Rober-Ludlum-Thriller, wo es seitenweise Beschreibungen gibt. (Dass man vor Spannung und Erwartung am liebsten den Roman auffressen möchte, ist eine ganz andere Sache)

Dean öffnete sie und
beide betraten einen großen, abgedunkelten Raum mit hoher
Decke, der direkt an die Hauptbühne anschloss. Die große
vergitterte Lampe über der Tür ließ ihre Köpfe kurz in rotem
Licht aufleuchten. Neben den vielen Vorhängen, die von
mehreren Seilrollen und elektrischen Kurbeln getragen wurden,
hingen noch Teile von Bühnenbildern von der Decke.
Verschiedene Requisiten aus vergangen Theaterstücken standen
herum, viele mit einer mächtigen Staubschicht. Außer ihnen
waren noch zwei verdreckte Bühnenarbeiter und Jeff Kurth in
diesem Raum.

Das ist so eine Sache, wo ich nicht sicher bin, ob das in der
Realität auch so aussieht. Zumindest in München an der
Staatsoper ist das anders :wink:

War schon in einem Theater, da sah es genauso aus.

Die ruhige Musik eines Streichorchesters spielte leise aus den
Lautsprechern.

Die Musi spielt zwar hier - aber nicht aus Lautsprechern.

Wieso nicht? Ich glaube kaum, dass ein professionelles Symphonie-Orchester eine Talentegruppe von Kindern begleitet.

Hoffentlich ließ er
sie wenigstens während der Vorstellung in Ruhe. Dialogtext gab
es nicht, an den man sie über das Headset erinnern müsste und
der Programmablauf würde wohl auch nicht kurzfristig geändert
werden.

Und ihren eigenen Text weiss sie sicher?

Als Moderatorin hat man keinen Text, man spricht aus dem Stegreif, deswegen ist es ja eine Premiere für Susan. Hätte sie einen Text gehabt, wäre das alles ja kein Problem.

Auch wenn die Maskenbildnerin um Welten kräftiger war als
Susan, war sie sich noch nie zu schade einmal in der Woche in
neuer Kombination zur Arbeit zu kommen. Jeff konnte es nicht
lassen, sich bei jeder Gelegenheit über die Beine der
Maskenbildnerin lustig zu machen, und diese mit allen
möglichen Utensilien zu vergleichen.

Das tut eigentlich gar nichts zur Sache. Und ausserdem
verwirrst Du Deine Leser hier ein wenig „um Welten“ ist schwer
zu beurteilen, wenn man nicht weiss wie fett Susan ist :wink:
Wenn schon, dann lass sie gutmütig über das „dünne Handtuch“
von Susan spotten oder so. „war sich noch nie zu schade…“
find ich ebenfalls nicht passend. Eher so, dass sie als
Maskenbildernin zwar genial ist aber in ihrer eigenen Mode oft
danebengreift.

Claire, die Maskenbildnerin, ist hier die fette Person. Und über Claire wird gespottet. Nicht über Susan.

Änderung:
Claire war erstklassig in ihrer Arbeit. Sie beschäftigte sich viel mit ihrem eigenen Äußeren und war sich nie zu schade einmal in der Woche in neuer Kombination zur Arbeit zu kommen, wobei sie modisch häufig danebengriff.

Die meisten Gäste hatten jetzt im Raum ihre Plätze
eingenommen. Brian Dean, die letzten Minuten immer mit einem
Ohr am Vorhang und ständigem Blickwechsel mit der Uhr, deutete
ihr an, sie solle sich langsam bereithalten.

Wie macht man Blickwechsel mit seiner Uhr?

Blickkontakt

„Noch fünf Minuten bis zu deinem Auftritt, Sue“, rief er
ihr zu. „Ich weiß, du könntest Stunden füllen“, witzelte er,
wohl wissend, dass die Moderation für Susan eine Premiere war.
„Aber das würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Halt dich also
lieber zurück.“

Nicht die Premiere ist doch hier der Knackpunkt sondern die
Tatsache, dass Susan eine alte Plaudertasche ist, oder?

Nein, Susan ist das eben nicht, und Dean zieht sie damit auf, weil sie wahrscheinlich Mühe haben wird, überhaupt ein paar Worte zu finden. Wie ich weiter unten geschrieben habe, weiß er aber ganz genau, dass Susan ein Publikumsknaller ist und sich in die Herzen der Menschen schmeißt.

Bloß redest du hier
nicht mit deinen Kollegen, sondern mit dem Publikum. Alles
andere ist reine Routine, und da fehlt es dir bestimmt nicht
an Erfahrung. Alles klar?“
Greenberg war stets ein fröhlicher Mensch, der in anderen
meist nur das Gute sah. So zweifelte er auch nie an den Erfolg
dieses Abends. Aber auch wenn sie schon viele Stunden vor
Zuschauern verbracht hatte, fühlte sie sich dennoch ein Stück
verlassen mit ihrer Aufgabe.

Verlassen? Verlassen bin ich VON etwas oder jemandem (oder
allen guten Geistern). „verlassen mit“ geht soweit ich weiss
nicht. Eher überfordert? Unsicher? Hat sie gar Zweifel, ob das
wirklich eine gute Idee war, den Job zu übernehmen? Wollte sie
eigentlich gar nicht und musste einspringen? Letzters scheint
mir interessante Möglichkeiten zu eröffnen was die Entführung
angeht :wink:

Nein, ich dachte eher an vorletzteres, dass sie sich fragt, wie sie bloß so blöd sein konnte, den Job zu übernehmen.
Ich denke, dass „verlassen mit“ richtig ist. Damit will ich ausdrücken, dass ihr niemand helfen oder die Moderation abnehmen kann und sie sich ganz alleine darauf vorbereiten muss.

Durch einen kleinen Spalt im Vorhang versuchte sie Jane
ausfindig zu machen.

Das ist aber nicht besonders erfolgversprechend, oder?

Wieso?

Brian hegte keinen Zweifel daran, dass Susan die
Zuschauer auf ihre Seite ziehen würde. Insgeheim bewunderte er
ihre positive Ausstrahlungskraft und ihre Art, wie sie
Menschen mit ihrem sympathischen Lächeln für sich gewann. Er
hatte mit ihr von Anfang an hier zusammen gearbeitet und ihren
Optimismus schätzen gelernt. Seit dem ersten Tag, war sie
immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert worden;
einen Absturz hatte sie nie erlebt. Offensichtlich genoss sie
die entspannte Athmosphäre am Theater, in der sich jeder
Schauspieler frei entfalten konnte.

Zu viel Gesülz. Sicherlich denkt der doch Klartext - ist doch
ein Mann *fg* Vielleicht sülzt er nicht so rum, sondern wird
nachher einen Strauss roter Rosen in ihrer Garderobe
hinstellen.

Ist zwar Gesülze, aber für mich zu schade zum rausschneiden. Den letzten Satz ersetze ich mit: Darauf konnte sie stolz sein, das wusste er.

Er
hatte schon des Öfteren daran gedacht, diese Frau mit dieser
begehrenswerten Gestalt zum Dinner auszuführen. Doch auch wenn
ihm niemand bei der Organisation des Theaterprogramms das
Wasser reichen konnte, blieb der Zeitplan seines eigenen
Lebens auf der Strecke. Versuchte er sich mit Gewalt darin
Platz zu schaffen, konnte er sich trotzdem nie ganz überwinden
seine Kollegin auf ein abendliches Essen anzusprechen. Es
fehlte ihm der Mut, und daran verzweifelte er.

Rauslass.

Ich finds nett.

Während Brian Dean seinen Gedanken nachhing, bemerkte
niemand, wie jemand langsam den Griff der Eisentür nach unten
drückte und die Tür einen Spalt breit aufzog. Im Gang draußen
war es stockdunkel. Ein Augenpaar suchte den Raum ab und
entdeckte die wenigen Theaterleute – in diesem Moment ganz auf
die Geschehnisse auf der Bühne konzentriert.
Jeff hatte den Kopfhörer aufgesetzt und starrte auf den
Bildschirm vor sich, die zwei Bühnenarbeiter, müde von der
Anstrengung des langen Arbeitstages, saßen auf beiden Seiten
einer hohen Klappleiter, vor sich eine gefüllte Teekanne, und
warteten darauf, dass die Schauspieler aus den Kabinen kamen.
Ab und zu füllten sei ihre geleerten Becher nach, die sie dann
bedächtig, als wollten sie die beruhigende Wirkung des
Getränkes nicht mindern, in langen, vorsichtigen Zügen
austranken.
Hätte jemand den Fremden bemerkt, hätte er nur das Weiß
der Augen zu sehen bekommen, die Gesichtszüge lagen im
Schatten. Geräuschlos wurde die Tür jetzt ganz geöffnet. Zwei
schemenhafte Gestalten huschten geräuschlos durch den Eingang
und wurden nur für den Bruchteil einer Sekunde unter dem roten
Licht der Lampe über dem Zugang beleuchtet. Ein dritter Mann
bewachte draußen den Gang und verhinderte, dass die Tür zu
laut ins Schloss fiel.
Die Gestalt, die als erster den Raum betreten hatte, wies
kurz auf Dean, der immer noch abgewandt neben dem Vorhang
stand. Mit kurzen, schnellen Schritten schlich der zweite Mann
geduckt auf den Programmleiter zu. Einer Katze gleich warf
sich der Fremde auf ihn, die muskulösen Arme schräg vor der
Brust wie zwei wuchtige Rammen. Dean stürzte zu Boden, der
Mann über ihm fiel auf ihn drauf und presste die Luft aus dem
Brustkorb. Brian wollte schreien, aber kein Laut drang durch
seinen vor Entsetzen und Überraschung aufgerissenen Mund.
Die zwei Bühnenarbeiter, sich eben noch leise
unterhaltend, blickten erschreckt auf, ihre Gesichter
verzerrten sich in Panik, die Tassen fielen polternd zu Boden.
Der erste Mann lief mit ausgestrecktem Armen auf die beiden
zu; die Hände in schwarzen Lederhandschuhen hielten eine
Pistole auf die zwei Theaterleute gerichtet. Der lange Lauf
des Schalldämpfers wirkte bedrohlich und machte die Waffe um
einiges gefährlicher. Ein Schuss würde nur die Lautstärke
eines leisen Hustens haben – höchstens.
Die kalten Augen des Mannes waren ohne Skrupel. Falls die
Bühnenarbeiter nur einen Laut von sich geben würden, wäre es
ihr letzter gewesen.
In kurzer Zeit waren alle vier Personen im Raum gefesselt
und mit abgerissenen Teilen eines alten Vorhangs, der
zusammengelegt auf einem Tisch gelegen hatte, geknebelt. Und
dann war es vorbei.

Zu langatmig. Mitten in seinen Gedanken an Rote Rosen,
Abendessen und wat-weiss-ich wird’s auf einmal Nacht. Notfalls
lass ihn noch das Geräusch von der Tür hören und sich umdrehen
und den Kerl kurz sehen - aber das ist dann auch schon alles.

Die Tür wird vom dritten Mann aufgehalten. Wieso zu langatmig? Ich kann die Geschichte auch in zehn Sätzen erzählen, dann wär’s aber keine Geschichte mehr. Diese Kritik versteh ich wirklich nicht.

Der erste Mann schritt auf den Platz des Technikers zu,
der jetzt mit zusammengebundenen Händen und Knien neben den
drei anderen Gefangenen saß und nun hilflos zusehen musste wie
der unbekannte Mann sich vor die Bildschirme niederließ und
den Kopfhörer aufsetzte.

Ich würd dem erstmal ein Stück Filmriss gönnen. Ist doch
witzlos, wenn man gleich alles erfährt. Der soll nur später zu
sich kommen und erstmal gar nicht wissen was Sache ist,
während an seinem Mischpult ein falscher Typ sitzt, sein
Kollege gefesselt ist und Susan auf der Bühne „falschen“ Text
redet. Achja, mehr als 2 richtige Tontechniker plus den
Verbrecher würd ich da nicht reinsetzen. Sonst wird’s nachher
so unübersichtlich.

Brian wollte schreien, aber kein Laut drang durch seinen vor Entsetzen und Überraschung aufgerissenen Mund. Dann wurde alles schwarz vor seinen Augen.
[…]
In kurzer Zeit waren alle vier Personen im Raum an Händen und Knien gefesselt und mit abgerissenen Teilen eines alten Vorhangs, der zusammengelegt auf einem Tisch gelegen hatte, geknebelt. Und dann war es vorbei. Niemand sonst hatte den Überfall bemerkt, und auf der Bühne stand eine junge Frau, die das Ende des Beifalls abwartete.