Hallo, Gemeinde.
Es folgt keine Frage meinerseits, sondern nur ein Kommentar zum Thema ABS, anlässlich untigen http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv… Freds. Da steht nämlich allerhand drin, Wahres, Halbwahres und ausgesprochener Quatsch.
Ad Eins: Es ist durchaus nicht zirkusreif, wenn ein normaler Autofahrer in der Lage ist, mit ABS eine Notbremsung zu veranstalten und auszuweichen. Genau diesem Zwerg dient das ABS ja schließlich. Richtig ist vielmehr, dass die Wenigsten es ohne ABS hinbekommen, im richtigen Moment von der Bremse zu steigen, auszuweichen und fertig zu bremsen. Wie alles, was man beherrschen will, sollte man auch dies aber, und zwar möglichst mehr als einmal, geübt haben. Zu diesem Zweck gibt es Sicherheitstrainings bei Automobilclubs und Berufsgenossenschaften, die oftmals sogar nix kosten.
Ad Zwei: Sobald die Straße nicht mehr knochentrocken und bügeleben und schlaglochfrei und alles das ist, was in diesem komischen Lande immer seltener wird, ist das ABS dem normalen Autofahrer hoffnungslos überlegen. Auch das merkt man bei einem Sicherheitstraining mit simuliertem Glatteis rechts und nasser Straße links. Im realen Straßenverkehr endet so ein Manöver ohne ABS unweigerlich im Gegenverkehr.
Ad Drei: Die behaupteten Nachteile von ABS bei Schotter oder Schneeauflage auf der Fahrbahn gelten im Grenzbereich , also da, wo sich üblicherweise die Rallyepiloten tummeln. Wer bei einer Notbremsung darauf angewiesen ist, dass sich ein hilfreicher Bremskeil vor seine Räder schiebt, hat schlicht zu viel drauf gehabt.
Ad Vier: Bei einer gegebenen Konstellation aus Geschwindigkeit, Fahrbahngriffigkeit und sonstigen Parametern kann das Fahrwerk (können die Reifen) nur einen begrenzten Kraftwert übertragen. Kräfte, die auf den Reifen einwirken, entstehen in Rollrichtung, zur Seite und in der Vertikalachse des Fahrzeugs. Diese Kräfte sind immer begrenzt - wenn der eine Parameter bis zum Anschlag ausgereizt ist, kann keiner der anderen mehr erhöht werden; man schlage hierzu den „Kammschen Kreis“ nach. Wer also bei Topspeed, möglichst in der Kurve, noch zusätzlich bremst, landet unweigerlich unsortiert in der Landschaft, ob nun mit ABS oder ohne. Verliert das Vorderrad die Bodenhaftung, fährt man in den Graben, ist es das Hinterrad, fliegt man dorthin.
Ad Fünf: Bei einem unklaren Defekt am Bremssystem (im besprochenen Fall eine merkwürdige Anzeige/Nichtanzeige) darf nicht weiter gefahren werden. Wer das doch tut, hat sich im Falle einer Kontrolle darauf einzurichten, dass er wegen Verkehrsgefährdung dran ist. Wenn es rumst, ob auf Schotter, Glatteis oder Edelstahl, kommen je nachdem noch andere neckische Dinge hinzu: das geht vom Verlust des Kaskoschutzes am eigenen Fahrzeug über die Regressnahme der HV bis zur Anzeige wg. gefährlicher Körperverletzung bzw. wegen Totschlags. Ganz schön viel Klingeling für vielleicht „nur eine kaputte Birne“, oder?
Ad Sechs: Die Stotterbremse kann ein geübter Fahrer, der möglicherweise noch Steptanzerfahrung hat, etwa 10 mal pro Sekunde ausführen. Mehr geht rein physiologisch nicht. Ein elektronisch geregeltes ABS jedenfalls vollführt das gleiche Manöver um zwei Größenordnungen häufiger, und zwar an jedem Rad unabhängig. Bitte eines der anwesenden Fahrgenies, mir letzteres vormachen zu wollen …
So, und nun haut mich.
Gruß Eillicht zu Vensre
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