Ergänzenderweise seien noch erwähnt die - in Pop und Rock auch häufiger vorkommenden - Akkorde mit sus.
„Suspended“- Dreiklänge
Wenn in einem Liedel ein Akkord wie „Asus2“ oder „Asus4“ vorkommt, dann ist damit gemeint, dass in diesem Akkord die zweite Stufe in der Tonreihe des Dreiklangs (was bei Dur die große Terz des Grundtons ist und bei Moll die kleine) ersetzt (=suspended) wird. Verstanden? Bestimmt nicht *g*.
Nehmen wir uns den altbekannten Kameraden E- Dur, wo sich aus der Tonreihe E-H-E-G#-H-E zusammensetzt. Ersetzt werden muss die zweite Stufe, nämlich das G#. Prima! Das heißt nämlich, nur ein Ton verschiebt sich. Für den sus4 - der häufiger ist - ersetzen wir das Griffbild E-Dur 022100 durch 022200. Fertig! Jetzt haben wir die Tonreihe E-H-E- A -H-E, sprich, wir haben die große Terz durch die Quarte ersetzt (aus G# ward A). Und genau das war mit „sus 4“ gemeint!
Für den „sus2“ tritt an die Stelle des G# ein F# (die zweite Stufe in der E-Tonleiter). Und nun hat Houston ein Problem : Das am besten aus dem normalen E-Dur- Akkord erreichbare F# liegt auf der E-Saite im 2. Bund. Wir sollen aber das F# nicht zusätzlich zum normalen Dur spielen, sondern als Ersatz , müssen also das G# zwingend weglassen. Das alles geht mit dem Griffbild 022x02, fordert aber viel Beherrschung des Ringfingers. Ohne Fleiß kein Leis, sprach der Gilb …
Das Gute an den „suspended“- Akkorden ist, dass es Banane ist, ob Moll oder Dur. Das kommt dadurch, dass genau der Ton, den wir weglassen - die Terz des Grundtons - über Moll / Dur entscheidet (kleine Terz=Moll, große=Dur, you remembär?).
Ein kleines Liedel mit „sus“
Ein obskurer Lärmer aus Kanada liefert uns ein feines Stück zum Hören, was denn der ganze „sus“- Kram soll : „Summer of '69“ besteht in weiten Teilen aus der Abfolge von sus2, Dur, sus4, Dur, einmal in D und dann in A. Wenn ich dann noch verraten würde, dass es sich um D-Dur 000232, Dsus2 000230, Dsus4 000233, A-Dur 002220, Asus2 002200 und Asus4 002230 handelt, könntet ihr den Anfang des Stückes schon spielen. Das werde ich aber bestimmt nicht verraten … und dass der Anfang von Bostons „More than a Feeling“ auch was mit Dsus4 und D-Dur zu tun hat, schon gar nicht.
Verminderte Akkorde
Die Welt ist grausam. Da steht jetzt plötzlich ein „Edim“ (oder E0, ist egal) in unserem Liedel. Was ist nun dieses? Das ist ein „verminderter“ (=diminished) Akkord und gar nicht schlimm. Der verminderte Akkord besteht aus lauter kleinen Terzen, die sich verschworen haben, uns zu quälen. Wir erinnern uns : E-Dur war Grundton+große Terz des Grundtons+Quinte des Grundtons. E-Moll war Grundton+kleine Terz des Grundtons+Quinte des Grundtons. Edim, oder E0, ist hinwiederum Grundton+kleine Terz des Grundtons+ verminderte Quinte des Grundtons. Ergo, wenn E-Dur aus E+G#+H besteht, ist Edim=E+G+A#. Man greife dieses zum Bleistift 0120x0, was die Tonreihe E-A#-E-G-schrabb-E ergibt, und freue sich. Die übermäßigen Akkorde kriegen wir später, hätte Bömmel gesagt.
Tonleiter- verwandte Akkorde
Zu jeder Tonleiter lässt sich eine Folge von Akkorden aufbauen, die harmonisch mit dem Grundton verwandt sind. Der Einfachheit halber sei die Folge dieser Akkorde für C- Dur aufgelistet, wo da lautet
C - Dm - Em - F - G - Am - Hdim
Die drei Dur- Akkorde sind - heiliger Terminologus, hilf! - die Tonika , Subdominante und Dominante ; die Mollakkorde sind die Moll parallelen zu ebendiesen, und Hdim repräsentiert den Akkord auf der großen Septime. Für unseren alten Bekannten E-Dur wäre die Folge E - F#m - G#m - A - H - C#m - D#dim. Es sei abschließenderweise erwähnt, dass die Dominante häufig als Dominantseptakkord auftaucht (Dominantsextakkord gibt es auch; das ist spätestens seit Glenn Miller ein beliebter Abschluss für ein Liedel).
Fehlerkorrekturen, Anmerkungen, Lob (lechz!), Sterne und Kritik erwartend hat nun verbleibenderweise fertig nebst Gruß
kw
