(N)etikette´: meine Neugier gegenüber den Turksprachen´ wird immer größer:
Karl Lokotsch: „Etymologisches Wörterbuch“ (der europäischen Wörter orientalischen Urprungs)
"Tk. dik-:
Dikmek nähen´ [vom Stamme tuk, tik stecken, aufstecken, nähen´], Vàmbéry TktEtWb S.191, Nr. 203,
dazu subst. Infinitiv dikis das Nähen´; hieraus rum. dichis Zubehör, weiblicher Staat oder Putz´.
Also frz. `étiquette´ tatsächlich ur-indogermanisch?
Oder doch Altaischen Ursprungs? Oder liegt hier ein kolo/Kreis vor?
Mich interessiert vor allem sehr eure fachmännische Meinung, Kuby und Fritz!
Also frz. `étiquette´ tatsächlich ur-indogermanisch?
Oder doch Altaischen Ursprungs? Oder liegt hier ein kolo/Kreis
vor?
Mein Petit Robert sagt dazu:
étiquette : attestiert seit 1387, aus «estiquette» (Pfosten), Wort ursprünglich aus der Picardie; aus dem Altfranzösischen «estiquer» (anbinden, fixieren), Ableitung aus dem Fränkischen «stikkjan», Variante von «stikkan», vgl. Niederländisch «stikken», verwandt mit «ticket».
Danke dir für deine Erklärungen aus dem Petit Robert.
Ich kenne leider nur den Gamillscheg (frz. Etymologie).
Du scheinst mir ein wirklicher, forschender Sprachkundiger zu sein, und es freut, daß du dich bisher als einziger ernsthaft an dem von mir hier ja nur wieder aufgenommenen Gespräch zum Thema „netiquette“ beteiligt hast. (siehe Besprechung zu „Netiquette“ weiter „unten“).
Ist dir bereits auch eine gewisse „Schwindsucht“ des Buchstaben l aufgefallen? Also der Übergang von l zu u, wie zb im frz.: à le = au, de le = du. Auch in Wörtern wie „aumône“ = Almosen´ zu erkennen. Möglicherweise auch verwandt der Übergang beau - bel - belle. Auch im Slawischen wieeder zu entdecken in dem Namen der Satdt Belgrad, der ich erinnere mich, als Radiosender früher als Beograd´ aufgeführt wurde.
Wird ja auch Beugrad´ gesprochen; Bedeutung "Schönberg/Schönburg/Weißenburg". Im Polnischen kann man diesen Vorgang´ praktisch in vito´ sehen, wo es neben dem wirklichen l´ wie in lak´ auch noch das schwindende l mit t-Strich´ (das ich leider auf meiner Tastatur nicht habe) gibt wie in laba´ = Elbe (gesprochen ähnlich wie ouwaba, aber das ouw mit sächsischem nasalen´ Ton-herab-fall). Nach unten´ heißt auf polnisch: na dol´, mit dem gestrichenen l, gesprochen ähnlich: na doou´. Dazu fällt eim natürlich sofort engl.: down´ zu ein, da unten. Lech Walensa hat beide l: Lech Wauwenßa´; wird aber original Wale,sa´ geschrieben, wo das Komma am e daraus ein bien-(frz)ähnlichen Nasallaut erzwingt.
Mein posting: „noch nettere Kette“, damit wollte ich aber auf eine mögliche viel frühere Quelle des von dir aufgefundenen altfränkischen „esti…“ im turkverwandten dik-´ (dikmek´ heißt ja nähen´, pflanzen´ [!]) hinweisen.
Was ist denn ein Etikett? Und was „die Etikette“ anderes als die aufgepflanzte (oder auch daselbst nur im Kopf) Verhaltensregel?
Ähnlich den Schildern: „Don´t spit on the floor“ oder:
„…bitte an der Garderobe abgeben!“
Das erwähnte Schwinden des l in Europa zum u, in China/Japan zum r hat möglicherweise auch etwas mit der Zungenlänge zu tun. (siehe auch Lenneberg: „Die biologischen Grundlagen der Sprache“). Versuche mal ein l auszusprechen, wenn deine Zunge zu kurz ist.
Auch die Gaumenform/übung wirkt hier mit.
Ich wäre begeistert, wenn du auch slawische Kenntnisse hättest - es fallen derart viele turksprachliche Eingaben in sowohl die germanischen als auch die slawischen Sprachen auf!
Möglicherweise aber wäre eine undogmatische Diskussion
in sprachlichen Fragen nicht moderat genug für hier; im Notfall könnten wir ja zunächst miteinander mailen.
Proapo panne´: wir Deutschen sprechen mit kurzem a und schnellem n; Italiener ziehen das n lang; die Polen sprechens tatsächlich doppelt: pannenne´. Holen also einmal Luft zwischendrin.