Nochmal ängstlicher Hund

Hallo und einen schönen Samstag,

weiter unten hatte ich ja schon einmal erwähnt, dass ich einen ängstlichen Hund aus schlechter Haltung zu mir genommen habe.

Er ist jetzt fast zwei Wochen hier, fühlt sich in der Wohnung anscheinend sehr wohl und auch draußen machen wir langsam Fortschritte. Potenziell ist natürlich für ihn noch alles verunsichernd und manchmal erschreckend (Autos, Spaziergänger, Jogger, laute Geräusche etc.), aber ich meine zu beobachten, dass er zumindest schon ein bisschen entspannter damit umgeht als ganz am Anfang.

Nun zeigt er seit ca. zwei Tagen eine neue Verhaltensweise, die mich manchmal recht hilflos macht: Wenn ich eine Richtung einschlage, die ihm anscheinend nicht gefällt (vorzugsweise, aus dem Wald heraus), bleibt er auf dem Spaziergang einfach stehen und will sich keinen Meter mehr bewegen, scannt die Gegend und - ja - steht halt.
Er ist auf den Spaziergängen natürlich noch angeleint, deshalb sind meine Mittel auf ihn einzuwirken auch etwas begrenzt. Ganz einfach weggehen und darauf bauen, dass er nicht alleine zurückbleiben will, kann ich eben deswegen nicht.
Selten hilft es, neben ihn zu treten und ihn aus dieser Position noch einmal aufzufordern weiterzugehen.
Manchmal hilft es, eine Weile mit ihm rumzustehen, ihn zu ignorieren, zu warten, bis er sich von selbst setzt und ihn dann noch einmal zum Kommen aufzufordern.
Manchmal hilft es auch, ihn mit Leckerchen zu locken, das aber meist nur für ein paar Meter.
Manchmal hilft es, einen Bogen zu schlagen und die gewünschte Richtung anders anzupeilen.
Ihn gegen seinen Willen auf den Weg zu bringen und sei es auch noch so sanft, bringt gar nüscht, damit werde ich ja nur bedrohlich, er legt nur die Ohren an, klemmt den Schwanz ein und stemmt sich dagegen. Und ich will ihn ja beim besten Willen nicht noch mehr verängstigen als er sowieso schon ist.

Ich bringe schon Geduld und Zeit mit, aber heute morgen haben wir dann für ca. 10 Meter geschlagene 20 Minuten gebraucht und zum Schluß wußte ich mir gar nicht mehr zu helfen und habe meinen 30-kg-Hund weitere 10 Meter getragen und danach ging es dann wieder.
Ich glaube aber selbst nicht, dass das eine Lösung ist, sondern vermute eher, dass diese Methode nur negative Folgen haben wird, falls ich sie regelmäßiger praktiziere.
Es ist übrigens nicht so, dass er den gesamten Spaziergang lang unwillig ist oder gar keine Lust hat rauszugehen.

Weiß jemand Rat? Ansonsten werde ich wohl bald mit Zelt und Heizstrahler spazieren gehen müssen … :frowning:

Grüße,
Christiane

Hallo Christiane,

vielleicht hilft ja so eine Jojo-Leine (diese mit dem Aufrollmechanismus - wie nennt man die richtig?) oder eine Suchleine (10 Meter Länge müssten da drin sein…). Mit denen könnstest du Dir wenigstens diesen kleinen „Vorsprung“ erwirtschaften, um ihn dann im Fall der Fälle zu Dir rufen zu können - vielleicht lässt er sich so eher überreden, weiterzugehen?!

Schwierig, schwierig…

Schöne Grüße
Esther

vielleicht hilft ja so eine Jojo-Leine (diese mit dem
Aufrollmechanismus - wie nennt man die richtig?) oder eine
Suchleine (10 Meter Länge müssten da drin sein…). Mit denen
könnstest du Dir wenigstens diesen kleinen „Vorsprung“
erwirtschaften, um ihn dann im Fall der Fälle zu Dir rufen zu
können - vielleicht lässt er sich so eher überreden,
weiterzugehen?!

Also wenn würde ich eher zur Suchleine raten, Flexileinen halte ich bei großen Hunden meist doch für unangebracht. Aber das ist sicher eine Idee, dann könnte er vielleicht das Gefühl bekommen vom alleine sein und folgt dir dann. Du hast ihn aber trotzdem immer unter Konrtolle.
Tja und mehr als viel Geduld kann ich dir leider nicht raten mir fällt da auch nichts ein, denn du hast ja schon viele Dinge versucht.

bye Frieda

Ich fass es nicht!
Schönen guten Abend!

Erst einmal danke für die Hinweise auf die Schleppleine.
Eine 15-m-Schleppleine hatte ich mir vor einer Woche schon gekauft und bis dato einmal in der Hundeschule benutzt, da das Gelände dort nicht 100%ig ausbruchsicher eingezäunt ist.

Da mein Guter aber auch ein kleiner Entfesselungskünstler ist und sich schon aus Geschirr und aus Halsband gewunden hat, befürchtete ich, dass er, wenn er nur mit einer Leine gesichert wäre, auf und davon sein könnte, wenn ihn irgendetwas in Panik versetzte.

Da er aber inzwischen doch schon eine gewisse Bindung an mich gezeigt hat, meist auf Ruf auch kam und es so einfach nicht weiterging, habe ich es vorhin, auch ermuntert durch eure Beiträge, gewagt, ihn nur mit der Schleppleine am Geschirr zu sichern.

Und was geschah? Vom ersten Moment an war mein Hund wie ausgewechselt! Er genoß seine neue Freiheit sichtlich, sprang vergnügt in der Gegend herum und war sooo froh, endlich mehr Bewegungsfreiheit zu haben. Kein Stehenbleiben mehr, weniger Angst - und wenn er sich unsicher fühlte, hatte er nun die Möglichkeit, die Distanz mehr nach seinem Ermessen zu wählen.

Wir hatten beide unglaublichen Spaß am Spaziergang, ich war zwar vom Dreck der Leine vollkommen eingesaut, aber das war’s wert!

Vergnügte Grüße,
Christiane

Na das klingt doch klasse! Dann scheinst du ja so sicher vorwärts zu kommen. Und wenn das gut klappt kannst du dann ja versuchen es auch an der kurzen Leine zu üben, denn das muss er ja wohl auch lernen.
Ich wünsch dir weiterhin viel Erfolg.
bye Frieda

Klasse! Freu’ mich für Euch! owT

Flexi- vs. Suchleine

Also wenn würde ich eher zur Suchleine raten, Flexileinen
halte ich bei großen Hunden meist doch für unangebracht.

Hallo Frieda,

bin auch kein wahrer Freund dieser Flexis - hatte aber mal eine immens verkorkste, damals zweieinhalb-jährige Dobi-Frau als Pflegehund bekommen. Sehr lieb und zuckersüß, nur eben unfolgsam bis zum „geht-nicht-mehr“ und kein bißchen leinenführig. Wir flogen und stolperten den liebenlangen Spaziergang nur so übereinander her, da sie immer aprupt die Richtung wechselte - und keine Hundeschule der Welt wusste noch Rat…
Die Flexileine war mein letzer Versuch und tatsächlich der Ausweg aus der Misere: Dieses Zuggeräusch beim Vorwärtsstürmen und das „klick“, wenn Schluß war, verhalf meiner Dobi-Dame und mir endlich zu entspannten Spaziergängen und ihr zu mehr Bewegungsfreiheit. Eine Suchleine wäre in dem Fall unangebracht gewesen, da sich Frau Dobermann angesichts ihrer enormen Eigendynamik darin wohl selbst gefesselt hätten…

Übrigens hat die Maus einen wunderbaren Platz an der Ostsee gefunden - nur die Flexileine, die ist ihr bis heute geblieben ;o)

Schönen Sonntag!
Esther

Huhu Esther,
naja es soll immer Ausnahmen geben. Aber an sich denke ich, wenn es anders möglich, sollte man den Hund versuchen mit „normaler“ Leine zu erziehen und große eben mit Schleppleine. Hab eben leider viel zu viele schlehcte Erfahrungen damit gemacht.
bye Frieda