Nochmal cordoba

guten abend und gratulation nach deutschland!

ich weiß, der cordoba-thread ist nach sport verschoben worden, aber das hier hat nun wirklich mit der deutschen sprache zu tun:

was ist denn „cordoba“ für ein stilmittel, wenn es den „sieg der österreichischen fußballnationalmannschaft über die deutsche“ meint?

synekdoche? pars pro toto? metapher? synonym? noch was anderes?

Antonomasie

was ist denn „cordoba“ für ein stilmittel, wenn es den „sieg
der österreichischen fußballnationalmannschaft über die deutsche“ meint?

synekdoche? pars pro toto? metapher? synonym? noch was anderes?

Das ist eine Synekdoche. Spezieller aber eine Antonomasie. Analoge Beispiele wären „Waterloo“ oder „Sündenbabel“.

Durch den häufigen Gebrauch von „Cordoba“ zur Zeit gewinnt es allmählich auch Valenz über den ursprünglichen Fußballkontext hinaus, wodurch es zur Metapher wird.

In diesem Sinne kann man sagen (aber nicht grundsätzlich): Eine Antonomasie ist eine spezielle Synekdoche, und Synekdoche ist eine spezielle Metapher.

Gruß
Metapher (was wiederum eine Antonomasie ist *g*)

Guten Morgen,

das ist eine Anspielung oder Allusion. Deutsche Fußballfans sagen Córdoba; weniger fußballnärrische Menschen erleben eher ihr Waterloo.
http://www.lingo4u.de/deutsch/schreibschule/stilmittel

Gute Nacht
Pit

Tropus
Servus, Metapher:smile:

In diesem Sinne kann man sagen (aber nicht grundsätzlich):
Eine Antonomasie ist eine spezielle Synekdoche, und Synekdoche
ist eine spezielle Metapher.

da ich diese Begriffe immer verwechsle - wie ordnest du in deiner „Reihe“ Tropus ein? Vielleicht verstehe ich die Unterschiede endlich mal…*lach*

Lieben Gruß aus Wien, jenny

Guten Morgen, Metapher,

es war nicht meine Absicht, dir widersprechen oder dich korrigieren zu wollen und mir eventuell ein Austerlitz, dir ein Waterloo zu bereiten. Der 10-minütige Abstand zwischen unseren beiden Kommentaren kommt daher, dass ich während des Schreibens etwas Anderes gemacht und dann auf „abschicken“ geklickt habe, ohne vorher zu aktualisieren.
Und da meine Antwort nicht auf eigenen Kenntnissen der stilistischen Fachterminologie beruht, sondern lediglich das Ergebnis einer Google-Suche ist http://www.google.de/search?as_q=Waterloo+Stilmittel… , will ich auch keinen Terminologie-Disput anzetteln.

Grüße
Pit

P.S.: Word unterstreicht mir „Austerlitz“ und bietet Austerblitz, Austerflitz, Austerkitz, Austerfitz, Austerritz - köstlich!

Nach Canossa gehn wir nicht! owt
Wie ich oben schon schrieb: Ohne weiteren Text!

Gruß - Rolf

Das ist eine Synekdoche. Spezieller aber eine Antonomasie.

Bis zur Synekdoche würde ich mitgehen, auch wenn ich den Begriff nicht ideal finde. Ich verstehe darunter die Ersetzung einer Bezeichnung durch eine, die innerhalb des bezeichneten Begriffs semantisch enger oder weiter ist. Freilich hat ›Córdoba‹ als Stadtname eine größere Ausdehnung als derselbe Begriff, wenn er ›Niederlage der deutschen gegen die österreichische Fußballnationalmannschaft der Männer 1978‹ bedeutet. Allerdings erfüllt es nicht die klassische Definition der Synekdoche als Pars-pro-toto- oder Totum-pro-parte-Relation. Der Tropus ›verlässt‹ das Objekt bzw. das Ereignis, da es eher ein Zufall als eine notwendige Eigenschaft dieser Niederlage ist, dass sie in Córdoba stattgefunden hat – und umgekehrt auch kein Charakteristikum von Córdoba, Schauplatz von Fußballniederlagen zu sein. Eine typische Synekdoche ist meines Erachtens ›Der Franzose trinkt gerne Wein.‹, wobei ›der Franzose‹ ein zwingendes Element dessen ist, wofür er als Einzelner steht, nämlich das französische Volk. Stünde ›der Spanier‹ statt ›der Franzose‹, wäre das Referenzobjekt ein anderes, während ›Córdoba‹ auch gut ›Reykjavík‹ heißen könnte, wenn das Ereignis, das durch den Metaphernwechsel quasi unverändert bleibt, zufällig dort stattgefunden hätte.

Antonomasie, soweit mir bekannt, ist die Ersetzung eines Eigennamens durch ein kontextuell hervorstechendes Charakteristikum des Benannten. Um bei Córdoba zu bleiben, wäre das im gegebenen Zusammenhang beispielsweise ›Ort der Schmach‹, in einem anderen zum Beispiel ›La Docta‹ wegen seiner alten Universität. Nur mit viel gutem Willen gelingt es mir, in ›Córdoba‹ ein Charakteristikum der Niederlage bei diesem Fußballspiel zu sehen.

Ich würde daher von einer Metonymie sprechen, die eine losere Beziehung – eine Kontiguität, könnte man sagen – zwischen Referenz und Referent erlaubt. Die Niederlage hat zufällig in Córdoba stattgefunden; die Beziehung ist also die eines räumlichen, nicht aber ursächlichen Zusammenhangs. Mir ist natürlich bewusst, dass die Abgrenzung der Metonymie von der Synekdoche in der Praxis alles andere als scharf ist. Die Unterscheidung, wie ich sie hier versuche, scheint mir allerdings halbwegs brauchbar zu sein.

Gruß
Christopher

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Hallo, Jenny,

da ich diese Begriffe immer verwechsle - wie ordnest du in
deiner „Reihe“ Tropus ein?

das ist der Oberbegriff:

Vereinfacht lässt sich sagen, dass bei Tropen ein eigentlicher bzw. ‚eigentlich gemeinter’ Ausdruck „x“ durch einen uneigentlichen bzw. ‚uneigentlich gesagten’ Ausdruck „y“ ersetzt wird. Die Abweichung von der sprachlichen Norm geschieht somit durch Austausch …
http://www.li-go.de/definitionsansicht/rhetorik/unei…

Gruß
Kreszenz

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Hi Christopher,

Bis zur Synekdoche würde ich mitgehen

bei Tageslicht besehen (← Metapher) stimme ich deinem Contra (← Synekdoche, Periphrase, Paraphrase) zu:

Die Antonomasie ersetzt ja umgekehrt einen Eigennamen durch eine charakteristische (generelle oder aktuelle) Eigenschaft. „Der siegreiche Torschütze sagte nach dem Spiel …“, nicht umgekehrt. Ich hatte die sog. „Vossianische“ Antonomasie (alias Eponomasie) im Kopf (← Pars pro toto bzw. Metapher). Aber die fällt ja eben unter die Kategorie „Metonymie“ und nicht unter „Antonomasie“ und bezieht sich außerdem auf prototypische Eigennamen:
„ein Goethe wird wohl nicht aus ihm“
„er ist ein wahrer Casanova“
„sie ist meine Kalliope“.

… während ›Córdoba‹ auch gut ›Reykjavík‹ heißen könnte

Das Argument ist schlagend (← Metapher). „Cordoba“ ist kein Proprium für das Gemeinte, nicht mal für das Ereignis, lediglich eine Kontiguität. Es ist also eine Metonymie, analog zu „Austerlitz“ und „Waterloo“.

Mir ist natürlich bewusst, dass die Abgrenzung der Metonymie von der Synekdoche in der Praxis alles andere als scharf ist.

… wie bei vielen rhetorischen Figuren. So wird ja gerne „das ist dein Waterloo“ und „Washington ist verstimmt“ gleichermaßen unter Metonymie subsumiert.

Die Unterscheidung, wie ich sie hier versuche, scheint mir allerdings halbwegs brauchbar zu sein.

Ich finde sie sogar vollwegs brauchbar :smile:

Gruß
Metapher

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Austerblitz
Hi gargas,

Word unterstreicht mir „Austerlitz“ und bietet Austerblitz …

You and Word made my day :smile:

Mit „Allusion“ (= Anspielung) hast du übrigens ebenfalls Recht, weil sie der Oberbegriff über zahlreiche, aber auch sehr unterschiedliche rhetorische Figuren ist.

Gruß
Metapher

Tropen
Hi Jenny,

Eine Antonomasie ist eine spezielle Synekdoche, und Synekdoche ist eine spezielle Metapher.

wie ordnest du in deiner „Reihe“ Tropus ein?

Das wäre ganz rechts anzuhängen. Eine Metapher ist eine spezielle Trope. Eine Trope (eig. Tropé, wörtlich „Wendung“) ersetzt schlicht einen direkten Ausdruck durch einen anderen indirekten.

Der Begriff kommt aus den Anfängen der antiken, vorsokratischen Rhetorik. Alle hier diskutierten Begriffe - Allusion, Metapher, Metonymie, Synekdoche, Paraphrase usw. - sind Tropen.

Vielleicht verstehe ich die Unterschiede endlich mal…*lach*

Rhetorische Figuren zu analysieren und zu üben ist … was der Czerny beim Klavierspiel ist. Das wäre eine Trope, genauer eine Metapher. Wenn wir sagen „… ist der Czerny der Sprache“ dann haben wir eine Vossianische Antonomasie *lach*

Lieben Gruß aus Bonn zurück

Metapher

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Dank euch!
Kreszenz und Metapher:smile:

vielleicht sollt ich mich gegens Ende zu endlich mal so richtig damit beschäftigen, als nur vor mich hinzudilettieren…*g*

Jedenfalls ist es mir klarer…Dank euch!

Lieben Gruß aus dem Bunker, jenny

danke an alle für die interessanten inputs.

der hinweis auf waterloo ist natürlich naheliegend, córdoba kann trotzdem mehr. waterloo ist ein(e) [bevorzugte rhetorische figur einsetzen] für eine niederlage, córdoba hingegen je nach perspektive entweder für eine schmach oder eben für einen david-gegen-goliath-sieg.