Die von mir (aus der Erinnerung) angegebenen Nummern „11.“ und „12.“ (die Punkte des offenen Briefes) sind natürlich falsch und irreführend, richtig wären die Nummern 12. „Jesiden“ und 13. „Sklaverei“. Danke, dass Du meinen Fehler stillschweigend übergangen hattest!
Zu 13. „Sklaverei“: Abgesehen davon, dass „Abschaffung der Sklaverei“ und „Aufhebung von Sklavenverhältnissen“ zwei verschiedene Dinge wären und wer jeweils was meinte: Nirgends im Koran fänden sich Anzeichen dafür, dass die (von den vorislamischen Arabern übernommene) Sklaverei als solche abgeschafft werden, bzw. langsam zum Erliegen kommen sollte. Die Sklaverei ist ein unabänderlicher Bestandteil der islamischen Gesellschaftsordnung, sei es einerseits durch die Pflicht einer Freilassung bzw. eines Loskaufes von Sklaven bei bestimmten Verfehlungen als deren Sühne, sei es andererseits als Vergeltung mit Gleichem nach einem Angriffskrieg Ungläubiger auf eine islamische Gemeinde, deren dadurch notwendig gewordene Verteidigung und Mehrbelastung der Angehörigen und Familienmitglieder („Dschihad“), ungeachtet eines evtl. Todes oder einer schweren, Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit verursachenden Verwundung ihres Ernährers im aufgezwungenen Verteidigungskrieg. Das ist Koran, es führen keine Wege daran vorbei.
Scheich Saleh ibn Fawzan, Mitglied des Ständigen Komitees für Rechtsfragen in Saudi Arabien fasste diesen Umstand kurz und treffend zusammen: „Sklaverei ist Teil des Islam“ und „Sklaverei ist Teil des Dschihad, und der Dschihad wird solange bleiben, wie es den Islam gibt“ (zitiert u.a. bei Wikipedia), was kein Widerspruch zu der Behauptung in dem offenen Brief an Kalif Al-Baghdadi wäre, denn diese Ausführungen dort („Keiner der Gelehrten des Islams bestreitet, dass einer der Ziele des Islams die Aufhebung der Sklaverei ist.“) beziehen sich auf einen ganz anderen „Islam“, nämlich den „Islam der Menschen“ des sunnitischen Märchenerzählers Abu Huraira … hoppla, wo sind wir denn nun gelandet? Ich spare mir alle weiteren Kommentare!
Zu 12. „Jesiden“: Du bezogst Dich bei Deinen Ausführungen wohl auf einen Artikel in der Tageszeitung „Die Welt“, hier ein Zitat:
"Vom Ton und vom Argumentationsstil gibt der Aufsatz vor, sich in der Form einer traditionellen Rechtsauslegung zu bewegen. Diese beginnt bei der Frage, ob die Jesiden innerhalb der muslimischen Gemeinschaft einen geschützten Minderheitenstatus beanspruchen können, etwa durch Zahlung der Unterwerfungssteuer, wie es der Koran für die Buchreligionen Christentum und Judentum vorsieht. Oder weil es sich um eine abtrünnige, ursprünglich aber muslimische Gruppe handele. Vor der Einnahme des von Jesiden bewohnten Berges Sindschar hätten sich Scharia-Studenten des Islamischen Staates mit dieser Frage beschäftigt, behauptet der Artikel.
Dabei sei man zum Ergebnis gekommen, dass es sich bei den Jesiden nicht um eine ehemalige muslimische Sekte handele, sondern um eine heidnische Religion aus vorislamischer Zeit, die im Laufe der Zeit nur durch die umgebende muslimische Bevölkerung „islamisiert“ worden sei. Die Gruppe könne sich auch nicht durch Schutzzahlungen wie Christen oder Juden vom Missionierungs- und Unterwerfungsgebot des Propheten Mohammed befreien. Deshalb habe man beschlossen, die Jesiden als Götzendiener zu behandeln (Muschrik). Nach islamischem Recht sei man damit auch berechtigt, jesidische Frauen und Kinder zu versklaven."
http://www.welt.de/politik/ausland/article133282825/Das-primitive-Glaubensverstaendnis-der-IS-Terroristen.html
Aus Deinen Ausführungen könnte nun aber eine gewisse Missliebigkeit herausgelesen werden, nämlich der Vorwurf, dass der IS die Jesiden als „Schriftbesitzer“ hätte anerkennen müssen, solches aber nicht hatte … was eher an den bei Wikipedia veränderten Welt-Artikel (die derzeit einzige Quelle!) erinnern würde; hier Zitat aus Wikipedia:
„Scharia-Studenten des IS hätten die Jesiden nicht als ehemalige islamische Sekte eingestuft, sondern als eine heidnische Religion aus vorislamischer Zeit, somit als Muschrik (Götzendiener, also eine abwertende Bezeichnung für Polytheisten)“
Es gab im alten Arabien nur eine relativ große Anzahl von (lokalen) „Göttern“ bzw. „Gottheiten“ (friedlich versammelt z.B. in der Kaaba zu Mekka) und in dessen Sprachschatz daher auch keine „Götzen“! Wikipedia wäre wirklich keine Quelle für ein Expertenforum wie w-w-w: http://www.lessan.org/de/مشرك
Die Frage, ob die Jesiden zu den „Schriftbesitzern“ gerechnet werden müssten, stellte sich gar nicht:
„Das Buch der Offenbarung“ (Kurdisch und Arabisch, mit jeweils deutscher Übersetzung):
https://archive.org/stream/denkschriften55stuoft#page/12/mode/2up
„Die Schwarze Schrift“ (Kurdisch und Arabisch, mit jeweils deutscher Übersetzung):
https://archive.org/stream/denkschriften55stuoft#page/24/mode/2up
Die Geheimschrift der Jesiden:
https://archive.org/stream/denkschriften55stuoft#page/4/mode/2up
„Das Buch der Offenbarung“ (original):
https://archive.org/stream/denkschriften55stuoft#page/n531/mode/2up
„Die Schwarze Schrift“ (original):
https://archive.org/stream/denkschriften55stuoft#page/n535/mode/2up
Nach dem Koran hatte Allah die Tora (der Juden) herabgesandt und das Evangelium (von Jesus) als Rechtleitung für die Menschen, von den v.g. Geheimschriften (der Jesiden) war nie die Rede gewesen!
Der in dem offenen Brief an Kalif Al-Baghdadi angeführte Hadith handelt von der Gleichstellung der Zoroastrier mit den Schriftbesitzern hinsichtlich deren Besteuerung; Hadithe online leider nur in englischer Übersetzung (unter „Section: Jizya on People of the Book and Magians“):
http://www.usc.edu/org/cmje/religious-texts/hadith/muwatta/017-mmt.php
Yahya related to me from Malik from Jafar ibn Muhammad ibn Ali from his father that Umar ibn al-Khattab mentioned the magians and said, „I do not know what to do about them.“ Abd ar-Rahman ibn Awf said, "I bear witness that I heard the Messenger of Allah, may Allah bless him and grant him peace, say, ‚Follow the same sunna with them that you follow with the people of the Book.‘ "
Allerbeste Grüße
Semsi