Nochmal 'Negative Gedanken'

Hallo an euch…
hier http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/www/service.fpl?.. hatte ich es beschrieben. Ich komme leider erst jetzt zum Antworten. Danke für die bisherigen Antworten an die 2!

Also das Problem ist, dass man ihn darauf nicht ansprechen kann. Weil er blockt. Total. Er möchte irgendwo nicht hören, dass sein „Jammern“ nervt. Weil es nicht sein muss, es geht ihnen gut finanziell, jegliche Verlustängste sind unbegründet. Vollkommen haltlos.

Bei einer Geburtstagsfeier oder anderen Familienzusammenkunft im größeren Rahmen kann ich ihn nicht ansprechen. Eigene Feierlichkeiten werden mit „Zu teuer, kann ich mir nicht leisten!“ abgeblockt, zu anderen geht er nicht, da „Kann es sich nicht leisten, etwas zu schenken und ohne Geschenk kommen ist peinlich!“

Ich habe inzwischen versucht mal allein, ganz ruhig und vorsichtig das Thema anzuschneiden. Es endete wieder in einem sehr lautem Ausbruch seinerseits, wo mir Dinge an den Kopf geworfen wurden, die absolut unter der Gürtellinie waren. Es wird echt immer schlimmer. Zur Zeit hat er Urlaub… ist zu Hause, fährt nirgendwo hin. Möchte nicht. Wir haben echt alles versucht, nicht mal mit uns und den Kindern zum Tierpark… „Zu teuer, das Benzin…“ *kopfschüttel*

Letztens kam ein Schreiben von der Gemeinde, dass die Grundsteuerfestsetzung geändert wurde… sofort erfolgte (ich war zufällig grad dort) ein Ausbruch vom Feinsten… Jeder will mehr Geld, er wird in den Ruin getrieben, bald könne er sich gar nichts mehr leisten… Ich hab mir dann mal das gesamte Schreiben angesehen! Er zahlt nicht mehr und nicht weniger als vorher! Die Änderungen betreffen ihn gar nicht. Er hat nicht mal fertig gelesen!

Das alles ist das, worüber er am meisten redet, wenn er von Politik anfängt… Halleluja! Ich erspare euch das.

Was kann man denn da noch tun? Was sollte er tun? Was könnte helfen? Er ist wie ausgewechselt, früher war er so lebensfroh. Gesundheitlich (körperlich) ist er total fit, er wird auch vom Aussehen her, immer 10 Jahre jünger geschätzt, kein graues Haar, sportlicher Typ.

Helft mir bitte und auch dem Rest meiner Familie, in erster Linie natürlich ihm…

Viele Grüße
Conny

hallo conny,

so dringend kann es ja dann doch nicht sein, wenn du so lange warten konntest bis du auf die antworten eingehst meine ich mal.
das mal vorweg und nur so als statement.

du bittest um hilfe - soweit so gut - aber man kann dem mann nicht helfen wenn er sich nicht helfen lassen will und ihn auch nicht dazu
zwingen zu erkennen was mit ihm los ist und welche auswirkungen es auf
seine umwelt hat.

meine antwort ist lang, kürzer gings nicht leider.

meiner ansicht nach geht es also erstmal darum, dass das umfeld sich anders als zuvor verhält - die frage ist nur - ob das umfeld sich da absprechen kann und will und sich des weiteren dann auch konsequent an die abmachungen hält.
denn solange der mann erfolgreich seine umwelt belasten kann wird er es tun - niemand bremst ihn, niemand verweigert sich, bequemer gehts für ihn in seiner verfassung oder krise oder wie mans nun nennen mag oder kann gar nicht.

klar auch, wenn man sich nun abspricht und das umfeld sich anders als zuvor verhält, darf man nicht glauben, nun wird alles anders und schon gar nicht sofort. der erkenntnissprozess dauert so lange wie er dauert.
aber ein weiterer vorteil des umfeldes wäre durch verändertes verhalten sich nicht mehr so verantwortlich zu fühlen einerseits und andererseits im laufe der zeit auch weniger mit dem jammern konfrontiert zu werden - beides entlastend.
doch erstmal wird er zetern und theater machen weil sein umfeld sich erlaubt nicht mehr auf ihn so zu reagieren wie er es erwartet und genau darum geht es - er kann nur sein problem erkennen wenn er damit auch allein bleibt und es nach aussen ins leere verpufft - zumindest denke ich so. - das der eine oder andere ein schlechtes gewissen haben wird oder sonstige gefühle, ist klar - das aber auszuhalten und dennoch nicht mehr wie üblich für seine attacken als statisten rumzustehen, wäre meiner meinung nach das einzige was erstmal hilft und ggfs. im laufe der zeit einen erkenntnisprozess nach sich zieht.

meiner vorstellung nach müsste man eine liste machen mit den bekannten dingen die da so von ihm kommen könnte und dann sollte sich das umfeld zusammensetzen und diese dinge ohne ihn ansprechen und auch mal drüber reden wie es jedem einzelnen damit geht jeweils. (das hilft zwar nicht dem vater, aber dem umfeld - wenn jeder weiss was für die anderen wie schwer ist, kann man auch unterstützen)
dann gehts um die abmachung:
das könnte z.b so aussehen -
wenn er meckert, wird das gesagte ignoriert - niemand geht darauf ein.
wenn er schreit, ebenfalls etc.
wenn er darüber diskutieren will wieso nun alle anders reagieren -
könnte der stärkste und wortgewandteste des umfeldes ihm mitteilen dass alle der meinung sind er habe sich verändert und es ginge ihm nicht gut.
da er aber keine hilfe will, habe man beschlossen sich nicht mehr tyrannisieren zu lassen. das bedeutet, man würde seine anfälle ignorieren.
klar wird er total ausflippen… aber da muss man durch!!!

auch klar, jeder der sich nicht an die regeln hält, schadet, denn jedes mal wenn er doch erfolg hat, wird sich die zeit noch mehr dehnen bis sich etwas verändert - von erkenntnissen mal ganz zu schweigen.

die frage ist, ob das umfeld soviel zusammenhalt auf die reihe bekommt…

die möglichkeiten der einflussnahme sind aber nunmal sehr begrenzt und
ich sehe keine alternative ausser es zu lassen wie es ist und zu hoffen, der erkenntnisstein fällt ihm irgendwann auf den kopf oder bekommt einen kollaps.

klar sollte man auch besprechen wie lange man das durchzieht und was man macht wenn sich nichts ändert - dann müsste man z.b überlegen in solchen sit. geschlossen den raum zu verlassen - wortlos - mit einereinmaligen ankündigung und dann aber konsequent.
gut wäre wohl auch eine einmalige begründung - seine veränderung, die belastung des umfeldes und die nichthaltbarkeit des zustandes für die gruppe. - keine debatten, kein betteln um verständnis, keine erwartungen auf einsicht - nur eine schlichte information für deren auslegung er selbst verantwortlich ist.
umständlich, mühsam, emotional nicht einfach das alles…aber für ihn sicher nicht wenig wirkungsvoll…langfristig vor allem.
als letztes gäbe es noch die möglichkeit - wenn es nicht in seinem haus ist - ihn rauszuwerfen oder aber keine feste mit ihm zu feiern, keine treffen mehr abzuhalten - nat. nicht ohne ihm zu sagen wieso das so ist.

ich weiss nicht was die profis zu meiner idee sagen, schaden solls natürlich nicht, auch wenn das sicher übergangsweise so wirken kann für das umfeld - aber ich meine nun aus profisicht.

ich sehe jedenfalls keine div. möglichkeiten des einschreitens und hilfe in dem sinne für dich und deine leute conny gibts nicht.
ihr müsst schon selbst schauen was ihr wie tun könnt und hier bringt es gar nichts wenn sich nicht alle einig sind, denn nur einer der das untergräbt sorgt für das scheitern an sich, dann kann mans gleich ganz lassen.

naja, mal gugge ob ich daneben liege mit meiner idee oder nicht oder halb oder so…
und wenn ich „richtig“ liege gehts bei euch darum, werdet ihr euch einig und plant es, zieht es durch oder nicht.

von nüscht kommt nüscht sagt man doch:wink:

LG
nina

Zunächst: Es gibt Techniken (z.B. im NLP), mit denen man solchen Glaubenssätzen / Wahnerscheinungen oftmals ganz ohne Klinikaufenthalt und Pillen ganz gut beikommen kann. Die Krux: man kann sie nicht aufzwängen - der Klient muss selbst ein Ziel entwickeln und eine Änderung wollen. Wenn ihr hier aber den Hebel ansetzt und ihm einen „überredenden Leidensdruck“ aufbaut, kann die Situation durchaus eskalieren (bis zum Suizid!).

Die Extremmaßnahme:
Wahrscheinlich wird auch der Begriff „Verarmungswahn“ fallen. Wenn ein Wahn (als schulmedizinisch „psychische Krankheit“ nach ICD, z.B. psychotische Depression F32,33) vermutet werden will, kann sogar eine „Zwangseinweisung“ (heute: Unterbringung nach PsychKG) veranlasst werden.

Ein Mittelweg?
Vielleicht hilft folgendes Modell: Jammern ist nur ein Verhalten, man kann sich also auch mal dagegen entscheiden. Und wenns nur für die Zeit eines Gespräches ist.
Mit allem Respekt fragen, ob sich der Betreffende mal für 20 Minuten entscheiden möge, mit Jammern aufzuhören (Vorab informieren, dass es nur ein Verhalten ist, für oder gegen das man sich entscheiden kann). Dann beschreiben, wie es einem SELBST mit dem Zustand des Betreffenden geht (ich habe den Eindruck, Du kannst Dein Leben nicht mehr richtig genießen und das finde ich sehr schade. Es tut mir weh, wenn ich den Eindruck habe, wie sehr Du Dich in einen Käfig sperrst etc…). Dann die Frage, ob sich der Betreffende nicht mal einer Überprüfung seines „Weltbildes“ durch fachkundige Personen aussetzen möge…
Und das ganze höchst würdigend und respektvoll, damit die entsprechende Person das auch nehmen kann.

Von da aus kann man dann mal weitersehen.

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort.

Ich denke, dass wir das probieren werden, was du vorschlägst, vielleicht kommt er ja dann doch darauf, dass *er* aktiv werden muss.Vor allem aber, sieht er vielleicht ein, dass er etwas verändern muss/ sollte…

Hallo Nina,

danke für deine Antwort.

Sopho hat ja vorgeschlagen, die 20min „Zwangspause“ zu fordern. Das werden wir mit Sicherheit probieren…
Innerhalb der Familie sind wir uns ja insofern „einig“, dass es eben sehr schwierig und belastend ist, ich denke schon, dass wir da gemeinsam etwas bewirken können… hoffe ich zumindest…

LG Conny

…dass wir da gemeinsam etwas bewirken können… hoffe ich
zumindest…

Hierzu eine Bitte:
seid euch darüber im Klaren, dass sachliche Argumente höchstwahrscheinlich nix bringen.

Seine Wahrnehmung der Welt ist nicht unbedingt die eure, seine „Realität“ muss mit der Euren nix zu tun haben. Persönliche Realität ist auch nicht unbedingt „mehrheitsfähig“, passt sich also nicht unbedingt der Meinung der Mehrheit an. Er hat vielleicht seine eigenen „unbewusste Filter“, mit denen er die Relität derart (verzerrt?) wahrnimmt, dass er zu keinem anderen Schluss kommen KANN.

Holt ihn dort ab, wo er ist (und nicht, wo ihr ihn gern hättet).
Versucht nicht, seine Realität mit aller Gewalt zu widerlegen, da macht er wahrscheinlich dicht.
Schildert besser, wie es euch dabei geht…und bleibt respektvoll. Dann gibt er sich vielleicht die Chance, euch folgen zu wollen.

Viel Glück
Sopho

hallo sophpo, ich denke, du musst das genauer beschreiben, ich glaube nicht, das klar ist was gemeint ist wenn du schreibt, ihr müsst ihr da abholen wo er ist - du setzt zuviel voraus…

deine tips finde ich sehr gut, nur denke ich, es gibt da erklärungsbedarf.

LG

nina

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off topic: Metaphern

hallo sophpo, ich denke, du musst das genauer beschreiben, ich
glaube nicht, das klar ist was gemeint ist wenn du schreibt,
ihr müsst ihr da abholen wo er ist - du setzt zuviel
voraus…

deine tips finde ich sehr gut, nur denke ich, es gibt da
erklärungsbedarf.

Nina, das kann ich gut nachvollziehen. Leider bin ich kein begnadeter 10-Finger-Schreiber und 1000 Worte sind im Dialog leichter zu sprechen als ins Forum zu schreiben geschweige denn zu lesen.
Genau deshalb habe ich diese Metapher eingebaut. Wenn ich sie gut ausgewählt habe (und das bliebe noch zu beweisen), dann sollte sie (in ihrer beabsichtigten „rätselhaften?“ Art) für eine unbewusste Einstellung sorgen, die sich dann in der Art des Familiengespräches auswirkt. Um damit hier im Forum 1000 Worte zu ersetzen. Idealerweise. Hoffentlich.

Gruß
Sopho

P.S.: Nina, Deine Anregung wär schon fast nen eigenen Beitrag wert. Hab Dir mal ne Mail geschrieben.

Hallo,

hat er mal einen Urologe aufgesucht, um seinen Testosteron-Spiegel überprüfen zu lassen? Solche Stimmungsschwankungen könnten auch davon herrühren…

Schöne Grüße
Cirwalda