Der Sinn von Paten
Hallo Jens,
tja, gute Frage. 
Generell kann man sagen: Die Paten sind dazu da, um sich, abgesehen von den Eltern, um das Kind zu kümmern. Taufpaten sollen zusammen mit den Eltern Helfer und Partner bei der religiösen Orientierung des Kindes und Jugendlichen sein. Sie sprechen bei der Taufe stellvertretend das Glaubensbekenntnis und sind so auch Zeugen der Taufe. Im Englischen heißen Patentanten und -Onkel viel schöner und treffender „Godfather“ und „Godmother“, also die Eltern in Gott, die neben den leiblichen Eltern für das Kind da sein müssen.
Kirchlich wird damit oft das Begleiten der spirituellen Entwicklung des Kindes gemeint. Ein gutes Beispiel dafür gibt der Text, der Paten und Eltern bei einer Taufe vorgelesen wird (folgender ist einer evangelischen Schrift entnommen):
Liebe Eltern und Paten,
Sie wollen, daß Ihre Kinder getauft werden.
Damit übernehmen Sie die Aufgabe,
ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen
und ihnen durch Wort und Beispiel zu helfen,
Gott und die Menschen zu lieben.
Sind Sie dazu bereit,
dann antworten Sie mit ‘Ja’!
Das birgt große Verantwortung. Weiter heißt es in diesem kirchlichen Infoblatt:
Das bedeutet die Bereitschaft, für den Täufling in allen Lebenslagen da zu sein und ihn auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten.
Soviel zur offiziellen Definition. Nun zu meiner persönlichen Meinung.
Patenschaft wird in unserer Gesellschaft lächerlich wenig ernst genommen. Mal ein Fuffi zum Geburtstag, mal eine Karte, selten mehr, oft keinen Kontak mehr, wenn das Kind erwachsen ist.
ich bin Patentante eines mittlerweile dreijährigen Jungen. Für mich heißt das: Verantwortung übernehmen. Bedingungslos. Und das bedeutet:
- Ich kümmere mich um die Erziehung. Ich telefoniere mit der Mutter oder dem Vater, erkundige mich. Wenn ich etwas, was die Eltern entscheiden, für falsch halte, diskutiere ich mit ihnen darüber. Ich schreibe ihnen nichts vor, aber ich sage meine Meinung.
- Ich sorge für das Kind. Mein Kleiner lebt in Kanada, also recht weit weg. Aber ich bin mindestens alle zwei Jahre da, telefoniere regelmäßig mit ihm, schicke Päckchen - meistens deutsche Bilderbücher.
- Ich bin verantwortlich in jeder Hinsicht. Das heißt: Kürzlich erzählte mir die Mutter, sie würde den Kleinen gerne in einen Montessori-Kindergarten schicken, aber der sei teuer, 3700 kanadische Dollar im Jahr. Ich ließ mir erklären, warum sie Montessori für Marcus für geeignet hielt, erkundigte mich im Internet… und jetzt werde ich die Hälfte des Kindergartenplatzes bezahlen (mehr kann ich selbst nicht).
- Und, in letzter Konsequenz: Sollte den Eltern des Kindes etwas zustoßen, werde ich mein Patenkind - und seine Schwester - bei mir aufnehmen und für sie sorgen.
Derlei Gedanken machen sich die meisten Paten leider nicht. Und das finde ich sehr schade. Paten werden, das bedeutet Eltern werden, auf eine geistige Art und Weise. Und das sollte sich jeder überlegen, der so ein „Amt“ übernimmt.
Hoffe, das war informativ für Dich. 
Liebe Grüße, Nike