Nochmal Thema 'Waschnüsse'

Guten Morgen, liebe Gemeinde!

Markus und ich diskutieren das Thema Waschnüsse, zu dem wir einiges im Archiv gefunden haben. Trotzdem noch ein paar Fragen:

Wie sollen die Nüsse denn funktionieren?

Wie teuer ist so ein Kilo-Sack

Nüsse enthalten doch keine Enzyme / Tenside, um die Wäsche (auch leichte Fettflecken o. ä.) WIRKLICH zu säubern, oder???

Na, liebe Hausfrauen und -Männer, dann haut mal rein, um unsere Samstagsneugier zu befriedigen!

Lieben Gruß,

GL & Maf

Servus,

Wie sollen die Nüsse denn funktionieren?

Es handelt sich genau genommen um Schalen von (vermutlich) Nüssen, eventuell Beeren, die halt „Nüsse“ genannt werden - Botanik dazu hab ich noch nicht eruiert. Diese enthalten Saponine (>> Guhgel, Brockhaus oder sowas), die als Detergenzien wirken. Im Wirkungsgrad ungefähr wie Kernseife. Geeignet für Oberbekleidung; für Arbeitskleidung, Bettwäsche etc. bloß bedingt.

Man gibt ungefähr vier „Nüsse“ in einem Baumwollbeutelchen mit Reißverschlutz zur Wäsche hinein. Alldieweil sie nicht parfümiert sind, kann die Wäsche für Burti-gewohnte Nüstern ein wenig muffig riechen, also auch hier ein paar Tropfen Lavendelessenz angebracht.

Wie teuer ist so ein Kilo-Sack

Etwa 20 € / kg. Man kann die „Nüsse“ für zwei Wäschen verwenden, ein kg reicht für etwa 200 Waschgänge. Üblich sind Gebinde zu einem Pfund.

Nüsse enthalten doch keine Enzyme / Tenside, um die Wäsche
(auch leichte Fettflecken o. ä.) WIRKLICH zu säubern, oder???

Ja, sie tuns halt mit Detergenzien. So wie das bis 1965 auch ging: Enzyme & Co sind eine relativ neue Errungenschaft, und als die Wehrmacht gen Westen zog, um „den Franzosen die Schnauze mit FeWa“ zu waschen, war FeWa eine Art Seifenpulver. Also für die Spuren der blutigen Nasen, die sich die Teutonenkrieger zwei Jahre später dort holten, gar nicht geeignet.

Dafür gibts traditionell Gallseife, Fleckensalz (Natriumkarbonat), für fettige Angelegenheiten Soda und für Leintücher und dergleichen die Rasenbleiche. Nun, wenn man sich den Deu antun will…

(…eigentlich ists Spinnerei, aber sämtliche zitierten Dinge hab ich neugierhalber schon betrieben, insgesamt mit keinem schlechteren Erfolg als mit modernen Waschmitteln.)

Schöne Grüße

MM

…für eine verdammt kompetente und interessante Antwort! Dafür gibt es ein Sternchen! :wink:

Es handelt sich genau genommen um Schalen von (vermutlich)
Nüssen, eventuell Beeren, die halt „Nüsse“ genannt werden -
Botanik dazu hab ich noch nicht eruiert. Diese enthalten
Saponine (>> Guhgel, Brockhaus oder sowas), die als
Detergenzien wirken. Im Wirkungsgrad ungefähr wie Kernseife.
Geeignet für Oberbekleidung; für Arbeitskleidung, Bettwäsche
etc. bloß bedingt.

Wieso nicht auch für Bettwäsche bzw. nur „bedingt“? Wegen der Verschmutzung? Ich wechsel jede Woche meine Bettwäsche, insofern kann von „starker“ Verschmutzung keine Rede sein. Oder hat es damit zu tun, dass Bettwäsche oftmals weiß ist? Frage ist ernst gemeint!

Man gibt ungefähr vier „Nüsse“ in einem Baumwollbeutelchen mit
Reißverschlutz zur Wäsche hinein. Alldieweil sie nicht
parfümiert sind, kann die Wäsche für Burti-gewohnte Nüstern
ein wenig muffig riechen, also auch hier ein paar Tropfen
Lavendelessenz angebracht.

„Muffig“ mag ich nicht. Deshalb kommt bei mir sowieso schon immer „Lenor“ mit in den Waschgang. Reisst dieses Lenor den Muff dann raus, oder bringt es nichts?

Wie teuer ist so ein Kilo-Sack

Etwa 20 € / kg. Man kann die „Nüsse“ für zwei Wäschen
verwenden, ein kg reicht für etwa 200 Waschgänge. Üblich sind
Gebinde zu einem Pfund.

Holla, soooo preiswert ist die Angelegenheit dann auch nicht. Und wenn sie nur „bedingt“ was bringt…

Nüsse enthalten doch keine Enzyme / Tenside, um die Wäsche
(auch leichte Fettflecken o. ä.) WIRKLICH zu säubern, oder???

Ja, sie tuns halt mit Detergenzien. So wie das bis 1965 auch
ging: Enzyme & Co sind eine relativ neue Errungenschaft, und
als die Wehrmacht gen Westen zog, um „den Franzosen die
Schnauze mit FeWa“ zu waschen, war FeWa eine Art Seifenpulver.
Also für die Spuren der blutigen Nasen, die sich die
Teutonenkrieger zwei Jahre später dort holten, gar nicht
geeignet.

Dafür gibts traditionell Gallseife, Fleckensalz
(Natriumkarbonat), für fettige Angelegenheiten Soda und für
Leintücher und dergleichen die Rasenbleiche. Nun, wenn man
sich den Deu antun will…

Nö, ist mir dann doch zuviel „Hantier“, glaub ich…

(…eigentlich ists Spinnerei, aber sämtliche zitierten Dinge
hab ich neugierhalber schon betrieben, insgesamt mit keinem
schlechteren Erfolg als mit modernen Waschmitteln.)

Schöne Grüße

Herzlichen Gruß zurück,
Golden Luzie

Servus nochmal,

jetzt hab ich sie: Es geht botanisch um eine Beere, die Pflanze heißt sapindus mukorossi.

Wieso nicht auch für Bettwäsche bzw. nur „bedingt“? Wegen der
Verschmutzung?

Jetzt hätt ich fast gesagt, das sei eine Generationenfrage, - Landpomeranze, die ich bin, ist bei mir Bettwäsche und Unterwäsche grundsätzlich wenigstens 60°-tauglich, und wenn das Bett nicht Adelheid gehörte, gäbe es darin bloß weiße Wäsche (Lausitzer Leinen und dergleichen…).

Aber Du hast recht, die Temperatur machts da, nicht aller möglicher Düdel in der Waschmaschine - falls man nicht grad im Overall eines Kfz-Schraubers ins Bett steigt, aber das gehört in ein anderes Brett. - Bericht von Waschnuss für Bettzeug folgt, wenn ich dran denke.

„Muffig“ mag ich nicht. Deshalb kommt bei mir sowieso schon
immer „Lenor“ mit in den Waschgang. Reisst dieses Lenor den
Muff dann raus, oder bringt es nichts?

Ach, Lenor ist eher eine Art Religion: Wir ham ja ungefähr gleichzeitig im damaligen „Werbefunk“ die ungeheuren Anstrengungen des Herstellers mitgekriegt, den Stoff, den niemand brauchte, in den Markt zu drücken („Ich bins, Dein Gewissen…“) :wink: Meines Erachtens bringt es generell nichts, außer Abwasserbelastung und feiste Rückstände in der Wäsche selber. Denke, jedes Parfümöl ist da besser geeignet. Für eine Abwechslung von Lavendel z.B. Zeder (im Sommer auch gut gegen wilde Tiere im Bett), Sandal Wood, Patchouli, oder für die richtig süße Note Geißblatt (hab kürzlich einen Flakon aufgebraucht, den ich vor knapp zwanzig Jahren in Sousse erstanden hatte - recht leckerer Stoff). Ziemlich schön und gänzlich für lau übrigens ein paar Sträußlein Waldmeister im Schrank - der gleichzeitig die Motten von der Wolle fernhält.

Holla, soooo preiswert ist die Angelegenheit dann auch nicht.

Hab grade ein Angebot für 13 € / kg zuzüglich Versand gesehen. Damit kommt man auf rund 8 Cent pro Wäsche; zum Vergleich: Eine Packung Spee dürfte dann 1,20 € kosten, um auf den gleichen Preis zu kommen. Geht also um ungefähr die Hälfte bei Waschnüssen.

Wobei das nicht so sehr eine Preisfrage ist, sondern in diesem Zusammenhang schon eher eine Liebhaberei aus Spaß am Andersmachen. Auch wenn man den Transport von Nepal bis hierher berücksichtigt, dürfte die ganze Veranstaltung mit vergleichweise weniger Flurschaden verbunden sein als das klassische Waschpulver.

Aber das Heil der Welt hängt davon nicht ab.

Schöne Grüße

MM

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