(Nochmals) Philemon-Brief-Referat

Hallo.
Ich hatte schon letzten Monat hier einen Eintrag hinterlassen und auch eine Antwort von Harald Zauner erhalten. Ich habe geschrieben, dass ich ein Referat über den Philemon-Brief halten muss und dazu Infos brauche. Harald hat mir die Geschichte erläutert, dafür bin ich auch dankbar. Aber wie ich schon geschrieben hatte, muss ich zusätzlich über Sklaverei im alten Rom und die Haltung des Christentums dazu berichten. Ich muss, das hat mir mein Reli-Lehrer so gesagt ! Deshalb habe ich immer noch nicht das komplette Wissen, um das Referat zu schreiben. Wie schon gesagt, hat Harald mir die Geschichte etwas näher gebracht, dadurch verstehe ich sie besser. Trotzdem brauche ich o.g. Infos.

Das Referat muss ich dann diesen Monat abgeben. Deshalb brauche ich die Infos schon bald. Ich fände es wirklich nett, wenn mir jemand auch dazu Tipps (Links ?) geben könnte.

Ich hoffe mal, dass ich niemandem mit meinen Fragen auf die Nerven gehe, aber ich bin (noch) nicht ein Experte auf diesem Gebiet.

Nochmals vielen Dank
Robe

Sklaven, Teil 1
Hallo Robe!

Da habe ich doch tatsächlich ein Buch im Regal gefunden, das Dir (ein wenig zumindest) weiterhelfen kann. Ich tippe Dir ab, was über Sklaverei gesagt wird. Die Haltung des Christentums damals zur Sklaverei wird hier allerdings nicht behandelt.

Das Leben der Sklaven
Im täglichen Leben des alten Rom erledigten Sklaven den größten Teil der körperlichen Arbeit. Nach den republikanischen Expansionskriegen, die im 3.Jhd.v.Chr. begannen, wurden Hundertrtausende von Gefangenen aus dem Mittelmeerraum nach Italien gebracht, um als Sklaven auf Bauernhöfen, in Getreidemühlen und Bergwerken oder als Haussklaven Arbeitsdienste zu leisten. Ihre Zahl vermehrte sich noch, da verarmte Familien manchmal ihre Kinder oder sogar sich selbst in die Sklaverei verkauften. Wie Tiere wurden sie dann bei öffentlichen Versteigerungen feilgeboten, wo sie ein Plakat um den Hals trugen, das ihre Vorzüge anpries. Ihre Gesichter bedeckte man mit Schminke, um eine ungesunde Gesichtsfarbe zu verbergen. Mit der Zeit wuchs der Anteil der Sklaven an der Gesamtbevölkerung so stark, dass im 1.Jhd. ungefähr ein Viertel der Menschen in Italien und ein Drittel der Einwohner Roms aus Sklaven bestand.
Viele der unbeliebtesten Arbeiten, die im Römischen Reich anfielen, überließ man den Sklaven. So schufteten in den Bergwerken, in denen die Sterblichkeitsrate besonders hoch lag, vorwiegend Sklaven. Auch das Auflesen von Abfällen und das Drehen der schweren Mühlsteine gehörte zu ihren vielfältigen Aufgaben. Oft hatten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen zu leiden, wie die Arbeiter in einer Getreidemühle, deren trauriges Los der römische Schriftsteller Apuleius im 2. Jhd. beklagte: „O Götter, was für magere kleine Skalven sie waren!Ihre Haut war von den vielen Schlägen über und über mit dunkelroten Striemen überzogen. Ihre Rücken, voller Narben vom Auspeitschen, wurden von der zerrissenen Flickenkleidung eher beschattet als tatsächlich bedeckt. Manche trugen nur fadenscheinige Lendenschurze. Mit diesen Lumpen herausgeputzt, trugen sie alle Brandmale auf der Stirn, hatten die Köpfe fast kahl geschoren und Ketten um die Knöchel. Ihre Gesichtsfarbe war von einem hässlichen Gelb, und die Augen waren von dem dichten, dunklen Rauch und dem Dampf so entzündet, dass sie kaum sehen konnten.“
Die unmenschliche Behandlung vieler Sklaven hatte ihren Grund teilweise darin, dass ihre Herren sich in Wirklichket vor ihnen fürchteten. „Kein Herr kann sich sicher fühlen, weil er freundlich und rücksichtsvoll ist“, schrieb Plinius der Jüngere, als er hörte, das der für seine Grausamkeit berüchtigte Senator Larcius Macedo von seinen Sklaven im Bad ermordet worden war. In einem anderen Fall, als ein städtischer Beamter namens Pedanius Secundus im Jahr 61 von einem seiner Sklaven ermordet wurde, richtete man alle seine 400 Sklaven hin. Es sind auch Beispiele von großen Sklavenaufständen bekannt. Zwei Rebellionen fanden im 2.Jhd.v.Chr. in Sizilien statt und eine dritte, an der sich 73v.Chr. unter der Führung des römischen Gladiators Spartakus rund 90 000 Sklaven beteiligten, in Italien selbst.
Ein römisches Sprichwort besagte, dass man so viele Feinde hatte, wie man Sklaven besaß. Folglich wurden diese ständig beaufsichtigt, um ihre, wie man glaubte, von Natur aus faulen und kriminellen Neigungen zu zügeln. Aufsässige Sklaven wurden in Ketten gehalten, und manche Besitzer zwangen sie sogar, eiserne Halsbänder zu tragen. Auf diesen fanden sich Anweisungen, wohin die Sklaven im Fall einer Flucht zurückgebracht werden sollten. „Ich bin weggelaufen“, lautete eine solche Inschrift. „Fange mich. Wenn du mich meinem Herrn Zoninus zurückgibst erhältst du eine Belohnung.“

Hanna

*dieihrenfingerneinepausegönnt*

Sklaven, Teil 2
Bevor ich mich jetzt weiter über Sklaverei im allgemeinen auslasse, schreibe ich Dir was über

Die Haltung des Christentums zur Sklaverei:

Das NT setzt die Sklaverei als gegeben voraus. Viele Glieder der jungen Kirche waren S., andererseits gab es auch Christen, die Eigentümer von S. waren. Einen bes. interessanten Fall zeigt der Brief des Paulus an Philemon: Paulus schickt eien gläubig gewordenen entlaufenen S. an seinen ebenfalls gläubigen Herrn zurück. Eine (womöglich sogar politisch verwertbare) Stellungnahme des NT gegen die S. geben die Texte nicht her. Die junge Gemeinde des NT führte keinen Kreuzzug für ihre Abschaffung. Zwar wird an einer Stelle offenbar der Menschenraub und der Sklavenhandel verurteilt (1. Tim. 1,10; vgl dazu im AT 2.Mose 21,16; 5.Mose 24,7!), einen Angriff auf die Sklaverei als solche finden wir jedoch nirgends. Bezeichnenderweise fordern die Apostel in ihren Briefen christl. S. nicht dazu auf, sich gegen ihre Herren zu erheben, sondern im Gegenteil dazu, ihnen (und das heißt: auch den nicht christl. Herren) bes. treu zu dienen (vgl. Eph. 6,5; 1.Tim 6,1-2; Tit. 2,9-10; 1. Petr. 2,18-20; vgl. auch 1. Kor.7,21-22).
Innerhalb der Gemeinde wurde jedoch die Sklaverei offenbar in der Praxis recht bald „unterwandert“. Wenn gefordert wurde, den S. als Bruder in Christus zu akzeptieren (Phlm. 16), wenn in Christus der S. und der Freie eins waren (1. Kor.12,13; Gal.3,28; 4,7; Kol 3,11) und wenn es zum christl. Lebenswandel eines Eigentümers von S. gehörte, diese gut und brüderlich zu behandeln (Eph. 6,9; Kol.4,1), dann mochte die äußere Struktur noch eine Zeitlang die gleiche bleiben - die innere Verwandlung hatte begonnen. Dass später (im Mittelalter und danach) manche „christl.“ Staaten die Sklaverei wiederbelebten, gehört zu den dunklen Kapiteln der Geschichte.
Sklaven waren in der Antike etwas so Normales (manche Schätzungen kommen auf 1/5 bis 1/3 der Gesamtbevölkerung des Röm. Reiches), dass das NT sie wie selbstverständlich auch im bildlichen Sinn benutzt. So ist der Sklave eine Standardfigur in vielen Gleichnissen und Reden Jesu.

Hanna

Sklaven, Teil 3
Unbarmherzige Strafen:

Obwohl im 1. und 2.Jhd. verschiedene Gesetze erlassen wurden, welche die Eigentümer von schlimmen Exzesen wie Kastration oder kaltblütigem Mord abhalten solten, mussten Sklaben oft grausame Strafen hinnehmen, wenn sie den Zorn ihres Besitzers auf sich gezogen hatten. Beispielsweise wurde entlaufenen Sklaven, die man wieder eingefangen hatte, ein Mal eingebrannt. Wenn es zu lange dauerte, bis ein Sklave seinem Herrn heißes Wasser brachte, konnte ihn dieser mit bis zu 300 Peitschenhieben züchtigen. Es gab aber noch weitere schreckliche Formen der Bestrafung. So soll Vedius Pollo, ein Ritter und Freund des Kaisers Augustus, einen Jungen, der einen Kristallkelch zerbrochen hatte, menschenfressenden Aalen vorgeworfen haben. Und der Historiker Sueton berichtet, wie einem Sklaven, der eine silberne Platte von einem Liegesofa gestohlen hatte, auf Befehl Kaiser Caligulas die Hände abgehackt und um den Hals gehängt wurden. Danach führte man ihn mit einem Plaket herum, das den Grund der Strafe angab. Gegen die Anordnung einer solchen Bestrafung konnte sich ein Sklave in der Regel nicht zur Wehr setzen. Theoretisch bestand zwar die Möglichkeit, dass er sich beim Stadtpräfekten beklagte; in der Realität kam es jedoch äußerst selten vor, dass ein Sklave bei einem Angehörigen der herrschenden Klasse mitfühlendes Gehör fand. Die Sklaven waren daher im allgemeinen so eingeschüchtert, dass sie sich den Anordnungen ihres Herrn beugten, ohne ernsthaften Widerstand zu leisten.

Hanna

Sklaven, Teil 4
Die Macht der Herren:

Nicht alle Sklaven ereilte das gleiche traurige Los. In den Städten erging es ihnen meist besser als ihren Schicksalsgenossen, die auf den landwirtschaftlichen Gütern oder in den Blei-, Kupfer-, Eisen- oder Silberminen des Römischen Reiches Schwerstarbeit leisten mussten. Obwohl sich manche Haussklaven den sexuellen Übergriffen ihrer Eigentümer ausgesetzt sahen, wurden doch viele von ihnen von den Familien, denen sie dienten, mit echter Zuneigung behandelt. Dies geht aus zahlreichen Grabinschriften hervor, in denen der große Schmerz der Herren um ihre verstorbenen Sklaven ausgedrückt wird. Sklaven konnten zu engen Vertrauenspersonen ihrer Besitzer aufsteigen und sogar Ärzte, Gutsverwalter, Lehrer und, in einigen Fällen, Regierungsbeamte werden - Stellungen, in denen sie fast wie freie Bürger leben konnten. Während Personen von hohem gesellschaftlichen Ansehen teilweise über 200 Haussklaven besaßen, umfasste der kaiserliche Haushalt insgesamt bis zu

20 000

Sklaven. Diese waren an unterschiedlichen Orten beschäftigt und zählten neben Köchen und Frisören auch Mundschenke, Kammerdiener und Garderobenaufseher in ihren Reihen. Zum kaiserlichen Gefolge gehörte zudem eine weitgehend aus Skaven zusammengesetze Beamtenschaft, die Eingaben der Bürger bearbeitete und Anweisungen des Herrschers weitergab.
Das Leben der Sklaven wurde durch eine humane Behandlung wesentlich erträglicher. Dem römischen Schriftsteller Columella zufolge sollten Sklaven ordentlich gekleidet werden, ab un zu ein Bad nehmen dürfen, bei Krankheit behandelt und gelegentlich von ihren Herren um Rat gefragt werden. Diese auf den ersten Blick menschenfreundlichen Empfehlungen hatten aber meist einen praktischen Zweck, nämlich die Prodkuktivität der Sklaven zu erhöhen. Aus deisem Grund versuchten die Eigentümer, durch verschiedene Anreize den Gehorsam und die Ergebenheit der Sklaven zu fördern. So mussten die Sklaven an bestimmten Feiertagen nicht arbeiten, beispielsweise an den Saturnalia, die im Dezember begangen wurden. Bei diesem Fest servierten die Herren ihren Sklaven besondere Mahlzeiten anstatt umgekehrt. Sklaven durften auch ein Familienleben führen, vor allem diejenigen, die in den reichen Haushalten der Hauptstadt dienten. Viele Herren stzten sich bewusst über das römische Gesetz hinweg, das den Sklaven ungefähr bis zum Jahr 200 die Ehe verbot, und erlaubten ihren Untertanen, Familien zu gründen; tatsächlich lag es oft im Interesse der Eigentümer, die Sklavenbevölkerung zu erhalten, und so ermunterten sie diese, für Nachkommen zu sorgen.
Häufig wurden diese Sklavenfamilien auseinadergerissen, indem einzelne Angehörige verkauft und von den neuen Besitzern an weit entfernte Orte gebracht wurden. Sie konnten auch testamentarisch vererbt, ausgeliehen, als Teil einer Mitgift wietergegeben oder einfach verschenkt werden - ohne Rücksicht auf ihre familiären Umstände. Erst wenn jedes einzelne Mitglied die Freiheit wiedererlangt hatte, konnte die Familie ehemaliger Sklaven ohne Angst vor einer Trennung leben.

Hanna

Sklaven, Teil 5
Lockende Freiheit:

Für einige wenige Sklaven - meist Hausdiener in der Stadt, die ein besonders vertrautes Verhältnis zu ihrem Herrn hatten - gab es auch die Aussicht, schließlich freigelassen zu werden.Manche wurden für die geleisteten Dienste einfach mit der Freihit belohnt, andere mussten sie mit persönlichen Ersparnissen erkaufen. Herr und Sklave erschienen dann vor einem Beamten - einem Prätor in Rom oder einem Prokonsul in den Provinzen -, der dem Sklaven förmlich die Freiheit verlieh, indem er ihn mit einem Stab berührte.
Der freigelassene Sklave schuldete seinem Herrn auch weiterhin eine Form der Anerkennung, das obsequium. So musste er ihn im öffentlichen Leben unterstützen und eine gewisse Anzahl von Tagen im Jahr für ihn arbeiten. Damit solte der finanzielle Verslut, den der ehemalige Besitzeer durch die Freilassung des Sklaven erlitt, weitgehend wettgemacht werden. Manche Herren ließen ihre Lieblingssklaven als Dichter oder Buchhalter ausbilden oder als Prostituierte arbeiten und vermieteten sie dann, wobei sie einen Teil ihrer Einkünfte sparen durften, um sich schließlich freizukaufen. Die Eigentümer hofften, mit der Freilassung von Sklaven die Hochachtung ihrer Standesgenossen für diese augenfällige Großzügigkeit zu gewinnen. Viele schoben den rühmlichen, aber kostspieligen Augenblick so lange hinaus, bis sie auf dem Sterbebett lagen. Plinius der Jüngere z.B. verfügte in seinem Testament, dass nach seinem Tod rund 100 seiner insgesamt 500 Sklven freigelassen werden sollten.
Ein freigelassener Sklave kam jedoch nicht sofort für das volle Bürgerrecht in Frage. Es gab eine Zwischnstufe, auf der Freigelassene nicht wählen, für ein öffentliches Amt kandidieren, von einem Testament profitieren oder selbst ein Testament verfassen durften. Unter Kaiser Augustus wurden Gesetze erlassen, die festsetzten, dass der Freigelassene für den Erwerb des Bürgerrechts über 30 Jahre alt sein musste. Das Bürgerrecht sollte nicht jenen Freigelassenen gewährt werden, die „jemals in Eisen gelegt und gefoltert worden waren“, ein Brandmal trugen oder als Gladiatoren gekämpft hatten. Diese Einschränkungen sollten garantieren, dass der Sklve sein Bürgerrecht mit vielen Jahren des Gehorsams und guten Benehmens verdienen musste.

Hanna