Wenn mich nicht alles täuscht, dann war ein Anakoluth, ein nicht richtig beendeter Satz.
Beispiel:
„Ein Herr der zu lügen Lust hat, die Diener sind alle gottlos.“
Ich habe nun die Streitfrage zu klären, ob folgender Satz auch ein solcher Anakoluth ist:
„Indes ich meine, von Geburt sind wir Menschenalle gleich, nur der Tatkräftige hat den waren Adel.“
Ich persönlich bin der Meinung, dass es sich nicht um ein Beispiel für jenes rhetorisches Mittel handelt, aber sicher bin ich mir nicht.
TER: (about) Anakoluth (pl. Anakoluthen oder Anakolutha)
TERE: anacoluthon (pl. anacoluthons oder anacolutha)
DEF: Ein Satzbruch, der dazu führt, dass es zu einem Widerspruch innerhalb des selben Satzes kommt
EXA: (about) Ich weiß, dass ich nichts weiß. Du wirst sehen, du sieht nichts.
ETY: (about)
(griech.: an-akólouthon = nicht folgerichtig; an- = nicht, akolouthos= das Folgende); (griech. dilemma = mehrdeutige Proposition)
EXP: (about)
Ohne Zweifel sind Anakoluthen beliebte rhetorische Hilfsmittel, wie sich an zahllosen Überschriften in Zeitungen und Zeitschriften der Massenmedien zeigen lässt. Der Grund dafür dürfte in der Freude liegen, bei ausreichendem Wissen den Widerspruch als solchen zu entdecken. Rein wissenschaftlich betrachtet sind sie weitgehend wertlos, weil sie entweder zu zwangsläufigen Missverständnissen führen, die sie ja provozieren sollen, oder weil sie so bekannt sind, dass sie eine wirklich neue Erkenntnis nicht enthalten. Sie nehmen durch die wachsende Zahl an populärwissenschaftlichen Arbeiten zu, was die Wissenschaft nicht unerheblich belastet. - Umstätter, W.
SCO:
Anakoluthen stammen aus der griechischen Redelehre (Rhetorik) und werden mit der Intention verwendet, die Aufmerksamkeit des Rezipienten gezielt zu wecken und zu steuern. Das wird durch einen gezielten Bruch mit der Korrekten grammatikalischen Form erreicht. Das Satzgefüge wird entsprechend verändert - oft widersprüchlich - fortgeführt. Es wird als eine Nachahmung von auftretenden Phänomenen des gesprochenen Wortes (emotionalisierte Sprache, Umgangssprache) angesehen. Die Verwendung von Anakoluthen als Stilmittel ist rhetorisch und literarisch durchaus üblich, im Wissenschaftsdiskurs - der auf Eindeutigkeit orientiert ist - jedoch irritierend. - Kaden, B.
die von Dir zitierte Seite zielt eher auf den syntaktischen Bruch ab, also zb. „Er und… ich gehe die Straße entlang“
So kannte ich das auch. War sogar froh, endlich ein Fremdwort für das zu kennen, was ich ständig tue. (Ich begründe es immer mit überschäumender Intelligenz )
Okinatz schien es aber mehr inhaltlich zu meinen (ich weiß, daß ich nichts weiß).
Ist der Satz nun ein Ana … dingens?
Hallo Zwergenbrot,
wie mir scheint, hat man sich dem Fachbegriff nun
theoretisch aus allen Windrichtungen genaehert, aber ganz
praktisch wolltest du doch geklaert haben, ob der u.g. Satz
auch dazu gehoert:
„Indes ich meine, von Geburt sind wir Menschen alle gleich,
nur der Tatkräftige hat den waren Adel.“
Ohne spezifisches Studium, nur rein mit dem
gewoehnlichen Hausverstand, wuerde ich sagen: Nein.
Das ist kein falsch beendeter Satz, bei dem die
Satzkonstruktion unterwegs geandert wird, sondern das
sind zwei vollstaendige Saetze, die durch ein Komma
getrennt wurden. Genau so gut koennte man schreiben:
* Indes ich meine, von Geburt sind wir Menschenalle gleich.
* Nur der Tatkräftige hat den waren Adel.
Und nur, weil man die beiden Saetze durch ein Komma
anstelle eines Punktes trennt, werden sie ja nicht falsch.
Oder denke ich da jetzt wieder zu einfach?
Wenn ich mich recht erinnere, gibt es eine Bedeutung von „indes“, die so viel heißt wie „nun ja,“ ähnlich dem „well“ im Englischen. Wenn das so ist, ist Dein Satz kein Beispiel für einen Anakoluth.