gibt es in der dt. Sprache Nomen ohne Geschlecht? Oder sind die von mir als solche vermuteten Worte keine Nomen?
Der / die / das Oster(n)? Das Osterfest, klar, aber hier bestimmt das Fest als angehängtes Nomen den Artikel. Gleiches gilt für der / die / das Pfingst(en) und Weihnachten. Oder sind das Zeitadverbien? Warum schreibt man die dann groß?
Das Weihnachtsfest, kein Problem. Die Weihnacht, auch kein Problem. Aber niemand sagt „ich fahre zur Weihnacht nach Hause“ oder „die Weihnacht war romantisch“. Man spricht von Weihnachten wie von einem Nomen: „voriges Weihnachten“ und „Weihnachten ist ein besinnliches Fest“. Ist das korrekt formuliert?
Oder sind die von mir als solche vermuteten Worte keine Nomen?
Wenn du die Festtage meinst, so sind das selbstverständlich Nomen!
Oster(n)
Warum das „n“ in Klammern? Das Fest heißt Ostern, ist ein Neutrum, also heißt der Artikel „das“!
das Pfingst(en)
Warum hier „en“ in Klammern? Das Fest heißt Pfingsten, ist ein Neutrum. also heiß der Artikel „das“!
Weihnachten
Es gibt auch noch die Form „Weihnacht“. Beide Formen sind Neutrum, also heißt bei beiden der Artikel „das“!
Man kann diese Feste auch ohne Artikel verwenden, also „an Weihnachten, an Ostern, an Pfingsten“ sagen.
Das bedeutet aber nicht, dass sie keine Nomen seine und keine Artikel und kein Geschlecht hätten.
gibt es in der dt. Sprache Nomen ohne Geschlecht? Oder sind
die von mir als solche vermuteten Worte keine Nomen?
nein, es gibt keine nomina ohne genus.
allenfalls werden manche nomina häufig ohne artikel verwendet, sodass man das genus nicht erkennt. wenn aber im nächsten satz pronominal bezug genommen wird, wird das genus erkennbar.
weihnachten und ostern werden sowohl von www.canoo.net als auch vom duden als neutra klassifiziert. „ostern 2007 war unangenehm. es war total verregnet.“
bei beiden fällen vermute ich außerdem einen plural im hintergrund. beide feste beziehen sich ja nicht nur auf einen zeitpunkt, sondern auf eine zeitdauer. „die ostern 2007 waren unangenehm. sie waren total verregnet“ ist m.e. ebenfalls korrekt. (und im plural ist das genus ja nicht im artikel erkennbar.)
Es gibt auch noch die Form „Weihnacht“. Beide Formen sind
Neutrum, also heißt bei beiden der Artikel „das“!
In allem stimme ich Dir hier zu, aber „das Weihnacht“? Da wird das Geschlecht meiner unmaßgeblichen Meinung nach von „Nacht“ bestimmt, und die ist weiblich, also doch „die Weihnacht“, oder nicht?
_ Weih|nach|ten, das ; -, - (Weihnachtsfest); Weihnachten ist bald vorbei, war dieses Jahr sehr kalt; landsch., bes. österr. und schweiz. als Plur. die[se] Weihnachten waren verschneit; nach [den] Weihnachten; in Wunschformeln auch allg. als Plur. fröhliche Weihnachten!; zu (bes. nordd.), an (bes. südd.) Weihnachten;
Für Weihnachten kann ich das bestätigen; der Name des Feste entstand aus der Floskel:
ze den wîhen nâhten
also in den heiligen Nächten.
Ostern entstand aus dem ahd. ostara und ist ein Plural; über die Bedeutung das Wortes, das wohl mit einer germanischen Frühlings- oder Fruchtbarkeitsgöttin oder eine Morgenlichgöttin - vgl. Eos und Aurora - war, ist man sich nicht ganz einig.
Ostern entstand aus dem ahd. ostara und ist ein Plural
Genauere Nachfrage: Was ist hier Plural, das althochdeutsche Wort?
Ich lese auch gerade in meinem Duden, im Eintrag zu „Ostern“:
Gelegentlich im landschaftlichen Sprachgebrauch und zumeist in Österreich und in der Schweiz wird »Ostern« im Plural verwendet:
Wir verreisen erst nach den Ostern
Es scheint sich hier um ein ähnliches Phänomen wie beim italienischen Wort »opera« zu handeln, bei dem aus einem lateinischen Wort im Plural ein gleichbedeutender Singular mit eigenem Plural »opere« wurde und zu dem dann ein Homonym mit der Bedeutung „Gebäude, wo diese »opere« (Werke) aufgeführt werden.
Um keine „Opern“ zu quatschen, schenk ich mir jetzt die entsprechenden Ausführungen zu dem/den englischen »Visa(s)«.
Interessant bei »opera« und da kommen wir wieder zum Ursprungsthema: Dieses Nomen hat offensichtlich über die Hin- und Herschieberei zwischen Singular und Plural auch sein Geschlecht gewechselt.
Vielleicht finden wir da ja doch auch noch mehr Beispiele, bei denen das Phänomen innerhalb des Deutschen auftritt.