Non-Profit Gesellschaftsform

Hallo allerseits,

für unser Projekt (http://www.hostsharing.org) suchen wir eine passende Gesellschaftsform.

Eigentlich sind wir eine Genossenschaft (Mitgliederfördernd, auch kommerzielle Mitglieder), andereseits ist aber eine e.G. (das Gutachten, Bilanz etc.) für unsere Größenordnung zu teuer.

Ob wir die Kriterien eines Idealvereins erfüllen und damit ein e.V. werden können, weiss ich auch nicht mit Sicherheit, da wir ja auch kommerzielle Mitglieder haben und diese ja auch in ihrer Geschäftstätigkeit fördern. Und ein wirtschaftlicher Verein braucht ja eine Genehmigung des Bundesrates, was vermutlich sehr teuer ist.

Eine GbR ist zu gefährlich (insbesondere Markenrecht oder falls jemand uns verklagt, weil irgendwas unrechtes auf dem Server liegt - was man ja nie ganz verhindern kann - und solche Sachen).

Eine GmbH ist zu unflexibel, da wir ja laufend neue Mitglieder haben werden. Ausserdem wollen wir kostendeckend arbeiten, aber keine Gewinne erwitschaften.

Eine kleine AG ist für uns auch überdimensioniert, ausserdem bleibt das Problem mit der Kostendeckung statt Gewinnerwirtschaftung.

Gibt es noch etwas, wobei wir die Haftung beschränken können? Oder weiss jemand, ob wir unser Projekt doch in einem e.V. betreiben können, ohne eine Genehmigung des Bundesrates zu benötigen.

Danke
Michael

Guten Abend!

Lassen Sie sich von der Vereinsregisterabteilung Ihres Amtsgerichts ein Mustersatzung eines e.V. schicken und prüfen Sie
evtl. zusammen mit Ihrem Steuerberater, ob Satzung und Unternehmensziel zusammenpassen.

Viele Grüße
Heinz

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Lieber Heinz,

ein Steuerberater ist ein Berater in steuerlichen Angelegenheiten. Diese wuchern zwar in viele Bereiche eines jeden Unternehmens hinein, das kann aber noch kein Grund sein, einen Steuerberater als Universalfachmann für die Unternehmensgründung anzusehen. Bedauerlicherweise sehen das die Vertreter dieser Zunft ganz anders und stellen sich hernach als überfordert oder schlicht inkompetent heraus.

Ich erweckte in diesem Forum in der Vergangenheit vielleicht für den oberflächlichen Betrachter den Eindruck, eine Aversion gegen Steuerberater zu hegen. Mitnichten, das können sehr nützliche Leute sein, wenn sie einen eng umrissenen Auftrag zu steuerlichen Belangen von einem ansonsten selbst sachkundigen Unternehmer oder Gründer erhalten. Häufig aber werden Steuerberater zur Unternehmensorganisation, zur Einschätzung von Marktchancen (bei Banken sehr beliebt), zu Haftungsfragen und AGB’s, usw zu Rate gezogen. Von Ausnahmen abgesehen, könnte man da ebenso den Pfarrer fragen. Der einzige Unterschied besteht dabei darin, daß der redliche Gottesmann seine Inkompetenz in diesen Fragen wahrscheinlich eingestehen würde.

Überhaupt ist es in aller Regel unsinnig, eine Unternehmensgründung und die Wahl der Rechtsform unter zu starker Gewichtung steuerlicher Gesichtspunkte durchzuführen. Jeder Gründer hat Träume, davon lebt er über Jahre. Bevor der Gründer aber überhaupt in die Situation kommt, gewinnabhängige Steuern bezahlen zu müssen, hat er meistens schon vielstellige Honorarrechnungen von Steuerberatern bezahlt. Und regelmäßig ist das in Rechnung gestellte Honorar des Steuerberaters deutlich höher, als das, was der Gründer in vergleichbarer Zeit mit vergleichbarem Aufwand erwirtschaften kann.
Mein Rat deshalb an JEDEN Gründer: Ein paar Mark und etwas Zeit investieren, um sich das erforderliche kaufmännische Wissen (dazu gehören auch die alltäglichen steuerlichen Dinge) selbst anzueignen. Alle Berater -auch Steuerberater- nur mit konkreten Fragen konsultieren und NIEMALS komplette alltägliche Vorgänge, z. B. die Buchhaltung, pauschal dem Berater überlassen.
Selbst schlau machen, selbst informiert sein, kann nur die Devise heißen. Wer dann nicht in der Lage ist, einen Vertrags- oder Satzungstext selbst zu lesen und zu interpretieren, wird als Gründer über kurz oder lang fürchterlich schmerzhaft hinschlagen.

So, das mußte ich einfach loswerden, denn viele Gründer sehen sich zuerst hilfesuchend nach einem Steuerberater um. Aber hat schon jemand ein Kalb gesehen, das nach dem Melker schreit, obwohl es noch nicht einmal ein Euter hat, geschweige denn Milch? Das Kalb schreit nicht nach dem Melker. Der würde ihm nämlich zuerst einen Ring durch die Nase ziehen, um einen kräftigen Strick daran zu befestigen.

Gruß
Wolfgang

Los, Undine und all die anderen. Haut drauf!

Lieber Wolfgang!

Jetzt hast Du aber ganz schön Dampf abgelassen…
Aber wo Du recht hast, hast Du einfach recht!!!

Einen Satz möchte ich jedoch noch hinzufügen: Wie Wolfgang schon sagte, ist das wichtigste, dass man sich selber mal schlau macht. Das gilt ganz besonders auch für dieses Forum. Hier werden manchmal Halbwahrheiten und juristische "Fach-"informationen gegeben, da stellt es mir die Nackenhaare auf. Ich hoffe nur, dass die Fragesteller nicht alle Tipps befolgen, die man hier im Forum liest.

Viele Forumsmitglieder meinen, zu jedem Beitrag ihren Senf abgeben zu müssen. Und was da manchmal rauskommt…Da hilft dann nur noch der von Wolfgang zitierte Gottesmann!

So, das passt jetzt zwar überhaupt nicht mehr zu der ursprünglichen Frage, aber ist ja wurscht.

Grüße vom Kanzler

Hallo Wolfgang,

danke für das interessante und amüsant geschriebene Statement. Wir werden sicher ausgewogene Maßstäbe an die Wahl unserer Gesellschaftsform anlegen.

Alles Gute wünscht
das Team von http://www.hostsharing.org

Hallo allerseits,

für unser Projekt (http://www.hostsharing.org) suchen wir eine
passende Gesellschaftsform.

Auch ich kann nur feststellen, daß Steuerberater nicht unbedingt die ersten Ansprechpartner bei Existenzgründung sein sollten (da schon eher meine Zunft: Unternehmensberater). Bei Vereinsgründung kommt noch dazu, daß sie darüber auch nicht viel wissen, weil es am äußersten Rand ihrer Tätigkeit liegt (ich machte so meine Erfahrungen damit; die Anmeldung/Neugründung einer Volkshochschule bie den Behörden, incl. Finanzamt, zog ich durch - damals als Jurastudent).

Nun aber ein Tip, der vielleicht weiterhilft:

http://www.nonprofit-management.de

Ich habe mir die url mal kurz angesehen, macht keinen schlechten Eindruck. Mit welchen Kosten Du zu rechnen hast, mußt selbst ermitteln.

Hallo Michael,

das ist schon sehr amüsant gewesen, Deine Anfrage und die Reaktionen darauf zu lesen. Natürlich kann man nicht unbedenklich irgendeinen Steuerberater konsultieren in der Hoffnung daß dann alles schon irgendwie gutgeht. Ausreichendes eigenes Fachwissen ist da schon notwendig. Jedoch habe ich aus den Formulierungen Deiner Anfrage schon gesehen, daß bei Dir einiges vorhanden ist.

Nun zu Deiner eigentlichen Frage: Rechtsform mit beschränkter Haftung, und trotzdem Freiraum für Flexibilität:

Es ist schon richtig, daß eine deutsche GmbH sehr unflexibel ist, was den ständigen Neuzugang von Personen betrifft. Das würde zu langwierig und vor allen Dingen zu teuer.

Eine andere Möglichkeit wäre die Gründung einer englischen Limited, die von der Haftungsbeschränkung innerhalb der EU wie die deutsche GmbH anerkannt wird. Allerdings gibt es im englischen Handelsrecht enorme Vorteile: die Gründung ist spottbillig. Das Haftungskapital kann mit 100 Pfund beginnen und ist flexibel nach oben erweiterbar. Die Anteile betragen pro Gesellschafter (Mitglied) immer nur 1 Pfund. Es können beliebig viele und neue Anteile herausgegeben und weitergereicht werden. Es muß lediglich einmal im Jahr eine Meldung an das englischen Handelsregister (Companies House) abgegeben werden, in der die aktuellen vorhandenen Gesellschafter (u.a. Angaben) eingetragen werden müssen.

Die deutschen Finanzämter erkennen diese Rechtsform wie eine deutsche GmbH an, und zwar mit beschränkter Körperschaftssteuer-pflicht (bei Aktivitäten in England und in Deutschland) oder als unbeschränkte Körperschaftssteuerpflicht, wenn sich die Aktivitäten auf Deutschland allein beschränken.

Weitere Informationen findest Du auf meiner Homepage.

http://home.t-online.de/home/steuersparberater

Viele Grüße
Manfred Schulz / CAL Ltd.
Der Steuersparberater