Lieber Heinz,
ein Steuerberater ist ein Berater in steuerlichen Angelegenheiten. Diese wuchern zwar in viele Bereiche eines jeden Unternehmens hinein, das kann aber noch kein Grund sein, einen Steuerberater als Universalfachmann für die Unternehmensgründung anzusehen. Bedauerlicherweise sehen das die Vertreter dieser Zunft ganz anders und stellen sich hernach als überfordert oder schlicht inkompetent heraus.
Ich erweckte in diesem Forum in der Vergangenheit vielleicht für den oberflächlichen Betrachter den Eindruck, eine Aversion gegen Steuerberater zu hegen. Mitnichten, das können sehr nützliche Leute sein, wenn sie einen eng umrissenen Auftrag zu steuerlichen Belangen von einem ansonsten selbst sachkundigen Unternehmer oder Gründer erhalten. Häufig aber werden Steuerberater zur Unternehmensorganisation, zur Einschätzung von Marktchancen (bei Banken sehr beliebt), zu Haftungsfragen und AGB’s, usw zu Rate gezogen. Von Ausnahmen abgesehen, könnte man da ebenso den Pfarrer fragen. Der einzige Unterschied besteht dabei darin, daß der redliche Gottesmann seine Inkompetenz in diesen Fragen wahrscheinlich eingestehen würde.
Überhaupt ist es in aller Regel unsinnig, eine Unternehmensgründung und die Wahl der Rechtsform unter zu starker Gewichtung steuerlicher Gesichtspunkte durchzuführen. Jeder Gründer hat Träume, davon lebt er über Jahre. Bevor der Gründer aber überhaupt in die Situation kommt, gewinnabhängige Steuern bezahlen zu müssen, hat er meistens schon vielstellige Honorarrechnungen von Steuerberatern bezahlt. Und regelmäßig ist das in Rechnung gestellte Honorar des Steuerberaters deutlich höher, als das, was der Gründer in vergleichbarer Zeit mit vergleichbarem Aufwand erwirtschaften kann.
Mein Rat deshalb an JEDEN Gründer: Ein paar Mark und etwas Zeit investieren, um sich das erforderliche kaufmännische Wissen (dazu gehören auch die alltäglichen steuerlichen Dinge) selbst anzueignen. Alle Berater -auch Steuerberater- nur mit konkreten Fragen konsultieren und NIEMALS komplette alltägliche Vorgänge, z. B. die Buchhaltung, pauschal dem Berater überlassen.
Selbst schlau machen, selbst informiert sein, kann nur die Devise heißen. Wer dann nicht in der Lage ist, einen Vertrags- oder Satzungstext selbst zu lesen und zu interpretieren, wird als Gründer über kurz oder lang fürchterlich schmerzhaft hinschlagen.
So, das mußte ich einfach loswerden, denn viele Gründer sehen sich zuerst hilfesuchend nach einem Steuerberater um. Aber hat schon jemand ein Kalb gesehen, das nach dem Melker schreit, obwohl es noch nicht einmal ein Euter hat, geschweige denn Milch? Das Kalb schreit nicht nach dem Melker. Der würde ihm nämlich zuerst einen Ring durch die Nase ziehen, um einen kräftigen Strick daran zu befestigen.
Gruß
Wolfgang
Los, Undine und all die anderen. Haut drauf!