Nordhalbkugel oben - Willkür?

Hallo,

die Nordhalbkugel der Erde wird bei Globen und in Atlanten immer als „oben“ dargestellt, die Südhalbkugel als „unten“. Dies ist natürlich auf eine allgemeine Konvention zurückzuführen, an die sich die Karthografen nun mal halten müssen, wollen sie ihre Karten verkaufen. Warum aber fiel die Wahl - bei Erstellung der Konvention - so aus und nicht andersherum? Denkbar wäre doch auch, daß die Südhalbkugel als „Norden“ gülte und die Nordhalbkugel als „Süden“. Warum ist das nicht so herum entschieden worden? Etwa da die Eroberung der Erde von der Nordhalbkugel ausging? Was gab/gibt es für Gründe?

Gruß
Uwe

Hi,

die Nordhalbkugel der Erde wird bei
Globen und in Atlanten immer als „oben“
dargestellt, die Südhalbkugel als
„unten“. Dies ist natürlich auf eine
allgemeine Konvention zurückzuführen, an
die sich die Karthografen nun mal halten
müssen, wollen sie ihre Karten verkaufen.

richtig. Das wirst Du sehr schnell feststellen, wenn Du in Australien eine Karte kaufst: Du wirst Dich nicht zurechtfinden, weil sie falsch rum ist :wink:

Dazu empfehle ich auch den fünften Teil („Einmal Rupert und zurück“) der vierbändigen Trilogie „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Dort trifft der Held in einer parallelen Erde auf eine Karte des Planeten, die ihm zwar irgendwie bekannt vorkommt, mit der er sich aber nicht zurechtfindet - bis er sie umdreht… (Ist nur eine kurze Szene im Buch, aber es ist auch sonst empfehlenswert *g*)

Warum aber fiel die Wahl - bei Erstellung
der Konvention - so aus und nicht
andersherum? Denkbar wäre doch auch, daß
die Südhalbkugel als „Norden“ gülte und
die Nordhalbkugel als „Süden“. Warum ist
das nicht so herum entschieden worden?
Etwa da die Eroberung der Erde von der
Nordhalbkugel ausging? Was gab/gibt es
für Gründe?

Ich denke mal, der Grund kommt schon hin („wer zeichnet sich schon gerne nach unten?“) - zumindest in der heutigen Zeit. Deine Frage ist aber umso interessanter, wenn man in der Zeit zurückgeht in Perioden, in denen die Pole (oder auch die Kugelform der Erde) nicht allgemein bekannt waren. Ich bin leider „archäologisch“ :wink: nicht genug vorgebildet, um viele Landkarten aus früheren Zeiten zu kennen, aber die meisten (auch kleinere Karten von Regionen) haben in der Tat Norden oben; oder zumindest eine Kompaßnadel eingezeichnet, die sehr deutlich nach Norden weist. Weiß jemand, woher das kommt, und/oder kennt Gegenbeispiele?

Cheatah
http://cheatah.net

Hallo Uwe!

Warum sollte es anders sein?
Die Anfänge der Karthografie liegen nun mal auf der nördlichen Halbkugel.
Auch die Australier drucken ihre Karten nach Norden ausgerichtet.
Nur mit dem Unterschied zu uns, dort ist Australien der Mittelpunkt der Erde. Wie bei den USA und Chinesen und Japanern auch.
Warum sollte man diese Ordnung ändern?

Wirtschaftsmacht, Anzahl der lebenden Menschen, alles überwiegt im Norden!

Gruß Werner

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Daß der Norden oben ist hat sicher z.T. die Gründe die meine Voeschreiber genannt haben, aber es gibt gar nicht mal so wenige alte Karten (speziell aus der Zeit vor dem allgemeinen Gebrauch des Kompass) wo es ein schönes wildes Durcheinander gibt. Nicht nur Norden und Süden vertauscht, auch mal Osten und Westen oben, je nach Geschmack. Mit der Zeit hat sich aber der Norden nach oben durchgesetzt, weil speziell auch die Seefahrer eine hohes Interesse hatte vergleichbares Kartenmaterial zu besitzen.

Gruß

Gandalf

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

darf ich mal raten?

Wenn man als Reisender an einer Weggabelung steht, und nicht weiß, ob man den rechten oder den linken Weg gehen soll, dann legt man am besten die Karte vor sich hin und richtet sie so aus, wie es der Kartograph sich gedacht hat.

Die sicherste Ausrichtung auf der nördlichen Halbkugel ist der Polarstern. Also ich habe folgendes Bild vor Augen: aus irgendeinem Grund weiß man, wo der Polarstern oder Norden ist. Die Karte liegt vor einem auf dem Boden. Man guckt hoch und richtet die obere Kante der Karte auf den Bezugspunkt aus. Wenn man nämlich die untere Kante ausrichten müßte, müßte man sich ständig umdrehen.

Natürlich sind auch andere Bezugspunkte denkbar, aber wesentlich ungenauer: Aufgehende Sonne, untergehende Sonne, Mittagssonne, Rom (alle Wege führen nach Rom). Ich habe derlei Karten schon gesehen.

Ich denke also, daß es lediglich Gründe der Praktikabilität und Tradition gewesen waren, die Nordhalbkugel nach oben zu bringen.

viele grüße
ralph

Hallo!

Hey, das Polarstern-Vorne-Argument ist wirklich einleuchtend!

Echt 'ne klasse Erklärung, die Du da „geraten“ hast, finde ich! :smile:.

Gruß
Martin

Die sicherste Ausrichtung auf der
nördlichen Halbkugel ist der Polarstern.
Also ich habe folgendes Bild vor Augen:
aus irgendeinem Grund weiß man, wo der
Polarstern oder Norden ist.

Das f"uhrt wieder dazu, dass beim Erstehen der ersten ‚richtigen‘ Karten, die Nordhalbkugel-Leute die Bestimmenden auf der Welt waren und die Karten wohl auch zuerst f"ur diese H"alfte gezeichnet wurden. Denn auf der S"udhalbkugel sucht man den Polarstern oft vergebens - das Argument w"urde dann nicht ziehen.
Tja, und als einmal der Norden ‚oben‘ war…

Ciao,
Mischa

ohne Polarstern keine Karten…
Ist doch klar. Früher sind alle Leute aller Erdteile gleichmäßig Boot gefahren und haben Karten gezeichnet. Leider sind alle Südhalbkugelfahrer mit ihren unlesbaren Karten (fehlender Polarstern) auf Riffe gelaufen und mit ihnen untergegengen.
Sicherer war das Segeln also auf der Nordhalbkugel, da funktionierten die Karten…

:wink:
Carlo

Das f"uhrt wieder dazu, dass beim
Erstehen der ersten ‚richtigen‘ Karten,
die Nordhalbkugel-Leute die Bestimmenden
auf der Welt waren und die Karten wohl
auch zuerst f"ur diese H"alfte gezeichnet
wurden. Denn auf der S"udhalbkugel sucht
man den Polarstern oft vergebens - das
Argument w"urde dann nicht ziehen.
Tja, und als einmal der Norden ‚oben‘
war…

Ciao,
Mischa

Warum aber fiel die Wahl - bei Erstellung
der Konvention - so aus und nicht
andersherum? Denkbar wäre doch auch, daß
die Südhalbkugel als „Norden“ gülte und
die Nordhalbkugel als „Süden“. Warum ist
das nicht so herum entschieden worden?
Etwa da die Eroberung der Erde von der
Nordhalbkugel ausging? Was gab/gibt es
für Gründe?

Ich denke mal, der Grund kommt schon hin
(„wer zeichnet sich schon gerne nach
unten?“) - zumindest in der heutigen
Zeit. Deine Frage ist aber umso
interessanter, wenn man in der Zeit
zurückgeht in Perioden, in denen die Pole
(oder auch die Kugelform der Erde) nicht
allgemein bekannt waren. Ich bin leider
„archäologisch“ :wink: nicht genug
vorgebildet, um viele Landkarten aus
früheren Zeiten zu kennen, aber die
meisten (auch kleinere Karten von
Regionen) haben in der Tat Norden oben;
oder zumindest eine Kompaßnadel
eingezeichnet, die sehr deutlich nach
Norden weist. Weiß jemand, woher das
kommt, und/oder kennt Gegenbeispiele?

Also:
Zuerst war die Erde mal FLACH (zumindest in den Köpfen der Leute) daraus resultierte das z.B. die Griechen in der MITTE waren und das erkundete Land wurde auf den Karten um diesen Punkt (Ursprung der Erforschung) herum gezeichnet und zwar so wie man gerade Lustig war (Es gab ja kein „UNTEN“ und „OBEN“ sondern nur mich in der „MITTE“)
Da unsere Kultur nun mal in Europa entstand betrachten wir uns nun mal als Mittelpunkt.
Zur Zeit von Christoph Columbus waren die meisten Leute noch davon überzeugt, dass die Erde flach ist und Er dann mit seinen Schiffen von der Erde runterfällt. Tatsächlich scheint er gewusst zu haben, dass sie eine Kugel ist, aber aufgrund einens Messfehler wurde der Umfang der Erde (ca 30’000 statt 40’0000 km) zu klein berechnet und die Distanz die er gesegelt ist entsprach ziemlich genau der Distanz in der Indien, nach den damaligen Karten, im Osten liegen sollte. Columbus hatte damit bewiesen, dass die Erde eine Kugel ist.
Das nächste Problem war nun, dass wir ja AUF der Erde stehen, also MUSS Europa OBEN auf der Kugel sein sonst würden wird ja von der Erde RUNTERFALLEN wie die Australier.

Isaak Newton hat ja erst viel später die Gravitation „erfunden“, wofür ihm die Australier heute noch dankbar sind.

mfg Peter

Hallo Peter!

Sehr gut Deine Darstellung der damaligen Situation. Aber wo ist die Antwort, betreff Norden?

Gruß Werner

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ich denke mal, der Grund kommt schon hin
(„wer zeichnet sich schon gerne nach
unten?“) - zumindest in der heutigen
Zeit. Deine Frage ist aber umso
interessanter, wenn man in der Zeit
zurückgeht in Perioden, in denen die Pole
(oder auch die Kugelform der Erde) nicht
allgemein bekannt waren. Ich bin leider
„archäologisch“ :wink: nicht genug
vorgebildet, um viele Landkarten aus
früheren Zeiten zu kennen, aber die
meisten (auch kleinere Karten von
Regionen) haben in der Tat Norden oben;
oder zumindest eine Kompaßnadel
eingezeichnet, die sehr deutlich nach
Norden weist. Weiß jemand, woher das
kommt, und/oder kennt Gegenbeispiele?

Moin, moin!

Es gibt tatsächlich viele alte (Welt-)Karten aus der Zeit zum Übergang zur Neuzeit, die eben nicht „Norden oben“ haben.
Dies waren aber keine richtigen Navigationskarten, die z.B. Seefahrer hätten nutzen können, sondern weltanschaulich geprägte. Damals war bei den meisten Karten der Osten der obere Kartenrand. Daher kommt ja auch der Begriff der „Orientierung“, was nichts anderes heißt als sich „nach Osten auszurichten“. Der Osten wurde aus christlichen Motiven nach oben gesetzt.Im Osten vermutete man das Paradies, den Ort des Lichts (Sonnenaufgang), den Ort der Auferstehung. Im Zentrum der Karte lag meist Jerusalem, manchmal auch Rom als Sitz des irdischen Gottesvertreters. Auch die übrigen Himmelsrichtungen hatten ihre christliche Bedeutung, so war der Westen der Ort der Vergänglichkeit (Sonnenuntergang), der Norden war geradezu verteufelt: Keine Sonne = ewige Finsternis, Ort der Teufelsherrschaft. Die ansonsten leeren Flächen solcher Karten füllte man kurzerhand mit Fabelwesen, Monstren oder weiteren Elementen der christlichen Heilsgeschichte. Doch wie gesagt, zur Navigation taugten sie nicht. Sie waren aber auch nie als Navigationskarten gedacht. Jaja, ich komme ins Schwafeln…
Wen’s näher interessiert: Es gibt ein Buch von Herma Kliege (heißt wirklich so) dessen Titel meines Wissens „christliche Weltkarten“ enthält. Sehr interessant!

Gruß,
Thomas

Hallo,

der Grund, daß die Weltkarten heute fast alle ausschließlich nach Norden ausgerichtet sind, geht auf die „christliche Seefahrt“ zurück. Von Europa aus unternahmen erst Portugiesen und Spanier, später auch Niederländer und Engländer Entdeckungs- bzw. Eroberungsfahrten, um in der Welt Handelsstationen zu errichten, Bodenschätze zu erbeuten etc.
Die dazu erforderlichen Karten zeigten stets das eigene Land zentral dargestellt. Jede Seefahrernation hatte ihr eigenes nationales Gitternetz. Der Null-Meridian (Längenkreis, an dem die Zählung nach Osten und Westen beginnt) geht bei solchen Gitternetzen meist durch einen markanten Punkt der Hauptstadt (z. B. königl. Sternwarte etc.). Spanier und Portugiesen haben auch heute noch neben dem international benutzten System (mit Null-Meridian durch Greenwich) ihre nationalen Gitternetze (Null-Meridian durch Madrid bzw. Lissabon).
Das so entstandene „europazentrische“ Weltbild, das die nach Norden orientierten Weltkarten zur Folge hat, hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Ein Kartograph macht sich nun diesen Wiedererkennungswert zu nutze, da eine nach Süden orientierte Karten einen Großteil der Benutzer schlicht überfordern würde. Man glaubt nicht, wie schlecht viele Leute Karten lesen können…
Ich hoffe, daß ich weiterhelfen konnte.

Ciao,
Wolfgang