Notarzt Medikamente und Allergien

Hallo zusammen,

meine Frage mag jetzt ein wenig naiv klingen, aber ich weiss das wirklich nicht :wink:

Und zwar gibt’s doch Leute, die auf die unterschiedlichsten Medikamente durchaus sehr heftig reagieren. Meist haben diese Leute ja dann auch einen Allergieausweis oder was ähnliches bei sich. Was aber nun, wenn so ein Leut einen ganz schlimmen Unfall hat. Liegt also auf der Strasse, blutet wie ein angestochenes Schwein und röchelt bloss noch vor sich hin und ist nimmer ansprechbar.

Dann kommt der Notarzt angebraust: kramt der nun erstmal in den Taschen von unserem Leut rum, um rauszukriegen, ob der vielleicht auf irgendwas allergisch sein könnte oder haut der halt Medikament_x rein, ohne Rücksicht auf potentielle Allergien?

Denn in beiden Fällen wäre es ja blöd: fängt er erst lange an in (eventuell schwer zugänglichen oder blutdurchtränkten) Taschen zu kruschteln, kann unser armer Leut schon bald zum Engel werden. Haut er einfach mal Medikament_x rein und unser armer Leut ist darauf allergisch, ist’s ja auch doof. Was ist da also die Lehrmeinung unter den Notärzten?

Wie gesagt, es geht hier wirklich nur um die ziemlich bis ganz schweren Fälle. Einen Beinbruch (bzw. dessen stolzen Träger) kann man ja gegebenenfalls persönlich befragen :wink:

*wink*

Petzi

Hallo Petzi

Keine Sorge, so blöd ist die Frage gar nicht.

Eine Bekannte von mir hat eine ziemlich heftige Latex-Allergie, was bei einer Intubation (die Dinger sind halt mit Latexbestandteilen behaftet) das Zuschwellen der Atemwege hervorrufen könnte. Das wäre natürlich genau das Gegenteil von dem was man will.
Daher trägt Sie am Arm eine Uhr, die die nötigen Informationen für den Notarzt enthält. Ob die Notärzte generell erst einmal nach solchen Hinweisen suchen weiß ich allerdings nicht.

Gruß

yg3x9ze

Hallo zusammen,

Hallo Bär.

Für Ärzte sollte immer der Grundsatz gelten „primum non nocere“ http://de.wikipedia.org/wiki/Primum_non_nocere. Wenn bei einem Notfall wie von Dir geschildert eine unmittelbare Gefahr abzuwehren ist, wird sich der Arzt aber nicht damit aufhalten, des Langen und Breiten nach Ausweisen u.dgl. zu suchen. Sind dagegen die Vitalfunktionen stabil, wird er genau dies aber als nächstes tun (lassen).

Wenn durch eine Notfallmaßnahme ein kritischer Zustand verursacht wird, wird der Arzt eben noch ein wenig weiter kämpfen müssen …

Das Problem ist wohl auch, dass man einen Allegoriepass eben in Uhr, Halsband, Nabelpiercing oder Hosentasche aufbewahren kann. Vielleicht sollte man anregen, dass Algeriker eine neongrün gefärbte Kapsel mit den wichtigsten Informationen um den Hals tragen sollten. Neongrün wegen des eventuellen Blutes. Na gut, wer aufgrund exzessiven Spinatgenusses ebendiesen vor der Inkomafallung erbrach, hat immer noch schlechte Karten. Meine Idee finde ich trotzdem gut :-þ

Gruß Eillicht zu Vensre

Das ist doch dann so wie man es im Erste-Hilfe-Kurs lernt?!
Bei Herzstillstand soll man ja auch lieber eine Rippe brechen, als gar keine Herzmassage zu machen. Zumindest hab ich das so vor 13 Jahre gelernt.

Darum denke ich, daß bei solch schweren Unfällen die allergische Reaktion auch immer das kleine Übel sein kann.

Gun Dach.

Das ist doch dann so wie man es im Erste-Hilfe-Kurs lernt?!
Bei Herzstillstand soll man ja auch lieber eine Rippe brechen,
als gar keine Herzmassage zu machen. Zumindest hab ich das so
vor 13 Jahre gelernt.

Genua …

Darum denke ich, daß bei solch schweren Unfällen die
allergische Reaktion auch immer das kleine Übel sein kann.

Wobei ein anaphylaktischer Schock auch keinen großen Spaß macht und lebensgefährlich ist. Dieserhalb wird der Notarzt nach Einleitung der Erstmaßnahme auch nicht einfach den Ort des Geschehens leise weinend verlassen, sondern den Patienten genau beobachten.

Gruß Eillicht zu Vensre

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Hi!

meine Frage mag jetzt ein wenig naiv klingen, aber ich weiss
das wirklich nicht :wink:

Keine Sorge, es gibt keine dummen Fragen ,-)

Im Notfall gilt, wie schon geschrieben, erst mal die Vitalparameter sichern - also sicherstellen, daß Atmung und Kreislauf funktioniert, damit derjenige am Leben bleibt. Da ist keine Zeit für irgendwelche Suchereien. Eine Allergie gegen die gängigen Notfallmedikamente dürfte auch recht selten sein, schätze ich - zumindest hab ich noch nicht davon gehört (wobei Allergien gegen Zusatzstoffe schon möglich sind). Aber wie schon erwähnt, kann man auch auf andere Sachen reagieren, wie z.b. Latex.

Wenn es nach Gabe des Medikaments oder sonstige Umständen (Latex) zu einer Reaktion kommen sollte, kann der Arzt auch etwas dagegen unternehmen. Einen bloßen Ausschlag würde er wohl ignorieren in der Situation, gegen heftigere Reaktionen gibt es aber durchaus Gegenmittel, die ziemlich wirksam sind, z.b. Cortison.

SChwierig dürfte es werden, wenn die allergische Reaktion einen bestehenden Schock noch weiter verstärkt. Der Notarzt dürfte dann ziemlich gefordert sein *ggg* - aber auch da gibts Gegenmaßnahmen, z.b. Infusionen und weitere Medikamente. Als Infusion wählt man zunächst Kochsalz, welches wohl kaum Allergien auslösen kann. Reicht das nicht aus, muß man mit anderen Infusionen oder gar Bluttransfusionen ergänzen (diese haben aber durchaus Allergiepotential).
Die im Schock oder Kreislaufversagen zumeist verwendeten Medikamente sind ebenfalls körpereigene Stoffe, ich nenne hier als Beispiel das Adrenalin.

Hat man am Einsatzort den Verdacht, daß ein Medikament oder etwas anderes eine allergische Reaktion ausgelöst hat, würde man dieses nicht erneut einsetzen, sondern einen Ersatz wählen. Ist dieser unterwegs nicht vorhanden, muß man den Pat. soweit mit anderen Mitteln stabilisieren, damit er transportfähig wird und ins nächste Krankenhaus gebracht werden kann, wo dann entsprechende Mittel zur Verfügung stehen.

Gruß,
Sharon

Hi!

Eine Bekannte von mir hat eine ziemlich heftige
Latex-Allergie, was bei einer Intubation (die Dinger sind halt
mit Latexbestandteilen behaftet) das Zuschwellen der Atemwege
hervorrufen könnte. Das wäre natürlich genau das Gegenteil von
dem was man will.

Und ich frag mich grad, was man in so einem Fall macht. Ich mein, wenn man den Tubus erstmal drin hat, macht ja das Anschwellen nix, denn der Atemweg wird durch den Tubus gesichert. Cortison rein, damits abschwillt - und dann? Tubus raus und latexfreien rein, wenn man ihn hat, okay. Und wenn man ihn nicht hat? Tubus raus wäre schlecht, Tubus drin lassen aber wohl auch - trotz Cortison, oder? *grübel*
Ich mein, kann man dann den Tubus drinnelassen und hoffen, das Cortison verhindert einen allergischen Schock bis man in der Klinik ist?

P.S.: der Vollständigkeit halber für Petzi :wink: :
Intubieren geht normalerweise flott, sodaß man ihn drinnehat, bevor alles anschwillt. Ist es mal bei einem Pat. schwieriger und/oder es dauert aus anderen Gründen länger und alles schwillt zu, dann wird man wohl einen Luftröhrenschnitt machen müssen, falls nix mehr geht.

Daher trägt Sie am Arm eine Uhr, die die nötigen Informationen
für den Notarzt enthält. Ob die Notärzte generell erst einmal
nach solchen Hinweisen suchen weiß ich allerdings nicht.

In der Uhr??
Mal ehrlich, ich hätte da nie geschaut… :wink:

Gruß,
Sharon

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Vielleicht sollte man anregen, dass Algeriker eine
neongrün gefärbte Kapsel mit den wichtigsten Informationen um
den Hals tragen sollten.

Hallo, Eilicht,
wäre wirklich zu wünschen. Gleichzeitig noch ein Zettel, auf dem zu lesen ist, wer im Falle des Falles benachrichtigt werden soll.

Wir hatten neulich solch einen Fall in der Nachbarschaft. Macomar-Patientin (wußte bloß keiner) blutete wie ein abgestochenes Schwein, Rettungswagen kam 15 Minuten später. Nach dem Abtransport wollten die Helfer den Sohn der Dame anrufen - sie wußte die Telefonnr nicht …

Gruß
Eckard

Hi Sharon!

Das Problem ist weniger, daß die Stimmlippenebene zuschwillt, man trägt aber die Latexpartikel in Staubform in die tieferen Atemwege und kann dort sein Problem anrichten. Pathophysiologisch wie beim allergischen Asthma.

Gruß
Peter

SOS-Talisman
Hallo!

In der Uhr??
Mal ehrlich, ich hätte da nie geschaut… :wink:

Ja, es gibt Uhren und auch Medaillons, in denen kann man ein Papierband beschriften mit allen wichtigen Daten! Ich meine, auf Uhr u. Medaillon steht was von Notfall: aber graviert.
Ich wußte auch mal eine Firma, die das verkauft…?

Ha, ich wußte doch, ich hab das noch liegen:

Lydoxa Kosmetik Vertriebs GmbH, nennt sich dann SOS-Talisman.
Aber bei mir steht, das es Uhren-ARMBÄNDER gibt, Schlüsselanhänger, Anhänger für Ketten: vergoldet, verchromt, Titan und Edelstahl.
Ärzte, Rettungssanitäter und Krankenhäuser sind damit vetraut- sehen also auf Anhieb, was das ist!!

Auf Wunsch kann ich Adresse und Tel.-Nr. mailen!
Hab aber auch bei Google Erfolg mit „SOS-Talisman“, schon ab 10,00 €!

LG Doreen

Hi Peter!

Das Problem ist weniger, daß die Stimmlippenebene zuschwillt,
man trägt aber die Latexpartikel in Staubform in die tieferen
Atemwege und kann dort sein Problem anrichten.
Pathophysiologisch wie beim allergischen Asthma.

Ja, schon. Aber ob allergisches Asthma oder gleich durch die allergische Reaktion bedingtes Kreislaufversagen, die Frage bleibt die gleiche:

Tubus raus wäre schlecht, Tubus drin lassen aber wohl auch - trotz Cortison, oder? *grübel*
Ich mein, kann man dann den Tubus drinnelassen und hoffen, das Cortison verhindert einen allergischen
Schock bis man in der Klinik ist?

Du hast dem Pat. am Unfallort Cortison gespritzt. Würden dann die Latexpartikel in den Bronchien noch eine Reaktion auslösen? Und egal ob ja oder nein, was macht man mit dem Tubus, wenn man merkt, der Pat. reagiert darauf? Drinnen lassen oder rausholen?

Gruß,
Sharon

Hallo Sharon!

Ich würde ihn drin lassen. Denn wer weiß, was Dir die Glottis veranstaltet, wenn Du ihn in der akuten Anaphylaxie 'rausziehst?
Vielleicht mußt Du den Pat. dann koniotomieren. Was dann, wenn er auch noch 'ne Allergie gegen chirurgischen Stahl hat :wink:)

Gruß
Peter

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Herzlichen Dank, Euch allen *freu* (owT)
für Eure vielen klugen Antworten :wink: