Hallo
also das Problem ist schwierig.
Ich erzähle mal die Vorgeschichte: die Tochter einer Familie hier im Dorf hat im Dezember ihren Freund in einem Wutanfall überfahren,mehrmals.Er ist tot.Sie ist jetzt in der Psychiatrie.Die Verhandlung ist im Mai.Diese Frau hat mit dem Mann einen Sohn ,der ist 5 Jahre alt und durch die Umstände ( weil er an dem entsprechenden Wochenende grade bei der Schwester der Täterin war ) bei der Familie der Schwester in Obhut.
Heute rief mich die Mutter der Täterin an,völlig verzweifelt.Ich habe nicht viel ,um nicht zu sagen eigentlich nichts mit der Familie zu tun.Ich denke sie rief mich an ,weil sie mich kennt ,ich arbeite in der Suchttherapie( die Täterin war auch drogenabhängig zeitweise)und mich schätzt ,weil ich hier im Dorf als tatkräftige anerkannte Frau gelte ,weil ich meine Kinder alleine grossgezogen habe.
Sie will Rat ,was sie mit dem Kind machen kann ,das Jugendamt hat geraten ,das Kind in dem hier ansässigen Kinderdorf (SOS) unterzubringen (davon halte ich überhaupt nix ,weil da nur Kinder aus echt kaputten Familien sind,abgesehen davon halte ich das 1 Mutter ohne Mann und 8 Kinder mit vielen Problemen Konzept für nicht tragfähig).
Und nun ? Ich weiss nicht gut ,was ich ihr raten soll. Mein Impuls ist,sie in Therapie zu bringen in der Beratungsstelle hier ,damit die Leute ihren Schock verarbeiten können.Ich kann sie allenfalls versuchen zu trösten,damit sie sich nicht schuldig fühlt,aber richtig helfen kann ich ihr auch nicht .Nur allein lassen werd ich sie auch nicht .Wenn sie sich schon an mich wendet…ich bin so weit weg von ihr. Wieviele Gedanken hat sie sich gemacht ,an wen sie sich wenden kann !!!Ich werde sicher versuchen sie zu begleiten . Habt ihr noch einen guten Rat für mich ?
Ich bin ganz gut befreundet mit der Sachbearbeiterin im Jugendamt ,die die Familie betreut.Sie werde ich an geeigneter Stelle auch um Rat fragen.
Gruss
Kosmokatze
Hallo Kosmokatze,
mein erster Rat an dich ist: lass es sein, dich in irgend einer Weise mit der
Notsituation dieser Familie zu identifizieren. Wenn diese Frau ihren Freund tötet, sind dort mehr Dinge abgelaufen, als man von außen kommend erkennen kann.
Dieses Kind hat wahrscheinlich mehr Seelenmüll zu verarbeiten als wir uns
vorstellen können. Es braucht unbedingt professionelle Hilfe. Die kann nicht von
jemand beteiligtem oder in Nachbarschaftshilfe gegeben werden.Ich habe keine Ahnung, wie die Großeltern des Kindes mit der Situation umgehen, aber dass Kinderdorf wäre vielleicht eine Möglichkeit, dass das Kind Abstand zu dieser
Horrorsituation gewinnt. Das Jugendamt sollte Therapeuten kennen, die mit solchen Situationen vertraut sind.
Ich denke, auch die Großmutter braucht Hilfe von einem Therapeuten.
Es ist mit Sicherheit die Hölle, in dem Bewusstsein zu leben,
die eigene Tochter hat jemanden umgebracht ( aus welchen Gründen auch immer ).
Versuche in Erfahrung zu bringen, wer kompetente Hilfe leisten kann.
Ich hoffe, ich konnte dir ein klein wenig weiter helfen.
Gruß
Thomas
hi,
sehr sehr schwierige Situation…
Spricht etwas dagegen, dass das Kind weiter bei der Familie der Mutter bleibt?
Sind die Großeltern nicht in der Lage oder willens sich um das Kind zu kümmern oder warum hat das Jugenamt vorgeschlagen dass es in ein Kinderdorf kommt?
Gäbe es auch die Möglichkeit einer Pflegefamilie in der Nähe so dass der Kontakt zu den Großeltern weiter aufrecht erhalten werden kann?
Über das Lebem im Kinderdorf weiss ich zuwenig aber ich halte es auch für problematisch wenn das Kind jetzt komplett aus der Familie genommen wird.
Erst Vater und Mutter weg, dann die Großeltern…für einen 5jährigen muß das ein riesiges Trauma sein.
Ich denke auch dass die ganze Familie psychologische Betreung braucht - am allermeisten das Kind. Wenn es mit seiner süchtigen und offensichtlich „durchgeknallten“ Mutter gelebt hat hat es sicher viel mitgemacht. Dass die Mutter den Vater umgebracht hat wird ihm irgendwann auch klar werden - es ist unbedingt nötig dass es hier durch Fachleute begleitet wird.
Ich wollte Dir auch noch sagen, dass ich es toll finde, dass Du in einer Welt in der die meisten auf die Seite sehen wenn andere Probleme haben, Zeit und Energie dafür aufbringst einem Kind zu helfen. Denn das Kind ist das Opfer idiotischer Erwachsener geworden (
(
nachdenklich
Sue
SOS Kinderdorf
Hallo Kosmokatze,
zuerst einmal Hut ab, dass Du Dich kümmerst !
Ich habe keinen Rat, kann nur zum Thema „SOS-Kinderdorf“ etwas anführen. Kürzlich kam eine Reportage über eines der Dörfer (im ARD, glaube ich, recht seriös aufgemacht). Da ist längst nicht eine „Mutter“ ganz alleine mit 8 Kindern, ganz im Gegenteil.
Es sind 6 Kinder, und die „Mutter“ bekommt recht intensive Unterstützung von diversen Fachleuten wie Psychologen und Pädagogen. Sie hat in der Regel noch eine Wohnung außerhalb des SOS-Dorfes, inzwischen gibt es wohl sogar „Mütter“ mit Mann und eigenem Kind.
Die in dem Bericht porträtierte SOS-Mutter meinte sogar, es seien eher zu viele Leute, die sich mit um die Kinder kümmern, manchmal fühlte sie sich fast überwacht.
Ob das für das Kind jetzt am besten ist, kann vermutlich kaum jemand von außen sagen. Man weiß ja nicht, ob die Mutter des Kindes „einfach so“ ausgerastet ist, oder ob das Ganze „nur“ die Spitze eines gigantischen Familienwirrwarrs ist. Positiv ist doch, dass das SOS-Dorf bei Euch am Ort ist, wenn ich das richtig verstanden habe ?
Viele Grüße,
Inselchen