NS-Deutschland und Schweden

Hallo,

im Rahmen der nationalsozialistischen Expansion wurde ja zu einem gewissen Zeitpunkt fast ganz Europa von Hitler oder seinen Verbündeten beherrscht. Ausnahmen waren im Wesentlichen Spanien, die Schweiz und Schweden. Dass Spanien unter dem faschistischen Franco, der zwar nicht militärisch, aber zumindest ideologisch ein Verbündeter war, zunächst kein Angriffsziel darstellte ist schlüssig. Die Gründe dafür, dass die Schweiz verschont blieb, liegen sicher darin, dass der militärische Aufwand in keinem Verhältnis zum Nutzen gestanden hätte, vor allen Dingen nicht, solange der Krieg gegen die USA, England und die Sowietunion noch nicht gewonnen war.

Nun zu meiner Frage: Was ist eigentlich als Grund dafür zu sehen, dass Schweden nicht im Rahmen der „Operation Weserübung“ (Überfall auf Dänemark und Norwegen) miteinverleibt wurde? Waren die Schweden vielleicht ein starker militärischer Gegner und wurden deshalb wegen der strategisch nicht so hohen Wichtigkeit zunächst außen vor gelassen? Oder gab es schon vorher Anzeichen dafür, dass man mit dem neutralen Schweden auch so ziemlich gut zurechtkommen würde (Habe das aus dem Wikipedia-Artikel „Geschichte Schwedens“), so dass eine Besatzung unnötig schien?

Würde mich über Antworten freuen!
Gruß
Benjamin

Hallo

Nun zu meiner Frage: Was ist eigentlich als Grund dafür zu sehen, dass Schweden nicht im Rahmen der „Operation Weserübung“ (Überfall auf Dänemark und Norwegen) miteinverleibt wurde?

Die Besetzung Schwedens hätte für Dtl. weder strategisch noch wirtschaftlich einen Vorteil gehabt. Schweden war neutral und war von seiner Lage her weder für den Kampf gegen GB, noch gegen die UdSSR von Bedeutung. Der einzige Vorteil war, daß die Nachschubwege für Nordnorwegen bzw. Finnland über Schweden abgekürzt werden konnten, was man durch ein Transitabkommen regelte. Wirtschaftlich war Schweden als Erzlieferant von Bedeutung. Da sie auch dieser Aufgabe nachkamen, stand einer Koexistenz beider Staaten nichts mehr im Wege.

Im übrigen ging es bei der „Weserübung“ hauptsächlich darum das schwedische Erz gegen den Zugriff des Gegners zu schützen, der sich bereits aus dem selben Grund auf dem Weg gemacht hatte.

Gruß

Hallo !

Schweden hatte als nicht besetztes Land für Deutschland viel größere Vorteile, als wenn man es besetzt hätte.
Und Schweden wäre nicht so einfach zu besetzen gewesen. Also wählte man den einfachsten Weg.

Schweden erklärt seine Neutralität, gestattet jedoch die Überführung einer deutschen Division aus Norwegen nach Finnland auf schwedischen Eisenbahnen. Dänemark bricht die Beziehung zur Sowjetunion ab. Spanien stellt eine »Blaue Division« für den deutschen Krieg mit der Sowjetunion auf.
[Tageschronik: 25. Juni 1941. Das Dritte Reich, S. 4932
(vgl. DGK Bd. 2.2, S. 186) © Droste/Directmedia]

Nach Ansicht der Marineführung ist der Zeitpunkt für eine Invasion Norwegens »günstig«, da: »1. wir an der Ost- und Nordfront durch Rußland stark gebunden, 2. an der Nordafrikafront aufs stärkste engagiert sind, 3. England der Mithilfe der norwegischen Bevölkerung … sicher ist, 4. Schweden neutral bleiben will, andernfalls auch für uns einen sehr beachtlichen Gegner darstellt, 5. Finnlands Haltung infolge Aus-
[Tageschronik: 22. Januar 1942. Das Dritte Reich, S. 5297
(vgl. DGK Bd. 2.2, S. 241) © Droste/Directmedia]

mfgConrad

Der einzige Vorteil war, daß
die Nachschubwege für Nordnorwegen bzw. Finnland über Schweden
abgekürzt werden konnten, was man durch ein Transitabkommen
regelte. Wirtschaftlich war Schweden als Erzlieferant von
Bedeutung. Da sie auch dieser Aufgabe nachkamen, stand einer
Koexistenz beider Staaten nichts mehr im Wege.

Hi,

vielen Dank schon mal euch beiden für die Antworten, doch mit der Kooperation Schwedens mit Hitler-Deutschland kann man m.E. nicht sehr gut argumentieren, da diese Dinge ja erst nach dem Unternehmen Weserübung stattfanden. Stand diese Kooperation vorher schon in Aussicht oder hatte man in Deutschland bereits diesbezüglich positive Erfahrungen mit Schweden gemacht?

Anstoß meiner Fragen diesbezüglich ist einfach, dass ich es sehr seltsam finde, dass Hitler zwar Konzeptionen eines „Großgermanischen Imperiums“ besaß, jedoch dabei anscheinend die in seinen Kategorien klar als „Germanen“ qualifizierten Schweden außen vor ließ.

Gruß
Benjamin

„Großgermanischen Imperiums“ besaß, jedoch dabei anscheinend
die in seinen Kategorien klar als „Germanen“ qualifizierten
Schweden außen vor ließ.

Die ließ er ganz bestimmt nicht außen vor. Hätte er erstmal ganz Europa in der Tasche gehabt, würden die Schweden ganz sicher freiwillig mitgemacht haben.

Hallo,

Stand diese Kooperation vorher schon in Aussicht oder hatte man in Deutschland bereits diesbezüglich positive Erfahrungen mit Schweden gemacht?

Schweden war auch schon vor 1940 einer der wichtigsten Erz-Lieferanten Deutschlands. Deshalb planten ja auch die Alliierten eine Besetzung Norwegens und Schwedens um diese Lieferungen zu unterbinden, was im Endeffekt deutscherseits die Operation „Weserübung“ auslöste.

Anstoß meiner Fragen diesbezüglich ist einfach, dass ich es
sehr seltsam finde, dass Hitler zwar Konzeptionen eines
„Großgermanischen Imperiums“ besaß, jedoch dabei anscheinend
die in seinen Kategorien klar als „Germanen“ qualifizierten
Schweden außen vor ließ.

Spekulationen um „Weltherrschaftspläne“ oder „Großgermanische Imperien“ halte ich für Schwachsinn. Es gab keinen der überraschter von den milit. Erfolgen von 1940/41 war als die deutsche Führung. Man hatte, ohne an die Folgen zu denken, Polen angegriffen und schlitterte nun von einem Schlachtfeld zum nächsten. Hitlers Primär-Ziele lagen im Osten, man rechnete frühstens für 1945 mit einem Konflikt mit GB. Das 1941 halb Europa unter Kontrolle der Achse stand ist der eigendynamik des Krieges geschuldet - geplant war es jedenfalls nicht.

Gruß

Hallo,

ich denke, da spielte vieles mit.

Die Schweden mögen ja nach der kruden Rassentheorie Arier gewesen sein - aber sie waren keine Deutschen. Und damit war Hitler auch nicht unbedingt interessiert, das Land an deutschland anzugliedern - ihm reichte es, wenn Schweden quasi die deutsche Führungsrolle anerkannte. Ins großdeutsche reich sollten ja nur con deutschen besiedelte Gebiete - an anderen Stellen schufen die Nazis ja selber sogenannte selbstständige Staaten - siehe Slowakei oder Kroatien.

Zum anderen hatte ein neutrales Schweden ja auch Vorteile. Schließlich gab es einige dringend benötigte Dinge, die im deutschen Einlußbereich nicht verfügbar waren - Deutschland wohlwollende Drittstaaten waren da als Zwischenhändler nicht zu berachten. Außerdem eröfnneten sich so auch Kanäle für diplomatische Aktivitäten und für die Spionage.

Dazu kommt eins: Schau mal auf die Landkarte. Wenn Norwegen und Dänemark besetzt waren, befand sich Schweden in einer ähnlichen Lage wie die Schweiz. (Finnland war eh mit deutschland verbündet). Dermaßen eingeschlossen konnte Schweden logisch gar nicht anders handeln als kooperativ - da blieb gar keine andere Möglichkeit. Das konnte sich Hitler selber ausrechnen. Zudem (und das sollte man nicht unterschätzen) hätte ein Krieg gegen Schweden wieder zeitweise Teile der wehrmacht gebunden und dauerhaft wäre auch dann wieder eine Art Besatzertruppe nötig gewesen - und das, ohne eigentlich einen echten strategischen Zugewinn zu erzielen.

Man darf dabei auch nicht vergessen, daß ja militärische Operationen recht langfristig geplant werden. Wahrscheinlich wurden fie grundlegenden Entscheidungen, wie mit Nordeuropa zu verfahren ist, schon Ende 1939 getroffen. DA ging es vorrangig erst einmal darum, Nordeuropa gegen England zu sichern - die besetzung der Küsten in Norwegen war da wichtiger als das Binnenland Schweden.

Gernot Geyer