Numerale als Akkusativobjekt?

Hallo,
ich habe eine Frage, bei der ich jetzt doch unsicher geworden bin.

Ich versuche gerade Wortarten zu bestimmen.
Sätze wie:
Ich lerne viel.
Er isst einiges.
Ich habe etwas geerbt.

Ich möchte rausbekommen, ob diese eher transitiven Werben hier
intransitiv auftreten. Nun bin ich mir aber mit den Wortarten nicht
sicher?

Sind die Numerale in diesem Fall Akkusativobjekte oder würde man
sagen, dass die Verben hier intransitiv benutzt werden und an ein
fakultatives Numeral mit sich führen?

„Viel“ als Adverb und somit „lernen“ als intransitiv gebrauchtes
Verb?
„Einiges“ und „etwas“ sind Numerale als Akkusativobjekt??

Wäre fantastisch, wenn mir da jemand weiterhelfen könnte.
Grüße Katja

Wortart: Indefinitpron., Satzteil: Akkusativobjekt

Guten Tag, Katja

Ich würde die Wortarten so bezeichnen:

Ich lerne viel.

Personalpronomen / Verb / Indefinitpronomen

Er isst einiges.

Personalpronomen / Verb / Indefinitpronomen

Ich habe etwas geerbt.

Personalpronomen / Verb 1 (Hilfsverb) / Indefinitpronomen / Verb 2

Die Funktionen im Satz (Satzteile) würde ich so definieren:

Ich lerne viel.

Subjekt / Prädikat / Akkusativobjekt

Er isst einiges.

Subjekt / Prädikat / Akkusativobjekt

Ich habe etwas geerbt.

Subjekt / Prädikat (1. Hälfte) / Akkusativobjekt / Prädikat (2.
Hälfte)

Die Verben verlangen ein Akkusativobjekt, das im Passiv zum Subjekt
wird; sie sind demnach ‚transitiv‘.

Freundlich grüsst

Rolfus

Schon einmal vielen Dank.
Eine nächste Frage. Könnte man „Ich lerne viel.“ nicht auch als intransitiv gebrauchtes Verb ansehen, dass eine adverbiale Bestimmung mit sich führt?

MOD: Überflüssiges Zitat gelöscht.

Die Kontrollfrage lautet: WAS lerne ich? Viel.

Guten Tag, Katja

Eine nächste Frage. Könnte man „Ich lerne viel.“ nicht auch
als intransitiv gebrauchtes Verb ansehen, dass eine adverbiale
Bestimmung mit sich führt?

Nein, ‚viel‘ ist hier meiner Auffassung nach kein Adverb und kann
deshalb auch keine adverbiale Funktion haben. Das Indefinitpronomen
steht hier für ‚viele unbestimmte Sachen‘, ‚viele nicht genau
bezeichnete Dinge‘. Die Kontrollfrage lautet: WAS lerne ich? Viel.

„Ich lerne fleissig.“
Hier lautet die Frage: WIE lerne ich? - Fleissig.
Wortart: Adverb > Satzteil: Adverbiale > Verb intransitiv.

Gruss

Rolfus

‚viel‘ als Adverb - Doch, das geht!

Eine nächste Frage. Könnte man „Ich lerne viel.“ nicht auch
als intransitiv gebrauchtes Verb ansehen, dass eine adverbiale
Bestimmung mit sich führt?

Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt Verwirrung stifte, muss ich Sanctus Rolfus da teilweise widersprechen.

Man kann das „viel“ in „ich lerne viel“ durchaus auch als adverbiale Bestimmung interpretieren. In diesem Falle wäre das von Hause aus transitive Verb „lernen“ hier detransitiviert, d.h. es hat sein Objekt verloren. Solche Detransitivierungen kommen normalerweise vor, wenn man über Beschäftigungen mit unbestimmtem Zeitverlauf oder über gewohnheitsmäßige Tätigkeiten spricht:

„Ich esse schon seit Stunden (und bin immer noch nicht satt).“
„Ich kaufe immer bei ALDI.“

In beiden Beispielen fällt das direkte Objekt aus.

Wenn man also „ich lerne viel“ so interpretiert, wie man auch z.B. auch „ich schlafe viel“ interpretieren würde (und „schlafen“ ist definitv ein intransitives Verb, so dass „viel“ kein direktes Objekt sein kann), dann müsste man „viel“ tatsächlich als adverbiale Bestimmung verstehen. Der Kontext wäre dann eher:

„Und? Was machst du zur Zeit so?“ - „Ach, ich lerne viel.“

mit der Bedeutung, dass man viel Zeit mit Lernen verbringt - aber NICHT mit derjenigen, dass man viele Dinge lernt.

Grundsätzlich sind beide Interpretationen (als direktes Objekt oder als adverbiale Bestimmung) möglich. In der Sprachwissenschaft wird dieses Thema übrigens noch heiß diskutiert.

„etwas“ oder „ein bisschen“ kann übrigens auf gleiche Weise adverbial gebraucht werden:

„Warten Sie auf jemanden?“ - „Nein, ich seh mich nur etwas um.“
„Warten Sie auf jemanden?“ - „Nein, ich seh mich nur ein bisschen um.“

Gruß,
matty

Hallo, Matty!

Formalgrammatisch kann ich Deiner Argumentation nicht wirklich folgen, inhaltlich schon, nur lässt sich ihre Berechtigung eben nicht anhand der üblichen Tests nachvollziehen. Da gilt eben schlicht, das, was Sanctus Rolfus geschrieben hat.

Den Begriff der „Detransitivierung“ halte ich nicht für sinnvoll. Ich muss kein einziges Verb transitiv verwenden, wenn der Kontext für Klärung sorgt. „Wir verkaufen nicht, wir verschenken.“

Umgekehrt kann ich „schlafen“ mit einem Objekt konstruieren: „Er schläft den Schlaf des Gerechten“. Genauso ist eben möglich: „Er schläft viel.“

Wie gesagt: Ich kann Deiner Argumentation inhaltlich folgen, nur erscheint mir die Begrifflichkeit problematisch. Als Wortart ist „viel“ Pronomen, als Satzglied kann es daher kein Adverbiale sein.

Besten Gruß, Wolfgang

Uil libår Wolfgang!

http://groups.google.com/group/sci.lang.translation/…

nur erscheint mir die Begrifflichkeit problematisch. Als
Wortart ist „viel“ Pronomen, als Satzglied kann es daher kein
Adverbiale sein.

Nein, als Wortart ist „viel“ Adjektiv, das als Attribut, Prädikatsadjektiv, Adverb und (Besonderheit von Zahladjektiven) als unbestimmtes Pronomen verwendet werden kann.

Für die Verwendung als Adverb sehe ich viele Beispiele. Wenn ich die Zeichenkette „viel“ z.B. in das Suchfeld bei Canoo http://www.canoo.net/services/Controller? einzutippen beginne, schlägt es mir alleine schon 14 Einträge von Wortpaaren (von „viel beachtet“ bis „viel gehört“) vor, in denen der erste Bestandteil „viel“ (nach „neuer“ Rechtschreibung auch als eigenes Wort) nur als Adverb im Sinne von „oft“, „häufig“ oder „sehr“ analysiert werden kann.

Gruß Gernot

Hallo, Gernot!

Einverstanden! Und auch nicht einverstanden!

Das ist das uralte grammatiktheoretische Problem der Definition einer Wortart und der Zuordnung problematischer Lexeme: morphologisch, syntaktisch, semantisch, gemischt.

„viel beachtet“: Wenn man das Adverb als satzgliedfähig definiert, liegt hier keines vor. Die Rettung heißt: Partikel(wort).

„Er lernt viel“ „Er lernt vieles.“ Die Deklinierbarkeit weist auf die pronominale Funktion hin, die Erfragbarkeit ebenso. Also ist und bliebt „viel-“ in den von den Vorpostern problematisierten Sätzen Pronomen und damit vom Satzgliedwert her Objekt, nicht Adverbiale.

Einigen wir uns darauf, dass ich mit meinen Ausführungen Recht habe und Du mit Deinen und dass beides nebeneinander bestehen kann, ohne sich zu tangieren!

Besten Gruß, Wolfgang

Hallo Wolfgang!

Einverstanden! Und auch nicht einverstanden!

Das ist das uralte grammatiktheoretische Problem der
Definition einer Wortart und der Zuordnung problematischer
Lexeme: morphologisch, syntaktisch, semantisch, gemischt.

Die Wortart von „viel“ sollte doch klar „Adjektiv“ sein.

„viel beachtet“: Wenn man das Adverb als satzgliedfähig
definiert, liegt hier keines vor. Die Rettung heißt:
Partikel(wort).

„viel“ lässt sich in diesem Kontext durch das Wort „stark“ austauschen. Beide, „viel“ und „stark“ wären der Form Adjektive und fungieren im Zusammenhang mit dem (ggf. auch attributiv verwendeten) Partizip als Adverb.

„Er lernt viel“ „Er lernt vieles.“ Die Deklinierbarkeit weist
auf die pronominale Funktion hin, die Erfragbarkeit ebenso.

Also ist und bliebt „viel-“ in den von den Vorpostern
problematisierten Sätzen Pronomen und damit vom Satzgliedwert
her Objekt, nicht Adverbiale.

Das sehe ich etwas anders: Man kann „viel“ hier nämlich auch steigern.

  • Peter lernt viel.

  • Hans lernt mehr.

  • Susi lernt am meisten.

Wenn du in diesen Sätzen „viel“ als Pronomen auffasst, dürftest du bei „Susi Superstar“ konsequenterweise auch nicht das adverbiale „am meisten“, sondern müsstest das (pro)nominale „das meiste/Meiste“ benutzen.

Susi lernt das Meiste (… vieles lernt sie aber auch erst gar nicht oder vergisst es bald wieder!)

Gruß Gernot

PS: Gerne hätte ich die unregelmäßige Steigerung von „viel“ ja auch in diesem Javascript-Memory mitprogrammiert, aber ich fand für dieses Abstraktum einfach keine passenden Bilder. :wink:

http://www.sprachlernspiele.de/adjektive/steigern.html
(immer nacheinander drei Karten aufklicken und dann warten, bis sie wieder verschwinden)

Hallo, Gernot!

Da sitz ich schon wieder an der Maschine.

Das ist das uralte grammatiktheoretische Problem der
Definition einer Wortart und der Zuordnung problematischer
Lexeme: morphologisch, syntaktisch, semantisch, gemischt.

Die Wortart von „viel“ sollte doch klar „Adjektiv“ sein.

Hab ja nichts dagegen! Dann kommen die vielen verschiedenen Funktionen, die Du auch genannt hast. Diese wiederum bestimmen den Satzgliedwert. Und im Ausgangsbeispiel liegt eben eine pronominale Funktion vor, die ein ein Objekt definiert.

„viel beachtet“: Wenn man das Adverb als satzgliedfähig
definiert, liegt hier keines vor. Die Rettung heißt:
Partikel(wort).

„viel“ lässt sich in diesem Kontext durch das Wort „stark“
austauschen. Beide, „viel“ und „stark“ wären der Form
Adjektive und fungieren im Zusammenhang mit dem (ggf. auch
attributiv verwendeten) Partizip als Adverb.

Früher hieß es „vielbeachtet“. Da hatte „viel“ nur Präfixstatus. Die Katze beißt sich in den Schwanz, solange wir keine eindeutigen, quasi mathematischen Kriterien für eine Wortart besitzen, solange wir überhaupt zwischen Form und Funktion unterscheiden müssen, solange es Linguistik gibt …

„Er lernt viel“ „Er lernt vieles.“ Die Deklinierbarkeit weist
auf die pronominale Funktion hin, die Erfragbarkeit ebenso.

Also ist und bliebt „viel-“ in den von den Vorpostern
problematisierten Sätzen Pronomen und damit vom Satzgliedwert
her Objekt, nicht Adverbiale.

Das sehe ich etwas anders: Man kann „viel“ hier nämlich auch
steigern.

  • Peter lernt viel.

  • _Hans lernt

mehr._

  • Susi lernt am meisten.

Wenn

du in diesen Sätzen „viel“ als Pronomen auffasst, dürftest du
bei „Susi Superstar“ konsequenterweise auch nicht das
adverbiale „am meisten“, sondern müsstest das (pro)nominale
„das meiste/Meiste“ benutzen.

Susi lernt das Meiste (… vieles lernt sie aber auch
erst gar nicht oder vergisst es bald wieder!)

Nicht schlecht, Deine Argumentation!

Aber wieder haben wir die Katze mit dem Schwanz. Ein Pronomen kann Objekt sein, ein Adverb allein nicht. Kann ich ein Adverb steigern? Fazit: siehe oben - eindeutige Kriterien müssten her! Es wird nicht funktionieren!

Es grüßt Wolfgang

Hallo, Gernot, hallo, Gatty!

Je länger ich nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich Gatty so eindeutig nicht widersprechen kann, wie ich es möglicherweise getan habe: Wenn ich „viel“ analog zu „gut“ verstehe, dann würde eben tatsächlich ein Adverbiale vorliegen und kein Objekt. Das ist (leider) Interpretationssache.

Und ein Rechthaber will ich nicht sein!

Danke also an Gatty und Gernot für diese Anregung!

Bevor Gernot nicht nur auf hohem Niveau mit mir streitet, sondern mir einen eindeutigen Fehler nachweist, tue ichs doch lieber selber:

„vielbeachtet“: „viel“ ist natürlich kein Präfix, sondern Bestimmungselement eines Kompositums!

Ein schönes Restwochenende wünscht Euch Wolfgang

Matty heißt er! :smile:owT

Hallo, Gernot!

Da sitz ich schon wieder an der Maschine.

Ja, so ein Forum macht süchtig. Vielleicht gründe ich mal eine Selbsthilfegruppe mit angeschloseener Webseite nebst Forum, um die aus der Sucht entstehenden Probleme zu diskutieren…
…ne lieber doch nicht! :wink:

Früher hieß es „vielbeachtet“. Da hatte „viel“ nur
Präfixstatus. Die Katze beißt sich in den Schwanz, solange wir
keine eindeutigen, quasi mathematischen Kriterien für eine
Wortart besitzen, solange wir überhaupt zwischen Form und
Funktion unterscheiden müssen, solange es Linguistik gibt …

Wie etwas geschrieben wird, ob zusammen oder getrennt, ist für einen Linguisten wenig relevant. Der primäre Untersuchungsgegenstand ist ja die gesprochene Sprache, das Geschriebene nur abgeleitet.

Mein Magistervater brachte in einer seiner Vorlesungen zu Sprachwissenschaft mal ein Beispiel, das er in einem englischsprachigen Nachrichtenmagazin gefunden hatte und von dem er behauptete, es handele sich trotz der geschriebenen Leerzeichen in Wahrheit um ein englisches Kompositum:

„US naval navigation system acquisition cost estimates“

Aber wieder haben wir die Katze mit dem Schwanz. Ein Pronomen
kann Objekt sein, ein Adverb allein nicht.

Ja, deshalb halte ich die Testfrage, die Rolfus gestellt hat
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarticl…
auch bei diesem Satz für falsch: Man fragt hier bei der von mir unterstellten Steigerbarkeit des Satzes mit - mehr - am meisten weder „wie“ noch „was“ sondern zugegebenermaßen etwas tautologisch: „Wie viel lernt er?“ Antwort: „viel“!

Kann ich ein Adverb steigern?

Nicht, wenn es schon der Wortart nach ein Adverb ist, sondern nur dann, wenn es der Wortart nach ein Adjektiv ist, wobei dessen Gebrauch als Adverb auch in gesteigerten Formen meist nichts entgegensteht.

Es gibt aber auch als Gradadverbien benutzte Adjektive, wie etwa „voll“, die sich als solche plötzlich nicht mehr steigern lassen. Mein Magistervater gab mir auf meine Arbeit übrigens nur ein " voll gut (2+)" (so steht es auch in meinem Abschlusszeugnis). Das finde ich rückblickend " voll krass"; voller geht’s nicht!

Fazit: siehe oben - eindeutige Kriterien müssten her!

Ja, die unterschiedliche Verwendung des Begriffs Adverb je nachdem, ob als formaler oder funktionaler Begriff ist insbesondere für Lernende nicht hilfreich.

Gruß Gernot

Hallo nochmal!

Es gibt aber auch als Gradadverbien benutzte Adjektive

Ich habe gerade mal in meinem DUDEN-Herkunftswörterbuch (Kluge kann ich mir derzeit immer noch nicht leisten) nachgeschaut und gefunden, was ich fast bereits vermutete habe: viel und voll gehen beide auf dieselbe indogermanische Wurzel eine Verbs mit der Bedeutung füllen zurück, leiten sich also beide von dem Partizip gefüllt ab. Da wird also ein Verb in der Form des Partizips II zuerst zum Adjektiv und dann als (Grad)Adverb benutzt.

Voll verrückt!

http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=969264437&…

Gruß Gernot

Hallo Wolfgang + Gernot,

da hab ich mal wieder was verpasst! Aber Gernot hat schon VIEL :o) dazu gesagt, dem ich mich hier, der Einfachheit halber, anschließe… Vor allem der Steigerungstest ist, glaube ich, eindeutig.

Auch wenn die arme Katja sich schon lange aus der Diskussion verabschiedet hat, versuche trotzdem, noch mal die Aussage in meinem ursprünglichen Posting etwas deutlicher zu machen.

Formalgrammatisch kann ich Deiner Argumentation nicht wirklich
folgen, inhaltlich schon, nur lässt sich ihre Berechtigung
eben nicht anhand der üblichen Tests nachvollziehen.

Den Begriff der „Detransitivierung“ halte ich nicht für
sinnvoll. Ich muss kein einziges Verb transitiv verwenden,
wenn der Kontext für Klärung sorgt. „Wir verkaufen nicht, wir
verschenken.“

Was ich meinte, ist, dass man - morphologisch, syntaktische UND semantisch - zwei Interpretationen unterscheiden muss. Dabei gehe ich von der Prämisse aus, dass „lernen“, „kaufen“ etc. aufgrund ihrer morphosyntaktischen Definition im Lexikon transitive Verben sind, d.h. kategorialgrammatisch eine Objektstelle aufweisen. Dann wären die beiden Interpretationen von „sie lernt viel“:

  1. „viel“ (Indefinitpronomen = Adjektiv in pronominaler Funktion) / „vieles“ (nominalisiertes Adjektiv = Adjektiv in nominaler Funktion) sind vom kategorialgrammatischen Typ N und binden die Objektstelle des transitiven Verbs vom Typ (S/N)/N - und fertig ist der Lack.

  2. Tritt „viel“ in adverbialer (und zwar modaladverbialer) Funktion auf, ist es ein Ausdruck vom Typ (S/N)/(S/N), kann also nicht vom Verb als Objekt gebunden werden. Es tritt darüber hinaus auch kein anderer nominaler Ausdruck im Satz auf, der eine solche Stelle binden könnte. Demnach muss die ursprüngliche lexikalische Form des transitiven Verbs „lernen“ angepasst werden, indem die Objektstelle vor Einsetzung in den Satz getilgt wird --> dies ist, was ich mit Detransitivierung bezeichnet habe… so mal ganz halbformalgrammatisch ausgedrückt :o)

Dass „viel“ in dieser adverbialen Funktion auftreten kann, hat Gernot mit dem Steigerungstest gezeigt.

Umgekehrt kann ich „schlafen“ mit einem Objekt konstruieren:
„Er schläft den Schlaf des Gerechten“. Genauso ist eben
möglich: „Er schläft viel.“

Nein. „viel“ als Objekt geht hier nun wirklich nicht. Denn es geht auch nicht:

* „er schläft vieles / es / selbiges“
* „er schläft den Morgen“ (wenn „den Morgen“ in nominaler, nicht in adverbialer Funktion stehen soll)
etc.

Ich gehe davon aus, dass „schlafen“ aufgrund seines lexikalischen Eintrags intransitiv ist. Entsprechend müsste es - in entgegengesetzter Richtung zur Detransitivierung - auch eine nachträgliche Transitivierung geben, durch welche eine freie Objektstelle ans Verb gefügt wird. Dieser Effekt tritt bevorzugtermaßen in Redewendungen und poetischer Sprache auf. Der Effekt ist zwar produktiv, aber auch semantisch äußerst streng restringiert. So ganz ad hoc fallen mir ein:

„er blinzelt den nervösen Lidschlag des schauspielerisch Ungeübten“
„dass du mich liebst: dein Herz schlägt es mir“

Aber – wie gesagt – das geht nur unter bestimmten semantischen Voraussetzungen.

Ich bestehe nicht unbedingt auf der prädeterminierten Valenz der Verben. Von mir aus kann es auch zwei morphosyntaktische Definitionen für „lernen“ im Lexikon geben - eine transitive und eine intransitive. Oder man fügt die Objektstellen an das blanke Verb, wie man’s grad braucht. Das kommt alles letztlich aufs selbe raus. Am Ende muss nur die kompositionale Rechnung aufgehen.

Viele Grüße,
Mmmmmmmmmatty :o)

Hallo, Matty!

Deine Erläuterungen waren jetzt durchaus hilfreich für mich, insbesondere was Deine Verwendung der mir so nicht vertrauten Termninologie der Detransitivierung anbelangt. Persönlich würde ich dennoch nicht mit dem Begriff arbeiten, weder im Rahmen einer Valenztheorie noch bei der Vermittlung an Schüler oder erwachsene Deutschlerner.

Was das so harmlose Wörtchen „viel“ anbelangt, da habe ich in der Tat - nicht prinzipiell, aber doch teilweise - zu schnell geschossen!

Beste Grüße, Wolfgang

Hallo an alle,
die Katja ist noch da und verfolgt eifrig eure Eintragungen.
Danke für die anregende Diskussion. Ich dachte schon, ich bin die Einzige, die Zweifel an der Eindeutigkeit eines Gebrauchs von Wörtern wie „viel“ als Akkusativobjekt hat.

Andererseits habe ich natürlich gehofft, dass es eine eindeutige Entscheidung gibt, da ich gerade Corpora auswerte und versuche die Frequenz für ambitransitive Verben zu finden, wie oft sie ohne und wie oft sie mit Akkusativobjekt auftreten.
Ich habe ja dazu tendiert „viel“ in „Sie lernt viel“ als Adverb zu werten, aber da die Meinung sich bei euch doch nicht auf einem Punkt treffen, werde ich solche Sätze einfach aus der Wertung nehmen. Immerhin eine Entscheidung, die ich später auch begründen kann.
Danke euch,
Katja

Hallo, Katja!

Da ich zwar als Sprachenlehrer immer wieder so etwas wie Logik und Anwendbarkeit bei der Grammatik vermitteln muss - und dann wie hier auch mal an gewisse Grenzen stoße -, da ich aber andererseits die linguistischen Schulen nicht mehr so genau verfolge, würde mich interessieren, wo mit einem Begriff wie „ambitransitiv“ gearbeitet wird. Studierst Du Linguistik oder bist Du bereits Linguistin?

Besten Gruß, Wolfgang

Ja, ich bin noch germanistische Linguistik Studentin und arbeite gerade an meiner Magisterarbeit. Den Begriff „ambitransitiv“ hab ich in der englischsprachigen Literatur und auch irgendwo hier im Internet gefunden. Ob man das im Deutschen so nennt, bezweifle ich allerdins auch, da ich es in keiner Grammatik gefunden habe (bisher jedenfalls). Ich fand den Begriff nur sehr passend, weil er es meiner Meinung nach gleich auf den Punkt bringt.
Grüße Katja