Hallo Wolfgang + Gernot,
da hab ich mal wieder was verpasst! Aber Gernot hat schon VIEL :o) dazu gesagt, dem ich mich hier, der Einfachheit halber, anschließe… Vor allem der Steigerungstest ist, glaube ich, eindeutig.
Auch wenn die arme Katja sich schon lange aus der Diskussion verabschiedet hat, versuche trotzdem, noch mal die Aussage in meinem ursprünglichen Posting etwas deutlicher zu machen.
Formalgrammatisch kann ich Deiner Argumentation nicht wirklich
folgen, inhaltlich schon, nur lässt sich ihre Berechtigung
eben nicht anhand der üblichen Tests nachvollziehen.
Den Begriff der „Detransitivierung“ halte ich nicht für
sinnvoll. Ich muss kein einziges Verb transitiv verwenden,
wenn der Kontext für Klärung sorgt. „Wir verkaufen nicht, wir
verschenken.“
Was ich meinte, ist, dass man - morphologisch, syntaktische UND semantisch - zwei Interpretationen unterscheiden muss. Dabei gehe ich von der Prämisse aus, dass „lernen“, „kaufen“ etc. aufgrund ihrer morphosyntaktischen Definition im Lexikon transitive Verben sind, d.h. kategorialgrammatisch eine Objektstelle aufweisen. Dann wären die beiden Interpretationen von „sie lernt viel“:
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„viel“ (Indefinitpronomen = Adjektiv in pronominaler Funktion) / „vieles“ (nominalisiertes Adjektiv = Adjektiv in nominaler Funktion) sind vom kategorialgrammatischen Typ N und binden die Objektstelle des transitiven Verbs vom Typ (S/N)/N - und fertig ist der Lack.
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Tritt „viel“ in adverbialer (und zwar modaladverbialer) Funktion auf, ist es ein Ausdruck vom Typ (S/N)/(S/N), kann also nicht vom Verb als Objekt gebunden werden. Es tritt darüber hinaus auch kein anderer nominaler Ausdruck im Satz auf, der eine solche Stelle binden könnte. Demnach muss die ursprüngliche lexikalische Form des transitiven Verbs „lernen“ angepasst werden, indem die Objektstelle vor Einsetzung in den Satz getilgt wird --> dies ist, was ich mit Detransitivierung bezeichnet habe… so mal ganz halbformalgrammatisch ausgedrückt :o)
Dass „viel“ in dieser adverbialen Funktion auftreten kann, hat Gernot mit dem Steigerungstest gezeigt.
Umgekehrt kann ich „schlafen“ mit einem Objekt konstruieren:
„Er schläft den Schlaf des Gerechten“. Genauso ist eben
möglich: „Er schläft viel.“
Nein. „viel“ als Objekt geht hier nun wirklich nicht. Denn es geht auch nicht:
* „er schläft vieles / es / selbiges“
* „er schläft den Morgen“ (wenn „den Morgen“ in nominaler, nicht in adverbialer Funktion stehen soll)
etc.
Ich gehe davon aus, dass „schlafen“ aufgrund seines lexikalischen Eintrags intransitiv ist. Entsprechend müsste es - in entgegengesetzter Richtung zur Detransitivierung - auch eine nachträgliche Transitivierung geben, durch welche eine freie Objektstelle ans Verb gefügt wird. Dieser Effekt tritt bevorzugtermaßen in Redewendungen und poetischer Sprache auf. Der Effekt ist zwar produktiv, aber auch semantisch äußerst streng restringiert. So ganz ad hoc fallen mir ein:
„er blinzelt den nervösen Lidschlag des schauspielerisch Ungeübten“
„dass du mich liebst: dein Herz schlägt es mir“
Aber – wie gesagt – das geht nur unter bestimmten semantischen Voraussetzungen.
Ich bestehe nicht unbedingt auf der prädeterminierten Valenz der Verben. Von mir aus kann es auch zwei morphosyntaktische Definitionen für „lernen“ im Lexikon geben - eine transitive und eine intransitive. Oder man fügt die Objektstellen an das blanke Verb, wie man’s grad braucht. Das kommt alles letztlich aufs selbe raus. Am Ende muss nur die kompositionale Rechnung aufgehen.
Viele Grüße,
Mmmmmmmmmatty :o)