Nur 62% der Kosten?

Hallo

Als ich letztens beim Hausarzt war, sah ich dort ein „Werbeplakat“ auf dem Stand in etwa „Wußten Sie schon: Ihre gesetzliche Krankenkasse übernimmt nur 62% der Kosten - Wir behandeln Sie trotzdem“

Irgendwie verwirrt mich das. Wenn also mein Arzt mich behandelt und der Krankenkasse meldet „Patient X behandelt, 100 Euro Kosten“, dann sagt die Krankenkasse „Tja, dann bekommen Sie nur 62 Euro, den Rest müssen Sie aus eigener Tasche bezahlen“???

Ich meine… Welchen Grund gäbe es dann noch überhaupt Arzt zu werden, wenn der alles selber bezahlen muß - und wovon, wenn er ja Streng genommen nicht mal etwas einnimmt?

Bekommt mein Arzt weniger Geld als ich mit meinen 800 Euro im Monat?

Vielen Dank

Gruß
Taki

Google doch mal nach Budget und GKV, damit wird sicher schon vieles deutlich.
Warum Ärzte trotzdem arbeiten? Weil es auch Privatpatienten gibt, die vielen Ärzten wirtschaftlich das Überleben sichern.
Außerdem ist das unselige Budget ein Grund dafür, dass Ärzte immer mehr IGeL (Individuelle Gesundheitsleistungen - vom Patienten selbst zu zahlen) anbieten (müssen), um überhaupt ihr Personal, Geräte usw. zahlen und halbwegs wirtschaftlich arbeiten zu können.
Das Ganze ist ein unerschöpfliches Thema - nur schade, dass viele GKV-Patienten darüber so wenig Bescheid wissen und die Schuld für die immer schlechter werdende Versorgung allein bei den Ärzten suchen.
Gruß florestino

hallo,
schön, dass das Thema „reiche und raffgierige Ärzte“ in diesem Forum mal angesprochen wird.
Zur Erklärung: ich bin Hausarzt in Bayern. Ich bekomme von den Krankenkassen ca. EUR 39,- pro Patient pro Quartal, nicht netto oder brutto, sondern Umsatz; d.h. 13,- EUR pro Monat. Davon gehen ca. die Hälfte für Gehälter und Miete etc. drauf, die restlichen 7,- EUR muss ich versteuern. Es bleiben also ca. 4,00 EUR netto Verdienst pro Monat pro Patient, macht 4000,- EUR netto pro Monat bei 1000 Patienten.
Bei einer Arbeitszeit von ca. 50 Stunden pro Woche (rund 200 Stunden pro Monat) bleibt mir ein Netto-Stundenlohn von 20,- Euronen; und wenn der Kollege 38% Unterdeckung angibt, berechnet er/sie seinen Stundenlohn mit ungefähr 30 EUR netto, wovon ihm/ihr die kranken Kassen lediglich 20,- EUR zahlen.
Er/sie ist sehr bescheiden, denn eigentlich sollte man bei der langen Ausbildung und der Verantwortung einen Stundenlohn von EUR 200,- schon verlangen können; ähnlich wie ein Rechtsanwalt…
denkt synapse

Dann gibt es ja keinen großen Anreiz Arzt zu werden, oder?

Ich meine, wenn ich so ein langes Studium über mich ergehen lassen muß, und dann noch so viele Überstunden mache, dann hätte man doch eigentlich genauso gut irgendeinen kleinen Beruf lernen können, wo man dann wenigstens geregelte Arbeitszeiten hat…

Ich versteh das nicht. Warum erlernt man denn einen Beruf, von dem man weiß, das man hinterher quasi rund um die Uhr arbeiten muß (möglicherweise noch mit Bereitschaftsdienst) und dann nicht mal gerecht dafür bezahlt wird. Schlimmer ist das ja noch im Krankenhaus, denke ich. Dort muß man ja teilweise „Tagelang arbeiten“.

Also da wäre für mich jetzt irgendwie kein Anreiz diesen Beruf zu lernen. Gibts überhaupt noch „Nachwuchs“?

Wobei 4000 Netto… Habe ich das richtig verstanden? Ist ja auch kein schlechter verdienst. Ich persönlich arbeite im Paket-Dienst. Dort arbeite ich zwar deutlich weniger Stunden, aber trage jeden Tag(!) um die 2 Tonnen(!) Pakete. Das macht im Monat bei 21 Tagen immerhin 42 Tonnen Gewicht, die mit der Hand zu tragen sind (natürlich nicht auf einmal, aber bis zu 70 kg (siebzig) sind da möglich), 25 kg noch normal. Und dafür bekomme ich Nett um die 800 Euro.
Vielleicht hätte ich doch studieren können. Wobei man als Arzt ja auch nicht 1000 Patienten machen muß, sondern auch 500 oder 250. Also 11 Pro Tag. Da hätte man ab Mittags frei und hätte immer noch mehr Geld auf dem Konto als ich :smile:

Gruß
Taki

P.S.: Der Text hört sich möglicherweise Sarkastisch an, soll es aber NICHT(!!!) sein. Ich verstehe das wirklich nicht, wieso das so ist. In meinen Augen sollte ein Arzt auf Grund seiner Ausbildung und seiner Wichtigkeit schon gerecht entlohnt werden, vor allen Dingen, bei den Millionen-Überschüsse der KK

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