Nur eine kleine langweilige Geschichte

Liebe Leute,

ich darf die Geschichte in der Ich-Form erzählen, weil ich keine Rechtsberatung suche…

Auf einem Supermarktplatz begab es sich vor einigen Monaten, dass ein Mann, als ich gerade beim Ausparken war, mit seinem Auto in recht hoher Geschwindigkeit auf meines zufuhr. Und zwar rückwärts, der gute Mann parkte nämlich selbst aus. Er sah offenbar nicht, dass er drauf und dran war, mich zu rammen, und erst nach dem zweiten oder dritten Hupen hat er es dann geschnallt. Da war es schon zu spät. Wir stiegen also beide aus und begutachteten den Schaden, der nur aus ein paar Schrammen bestand.

Da mein Auto schon alt und an einer Stelle unweit der Kratzer schon verbeult ist, habe ich sofort erklärt, dass die Sache quasi gegessen ist. Auf die paar Schrammen kommt es bei der Kiste einfach nicht mehr an. Der Typ aber reagierte aus mir unerklärlichen Gründen trotzdem recht aggressiv und beeilte sich zu erklären, dass ja eh kein Schaden entstanden sei, denn die Beule sei doch wohl schon vorher gewesen. Ich bestätigte dies, wies ihn aber auf die Kratzer hin, die nun mal von ihm waren…

Er blieb ziemlich aufgebraucht. Was genau im Wortgefecht dann gesagt wurde, weiß ich nicht mehr, jedenfalls blieb ich betont sachlich. Da er mich die ganze geduzt hatte und er mir irgendwie zu unfreundlich war, als dass ich das gewollt hätte, habe ich mir das dann verbeten; als er weitermachte, drohte ich ihm mit einer Anzeige, und als er dann noch weitermachte…

Es ist so: Ich habe Strafantrag gestellt, weil ich ihn ein bisschen „schocken“ wollte. Als kleinen Denkzettel sozusagen. Damit war die Sache für mich gegessen. Nun habe ich eine Ladung vom Gericht erhalten: Ich soll in der Sache wegen Beleidigung als Zeuge aussagen.

Warum ich das schreibe? Weil ich doch ziemlich baff bin, dass die Staatsanwaltschaft in so einer Sache wirklich Anklage erhoben hat. Als ich damals einen Einbruchsdiebstahl angezeigt und auch wertvolle Hinweise geliefert habe, wurde das Verfahren ziemlich schnell eingestellt. Und nun eine Beleidigung, und plumps, der Typ sitzt auf der Anklagebank. Na, und weil ich so baff bin, wollte ich mich einfach nur mal artikulieren.

Danke fürs Zuhören :wink:

Levay

Hallo,
vielleicht darf ich mich da kurz anschliessen: als ein netter Zeitgenosse mir mein Cabriolet zwecks Autoradio-Besitzumverteilung aufgeschlitzt hatte, kam so gut wie nix dabei rum (ausser, dass ich feststellen musste, wie gut ich bei meiner Versicherung aus Coburg aufgehoben war). Als mir auf der Autobahn mal jemand in die Spur zog und sich hinterher mit einem augestreckten Mittelfinger entschuldigte, lief es ähnlich, wie bei Dir. Meine Freundin, welche dabei gewesen war, ohne jedoch die beleidigende Geste gesehen zu haben, wurde ebenfalls geladen und war im Übrigen schon beim Betreten des Gerichts relativ angefressen, weil eine Beamte ihre Handtasche peinlichst gefilzt hatte.
Es endete mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung von etwa 500 Euro. Die Pointe kam, als die Vorstrafen des netten Zeitgenossen verlesen wurden: ‚fahrlässige Tötung und Fahrerunfallflucht‘, na vielen Dank…
Im Nachhinein überrascht es natürlich nicht, dass jemand, der sich derartig verhält, schon mal auffällig geworden ist…

Anyway, Augen zu und durch…

Greetz, Bommel

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Jo. Abegsehen davon, dass ich mich jetzt schon ein bisschen KOMISCH fühle, habe ich ja nix zu verlieren. ICH sitze ja nicht auf der Anklagebank.

Hm… Einstellung gegen 500 Euro… das ist verdammt viel Geld. Es ist faktisch gesehen, wenn auch nicht rechtlich gesehen eine ziemlich harte Strafe für einen Mittelfinger in falscher Position. Aber das ist ja auch noch gröber als dieses duzen, was ich allerdings - in diesem Zusammenhang - auch schon reichlich frech fand.

Trotzdem habe ich fest damit gerechnet, dass das Verfahren schnell eingestellt wird.

Levay

Das ersetzt voll und ganz die Weihnachtsgeschichte.

Ich vermute mal, er sollte sich bei der Polizei darüber äußern und hat sich entsprechend aufgeführt.

Manchmal triffts eben doch die richtigen.

Gruß

Peter

ey,

ach wat und du bist der ar*** dem ick rinngefahren bin. na dankeschön, kleene schramme im alten karren und jetzt muss ich vorn kadi. meine frau und die kinder finden dit ja nicht schön, sitz ick vielleicht im knast. diese korupten bu***** und richter verknacken mir bestimmt für een jahr, wegen diese lapalje. so eine unjerechtigkeit sag ick dir. wenn ick dich zwischen die pfoten bekommen tue, pass uff du… ick hab schon son hals ey.

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*lol* natuerlich war ich nicht der stuntdriver, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. liegt wohl auch an der wahrscheinlichkeit, das was „bei rum kommt“. beleidigungen sind schnell „abgearbeitet“, wenn der einzige zeuge glaubhaft ist und der richter der rechten überzeugung ist. da freut sich der StA, mal wieder ein „überführt&verknackt“ abzuhaken. sonst hat er immer „besonders schweren diebstahl aus pkw gegen unbekannt“ und verbucht es als „eingestellt“, weil er keinen täter finden kann. wie auch?

nebenbei: habe vor 2-3 wochen eine anzeige wegen betrugs im besonders schweren fall bei einer StA eingereicht. massenabzocke über die telefonrechnung. telekom hat es gleich storniert und dann gingen mir diese „inkasso“ büros nicht mehr vom leim. meinten wohl, ich muss zahlen, immerhin hat Fa. xyz ihnen die forderung übertragen. als ich dann sagte, wo keine forderung war, da kann auch nichts abgetreten werden, beeindruckte sie nicht. nochmals dumme briefe. nach recherche im netz, war das wohl eine massenaktion gegen zig-tausende nutzer… tja, seitdem die StA davon weiss, meldet sich das inkasso-büro jedenfalls nicht mehr…

ab und an muss man eben „durchgreifen“.

schönen 3. advent noch und gruss vom

showbee

hi,
also mich wundert es ehrlich gesagt, wie Du auf die Idee gekommen bist einen Strafantrag wegen so einer Kleinigkeit zu stellen nur um jemandem eins auszuwischen.
Immerhin haben die Gerichte doch eigentlich schon genug zu tun, selbst wenn Du dachtest das würde schnell wieder eingestellt.
Naja, ich habe da ohnehin eine ganz besondere Ansicht zu Beleidigungsdelikten im Allgemeinen.
Gute Nacht
schneehase

Moin, Levay,

ich vermute, dass auch Juristen erfolggsorientiert arbeiten. Bei dem Einbruch ist die Chance auf einen krönenden Abschluss wesentlich geringer als bei einer Beleidigungsklage.

Gruß Ralf

Moin,

Es ist so: Ich habe Strafantrag gestellt, weil ich ihn ein
bisschen „schocken“ wollte.

so ist das, andere werden angemacht, weil sie solche Sachen direkt und selber regeln (du erinnerst dich?) und andere bemühen nur so aus Spass die eh schon überforderten Staatsorgane.

Kommt nicht von dir der Spruch, das es doch tatsächlich Leute gibt, die wegen jedem Sch… vor Gericht rennen?

Gruß
Rocco

so ist das, andere werden angemacht, weil sie solche Sachen
direkt und selber regeln (du erinnerst dich?) und andere
bemühen nur so aus Spass die eh schon überforderten
Staatsorgane.

Nöööööö. Von „aus Spaß“ kann hier keine Rede sein. Erstens. Und zweitens: Wenn du die Geschichte aufmerksam gelesen hättest, hättest du verstanden, dass ich von Anfang an darauf aus war, die Sache selbst zu regeln und zwar sogar unter Verzicht auf meine Ansprüche, die ich ohne jeden Zweifel hatte. Ich hätte von dem Typ auch Geld für die Schrammen verlangen und das Geld dann ins Sparschwein werfen können.

Kommt nicht von dir der Spruch, das es doch tatsächlich Leute
gibt, die wegen jedem Sch… vor Gericht rennen?

Ich bin nun mal leider als Zeuge (!) geladen unds *muss* vor Gericht erscheinen. Ich bin nicht Privatkläger und auch nicht Kläger eines Zivilgerichtes.

Und noch mal: Wenn du die Geschichte noch mal liest, wirst du feststellen, dass ich in der Tat versucht habe, die Sache so zu regeln. Und zwar recht großzügig.

Wenn ich dir also einmal vorgeworfen haben sollte, du würdest zu schnell zu einem Anwalt rennen, habe ich davon an dieser Stelle nichts zurückzunehmen.

Levay

Hallo!

Warum ich das schreibe? Weil ich doch ziemlich baff bin, dass
die Staatsanwaltschaft in so einer Sache wirklich Anklage
erhoben hat. Als ich damals einen Einbruchsdiebstahl angezeigt
und auch wertvolle Hinweise geliefert habe, wurde das
Verfahren ziemlich schnell eingestellt.

Das liegt vielleicht ganz einfach daran, dass die Beweislage in dem jetzigen Fall viel eindeutiger scheint.

Gruß
Tom

Hallo Levay,

manchmal liegt so was daran, dass der Beschuldigte bei Polizei und Staatsanwaltschaft hinreichend bekannt ist und die nur darauf warten, ihm mal was nachweisen zu können, auch wenn es nur eine Beleidigung ist.

Ich habe mal vor ewigen Zeiten einen Autofahrer angezeigt. Ich stand an einem Fußgängerüberweg, um einen Fußgänger von rechts nach links über die Straße zu lassen, und der Fahrer überholte mich mit hoher Geschwindigkeit und fuhr dem Fußgänger fast über die Zehen.

Ich hatte zwar damit gerechnet, dass das in der Tat eine ordentliche Strafe gibt, aber die Polizei hat mich und meinen Beifahrer kurz nach dem Vorfall bereits mit Fotos konfrontiert, und nachdem wir den Fahrer eindeutig identifiziert hatten, haben sie ihm sofort, also noch vor der Verhandlung erstmal den Lappen abgenommen.

Die haben mit einer solchen Inbrunst ermittelt, dass ich mich sehr wunderte, und aus irgendeiner Bemerkung („Endlich …“) ging dann hervor, dass die den gut kannten und auf so etwas schon lange gewartet hatten.

Grüße
Sebastian