Erzähle das einerm auf dem Dorf. Soll der fliegen statt
fahren? Hier gibts tatsächlich Orte ohne Markt.
Nun, aber man wird ja wohl irgendwo sein Brot / Wurst /
Getränke etc. einkaufen. In einem solchen Markt wird es
meistens auch Papierwaren geben. Man fährt also nicht extra
(!) wegen den Papierwaren herum.
Man braucht aber ein ganz kleinwenig mehr Aufwand dafür. Dieser subsummiert sich aber häufig dramatisch! Manchmal geht das Papier auch aus, ohne dass man was anderes kaufen will.
Abgesehen davon wird es nicht allzuweit zu einem Ort mit Markt
sein. Ich komme ursprünglich vom Land (500 Einwohner) - bis
zum nächsten Supermarkt (Rewe) waren es 2 KM. Also nichts
wofür man einen PKW oder geschweige denn ÖPNV (fährt dort erst
gar nicht) zwingend gebraucht hätte.
Vergiß es. Zwei Orte weiter von hier sind es in jede Richtung locker 5km. Ist hier nicht unüblich.
Handy vergessen? Wer ist heute noch per
Normalanschluß zu erreichen?
Leute, die es sich nicht leisten können oder wollen. Naja,
wohl eher nur die, die es sich nicht leisten wollen.
Weißt Du, ich habe auch lange genug ohne allzu hohes Einkommen
gelebt. Aber wenn ich kein Geld auf der Naht habe, dann halte
ich mir doch nicht zwei Telefone. Genausowenig würde _ich_
(wie gesagt: das mag jeder halten wie er will) mir im
Hartz4-Fall auch kein Auto leisten sondern auf Fahrrad oder
Moped umsteigen.
Wieso ZWEI Telefone? Ich kenne Leute, die kommen mit einem O2 statt Festnetz sehr gut zurecht.
Mit 38, jetzt, hätte ich auch keine Probleme, mit dem Fahrrad zu fahren. Aber wenn man älter ist, geht das nur bedingter. Es lässt sich nicht so viel wegschleppen, auf einiges muß verzichtet werden.
Aber das ist genau das, was ich ein paar Postings weiter oben
gemeint habe. Jeder hat da seine unterschiedlichen
Prioritäten. Was dem einen die Zigarette ist dem anderen das
Handy. Und der dritte wird seine Ausgaben auf absolute
Grundbedürfnisse (Wohnen+Essen) beschränken und erst dann
sehen, was übrig ist.
Ist halt Ansichtssache: Entweder verteile ich mein Einkommen
auf irgendwelche vermeintlich notwendige Fixkosten und lebe
(esse) vom Rest. Oder ich mach’ es umgekehrt.
Ich wette, dass du noch recht jung bist, stimmts? Als älterer kommst du mal in diese Situation, da stehen auf einmal die Kosten, die du dir gestern noch leisten konntest und heute nicht unbedingt drauf verzichten willst. Gestern gabs noch DSL, Zeitung jeden morgen, … Und was les ich heute zum Kaffee?? Auch das ist Kultur.
Und verschone mich mit einer „Affen im Zoo“-Polemik. Das hilft
Dir keinen Meter weiter. Letztlich hat man im Sozialfall
(Hartz4) ein Dach über dem Kopf, was zu Essen und geringe
Geldmittel für Grundbedürfnisse an Kleidung, Kultur etc.
Nichts anderes kann Sinn einer Sozialleistung sein - sonst
gibt es keinen Anzeiz mehr, selbst für seinen (höheren)
Lebensstandard aufzukommen.
Nun sind wir aber bei der Unverschämtheit, Arbeitslose, die länger als ein Jahr vergeblich nach einem Job rumrennen, mit Stützeempfängern gleichzusetzen, weil der Staat mit der Ökonomie nicht klarkommt. Arbeitslose sind aber KEINE Hilfebedürftigen sondern Ausgegrenzte!!!
Hier werden, auch von den Medien, Argumente für Stützeempfänger ins Spiel gebracht, die für arbeitswillige eigentlich nur noch eine Frechheit sind.
Zu den Affen: ich hätte auch Robben oder Tiger oder Hühner im Käfig nehmen können.
Auch etwas Kultur gehört für mich zu den Grundbedürfnissen.
Welche konkreten Vorstellungen von Kultur hast Du? Auf dem
Dorf sind die Angebot ja ohnehin etwas eingeschränkt 
Allgemeine. Sich ne Zeitung leisten zu können. Sich ein, zweimal im Monat zum Kegelabend zu treffen, der sicher auch 5-10 Euro kostet, Mal abends in die Kneipe zum quatschen statt frentzusehen, seinem Sport nachgehen im Waldbad oder ins Kino. Halt alles, was den Mensch zum Menschen macht - seine Kultur.
Lesen
und Musik fallen nicht geldmäßig nicht weiter ins Gewicht
(öffentliche Bibliothek / GEZ schon genannt).
Wo gibts noch ne öffentliche Bibliothek? Die bücher heutzutage sind ne Katastrophe. Musik mache ich seber - kostet auch im Vorfeld einiges an Geld.
Kino oder
Theater - nun ja, in gewissen Zeitabständen wird das möglich
sein. Außer natürlich man leistet sich statt dessen zwei
Telefone (was OK ist, nur darf man sich dann halt nicht
beschweren, wenn das Geld für’s Kino fehlt).
Du scheinst nicht zu begreifen, worauf ich hinaus will: was soll diese Ausgrenzerei? Egal, wohin du gehst, es wird fröhlich abgezockt.
Mach dir auch mal den Spass, und schreibe mir detailliert auf, was du dir im Monat für 1100 Euro leistest. Soviel hatte ich in Ostmark und werde mal die Preise dahinterschreiben. Vielleicht wird dann ersichtlich, wieviel Lebensqualität viele hier eingebüßt haben. Diese Ausgegrenztheit hier betrachte ich als Freiheitsberaubung. Und mit 1200 Euro netto zu arbeiten ist fast schon Strafvollzug im offenem Arbeitslager. Davon kannst du heute gerademal deine Arbeitskraft reproduzieren.
Gruß
Frank