Nur mal so zur Diskussion

… mit freundlicher Erlaubnis des Autors Herrn Thomas Grether:

Die Veranstalterreise ist ihr Geld wert. Das wissen die Mitarbeiter in den Reisebüros. Aber nicht die Verbraucher. Immer mehr greift der Irrglaube um sich, Reisen seien Billigartikel. In diesem Zusammenhang avancieren gewisse Themen zu Dauerberennern, die sich im Urlauber-Gedächtnis als Wahrheiten einprägen. Wahrheiten, die keine sind. Das ist gefährlich für den Tourismus.

Erste Mär:
Nur Dumme buchen ihren Sommerurlaub Monate im Voraus. Der
Clevere kauft nichts anderes als Last Minute.

Untersuchungen von Verbraucherschützern wie der Stiftung Warentest haben ergeben, dass der überwiegende Teil der so genannten Last-Minute-Reisen gar nicht billiger ist als der ursprüngliche Katalogpreis. Und bei den Angeboten, die wirklich wesentlich niedriger als der einst publizierte Euro-Betrag sind, verhält es sich ähnlich wie bei der Ware auf dem Wühltisch im Kaufhaus: die Qualität ist mau, man muss nehmen, was übrig bleibt. Zwar versuchen die Veranstalter diesem Last-Minute-Trend entgegen zu wirken und räumen im Sommer alle ordentliche Frühbucher-Rabatte ein. Aber das Gros der Endverbraucher denkt, kurz vorm Urlaub gebe es das Gleiche noch viel billiger. Das erweist sich meist als falsch.

zweiter Irrtum: Weil Fliegen durch die Low-Cost Carrier offenbar
immer billiger wird, muss auch die Veranstalterreise
immer billiger werden.

Sicherlich gibt es das eine oder andere Schnäppchen. Aber wer nicht gerade in völlig nachfrageschwachen Wochen urlauben will, zahlt den Preis eines Charterflugs. Wenn er überhaupt mit den Aldis der Lüfte dorthin kommt, wohin er will.

Dritte Mär: In den vergangenen Jahren haben die Veranstalter
riesige Renditen erwirtschaftet. Deswegen können sie sich es
jetzt leisten, die Preise weiter zu senken. Das sieht man ja
an den Preisschlachten, die sie jetzt führen.

Jeder, der sich mit Preisgestaltung auskennt, weiß, dass im unteren Preissegment immer noch ein bisschen Luft ist. Da werden Hoteliers gedrückt, die sich angesichts der Marktmacht der Veranstalter beugen müssen. Doch irgendwo her muss auch deren Geld kommen; im Zweifel vom Gast. Weil der beispielsweise bei Getränken kräftig zur Kasse gebeten wird. Dann folgt das unschöne Erwachen aus dem Preis-Traum am Urlaubsort. Aber nicht nur Verbraucher haben das Nachsehen. Sondern auch Agenturen oder Veranstalter.

Denn diese drei Irrtümer schädigen nachhaltig den Ruf der Veranstalterreise. Aber sie werden immer wieder gerne von der Publikumspresse verbreitet, die für auflagenfördernde Schlagzeilen gerne dem „Geiz ist Geil“-Zeitalter das Wort redet. Ohne die wirtschaftlichen Zusammenhänge differenziert darzustellen. Auf der einen Seite nehmen die Preisschlachten der Low-Budget-Marken die Marge der Pauschalreise in die Zange. Und von der anderen Seite drückt das Image der Billig-Airlines auf die Preise der Flugpauschalreise für die Familie.

Warum das alles auch für Reisebüros wichtig ist? Weil mehr als je zuvor jetzt Aufklärungsarbeit am Counter geleistet werden muss. WEr will, hat die Zeit, den Kunden gut zu beraten. Und dazu gehört auch, ihn vor vermeintlichen Schnäppchen zu bewahren, die das Image der Branche schädigen können. Und damit das Geschäft im Reisebüro zerstören.

TM Touristik Management Heft 1 Januar 2003

Hallo Rofl,

klingt, als könnte es von mir stammen. Nun bin ich überhaupt kein Pauschalreisender (habe seit Kinderzeiten mit meinen Eltern nur individuelle Reisen gemacht, wobei ich mir auch da für die ein oder andere Frage immer gerne den Rat eines Reisebüros geholt und dann ggf. auch dort gebucht habe), aber vor der Kehrseite der gefallenen Rabattgesetzes und der Zugabenverordnung sowie die jetzt angekündigte „Bereinigung“ des Wettbewerbsrechts habe ich auch hier schon lange vor den entsprechenden Änderungen oft genug gewarnt. Eine gewisse Leistung / ein gewisses Produkt hat einen Preis, der in einer mehr oder weniger freien Marktwirtschaft vom Markt gemacht wird. Das ist BWL/VWL für Anfänger. Und trotzdem gibt es (auch getrieben von der Werbung) eine immer größer werdende Zahl von Leuten, für die dies natürlich nicht gilt und die fest davon überzeugt sind, sie kämen grundsätzlich billiger weg oder müssten billiger wegkommen. Klar, im Einzelfall kann man natürlich immer mal ein Schnäppchen machen, aber ganz allgemein auf mein monatliches Budget gesprochen ist dies zu einem hohen Prozentsatz Selbstbetrug. Und dieser wird jetzt auch noch massiv dadurch gefördert, dass jegliche Preistransparenz verloren geht/gegangen ist. Wusste ich früher noch, dass eine Ware bei X Anbietern X miteinander vergleichbare Preise hatte, und konnte ich danach einen Anbieter auswählen, gibt es jetzt schon keine vergleichbare Ware mehr, weil jeder etwas dazupackt, Mengenrabatt oder Kuindenbonussystem hat, oder weil man mir erzählt, dass ein bestimmter Preis nur zu einer bestimmten Zeit gilt. Und fast alle fallen darauf herein. Wird Zeit, dass es mal eine PISA-Studie zum gesunden Menschenverstand gibt!

Gruß vom Wiz

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danke für den Artikel, Rolf!

ich bin auch immer erstaunt, wenn man von Leuten so hört (beliebt in irgendwelchen Boulevard-Sendungen), was im Hotel und bei der Reise alles so schrecklich war - und der Reisende ist ja nur der Leidende.

aber ehrlich, wenn man eine absolute Low-Cost-Reise will, dann kann man halt nicht mehr erwarten, als Massenabfertigung. wenn man sich überlegt, dass es schon für wenige 100 Euros 14-tägige Reisen gibt, wo schon fast die Spritkosten des Fliegers mehr ausmachen…

aber das meiste kann ich doch auch vorher erkennen. wenn man so einen Katalog einfach mal richtig liest, dann erkennt man auch die Stolperfallen. und wer das nicht kann, tja der sollte sich vielleicht doch im Reisebüro beraten lassen. jedenfalls sind wir damit immer gut gefahren! man sollte halt versuchen, einen Mittelweg zu gehen. also ich würde lieber einmal weniger verreisen, dafür aber richtig. sonst ist die ganze Erholung ja auch hin!

just my 0,02€

Queedin

>Wer billig will bekommt billig

Hi,

ich unterschreib jedes Wort:

You get, what you pay for!

Ich kenn mich wirklich aus - und hab letztes Jahr für 2 Wochen Ägypten, bei wirklich relativ flexibler Urlaubszeit, und eingehender Marktbeobachtung immer noch 850 Euro bezahlt - aber dafür den perfekten Urlaub gehabt.

Andere Hotels waren sicher billiger… und dann les ich Reiseberichte… grusel…aber billig wars.

Und der Gipfel ist einfach Gratistours (obwohl wohl etliche recht zufrieden waren - nur es ist halt definitv nicht gratis… und im Endeffekt oft genauso teuer wie normal gebaucht, aber dieses Wunderwort: GRATIS)

Nein, ich mach mir vorher Gedanken, was ich will, vergleiche und bin auch bereit Geld auszugeben. Und ich war nachher noch nie unzufrieden - bzw. wenn, dann hatte ich Grund zur Beschwerde und mache das auch - und bekomme auch eigentlich Recht dabei…

Grüße

Wendy

Hallo Rolf,

ich sehe derzeit zwei Gruppen von Urlaub-Suchenden:

Die eine, die weiß, dass der Preis nicht alles beim Urlaub ist und auch wert auf Erfahrung, Beratung und Zuverlässigkeit legt. Ja auch sagt, bevor da lang gesurft wird, geh ich doch in ein Reisebüro.

Die andere - und diese Spezies wird nie aussterben - sehen in Reisebüros nur Mittler, die die Sache ja teurer machen MÜSSEN (welch Irrglaube doch auf der Welt herum geistert…) und die nur an ihnen verdienen wollen. Daher ist Selbstgemacht die einzig glückbringende Alternative.

Ich glaube, dass die Gruppe Nr. 2 nie ein Reisebüro-Kunde war und es auch nie wird. Ich habe vielmehr die Erfahrung mit einem Grinsen im Gesicht gemacht. Ryanair ab Salzburg nach London. Guut schöön biiiillig - für mich nie ein Problem, weil ich sie für Kunden NICHT buche. Jedem sage ich, er muss es selbst im Internet machen. Und wenn er dann meint, ich soll da Service bieten - gerne, kostet Euro 10.-- - ne ne meint er dann, da macht er es selbst im Internet.

Quintessenz: Aufklärung - richtig, sich trauen, seiner Dienstleistung einen Preis zu geben! noch richtiger! Eine Stunde Computer-Heini Euro 150.-- - hier in Salzburg! Und was macht der Knabe? Fachwissen weitergeben…

Euch allen einen schönen Tag und herzliche Grüße aus einem winterlich verschneiten Salzburg (nächste Woche geh’ ich Pferdeschlittenfahren mit 40 Damen … Senioren-Ausflug…)

Peter / mosaik

Hi Peter,

Und wenn er dann meint, ich soll da
Service bieten - gerne, kostet Euro 10.-- - ne ne meint er
dann, da macht er es selbst im Internet.

So billig? *g* Ich nehm € 20,-- :smile:

Bye
Rolf