Nur negative Gedanken

Hallo liebe Experten und auch Nichtexperten…

in meiner Familie gibt es eine Person, die sich in letzter Zeit ganz arg verändert hat. Einen konkreten Auslöser kenne ich nicht, kennt auch niemand anderes.
Die Person (männlich, 56 Jahre) hat nur noch negative Gedanken. Jedes Essen, jedes Gespräch wird zum „Nervfaktor“. Er redet nur noch Dinge wie „wer weiß, wie lange ich mir das noch leisten kann“, oder „wer weiß, wie lange wir uns das noch leisten können“, das Wort „teuer“ ist sein bester Freund und zugleich ärgster Feind. Alles dreht sich um Geld und „wie lange man sichd as noch leisten kann“. Dabei gibt es keinen Grund für Existenzangst! Finanziell sind sie versorgt, Arbeit vorhanden, auch kein Arbeitsplatzverlust in Sicht. Es artet langsam aus und am Sonntag gab es einen Vorfall… ich habe es einfach nicht mehr ausgehalten, wieder zu hören „Wer weiß wie lange…“ und habe ihn konkret angesprochen, wovor er Angst hat! Habe erklärt, dass es jeden nervt das ständige Gejammere… und wollte vorsichtig vorschlagen, mal zum Arzt zu gehen. Tja, ich wurde maßlos angeschrien. Ich weiß, dass mein Verhalten vielleicht falsch war, aber ich seh keine andere Lösung mehr. „Normal“ finde ich sein Verhalten schon lange nicht mehr. Eigentlich leidet die gesamte Familie darunter, weil es schlicht und ergreifend keiner mehr hören kann.Schlimm ist es auch, dass er das alles überall und jedem erzählt, die Leute schütteln schon den Kopf und fragen, was mit ihm los ist, einige machen sich auch lustig… und ich habe den Eindruck, er selbst merkt das alles nicht. Es ist wirklich schlimm, für ihn und für die Familie. Was können wir tun? Wir wollen ihm ja irgendwie helfen, aber wie? Er ist so uneinsichtig…ach Mensch. Irgendwie empfindet er auch keine Lebensfreude mehr, er geht nie weg, nur Arbeit und dann nach Hause und dann „jammern“. Tag für Tag. Bei jeder Mahlzeit. Zwischendurch. Er verrichtet zu Hause auch nur noch die notwendigsten Tätigkeiten und das auch nur mit viel Gejammere, wie schwer alles ist. Am liebsten ist ihm, wenn seine Frau seine Tätigkeiten noch mit übernimmt. Was sie oft macht, um seinem Gejammere zu entgehen. Ein Teufelskreis. Ach…da wäre noch sehr viel, was sich verändert hat… Was sollen/ können wir tun?

Fragende Grüße
Conny

Hallo Conny,

ich bin kein Psychologe, aber aus diversen eigenen (Groß-)Familienproblemen habe ich gelernt, dass miteinander REDEN der beste Weg ist, um das Problem zu erkennen und evtl. zu lösen.

Ich weiß, dass
mein Verhalten vielleicht falsch war, aber ich seh keine
andere Lösung mehr.

Nein, dein Verhalten war nicht falsch, aber man sollte sich vorher in der Familie absprechen, damit man im Gespräch Unterstützung durch weitere Angehörige/Beteiligte bekommt, ohne dass der Eindruck erweckt wird, dass die ganze Sippe jetzt über den „Patienten“ herfällt.

… Was sollen/ können wir tun?

Also bei der nächsten Gelegenheit (wir nutzen dazu auch mal einen Geburtstagsfeier) das Thema in einer Runde nochmals ansprechen und solange miteinander reden, bis das Problem klar wird.

Bei uns hat das meist geholfen.

Gruß Finus

hallo conny

Das ist wirklich ein Problem. Schuld ist wohl nicht zuletzt das Alter, daß keine Motivation mehr hat und den Antrieb zum Leben verloren hat.

In einem solch akuten Fall, sehe ich die Möglichkeit einer Besserung nur darin, daß man das Lebensziel in etwas anderem findet oder es zumindest unter anderen Gesichtspunkten betrachtet.

Was das nun ist, müßtet ihr selbst rausfinden. Vielleicht sogar weg von der Arbeit, da er ja nichts mehr tun will. Eine andere Aufgabe, als die bisherige finden.

Leicht ist sowas natürlich nicht.

gruß
rolf

Also bei der nächsten Gelegenheit (wir nutzen dazu auch mal
einen Geburtstagsfeier) das Thema in einer Runde nochmals
ansprechen und solange miteinander reden, bis das Problem klar
wird.

jaja, das kenne ich. Warum an Feiertagen? Kann man sich nicht mal extra für sowas treffen? Meine Mutter ist älteste von 7. Da wurde auch immer an Geburtstagen oder Ostern oder Weihnachten irgendwelchen Streitigkeiten ausgetragen. Ende vom Lied: Wir Kinder mussten raus, es gab Tränen und Geschrei, das Fest war verdorben, irgendeiner geht immer früher…

Ich finde, man sollte keinen Familien-Feiertag zu einem Familien-Diskussionstag machen. Dann lieber die Beteiligten „auf einen Kaffee“ zusammentrommeln… Vor allem wenn man ja shcon sieht, das der Betroffene entsprechend reagiert. Bei uns war das Ende vom Lied, die Familienfeiern wurden immer mehr zu Teil-Familienfeiern. Man traf sich nur noch einzeln. Ich fand das sehr schade.

lg, Dany