Vielleicht verstehst Du die Sache, wenn sie für Chemiker erklärt wird
Oberflächenspannung
(Symbol s od. g). Unter O. versteht man die Grenzflächenspannung von Festkörpern u. Flüssigkeiten gegenüber der Dampfphase bzw. Luft. Die Abb. (vgl. a. die Abb. bei Tenside) veranschaulicht die Bedeutung der O. für Flüssigkeiten.
Während in der Flüssigkeit (a) auf die Mol. gleiche Anziehungskräfte (zwischenmolekulare Kräfte) aus allen Richtungen wirken, sind diese Kräfte an der Grenzfläche Flüssigkeit/Dampf (b) nicht ausgeglichen. Es besteht eine in das Flüssigkeitsinnere gerichtete Kraft, die Mol. aus der Oberfläche in die Flüssigkeit zu treiben versucht. Die Flüssigkeit ist daher bestrebt, ihre Oberfläche zu verkleinern, weshalb Tröpfchen u. Gasblasen Kugelgestalt anzunehmen versuchen.
Die O. ist definiert als Kraft in der Oberfläche pro Längeneinheit u. hat die Dimension mN/m (10–3 Newton/Meter). Mit Oberflächenarbeit bezeichnet man die Arbeit, die nötig ist, um unter reversiblen Bedingungen u. bei isothermem Verlauf die Oberfläche zu bilden od. zu vergrößern. Unter bestimmten Voraussetzungen entspricht die O. (Oberflächenenergie) der Freien od. Helmholtz-Energie der Oberfläche pro Flächeneinheit. Unmittelbar nach der Ausbildung der Oberfläche erhält man Werte für die O., die vom Gleichgewichtszustand abweichen. Man bezeichnet diesen Effekt als dynam., den Gleichgewichtswert als stat. Oberflächenspannung. Die O. kann u. a. mit folgenden Meth. bestimmt werden : (a) Meniskus-Bildung u. Steighöhe in Kapillaren, (b) Blasendruck einer in die Flüssigkeit austretenden Gasblase, © Ring-Meth., (d) Wilhelmy-Methode, (e) Gestalt liegender od. hängender Tropfen. Für die Prüfung von Tensiden ist Meth. c nach DIN 53914: 1980-03 genormt. Eine Apparatur zur Messung der dynam. O. wird bei Miller (Lit. ) beschrieben. Die Werte für die O. von organ. Flüssigkeiten liegen bei 20 °C im allg. zwischen 15 u. 40 mN/m, für Wasser dagegen bei ca. 73 mN/m, für Quecksilber bei 435 mN/m, u. noch höhere Werte erreichen Salzschmelzen, vgl. Lit. . Die O. insbes. von Lsm. ist von techn. Bedeutung in der Waschmittel- u. Textil-Ind., im Haushalt, bei der Flotation u. Adhäsion, in Emulsionen etc., d. h. überall dort, wo die Benetzung eine Rolle spielt – in „entspanntem Wasser“ andererseits würden Enten od. Wasserläufer versinken. Die O. weist nicht nur Zusammenhänge mit der Konz., sondern auch mit Dichte u. Temp., elektr. Ladungen u. mit der Kompressibilität von Flüssigkeiten auf; über die Dichte u. den Parachor ist sie auch mit der Molmasse verknüpft; weitere Aspekte zum Thema s. bei Micellen, Kapillarität, Netzmittel, Tenside u. grenzflächenaktive Stoffe sowie bei Oberflächenchemie.
Lit.: 1 Kohlrausch, Praktische Physik 1, S. 200 ff., Stuttgart: Teubner 1996. 2 Int. Lab. 14, 28 (1984). 3 Handbook 56, F 23–46.
allg.: Bare u. Somorjai, Surface Chemistry, Encyclopedia of Physical Science and Technology, Vol. 16, S. 337–390, New York: Academic Press 1992 ï Spektrum Wiss. 1984, Nr. 1, 124; 1984, Nr. 3, 142 ï Winnacker-Küchler (3.) 4, 428–432.
E surface tension
F tension superficielle
I tensione superficiale
S tensión superficial
Quelle: Römpp Lexikon Chemie – Version 1.5, Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag 1998
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GAndalf