Objektive an APS-C (Brennweiten-Charakter)

Moin,

ich habe mal ´ne Frage zu Objektiven an digitalen SLRs. Keine Angst, es geht nicht um den Umrechnungsfaktor, jedenfalls nicht direkt:

Man sagt ja bestimmten Kleinbild-Brennweiten besondere Eignungen zu. Beispielsweise stehen ja in der Portrait-Fotografie 80 bis 90 mm hoch im Kurs (bei Kleinbild).

Wenn ich nun an einer DSLR mit APSC-Chip ein 50er Objektiv benutze, entspricht das ja vom Bildwinkel her einem 75mm-Objektiv an einer KB-Kamera. Ist allerdings der modellierende Effekt auch derselbe? Oder ist genau das eine Objektiv-Eigenschaft, die unabhängig vom Abbildungsmaßstab ist?

Wenn man jetzt in Physik etwas besser aufgepasst hätte bei der Optik, könnte man es vielleicht selbst herleiten, aber das will ich mal nicht versuchen.

Die Frage ließe sich erweitern auf die Tiefenschärfe - ist auch die identisch? Oder ändert sich die mit dem Abbildungs-Faktor ebenfalls?

Neugierig auf Antworten ist
Kristian

PS: Hintergrund für diejenigen, die nicht wissen, was mit einer „Portrait-Brennweite“ gemeint ist: Bei Weitwinkel-Objektiven ist die perspekticvische Verzerrung so stark, dass sich nicht nur Gebäude krümmen, sondern auch Gesichter rund und wabbelig werden. Beim Tele hingegen scheint alles auf eine Ebene zusammengestaucht zu sein, und so werden auch gesichter flach und unlebendig. Bei KB scheint eine Brennweite von 80-90mm die goldene Mitte zwischen beiden Effekten zu treffen, so dass ein Gesicht gut modelliert wirkt.

Die Tiefenschärfe wird etwas grösser, entspricht etwa einer Blende. Der „räumliche“ Effekt bleibt derselbe.
MFG Peter

Hi,

Die Tiefenschärfe wird etwas grösser,
entspricht etwa einer
Blende.

Jein. Die Schärfentiefe ändert sich durch den Abbildungsfaktor alleine natürlich nicht.
Beispiel: Du nimmst das gleiche Objektiv und änderst den Filmhalter. Das Motiv bleibe im gleichen Abstand. Es ändert sich damit nur der Bildausschnitt (ändert an der Schärfentiefe nichts) und der Film.
Beim Film akzeptiert man etwa 30µm Unschärfekreis, Digital ist man anspruchsvoller (20 µm) => kleinere Schärfentiefe.
Für die Schärfefanatiker und Velvia-Fotografierer (z-Kreis analog = digital = 10 µm) ändert sich dagegen rein gar nichts.
Das Bokeh ändert sich ebenfalls nicht.

Dummerweise passt Dein Motiv mit einem APS-C Sensor nicht „ins Bild“ und Du musst die Gegenstandsweite ändern : weggehen. Die Schärfentiefe nimmt zu. Das Bokeh ändert sich abhängig davon, wo Dein Hintergrund ist.

Jetzt machst Du folgendes (Das meintest Du vermutlich): Du nimmst ein Objektiv mit KB-äquivalenter Brennweite. Der „Verlängerungsfaktor“ verkleinert die akzeptable Schärfentiefe (Zerstreuungskreis) linear (etwa eine Blende), dafür vergrößert sich die Schärfentiefe durch die kürzere Brennweite in etwa quadratisch.
Nach der Division bleibt die Zunahme der Schärfentiefe um etwa eine Blende (wenn man ein KB-äquivalentes Objektiv bei einem APS-C Sensor (Faktor 1.6)verwendet. Also 50 mm statt 85 mm - naja 80 mm).

Für Den Fragesteller heisst das: Wenn bisher 85 mm f2.8 z-Kreis 30 µm einen schönen Schärfeverlauf (8cm, 1.96-2.04m) erbracht haben, sind jetzt (z-Kreis 20 µm) über den Daumen gepeilt 50 mm f2 (besser 1.4) erforderlich (11 cm 1.95 - 2.06m). (Gegenstandsweite in beiden Fällen 2 m).
Nachzurechnen hier:
http://www.uni-giessen.de/~gk1030/div/Schaerfe.html

Kurz und knackig: Wer digital einen „analogen“ Schärfeverlauf will, braucht entweder eine Kamera mit Vollformat-Sensor oder lichtstarke Objektive

Ciao R.

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Sehr genaue Infos zum Crop gibt es hier: http://www.dslr-forum.de/showthread.php?t=21047