Oder

Hallo,

wegen einer kleinen Meinungsverschiedenheit, hätte ich gerne etwas aufgeklärt:
wie muss man „oder“ verstehen?
Gibt es ein inklusives „oder“?
Also:
Hätten Sie gerne eine Vorspeise oder ein Dessert?
Kann man da (grammatikalisch logisch) „beides“ antworten?

Gruß
Elke

Moin,

wie muss man „oder“ verstehen?
Gibt es ein inklusives „oder“?

Ich denke, das kann beides sein, der Kontext muß es klären. Natürliche Sprache läßt sich nur äußerst begrenzt auf Aussagenlogik abbilden.

Also:
Hätten Sie gerne eine Vorspeise oder ein Dessert?
Kann man da (grammatikalisch logisch) „beides“ antworten?

Hängt von der Betonung ab: sind „Vorspeise“ und „Dessert“ betont, ist exklusiv gemeint. Bei klassischer Fragenbetonung (Stimme hinten höher) ist es inklusive.

Will man auf jeden Fall ein exklusives „oder“ haben, kann man „entweder - oder“ benutzen.

Gruß

Kubi

Hallo, Elke!

Gibt es ein inklusives „oder“?

Nach dieser Erkäring des Dudens nicht.

_ o|der [mhd. oder, ahd. odar für mhd. od(e), ahd. odo (das -r unter Einfluss von aber, weder), verdunkelte Zus., 2.Bestandteil das zugrunde liegende Demonstrativpron. der]:

  1. a) drückt aus, dass von zwei od. mehreren Möglichkeiten jeweils nur eine als Tatsache feststehen kann (vgl. entweder … oder): wohnt er in Hamburg o. in Lübeck?; sollst du o. ich zu ihm kommen?;

b) auch … genannt; wie man auch sagen könnte (in Titeln): Don Juan o. die Liebe zur Geometrie;

c) verbindet zwei od. mehrere Möglichkeiten, die zur Wahl stehen, für die man sich entscheiden muss: fährst du heute o. morgen?
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

Nur bei b ist sind beide gemeint, was man „inklusive“ nennen könnte. Ansonsten ist oder „exklusiv“.

Hätten Sie gerne eine Vorspeise oder ein Dessert?

Hier hast du einen sehr speziellen Fall genannt, da aufgrund der Umstände ja wirklich beides möglich ist oder sein kann. Das hängt aber von der Situation ab, nämlich davon, ob du genug Geld dabei hast, nicht vom „oder“.

Nimm aber mal an, dein Geld reicht nur für das Hauptgericht, das Getränk und eines der beiden Nebengerichte. Dann musst du dich entscheiden.

Und die Situation von Beispiel 1a ist wieder gegeben.

Kann man da (grammatikalisch logisch) „beides“ antworten?

Hier ja, aber nicht wegen der Grammatik.

Gruß
Fritz

Hallo Fritz,

danke — das Bsp. war nicht von mir, sondern wurde mir um die Ohren gehauen ,weil ich „oder“ als exklusiv verstand.

Gruß
Eklastic

Hallo,

man lese:

Für die Konjunktion „oder“ kann festgestellt werden, daß es
sich nur um zwei unterschiedliche Konjunktionstypen handelt, die morphologisch/ortographisch auch nicht voneinander zu
unterscheiden sind. Zu den „oder-Typen“ zählen: - das inklusive „oder“; - das exklusive „oder“. In der Hierarchie steht
das exklusive „oder“ höher als das inklusive „oder“, weil auch hier die einschränkenden Bedingungen bei der Benutzung
der Konjunktion eine Rolle spielen. Konjunktionsübergreifend kann festgestellt werden, daß die Konjunktion „und“ höher
als die Konjunktion „oder“ innerhalb der Hierarchie einzuordnen ist.

hier:

http://elib.ub.uni-osnabrueck.de/publications/diss/E…

LG, Karin

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Hallo,

auch dir Dank für deine Gedanken.

Nun mal Butter bei die Fische.
Wenn ich schreibe: Was ist wichtiger: Brot oder Spiele?
dann kann doch überhaupt nicht das inklusive oder gemeint sein, oder?

Grüße
Eklastic

Moin, Elke,

Gibt es ein inklusives „oder“?

definitiv nicht.

Also:
Hätten Sie gerne eine Vorspeise oder ein Dessert?
Kann man da (grammatikalisch logisch) „beides“ antworten?

Nein, nein und nochmals nein. Der Befürworter sollte mal die Miene desjenigen ins Auge fassen, der auf ein „(entweder) oder“ die Antwort „beides“ bekommt.

Die mathematische Logik, nach der (a oder b) auch dann wahr ist, wenn a und b wahr sind, führt im sprachlichen Umgang ins Chaos. Oder?

Gruß Ralf

Gruß
Elke

Ich bleibe bei deinem Beispiel und gehe von einer Essensbestellung aus.

Meines Erachtens bedeutet „oder“ entweder dieses, ansonsten jenes. Es wird sich jedoch niemand nehmen lassen, bei Bedarf beides zu bestellen. Nur bestelle ich ein Gericht und bekomme eine Beilage meiner Wahl dazu und du fragst mich mit „oder“, so bedeutet es für mich, ich muss mich zwischen Vorspeise und Dessert entscheiden.

Wenn ich aber die Möglichkeit habe beides zu nehmen, so geht das aus dem „oder“ nicht hervor.

Wenn ich schreibe: Was ist wichtiger: Brot oder Spiele?
dann kann doch überhaupt nicht das inklusive oder gemeint sein, oder?

Sicher nicht, Elke.
Obwohl es in Rom „panem ET circenses“ hieß. :wink:

Vielleicht wird es deutlicher, wenn man, der langjährigen Wirtschaftssituation eingedenk, die Alternativen: Abeitsplatzsicherheit oder Lohnerhöhung als Beispiel nimmt.

Da ist es ganz deutlich, dass das „oder“ exklusiv ist.

Schauen wir noch einmal in den Duden:

_ o|der _ [mhd. oder, ahd. odar für mhd. od(e), ahd. odo (das -r unter Einfluss von aber, weder), verdunkelte Zus., 2.Bestandteil das zugrunde liegende Demonstrativpron. der]:

  1. a) drückt aus, dass von zwei od. mehreren Möglichkeiten jeweils nur eine als Tatsache feststehen kann (vgl. entweder … oder): wohnt er in Hamburg o. in Lübeck?; sollst du o. ich zu ihm kommen?;

b) auch … genannt; wie man auch sagen könnte (in Titeln): Don Juan o. die Liebe zur Geometrie;

c) verbindet zwei od. mehrere Möglichkeiten, die zur Wahl stehen, für die man sich entscheiden muss: fährst du heute o. morgen?
© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001

Hier ist nur b inklusive, a und c eindeutig exklusiv. Man müsste nun schauen, ob noch andere inklusive Verwendungen des „oder“ zu finden sind.

Deshalb sei hier auch noch der Rest des Dudenartikel gezeigt.

_2. stellt eine vorangegangene Aussage infrage; drückt aus, dass auch eine Variante möglich sein kann: er hieß Schymanski o. so [ähnlich]; es war ein Betrag von 100 DM o. so (nicht viel mehr od. weniger als 100 DM).

  1. drückt eine mögliche Konsequenz aus, die als Folge eines bestimmten Verhaltens, Geschehens eintreten kann; andernfalls, sonst: du kommst jetzt mit, o. es passiert etwas!

  2. a) drückt bei [rhetorischen] Fragen aus, dass ein Einwand des Gesprächspartners zwar möglich ist, aber nicht erwartet wird od. nicht ernst gemeint sein kann: natürlich hat er es getan, o. glaubst du es etwa nicht?;
    b) (ugs.) drückt bei [rhetorischen] Fragen aus, dass ein Einwand des Gesprächspartners möglich ist, eigentlich aber eine Zustimmung erwartet wird: du gehst doch mit zum Rudern, o.?

© Duden - Deutsches Universalwörterbuch 2001_

ist da was Inklusives dabei?

Gruß Fritz

Was ist wichtiger: Brot oder Spiele?
dann kann doch überhaupt nicht das inklusive oder gemeint
sein, oder?

Hallo, Elke,

so denke ich auch. Allerdings erhielt ich auf die mindestens hundert mal gestellte Frage: „Was möchtest du trinken, Kaffee oder Tee?“, mindestens genauso oft die Antwort:„Ja!“

LG, Karin

Hallo Fritz,

Sicher nicht, Elke.
Obwohl es in Rom „panem ET circenses“ hieß. :wink:

Ja. In dem Artikel, auf den ich anspiele, stand was anderes.
Hätte ich „Fußball oder Maoam?“ schreiben sollen?

Vielleicht wird es deutlicher, wenn man, der langjährigen
Wirtschaftssituation eingedenk, die Alternativen:
Abeitsplatzsicherheit oder Lohnerhöhung als Beispiel nimmt.

Da ist es ganz deutlich, dass das „oder“ exklusiv ist.

Danke.

ist da was Inklusives dabei?

Auf jedenfall was, was mich bestätigt. :smile:

Gruß
Eklastic

Hallo Drambeldier,

Gibt es ein inklusives „oder“?

definitiv nicht.

definitiv ja!

Fragt der Matrose auf der Titanic beim Beladen der Rettungsboote: „Sind Frauen oder Kinder anwesend?“

Hättest Du recht, wäre die richtige Antwort: „Nein. Beides.“

In dem gastronomischen Beispiel kommt es darauf an, in welchem Lokal man verkehrt. Wenn mich mein Stammgrieche nach dem Essen fragt: „Willst Du Kaffee oder Ouzo?“ und ich zögere, dann sagt er: „Weißt Du was, ich bring’ Dir beides.“

Michael

Hätten Sie gerne eine Vorspeise oder ein Dessert?
Kann man da (grammatikalisch logisch) „beides“ antworten?

Du kannst „beides“ antworten, sonst wäre auch „Nein, danke“ als Antwort falsch, weil im Grunde nur die Wahl zwischen Vorspeise und Dessert gegeben ist.

Fragt der Matrose auf der Titanic beim Beladen der
Rettungsboote: „Sind Frauen oder Kinder anwesend?“

„Frauen und Kinder zuerst!“, kann der Matrose auch verwenden. Das muss aber nicht bedeuten, dass sich Frauen und Kinder nur zusammen melden dürfen. Dann gibt es auch ein exklusives und ein inklusives „und“?

Um alle Unklarheiten auszuschließen sollte der Matrose also fragen: „Sind Frauen und Kinder oder Frauen oder Kinder anwesend?“

Gruß

Moin, Michael,

Fragt der Matrose auf der Titanic beim Beladen der
Rettungsboote: „Sind Frauen oder Kinder anwesend?“

gab es auf der Titanic blinde Matrosen?

Gruß Ralf

Hi,

Nein, nein und nochmals nein. Der Befürworter sollte mal die
Miene desjenigen ins Auge fassen, der auf ein „(entweder)
oder“ die Antwort „beides“ bekommt.

Welchen Zweck haette denn das so unwichtig in Klammern gestelle „entweder“ dann in der Sprache? Genau: es unterscheided genau diese beiden Faelle: inklusives und exklusives oder.

Die mathematische Logik, nach der (a oder b) auch dann wahr
ist, wenn a und b wahr sind, führt im sprachlichen Umgang ins
Chaos. Oder?

Ja. Und das macht einen Heidenspass. Jemand (auch noch Mathematiker!): Kommst Du Dienstag oder Mittwoch auf Arbeit? Ich: Ja. Wenn jemand exklusives oder meint, soll er’s sagen.

Genaugenommen fuehrt eigentlich die sprachliche Ungenauigkeit ins Chaos. Woher soll ich denn wissen, was der andere meint, wenn er sich so unpraezise ausdrueckt? Dann such ich mir naemlich meine eigene Interpretation.

Gruss vom Frank.

Moin, Frank,

das einschließende Oder wird zwar gesprochen, ist aber völlig sinnlos, wie Dein Beispiel zeigt:

Kommst Du Dienstag oder Mittwoch auf
Arbeit?
Ich: Ja.

Und ob es so gemeint ist, wäre noch eine ganz andere Frage. Der Frager meinte doch wohl: „Ich brauche Dich am Dienstag oder am Mittwoch“ - und siehe da, das Einschließende Oder löst sich in Wohlgefallen auf.

Wenn jemand exklusives oder meint, soll er’s sagen.

Und wie tut er das? Soll er fragen: „Kommst Du entweder am Dienstag oder am Mittwoch?“ Hülfe in Deinem Fall eh nichts, da käme wieder nur ein „Ja“ :smile:))

Genaugenommen fuehrt eigentlich die sprachliche Ungenauigkeit
ins Chaos.

Habe ich etwas anderes gesagt?

Gruß Ralf

Moin,

das einschließende Oder wird zwar gesprochen, ist aber völlig
sinnlos,

Sehe ich anders.

Kommst Du Dienstag oder Mittwoch auf
Arbeit?
Ich: Ja.

Und ob es so gemeint ist, wäre noch eine ganz andere Frage.
Der Frager meinte doch wohl: „Ich brauche Dich am Dienstag
oder am Mittwoch“ - und siehe da, das Einschließende Oder löst
sich in Wohlgefallen auf.

Warum? Geanuso kann r an beiden Tagen gebraucht werden oder sagen, daß er an beiden Tagen da ist. Das inklusive oder ist kein und - es kann eins, das andere, oder beides sein.

Wenn jemand exklusives oder meint, soll er’s sagen.

Und wie tut er das? Soll er fragen: „Kommst Du entweder am
Dienstag oder am Mittwoch?“ Hülfe in Deinem Fall eh nichts, da
käme wieder nur ein „Ja“ :smile:))

Betonung! Wenn ich es exklusiv meine, betone ich anders.

Ich bleibe dabei: die Grammatik hilft nicht, es kann beides sein. Der Kontext muß es klären.

Gruß

Kubi

Moin, Kubi,

Warum? Geanuso kann r an beiden Tagen gebraucht werden

dann sollte die Frage lauten: „Bist Du Dienstag und Mittwoch da?“

Ich bleibe dabei: die Grammatik hilft nicht, es kann beides
sein. Der Kontext muß es klären.

Da sind wir schon lang: Grammatik ist schön, sie hilft beim Quark anrühren, wenn keine Semantik dahinter steckt.

Gruß Ralf