Öffentlicher Sex - ''Schöne neue Welt''

Wird nun jemand gezwungen, anderen Personen beim Sex
zuzuschauen, obwohl er dies nicht will, so stellt dies eine
massive Grenzverletzung dar.

Das ist bei uns nur deshalb der Fall, weil WIR noch so erzogen und sozialisiert wurden. Da Sex aber ein mächtiger, lebensfreudespendender Energiequell ist, sorgt die Unterdrückung dieser Kraft für permanente Frustration. Deshalb ist es für die menschliche Gesellschaft so wichtig, langsam, aber sicher in die Richtung größerer sexueller Freiheiten zu gehen.

Wer anderen beim Sex zuschauen möchte oder selbst Zuschauer
haben will, kann dies auch unter den heutigen Gegebenheiten
für sich so arrangieren; und wer dies nicht möchte, wird unter
ebendiesen Gegebenheiten auch nicht dazu gezwungen.

Nichts dagegen einzuwenden. Nur unter Strafe gestellt gehört öffentlicher Sex nun mal nicht, da er per se nichts Böses darstellt bzw. ist.

Warum genau wäre es für Dich - von der (meiner Ansicht nach
äußerst zweifelhaften) erzieherischen Wirkung abgesehen, denn
so wichtig, Dich vor unbeteiligten Fremden sexuell zu
betätigen?

Häää? Du phantasierst. Sowas hab ich nie behauptet. Ich bin selbst auch eher „verklemmt“ erzogen worden, habe mir aber das Wissen um meine kindliche Sexualität bewahrt (dies niemals zu vergessen, habe ich mir schon als Kind geschworen, da ich von Erwachsenen umgeben war, die ihre kindliche Sexualität offenbar vergessen oder verdrängt hatten und aufgrund ihrer Verklemmungen diese ignorierten oder unterdrückten und meine Sexualität ebenfalls unterdrückten).

Gruß, Uwe

Weil Leute Vorlieben und Abneigungen haben. Ich erinnere nur
an den Homophoben Teil der Gesellschaft. Ich kann mir durch
aus vorstellen, dass von denen der ein oder andere sehr
aggressiv wird.

Wenn, dann ist jene Person es ohnehin. Und es liegt dann nur daran, daß es noch ungewohnt ist, daß es an die eigenen internalisierten Grenzen stößt. Friedfertige Menschen reagieren auch darauf nicht aggressiv. Bei aggressiven Leuten ist es kein Wunder, aber so jemand würde eventuell auch wegen völlig anderer Dinge aggressiv werden (z. B. weil ihn jemand in der Öffentlichkeit darauf hinweist, daß dort wo er sich gerade aufhält, Rauchen verboten ist…).

Wenn du neben mir in der Straßenbahn Sex hast, bin ich ein
Beteiligter. Ob ich das will oder nicht. Zum einen sehe ich
es, zum anderen höre ich es.

Du siehst und hörst es zwar, aber „Beteiligter“ bist Du nicht. Es muß Dich ja nicht stören. Früher wäre Küssen in der Öffentlichkeit schon absolut tabu gewesen. Heute ist es ganz normal und gang und gäbe.

Das sehe ich etwas anders, würde aber nichts daran ändern,
dass es meine persönliche Meinung ist (wie auch immer sie sich
gebildet hat). Gehen wir mal davon aus das ca. 90 % (keine
belegte Zahl) gegen Sex in der Öffentlichkeit sind. Willst du
dann wirklich die 90% der Bundesbürger massiv einschränken nur
damit 10% ein kleines bisschen mehr Freiheit genießen können.

??? Sie wären dadurch alles andere als „massiv eingeschränkt“. Stattdessen hätten sie mehr Freiheiten als vorher. So ist es doch.

In der Gesellschaft ist es nun mal so, dass die persönliche
Freiheit so weit wie nötig eingeschränkt wird um die Rechte
der Gesellschaft zu wahren.

Du hast es wohl anders gemeint, aber dieser Satz macht auch für meine Argumentation durchaus Sinn.

Gruß, Uwe

Hallo,

Du gehst in Deiner Argumentation immer vom heutigen Durchschnittsmenschen aus und malst Dir, wie übrigens die meisten der Antwortenschreibenden, wilde Szenarien davon aus, wie es wäre, wenn…

Ich glaube, wir dürfen ruhig davon ausgehen, daß sich so schnell zumindest äußerlich nicht viel ändern würde, denn die allermeisten Erwachsenen sind so verklemmt wie Du und ich und würden wohl kaum auf die Idee kommen, z. B. im Bus die Hosen runterzulassen… Und wenn doch, sollten wir wissen: es sind Schritte in die richtige Richtung!

Die positiven Folgen eines Legalisierens öffentlich ausgelebter Sexualität stellten sich erst später ein, wenn unsere Kinder und deren Kinder erwachsen werden, da dann allmählich und von Generation zu Generation sich verstärkend die Freiheit des Sexuellen sich ihre Bahn suchen kann. Die sexuellen Verklemmungen, die heutzutage noch jeden von uns jede Menge an Lebensfreude kostet - auch wenn wir uns noch so einverstanden wähnen mit den gegenwärtigen Einschränkungen - machen dann Platz einem neuen, prickelnden, sexuell befreiten Lebensgefühl, bei dem Sexualität gar nichts Verbotenes mehr an sich hat, sondern einfach zum täglichen menschlichen Leben dazugehört. Eine Lebensenergie, die viele von uns heutzutage gar nicht zu erahnen imstande sind. Man stelle sich nur mal vor, daß die ganze Energie, die Menschen heutzutage für die Beschäftigung mit Pornographie aufwenden und dabei unbefriedigt bleiben, denn ihre Bedürfnisse sind eigentlich andere, den Menschen selbst zugute käme. Wieviel lebensfroher wäre doch ein solcher, sexuell befreiter Mensch…

Gruß, Uwe

Und wie steht es im Unterschied dazu im Gesetz zum Thema Sex
in der Öffentlichkeit?

http://www.deol.de/articles/1789/1/Erregung-offentli…

Gruß, Uwe

Danke für die Blumen, aber …
Hallo Uwe,

Ich dachte ich hätte mit meiner Persiflage klar gemacht, dass ich die Frage nicht ernst genug nehme, um mit Dir über anerzogene Verklemmtheit zu diskutieren.

Sex ist die intimste Erfahrung, die man machen kann, und die gehört nicht in die Öffentlichkeit.

ich erlaube mir mal Wikipedia zu zitieren:

Zitat:
Intimität ist ein Zustand tiefster Vertrautheit. Intimität herrscht in der Intimsphäre – einem persönlichen Bereich, der durch die Anwesenheit ausschließlich bestimmter oder keiner weiteren Personen definiert ist und Außenstehende nicht betrifft. Die Intimsphäre und damit die Intimität wird durch Indiskretion verletzt. Eine Verletzung der Intimität kann Personen seelisch labilisieren.
[…]
Die sexuelle Intimität ist meist der Ausdruck höchster Zuneigung oder der Lust. Sie findet vor allem in der Liebesbeziehung statt. Sie umfasst zum Beispiel das Petting und den Geschlechtsverkehr, der von den meisten Menschen als die höchste und weitestgehende Form körperlicher Intimität empfunden wird.

Zitat Ende

Wenn ein paar Extrem-Exhibitionisten und dem Deckmantel der „Natürlichkeit“ öffentlichen Sex propagieren geht mir das sozusagen am A… vorbei. Ich will in der Öffentlichkeit nicht mit der sexuellen Intimität anderer konfrontiert werden.

Darüber hinaus ist Dein Vergleich mit dem Rauchen nicht gerechtfertigt, da es sich beim Rauchen nicht um ein intimes Geschehen handelt, und sich die Belästigung auf einer anderen Ebene (nämlich einer nicht intimen) abspielt.

Dass wir heute aus allen Richtungen (Fernsehen, Kino, Werbeplakate, …) mit sexuellen Andeutungen und mehr zugepflastert werden, ist aus meiner Sicht keine Aufgeschlossenheit sondern eine Unsitte, weil sie allesamt ein falsches Bild darstellen, nicht zuletzt durch die stehts jungen und perfekten Körper, die präsentiert werden. Das trägt nicht - wie Du denkst - zur Aufklärung bei, sondern bei vielen Menschen zu Unsicherheiten in Bezug auf die eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sexuelle Zufriedenheit schon in trauter Zweisamkeit schwierig genug ist, und da will ich nicht beim Parkspaziergang mit dem Holzhammer darauf hingewiesen werden.

Jetzt ist das schon wieder so ein elendslanges Posting.

Grüße
Morrighan.

Hallo Uwe,

es gibt Personen und Organisationen, die ein Recht auf selbstbestimmte Sexualität als universelles Menschenrecht fordern.

De facto wird Sexualität nur jüngeren, gesunden und einigermaßen gutaussehenden Menschen zugestanden - und das dürfte in den Köpfen der meisten Menschen sein. Bei dem Gedanken an Sexualität in Zusammenhang mit alten Menschen oder Behinderten würde vielen Menschen Ekel aufsteigen. Auch bei mir ist es so.

De facto haben auch von den jüngeren Menschen gar nicht so wenige, vielleicht zehn Prozent, kaum oder keinen Zugang zu Sexualität, weil sie zu schüchtern sind oder aus irgendwelchen Gründen nicht ins Beuteschema des jeweils anderen Geschlechts passen.

De facto haben auch viele der in Partnerschaften gebundenen Menschen keine befriedigende Sexualität, falls überhaupt.

Nur auf der Basis einer verbreiteten sexuellen Unzufriedenheit kann die Porno-Industrie so erfolgreich sein, und können manche anderen Schattenseiten des Sexuellen so gedeihen, wie sie es tun.

Houellebecq äußerte einmal, es gebe zwei Differenzierungssysteme der Menschen, nämlich neben dem zwischen Arm und Reich noch ein weiteres hinsichtlich des Zugangs zur Sexualität.

Dieser ganze Themenbereich verdiente es, in seiner ganzen Breite und mit wirklichem Tiefgang bearbeitet zu werden. Wenn Du das unternimmst, hättest Du meinen größten Respekt. Doch den Ansatz, den Du hier geliefert hast, nehme ich nicht ernst, er erscheint mir unerträglich oberflächlich.

Grüße,

I.

Liebe Morrighan!
(und lieber Uwe!)

Ich hänge meinen Beitrag an deinen an, nicht weil ich nun gerade mit dir streiten möchte, sondern weil dein Beitrag die passenden Stichwörter liefert.

Insofern ist der meinige nicht allzusehr an dich persönlich gerichtet, er antwortet auf diese Weise auch direkt auf Uwes Fragen.
Die Baumstruktur des Forums lässt halt keine Zwischenform der Platzierung zu.

Ich dachte ich hätte mit meiner Persiflage klar gemacht, dass
ich die Frage nicht ernst genug nehme, um mit Dir über
anerzogene Verklemmtheit zu diskutieren.

Fast niemand nahm Uwes Frage ernst. Warum eigentlich?
(Edit: Stimme Idomeneo insgesamt zu, zählte aber auch Uwes Antworten auf die erhaltenen Antworten zu seiner Frage und finde diese darum keineswegs furchtbar oberflächlich - in Anbetracht des Maßstabs hier.)

Uwe fragte nach den psychologischen Gründen für die Fortexistenz eines bestimmten Verbots, das durchaus noch immer den Status eines Tabus hat (steht übrigens auch in Wikipedia) - allen medial vermittelten Tabuverletzungen zum Trotz.

Eine solche Frage ist doch hochgradig ernst nehmbar, auch dann noch, wenn Uwe mit der Frage zugleich sein eigenes gesellschaftspolitisches Ziel der Enttabuisierung vertritt.

Sex ist die intimste Erfahrung, die man machen kann, und die
gehört nicht in die Öffentlichkeit.

Ist diese Aussage, dass der Sex eine hochintime Erfahrung sei, die bloße Beschreibung eines Sachverhalts, oder ist dies nicht eher Normativität, die du hier als ‚Deskription‘ maskierst?

Man könnte wohl auch so argumentieren, dass das Verbot/Tabu des öffentlichen Sexes diesen erst zu einer hochintimen Sache macht … begründet und stützt man dieses Verbot nun damit, dass der Sex nun mal eine hochintime Sache sei, dann erhält man einen lupenreinen Zirkelschluss.

Wenn ein paar Extrem-Exhibitionisten und dem Deckmantel der
„Natürlichkeit“ öffentlichen Sex propagieren geht mir das
sozusagen am A… vorbei. Ich will in der Öffentlichkeit nicht
mit der sexuellen Intimität anderer konfrontiert werden.

Auch interessant: warum schrieben oder schreiben in diesen beiden Threads so viele, was sie wollen?

Das hat doch eigentlich mit der Beantwortung der Frage direkt gar nichts zu tun … auf eine Frage beispielsweise nach den psychologischen Faktoren des Faschismus würde ja auch keiner schreiben: Ich will kein Faschist sein!

Ich denke, dass sich in solchen Äußerungen der weiter bestehende Tabu-Charakter der öffentlichen Sexualität durchaus zeigt, wenn auch sicher in kleinem Maß.

Ich will es mir eigentlich auch nicht vorstellen, wie auf der Parkbank vor dem Fenster meines Arbeitszimmers Menschen Sexualverkehr haben könnten, weil mir leicht ein paar Szenarios einfallen, die ich überaus ekelhaft finde.

Mir ist aber auch klar, dass das Verbot/Tabu dieses Treibens nicht einfach bloß mich vor diesem Anblick schützt, sondern dass dieses Verbot in gleichem Maß dabei beteiligt ist, in mir dieses Ekelgefühl und den Unwillen, mir einen Zustand ohne dieses Verbot/Tabu überhaupt wohlwollend vorzustellen, aufrecht zu erhalten.

Mit dem Tabu fällt auch der Ekel weg.

Nicht sofort, aber nach und nach, nicht anders als dies z.B. jeder Gynäkologe am eigenen Leib erfahren darf.
Das Alltäglichere kann nicht mehr ekeln.
In früheren Zeiten schneuzte man sich ohne jeden Ekel ins gemeinsame Tischtuch, in viktorianischen Zeiten fielen manchen Damen beim bloßen Begriff „Sex“ schon in Ohnmacht.

Darüber hinaus ist Dein Vergleich mit dem Rauchen nicht
gerechtfertigt, da es sich beim Rauchen nicht um ein intimes
Geschehen handelt, und sich die Belästigung auf einer anderen
Ebene (nämlich einer nicht intimen) abspielt.

Auch hier kann man genauso gut rückwärts argumentieren.
Du bemühst eine „Intimität“ (die ganz sicher nicht einfach so als Natur des Menschen gegeben ist, auch wenn wohl noch in keiner Gesellschaft der Sex je völlig öffentlich und unreglementiert war, so war er doch auch noch nie in dieser Weise reglementiert wie er es bei uns ist) um diesen Vergleich falsch zu machen.

Ist denn eine nicht-intime Sexualität, also eine öffentlich praktizierte Form von Sexualität, so undenkbar?

Für undenkbar halte ich dagegen, dass die Enttabuisierung der öffentlichen Sexualität diese „intime“ Form der Sexualität ablösen oder ganz ersetzen würde.

Dass wir heute aus allen Richtungen (Fernsehen, Kino,
Werbeplakate, …) mit sexuellen Andeutungen und mehr
zugepflastert werden, ist aus meiner Sicht keine
Aufgeschlossenheit sondern eine Unsitte, weil sie allesamt ein
falsches Bild darstellen, nicht zuletzt durch die stehts
jungen und perfekten Körper, die präsentiert werden. Das trägt
nicht - wie Du denkst - zur Aufklärung bei, sondern bei vielen
Menschen zu Unsicherheiten in Bezug auf die eigenen
körperlichen Unzulänglichkeiten.

Ich bin sicher, dass ich richtig liege, wenn ich behaupte, in diesem Punkt hast du Uwe völlig falsch verstanden.

Genau gegen diese „Kommerzialisierung des Sexes“ haben sich die beiden größeren Wellen (in den 20ern und den 60/70ern) gerichtet, in denen der „öffentliche Sex“ mit einer Forderung nach politischer Befreiung verknüpft wurde.

Die Ent-Tabuisierung des „öffentlichen Sexes“ würde ganz sicher diese von dir beschriebene Unsitte eher untergraben, als dass sie sie anfeuern würde.

M.E. ist die „kommerzielle Ausbeutung“ des Sexes eine direkte Folge des Verbots/Tabus, und nicht etwas, vor dem uns die Aufrechterhaltung des Verbots/Tabus schützen könnte bzw. müsste.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sexuelle Zufriedenheit
schon in trauter Zweisamkeit schwierig genug ist, und da will
ich nicht beim Parkspaziergang mit dem Holzhammer darauf
hingewiesen werden.

Kannst du dir nicht vorstellen, dass diese ominöse „sexuelle Zufriedenheit“, die m.E. vor allem deshalb so schwierig zu erreichen ist, weil um den Sex so ein Tanz ums goldene Kalb gemacht wird, durch eine stärkere Ver-Öffentlichung des Sexes nicht auch gründlich entkompliziert werden würde, wenn der Sex alltäglicher, ja geradezu profaner (im Sinne von weniger sakral) werden würde?

Jetzt ist das schon wieder so ein elendslanges Posting.

Ist doch gut!
Diese Frage hat m.E. ausführliche Postings durchaus verdient.
Und Postings wie deines tragen mehr zur Beantwortung bei als nichtssagende Spekulationen über die Bonobos wie unten.

_ ℂ Λ ℕ Ð I Ð € _

2 „Gefällt mir“

KONSTRUKTIVE Kritik?

Dieser ganze Themenbereich verdiente es, in seiner ganzen
Breite und mit wirklichem Tiefgang bearbeitet zu werden. Wenn
Du das unternimmst, hättest Du meinen
größten Respekt. Doch den Ansatz, den Du hier geliefert hast,
nehme ich nicht ernst, er erscheint mir unerträglich
oberflächlich.

Kann es sein, daß Du meine Neigung zum Konkreten mit Oberflächlichkeit verwechselst? Aber sei’s drum, ich wüßte gern, was Du denn anders bzw. besser gemacht hättest beim Anschneiden des „Themenbereiches“. Das würde zumindest ich unter KONSTRUKTIVER (und damit ernstzunehmender(!)) Kritik verstehen. Und wenn mein „Ansatz“ Dir zu oberflächlich ist, dann trage doch, bitteschön, das Deinige tiefgangfördernderweise bei. Alle geneigten Leser dieses Artikelbaumes (und natürlich auch ich) werden Dir dafür dankbar sein!

Gruß, Uwe

es ist nirgendwo verboten, jemanden umzubringen. im gesetz
steht nur, wer jemanden tötet, wird bestraft.

Sorry, aber das ist Wortklauberei. Ein Gebot zu sozial verträglichem Verhalten kommt einem Verbot des Gegenteils gleich.

Gruß, Uwe

Hallo Uwe,

Kann es sein, daß Du meine Neigung zum Konkreten mit
Oberflächlichkeit verwechselst?

Nein. Es ergeben sich für mich aber zwei Fragen: die nach der Realisierbarkeit, und was würde dadurch anders?

Ich glaube nämlich, selbst wenn die Abschaffung des Verbots öffentlichen Geschlechtsverkehrs wider jedes Erwarten durchgesetzt werden könnte, würde sich dadurch nicht viel ändern. Ich vermute, dieses Verbot und die vielleicht bei vielen anerzogene Verklemmtheit sind nicht die einzigen Gründe dafür, daß Leute nicht öffentlich sexuell verkehren. Ich verstehe nicht genug von Psychologie, trotzdem bin ich mir ziemlich sicher, daß es zudem auch angeborene Sperren gibt. Intimität bedeutet ja auch: Schutz. Wer vor beliebigen Leuten Sex hat, muß auf unerwünschte Aktionen durch diese Leute gefaßt sein. Wer möchte das schon, den Sex genießen und während dessen auch noch ein Auge auf mögliche „Feinde“ haben?

Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, daß nur wenige Menschen mit robuster Psyche von der neuen Freiheit Gebrauch machen würden, und die würden sich in Subkulturen zusammenfinden und darin Schutz suchen. Z. B. in gewissen Ecken städtischer Parks.

Meine Kritik lautet, daß Du Dich auf eine einzige konkrete, allerdings unrealistische Idee fixierst und ein im Grunde berechtigtes Anliegen lächerlich machst. Ich habe selber leider keine konkreten Vorschläge, und bin mir der Schwäche des Folgenden bewußt.

Da man ständig mit sexuellen Bildern - Filme, Werbung, Pornographie, Internet - konfrontiert wird, könnte man oberflächlich denken, die „sexuelle Befreiung“ habe längst in ausreichendem Maße stattgefunden, die meisten Schamgrenzen und Tabus seien gefallen, und sexuelle Befriedigung gelte nunmehr als etwas Selbstverständliches.

Ohne es wirklich belegen zu können, bin ich mir ziemlich sicher, daß nur ein relativ kleiner Teil der Menschen ein wirklich befriedigendes Sexualleben hat und somit die real gelebte Sexualität in Widerspruch steht zu den genannten omnipräsenten Bildern.

Um es kurz zu sagen: die Wirtschaft hat sich das Ausmaß an unerfüllter Sexualität als Einnahmequelle dienstbar gemacht - nicht nur in den Schattenangeboten, auch die „seriöse“ Wirtschaft.

Die sechziger und siebziger Jahre habe ich als Kind bzw. Jugendlicher noch miterlebt. Ob die damalige „Befreiungswelle“ Folge einer davor bestehenden Kommerzialisierung des Sex ist, weiß ich nicht. Jedenfalls sind wir atmosphärisch Lichtjahre weit von dieser Zeit entfernt. Was man konkret tun könnte, weiß ich nicht, es bleibt die Hoffnung, daß Trends nicht vorhersagbar sind und sich ganz unerwartet ändern können.

Grüße,

I.

2 „Gefällt mir“

Ich glaube nämlich, selbst wenn die Abschaffung des Verbots
öffentlichen Geschlechtsverkehrs wider jedes Erwarten
durchgesetzt werden könnte, würde sich dadurch nicht viel
ändern.

Eben doch. Zwar nicht sofort, aber allmählich. Sex würde langsam, aber sicher, etwas völlig normales, alltägliches werden. Das Tabu, „die Mauer“ wäre weg.

Ich vermute, dieses Verbot und die vielleicht bei
vielen anerzogene Verklemmtheit sind nicht die einzigen Gründe
dafür, daß Leute nicht öffentlich sexuell verkehren. Ich
verstehe nicht genug von Psychologie, trotzdem bin ich mir
ziemlich sicher, daß es zudem auch angeborene Sperren gibt.

Da „wähnst“ Du falsch! Nein, die gibt es nicht. Die sind allesamt anerzogen. Wie kommst Du darauf, diese „Sperren“ sei „angeboren“? Du hältst Dein „So-sein“ für angeboren und merkst, wie so viele, nicht, daß es Ergebnis einer Sozialisation ist.

Intimität bedeutet ja auch: Schutz. Wer vor beliebigen Leuten
Sex hat, muß auf unerwünschte Aktionen durch diese Leute
gefaßt sein. Wer möchte das schon, den Sex genießen und
während dessen auch noch ein Auge auf mögliche „Feinde“ haben?

Deshalb bin ich mir ziemlich sicher, daß nur wenige Menschen
mit robuster Psyche von der neuen Freiheit Gebrauch machen
würden, und die würden sich in Subkulturen zusammenfinden und
darin Schutz suchen. Z. B. in gewissen Ecken städtischer
Parks.

Ja, zum Beispiel. Warum auch nicht?

Meine Kritik lautet, daß Du Dich auf eine einzige konkrete,
allerdings unrealistische Idee fixierst und ein im Grunde
berechtigtes Anliegen lächerlich machst.

Wieso meinst Du denn DAS? Das läge mir völlig fern. Warum hältst Du das für so unrealistisch? Es sind doch auch andere Mauern gefallen. Warum nicht auch diese?

Die sechziger und siebziger Jahre habe ich als Kind bzw.
Jugendlicher noch miterlebt. Ob die damalige „Befreiungswelle“
Folge einer davor bestehenden Kommerzialisierung des Sex ist,
weiß ich nicht. Jedenfalls sind wir atmosphärisch Lichtjahre
weit von dieser Zeit entfernt.

Ja, warum? Was hat uns davon so wegkatapultiert? War das eventuell die plötzlich aufkommende Immunschwächekrankheit AIDS, die eine solche Stimmung erzeugt hat und die die vorhandene Bewegung in Richtung sexuelle Freiheit der Menschen um Jahrzehnte zurückwarf?

Was man konkret tun könnte, weiß ich nicht

z. B. Querdenker-Fragen und „unrealistische“ Forderungen stellen? :wink:
Frage an ALLE: Was können wir tun?

Gruß, Uwe

Hallo Uwe,

Da „wähnst“ Du falsch! Nein, die gibt es nicht. Die sind
allesamt anerzogen. Wie kommst Du darauf, diese „Sperren“ sei
„angeboren“? Du hältst Dein „So-sein“ für angeboren und
merkst, wie so viele, nicht, daß es Ergebnis einer
Sozialisation ist.

zum Teil weiß ich, inwieweit mein „So-sein“ durch Erziehung, durch meine Sozialisation bedingt ist.

Trotzdem kommt aber niemand als „Tabula rasa“ auf die Welt, es gibt jede Menge an angeborenen Grundlagen des Verhaltens. Stichwort Evolutionspsychologie. Warum sollte das gerade bei der Sexualität anders sein? Es ist nur sehr schwierig, „angeboren“ und „anerzogen“ sicher zu trennen.

An der Mißachtung, Unkenntnis oder Leugnung des angeborenen Anteils am „So-sein“ der Menschen sind schon oft alternative Gesellschaftsmodelle gescheitert.

Es sind doch auch andere
Mauern gefallen. Warum nicht auch diese?

Ich bin sehr dafür, Mauern zu Fall zu bringen. Ich glaube nur, daß vor dieser Mauer noch einige weitere vorhanden sind, die eher noch zu Fall gebracht werden können. Beispiele dazu habe ich bereits erwähnt.

Ja, warum? Was hat uns davon so wegkatapultiert? War das
eventuell die plötzlich aufkommende Immunschwächekrankheit
AIDS…

AIDS hatte da sicher einen ganz starken schockartigen Einfluß, zumal in den frühen Achziger Jahren, als es noch keine Therapien gab, die Lebenserwartung und -Qualität von AIDS-Infizierten wirksam erhöhen konnten.

Als eine weitere Ursache sehe ich den seit 20 oder 25 Jahren zunehmenden Druck am Arbeitsplatz.

Weiters vielleicht Verunsicherung durch Vermittlung unrealistischer Attraktivitätsvorstellungen (Werbung, Medien). Die legendären Palmers-Plakate sind mir da als frühes Beispiel in Erinnerung.

Grüße,

I.

Trotzdem kommt aber niemand als „Tabula rasa“ auf die Welt, es
gibt jede Menge an angeborenen Grundlagen des Verhaltens.
Stichwort Evolutionspsychologie. Warum sollte das gerade bei
der Sexualität anders sein? Es ist nur sehr schwierig,
„angeboren“ und „anerzogen“ sicher zu trennen.

Nein, da muß ich Dir nochmals widersprechen.
Man führe sich bitte Folgendes zu Gemüte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfskinder
…und denke mal darüber nach!

Als eine weitere Ursache sehe ich den seit 20 oder 25 Jahren
zunehmenden Druck am Arbeitsplatz.

Das halte ich für abwegig. Druck am Arbeitsplatz schafft mehr Prüderie in der Gesellschaft? Glaub ich nicht.

Weiters vielleicht Verunsicherung durch Vermittlung
unrealistischer Attraktivitätsvorstellungen (Werbung, Medien).
Die legendären Palmers-Plakate sind mir da als frühes Beispiel
in Erinnerung.

Ich habe eher den Eindruck, daß die mittelalterliche, apostolische Hexenjagd und verlogene Prüderie (bei gleichzeitiger versteckter Geilheit) auch heute noch existiert (aktive Formen) oder zumindest Folgen hat (passive Formen), allerdings heute modernere Gesichter trägt…

All das sind Auswüchse der omnipräsenten Sexualfeindlichkeit in unserem Lande… (man verkneife sich jetzt tunlichst den Hinweis auf die USA, wo alles ja noch viel schlimmer sei, denn - ja das mag ja sein, dennoch ist es hier leider so, wie es ist und die USA ändern daran nichts)…

Gruß, Uwe

Danke - und Respekt!
Liebe Candide, vielen Dank und Respekt für Deinen brillanten Beitrag, mit dem Du mir in vielen Punkten aus der Seele sprichst.

Die Fragen, die Du stellst und aufwirfst, möchte ich weitergeben an die anderen Forenteilnehmer, denn ich habe eigentlich die gleichen Fragen an sie…

Vielleicht wäre das aber auch Thema eines neuen Threads unter anderem Titel, denn dieser befindet sich bereits kurz vor der Archivierung…

Erstmal meinen allerbesten Gruß. Ich hoffe, noch öfter von Dir so blitzgescheite Kommentare zu lesen! :smile:

Uwe