Hallo,
aus aktuellem Anlass (Schulgottesdienst mit Muslimen, Reformierten, Katholiken und Nichtgläubigen) möchte ich gerne wissen, was Ökumene ist und wie diese in der Praxis umgesetzt wird?!
Bei unserem Gottesdienst wird nämlich - trotz Teilnahme von Muslimen - das Vater-Unser gebetet, was meines Erachtens in einem ökumenischen Gottesdienst in dieser Form nicht hineingehört…
offtopic: Was ich mit meinem Anliegen auf alle Fälle vermeiden möchte, ist eine Diskussion über das Für und Wieder von Religion… ausserdem habe ich keine Absicht, hier eine Grundsatzdiskussion über den Glauben vom Zaun zu brechen…
)
Gruss
Matthias
Hallo,
eine wahrhaft schwierige Frage. Ökumene im Sinne eines irgendwie instiutionalisierten Zusammenschlusses verschiedener „Konfessionen“ (nicht Religionen) ist mir nur auf christlichem Gebiet bekannt. (Siehe http://www.oekumene-ack.de)
Du müßtest genauer erläutern, was denn nun passiert ist. Handelte es sich um einen ökumenischen Gottesdienst, verantwortet von einem christlichlichen Pfarrer / Priester in einer christlichen Kirche? Zu einem solchen Gottesdienst gehört dann das „VaterUnser“ konstitutiv hinzu. Ökumene wäre also kirchenrechtlich zwischen den Christen untereinander mit einer Einladung an Andersgläubige. D.h., die christliche Gemeinschaft, die sich als Ökumene auf bestimmte Grundlagen (wie eben das VaterUnser) geeinigt hat, lädt Andersgläubige zu ihrem Gottesdienst ein und respektiert, daß sie ihre Voraussetzungen nicht teilen. Also, zu einem ökumenischen Gottesdienst im landläufigen Sinn gehört das VaterUnser wie das Amen in die Kirche:wink:
Handelt es sich jedoch um eine Veranstaltung, in der man die verschiedenen Religionen und Weltanschauungen, die es in einer SChule nun mal gibt, zu Wort kommen lassen wollte, um jedem Schüler gemäß seinem Glauben (oder auch nicht-Glauben) die Möglichkeit zu geben, seinen Schulalltag damit im Bezug zu setzen? Nun ja, die verantwortliche Person hätte dann wohl dafür sorgen müssen, daß auch die muslimischen Kinder etc. zu Wort kommen. Mir sind da aber keine Praxisbeispiele bekannt. Eine spannende Frage im übrigen, ob und wie das möglich kein könnte (oder eben, ob man jegliche Gottesdienstähnliche Veranstaltung in der Schule besser unterließe).
Viele Grüße,
Taju
aus aktuellem Anlass (Schulgottesdienst mit Muslimen,
Reformierten, Katholiken und Nichtgläubigen) möchte ich gerne
wissen, was Ökumene ist und wie diese in der Praxis umgesetzt
wird?!
Bei unserem Gottesdienst wird nämlich - trotz Teilnahme von
Muslimen - das Vater-Unser gebetet, was meines Erachtens in
einem ökumenischen Gottesdienst in dieser Form nicht
hineingehört…
offtopic: Was ich mit meinem Anliegen auf alle Fälle vermeiden
möchte, ist eine Diskussion über das Für und Wieder von
Religion… ausserdem habe ich keine Absicht, hier eine
Grundsatzdiskussion über den Glauben vom Zaun zu brechen…
-))
Gruss
Matthias
Hi,
auch mir ist die Ökumene lediglich als Begriff der christlichen Kirchen bekannt. Wenn aber Muslime an dieser Feierlichkeit teilnehmen, denke ich auch, dass hier noch Übergreifenderes geschaffen werden muss und dass dann christliche Bekenntnisse eher Grenzen markieren. Vermutlich gibt es deshalb immer mehr politiker, die die Trennung von Religion und Staat fordern, weil nur so z. B. alle Schüler gleichberechtigt würden. Sicherlich denkbar wäre dann eine philosophische Feier, in der über Werte gesprochen wird, die die gesamte Menschheit betreffen. Aber das ist mit Sicherheit ein ganz weiter Weg…
Liebe Grüße,
Susanne
Hi,
mich als Atheisten macht die Formulierung „Gottesdienst“ in Verbindung mit „Nichtgläubige“ stutzig. Wieso soll ich als jemand,der sich z.b. wie ich z.b. eher den Ideen des Zen verbunden fühlt, als des Christentums, einem Gott "dienen " wollen, dessen Existenz ich als nicht plausibel ansehe? Für mich wäre es letztlich ein Ritual, das für mich eine ganz andere Bedeutung hätte, als vom Veranstalter beabsichtigt…
zu Thema Ökumene :
http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/%D6kumene.html listet meben vielen andern Infos auf, was man unter Ökumene verstehen kann:
"1. die ganze (bewohnte) Erde (ursprüngliche Bedeutung von gr. oikoumenê)
2.die christliche Kirche als ganze
3.allgemeine christliche oder kirchliche Gültigkeit besitzend (Ökumenisches Konzil)
4.den weltweiten missionarischen Auftrag der Kirche betreffend
5.die Beziehungen zwischen mehreren Kirchen oder zwischen einzelnen Christen verschiedener Konfessionen
6.die geistige Haltung, die das Wissen um die Zugehörigkeit zur weltweiten Gemeinschaft der christlichen Kirchen und das Streben nach einheit der Kirche Christi ausdrückt "
von diesen aufs Christentum bezogenen Definitionen könnten sich Muslime und Nichtgläubige wohl nur mit der ersten Definition identifizieren.
Für mich sieht es eher aus wie ein Versuch, christliche Ideen auch Nichtchristen nahezubringen.
Das ist insofern verständlich, als sonst der Veranstalter eine pantheistische Einstellung einehmen müsste, die von der Kirch nun mal nicht akzeptiert werden kann, weil sie jeden Anspruch auf Alleinvertretung, Besitz der Wahrheit etc. ad absurdum führen würden, schlicht den Dogmen widerspricht.
A.
Bei unserem Gottesdienst wird nämlich - trotz Teilnahme von
Muslimen - das Vater-Unser gebetet
ist die teilnahme freiwillig? wenn ja, wo ist das problem? wenn nicht, ist die schule staatlich? wenn ja - zwangsgottesdienste an staatlichen schulen - , dann GIBT es in der tat ein problem, aber es ist nicht das problem der schule sondern des gesetzgebers.
gruß
datafox
Hallo Matthias,
wenn ich der sprachlichen Definition von Ökumene als „die ganze bewohnte Erde“ noch vage Erinnerungen aus Schülerjahren, wo ich mal ein wenig Griechisch anlässlich freiwilliger AG zu lernen versucht habe, noch einen hinzufügen darf: oikos ist schlicht „das Haus“. Oikomänä also „das gemeinsame Haus“. Welches interessanterweise von der übergroßen Mehrzahl der nicht-rauschebärtigen, nicht-kalaschnikowschwingenden Muslime schon seit langer Zeit betrachtet wird als das gemeinsame Haus der „Schriftreligionen“ = Mutter Judentum, Schwester Christentum, Schwester Islam. Der Begriff der Schrift tritt hier an die Stelle des eigentlich gemeinten Gottvater-Monotheismus, der betreffend Christentum mit der für andere schwer nachvollziehbaren Gleichung 3 * 1 = 1 für allerlei Streit gesorgt hat und daher durch diesen Begriff höflich ausgespart wird.
Beiläufig: Diese Betrachtungsweise ist in Bezug auf den Islam auch der Katholika nicht fremd. In meinem Heimatort befindet sich im ehem. Prämonstratenserkloster ein kurz nach 1750 erbauter Bibliotheksaal, in dem allerlei Ketzer im Disput mit allerlei Kirchenlehrern dargestellt sind. Bei diesen Ketzergruppen findet man nicht bloß Lutheraner, Hussiten, Utraquisten etc., sondern auch u.a. Voltairianer und Moslems. Als von der rechten Lehre abgewichene, aber immerhin im „Geltungsbereich“ der Katholika befindliche Gläubige.
Ich finde es schade, dass in dieser Darstellung keine Juden zu finden sind, obwohl in der im selbigen Saal an der Decke dargestellten Geschichte menschlicher Weisheit als Widerspiegelung der Göttlichen durchaus Mose, David, Salomo und allerley Propheten zu sehen sind.
Dieses keine Antwort, aber die Gegenfrage, die ich gerne den hier mitlesenden Moslems und Juden stellen würde:
Inwiefern wäre es denn mit den Glaubensinhalten dieser beiden Religionen eigentlich nicht vereinbar, das Vaterunser mitzubeten (ich spreche wohlweislich nicht vom christlichen Glaubensbekenntnis und auch nicht vom Rosenkranz oder Ave Maria)? Es ist darin weder vom Gottessohn und/oder Messias noch vom Heiligen Geist noch von der Muttergottes die Rede, wenn ich mal platt die wichtigsten Streitgegenstände so benennen darf. Auch nicht von der Frage, wann, ob und wie Sünden der Menschen vergeben werden oder worden sind. Mir kommt das Vaterunser ziemlich gut für eine ökumenische Feier von Mutter & zwei Töchtern geeignet vor.
Schöne Grüße
MM
Inwiefern wäre es denn mit den Glaubensinhalten dieser beiden
Religionen eigentlich nicht vereinbar, das Vaterunser
mitzubeten
weil es christliche liturgie ist. es widerspricht den glaubensinhalten, christliche liturgie zu beten.
auch wenn es inhaltlich etwas seltsam anmutet das zu sagen, denn das vaterunser klingt fatal nach diesem gebet:
Erhoben und geheiligt werde sein großer Name auf der Welt, die nach seinem Willen von Ihm erschaffen wurde- sein Reich soll in eurem Leben in den eurigen Tagen und im Leben des ganzen Hauses Israel schnell und in nächster Zeit erstehen. Und wir sprechen : Amein! […] ( http://www.talmud.de/Kadish.htm )
Mir
kommt das Vaterunser ziemlich gut für eine ökumenische Feier
von Mutter & zwei Töchtern geeignet vor.
warum nicht die psalmen, die wirklich für alle drei teil der tradition sind? für eine feier von christen, juden, muslimen würde das am besten passen.
aber wenn ich den thread richtig im kopf habe, waren doch auch atheisten daran beteiligt. warum soll diesen gott aufgedrückt werden? warum soll überhaupt irgendjemand zwangsweise in einen gottesdienst gehen? da bin ich dagegen! für eine „ethische ökumene“ könnte man doch die menschenrechte und das grundgesetz verlesen, und den passus mit der religionsfreiheit nicht auslassen…! 
gruß
datafox
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