Hallo WWW-lers!
Gestern war ich wieder mal im Kino und habe mir einen Film angeschaut, der mir sehr, sehr gut gefallen hat, der nur Tatsachen schildert, recht aktuell ist (die letzte Szene des Films ist vom März 2006) aber am Schluß mir einen etwas bitter-trauriges Nachgeschmack beschert hat…
Zum „Kontext“ der Fragen:
Wie allseits bekannt, Österreich würde „einfach so“ anexioniert und von heute auf morgen würde sozusagen (wenn ich mich so ausdrücken darf) einfach ein weiteres Teil Deutschlands.
Die Fragen sind dann:
Weshalb fiel kaum eine Bombe während des ganzen Krieges dort?
Warum hatten, anerkannterweise, die USA so ein großer Interesse, daß Österreich nicht zum (späteren) Ostblock gehört?
Warum würde Österreich kaum angegriffen während dieser Zeit?
Weshalb fiel kaum eine Bombe während des ganzen Krieges
dort?
Öh… hast Du schon einmal Bilder gesehen, wie Wien oder Linz am Ende des Zweiten Weltkriegs ausgesehen haben? Zumindest den „Dritten Mann“? Anscheinend nicht…
Weshalb fiel kaum eine Bombe während des ganzen Krieges
dort?
Öh… hast Du schon einmal Bilder gesehen, wie Wien oder Linz
am Ende des Zweiten Weltkriegs ausgesehen haben?
Aber genau das meine ich ja!!! Die Rede war von „kaum“ und das nicht bezüglich der Anzahl, sondern im Vergleich zu zB Deutschland. Ich meinte, daß mMn. nach dem 2. WK. (fast) ganz Europa ein Trummerhaufen war. Und im gegensatz dazu scheint mir, daß Österreich ziemlich verschont geblieben ist… Obwohl natürlich jede Bombe ist eine Bombe zuviel und verursacht tausende von Toten, Verletze, etc…
Zumindest den „Dritten Mann“? Anscheinend nicht…
Doch, doch! Nur (leider) einmal und vor einigen Jahren, aber Orson Wells ist dabei phantastisch!
Weshalb fiel kaum eine Bombe während des ganzen Krieges
dort?
Nun, die großen Rüstungsbetriebe lagen ja wohl überwiegend in Deutschland, das ja auch wesentlich dichter besiedelt war und ist als Österreich. Und die Industriezentren in Österreich wurden ja auch angegriffen. Natürlich bekamen da die Alpendürfer nichts an davon - aber es gab ja auch in deutschland Landstriche, in denen keine Bombe fiel.
Zum anderen: Schau mal auf die Landkarte! Um Österreich bomabardieren zu können, hätte man erst einmal ganz Deutschland überfliegen müssen. Das lies die Reichweite vieler Bomber nicht zu, zudem war die Reichweite vieler Jagdflugzeuge noch geringer. Die Bomber hätten also ohne Begleitschutz Deutschland überfliegen müssen, das hätte derbe verluste durch die deutsche Flak und die deutschen Abjangjäger nach sich gezogen. Da waren die west- und nordeutschen Städte einfach die bequemeren Ziele.
Warum hatten, anerkannterweise, die USA so ein großer
Interesse, daß Österreich nicht zum (späteren) Ostblock
gehört?
In den meisten Fällen wurden ja die Länder durch die Mächte besett, die gerade einmarschierten. Dadurch kam Italien zu den Alliierten und Osteuropa zu den Russen. Eine Ausnahme bildeten Deutschland und Österreich, die in Besatzungszonen aufgeteilt wurden.
Aber nun gab es in Österreich immer Kräfte, die sich dem Anschluß damals wiedersetzt haben. Denen konnte man eine Nazifreundlichleit nicht unterstellen, somit konnte man sie auch nicht vom Neuaufbau ausschließen. Die waren aber auch nicht kommunistenfreundlich - es bestand also für die Russen gar keine Chance, analog zur Sowjetzone in Deutschland irgendein kommunistenfreundliches Regime mit einer auch nur halbwegs zu begründenden Legitimation zu installieren. Damit fiel Österreich automatisch an den Westen - da mußten sich die Amis nicht sonderlich anstrengen.
Warum würde Österreich kaum angegriffen während dieser
Zeit?
Wer hätte Österreich denn angreifen sollen? Die russischen Fliegertruppen wohl kaum - die waren in den besten Zeiten gerade in der Lage, ihre Bodenoperationen zu unterstützen. Und die Amerikaner und Briten waren einfach zu weit weg, um einen wirklich effektiven Luftkrieg zu führen. Und am Kriegsende war doch eh schon alles in Auflösung begriffen, als die Russen einmarschierten. Die letzten militärischen Reserven der Deutschen wurden da an der Oder vor Berlin verheizt - wirklich heftige und zerstörungsreiche Gefechte fanden auf Österreichs Boden ja kaum noch statt.
Öh… hast Du schon einmal Bilder gesehen, wie Wien oder Linz
am Ende des Zweiten Weltkriegs ausgesehen haben?
Aber genau das meine ich ja!!! Die Rede war von „kaum“ und das
nicht bezüglich der Anzahl, sondern im Vergleich zu zB
Deutschland.
Österreich ist wesentlich kleiner als Deutschland und hat weit weniger große Städte als Deutschland. Kleine Dörfer wurden auch in D eher selten zerbombt.
Es gibt übrigens noch eine österreichische Stadt, die komplett zerbombt wurde und zwar Wiener Neustadt, da sich hier das größte Messerschmitt-Werk des dritten Reiches befunden hat.
Nach dem Krieg wurde sogar überlegt die zerstörte Stadt als Mahnmal stehen zu lassen und Wr. Neustadt an anderer Stelle komplett neu aufzubauen.
Noch heute ist es immer wieder ein Abenteuer, wenn in Wr. Neustadt und Umgebung gebaut wird, denn es gibt noch eine große Anzahl von Blindgängern, die dabei ausgebuddelt werden.
Weshalb fiel kaum eine Bombe während des ganzen Krieges
dort?
„kaum eine Bombe“ ist zwar ziemlich untertrieben, der Schwerpunkt der Alliiierten lag aber auf der Westfront (und hinsichtlich des Luftkrieges somit auf Dtl.), während Österreich in den Bereich der Südfront fiel, die im Verlauf des Krieges immer mehr zum Nebenkriegsschauplatz wurde.
Warum hatten, anerkannterweise, die USA so ein großer
Interesse, daß Österreich nicht zum (späteren) Ostblock
gehört?
Churchill (GB) drängte schon lange die Amerikaner den immer größer werdenden sowj. Einfluß in Europa einzudämmen. Die Amerikaner bemerkten erst ziemlich spät (1944 in Polen), daß den Sowjets nichts an einer Restauration des Vorkriegseuropas gelegen war (was ja eigentlich ein Hauptzeil der Westalliierten im Krieg gewesen war), sondern daß sie in den „befreiten“ Ländern jegliche Opposition kalt stellten und mit den einheimischen Kommunisten eine neuerliche Diktatur errichteten.
Um zur eigentlichen Frage zurückzukommen: Österreich im Ostblock hätte natürlich eine Flankenbedrohung Süddeutschlands und Norditaliens dargestellt, wobei Italien dann wahrscheinlich noch ein größer Brennpunkt des Kalten Krieges geworden wäre als es Deutschland war.
Warum würde Österreich kaum angegriffen während dieser
Zeit?
Gesamtabwurf auf Österreich: 120.000 Tonnen Spreng- und Brandbomben
Verlustzahlen: ca. 35.000 Tote und ca. 57.000 Verwundete
Zeitraum: 13. 08. 1943 (erster Luftangriff auf Österreich) bis Kriegsende
meine Vorredner haben dir ja schon dargelegt, dass das mit „kaum eine Bombe“ nicht zutrifft.
Ich darf hinzufügen, dass es in der Anfangszeit der Luftangriffe Reichweitenprobleme gab. Von England aus erreichten die Bomber Ziele in Süddeutschland und Österreich mit Mühe, die Begleitjäger in keinem Fall. Die Verlustquote der Maschinen war folglich ziemlich hoch und die Bombardierung aufgrund der geringeren Tragfähigkeit weniger effektiv als in Westdeutschland.
Das änderte sich mit Eröffnung der italienischen Front und der Entwicklung von moderneren Jagdflugzeugen.
VIELEN HERZLICHEN DANK an Euch allen!
Hallo!
Vielen Dank für eure sehr aufschlußreiche und gut informierte Antworten!
Mir ist es schon klar, daß in Österreich viele Bomben fielen. Das bestreitet ja niemand -und ich am allerwenigsten! Meine Bemerkung bezog sich auf den Vergleich mit anderen Länder.
Wie ich schon sagte, jede einzelne Bombe ist eine Bombe zuviel und am liebsten und besten wäre es gewesen, wenn absolut keine mehr fiele. Und selbst wenn 80% der Alpenrepublik aus kleinen Städten bzw. Dörfer besteht (und somit vermutlich keinen besonders attraktive Ziele für die Angreifer darstellten) habe ich das Gefühl (was im o.g. Film an bestimmten Stellen auch angedeutet und sogar an anderen angesprochen würde) daß dieses Land „Glück im Unglück“ hatte, wenn ich mich so ausdrücken darf.
Aber durch Gernots Beitrag ist es mir klarer.
Also an alle vielen Dank und einen schönen Gruß aus der damals platt zerbombten Nürnberg,
Helena
entscheidend für die Beurteilung Österreichs war, dass es die österreichischen Exilanten (u.a. Otto von Habsburg) in den USA schafften, die Regierung davon zu überzeugen, dass Österreich gegen seinen Willen okkupiert wurde.
Wahr ist natürlich, dass das Volk in dieser Frage (deutsch oder österreichisch) quer zu anderen Frontstellungen (links-rechts) gespalten war.
Jedenfalls wurde schon früh festgelegt, dass Österreich ein zu befreiendes Land sei, woraus sich ergab, dass es anders behandelt wurde als das besetzte Deutschland.
Gruß,
Andreas
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als Österreicher weiß ich natürlich etwas besser bescheid, was hierzulande passiert ist:
Österreich wurde 1938 ans Deutsche Reich angeschlossen. Die Widerstände dagegen waren aber eher gering. Die Nazis hatten vorher schon seit den 20er Jahren genügend Fürsprecher im Lande rekrutiert.
Bomben sind in Österreich genug gefallen. Vor allem da, wo Eisenbahnknoten oder wichtige Fabriksanlagen waren, war so gut wie alles zerstört. Städte wie Wiener Neustadt oder Villach waren großflächig zerstört. Es gab auch sehr wichtige Produktionsstätten in Österreich. Noch heute werden viele Fliegerbomben in fast jeder Stadt gefunden.
Der damalige Kanzler Leopold Figl hat mit den Russen gut verhandelt, und ein neutraler Pufferstaat schien wünschenswert. Außerdem wurde die Rolle ein Opfer zu sein, gut gespielt.
Was du mit den Angriffen meinst, versteh ich nicht ganz. Der 2. WK hat sich natürlich auch in Österreich abgespielt.
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