Hallo Leute !
Auch in Österreich ist das Un-/Wort des Jahres 2003 gewählt worden:
Wort des Jahres 2003: Hacklerregelung
Unwort des Jahres 2003: „Besitzstandswahrer“
Spruch des Jahres 2003: „Kinder statt Partys“
Wort des Jahres: Hacklerregelung
Drei Gründe nannte die Jury für die Wahl der Hacklerregelung: Zum einem sei es ein Neologismus (Neuwort), der aus der Verbindung von „Hackler“ und Regelung entstanden und in Österreichs öffentlicher Sprache erstmals Ende 2002/Anfang 2003 aufgetreten sei, sich dann schnell zu einem zentralen Begriff der Diskussion rund um die Pensionsreform entwickelt habe.
Weiters handelt es sich bei der „Hacklerregelung“ um einen echten Austriazismus (österreichspezifisches Wort), das in seiner Grundform ursprünglich nur in der gesprochenen regionalen Sprache im Osten des Landes angesiedelt gewesen ist, so die Jury. Es habe sich jedoch binnen kürzester Zeit zu einem allgemein gebräuchlichen und akzeptierten Begriff der österreichischen Verwaltungssprache entwickelt. Daran zeige sich auch die Produktivität des österreichischen Deutsch, das seinen Bestand an eigenständiger Lexik laufend aus seinen regionalen Varianten erweitert. Der offizielle, gesetzlich verankerte Terminus ist „Schwerarbeiterregelung“. Dritter Grund: Neben dem Wort Reform bekam die „Hacklerregelung“ auch die meisten Internetstimmen.
Unwort des Jahres: „Besitzstandswahrer“
Die Wahl der „Besitzstandswahrer“ zum Unwort des Jahres wurde damit begründet, dass es die „Täter-Opfer-Rolle umdreht“ und daher ein klassisches Unwort sei: „Der Begriff wird von den Besitz-Habenden derzeit dazu verwendet, um jene als ‚Reformverhinderer‘ und ‚Privilegienritter‘ zu verunglimpfen, die tatsächlich keinen Besitz haben und sich bloß dagegen wehren, dass ihre Pension oder ihr Lohn verringert oder ihre Arbeitsbedingungen verschlechtert werden.“
Der Ausdruck stamme zudem ursprünglich aus dem Bereich der Beschreibung adeliger Besitzverhältnisse, erklärte die Jury weiter und brachte ein Beispiel: „Die adelige Familie xy konnte den Besitzstand wahren.“ Damit sei ein in diesem Kontext als positiv angesehenes und gesellschaftlich anerkanntes Verhalten beschrieben worden. Dieses Verhalten werde heute ökonomisch schlecht gestellten Gruppen vorgeworfen, wenn sich diese erlauben, gegen die Maßnahmen der Regierung zu protestieren. Zudem wurde das Wort von den Online-WählerInnen an die erste Stelle gesetzt.
Spruch des Jahres 2003: „Kinder statt Partys“
Der Spruch des Jahres 2003 - „Kinder statt Partys“ - sei heuer zum geflügelten Wort und viel diskutiert worden, betonte die Jury. Er habe besonders bei der Jugend große Empörung und bei anderen Kopfschütteln hervorgerufen, „da er ein ungerechtfertigtes Pauschalurteil über die Jugend ausdrückt und völlig gegen die Erkenntnisse der Sozialwissenschaften steht“. Demnach seien vor allem die fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen und die fehlende Ganztagsschule die Hauptgründe dafür, dass besonders Frauen daran gehindert werden, Kinder und Beruf miteinander zu kombinieren, wodurch sie (oft aus finanziellen Gründen) notgedrungener Weise auf eigene Nachkommen verzichten.
Die Äußerung von Ministerin Elisabeth Gehrer (V) lautete laut Jury zwar: „Ein Teil der jüngeren Generation rauscht von Party zu Party, der Kindernachwuchs stellt aber keinen Wert mehr dar.“ Doch sei diese in der öffentlichen Diskussion auf ihre Kernaussage „Kinder statt Partys“ reduziert worden. Zudem wurde der Spruch von den InternetwählerInnen mit großem Abstand in verschiedenen Varianten (bis hin zu „Discos statt Pampers“) an die erste Stelle gewählt.
(APA)
Schöne Grüsse
Christof