Hallo!
In der Mathematik werden regelmäßig Zusammenstellungen der größten ungelösten Probleme herausgegeben. Auf diese Weise wird die Forschung koordiniert.
Gibt es vergleichbares auch in der Psychologie?
Falk
Hallo!
In der Mathematik werden regelmäßig Zusammenstellungen der größten ungelösten Probleme herausgegeben. Auf diese Weise wird die Forschung koordiniert.
Gibt es vergleichbares auch in der Psychologie?
Falk
Hallo, Falk,
Mathematik und Psychologie unterscheiden sich: In der Mathematik können Sätze aufgestellt und bewiesen werden. Fragen können als abschließend beantwortet oder als (noch) ungelöst eingestuft werden (Beispiel: der Große Fermatsche Satz, der erst nach über 300 Jahren bewiesen werden konnte). In empirischen Wissenschaften wie der Psychologie können Fragen dagegen niemals als abschließend beantwortet eingestuft werden (-> Popper).
Es gibt allerdings Übersichten über den Forschungsstand. Solche findest Du (z.B.) in der Annual Review of Psychology.
Grüße,
Oliver Walter
Hallo Oliver!
In empirischen Wissenschaften wie der Psychologie können
Fragen dagegen niemals als abschließend beantwortet eingestuft
werden (-> Popper).
Dessen war ich mir bewusst, und ein Anhänger Poppers bin ich ebenfalls. Dennoch halte ich eine gewisse Koordination des Forschungsbetriebs für sinnvoll. Aus meiner Sicht sollte sichergestellt werden, dass jede als bedeutsam empfundene Hypothese einer Mindesanzahl von Falsifikationsversuchen unterzogen wird. Neben Replikationsversuchen müssen auch abgewandelte Untersuchungen durchgeführt werden. Aus meiner Sicht erfordert all dies sehr viel Koordination. Für bestimmte Kernfragen sollte die Forschung gebündelt werden. Hierzu halte ich eine Liste der 10 größten offenen Fragen der Psychologie für angebracht. Natürlich wird keine dieser Fragen je eindeutig beantwortet werden und es liegen höchstwahrscheinlich schon einige Antwortversuche vor. Nichtsdestotrotz gibt es Fragen, die völlig offen sind, und solche, die zumindest innerhalb eines Paradigmas als geklärt betrachtet werden.
Es gibt allerdings Übersichten über den Forschungsstand.
Solche findest Du (z.B.) in der Annual Review of
Psychology .
Danke hierfür: Diese Zeitschrift gibt es sogar in meiner Universitätsbibliohtek!! Beim Durchsehen der Artikel bin ich auf Reviews einzelner Hypothesen gestossen. Kannst du dich an einen Überblick über den Forschungsstand der gesamten Psychologie erinnern?
Falk
Hallo, Falk,
Aus meiner Sicht sollte
sichergestellt werden, dass jede als bedeutsam empfundene
Hypothese einer Mindesanzahl von Falsifikationsversuchen
unterzogen wird […]
das geschieht, aber nicht so, wie Du es Dir vorstellst, sondern über Diskussionen zwischen wissenschaftlich arbeitenden Psychologen. Schau Dir die Artikel in den psychologischen Fachzeitschriften an und bilde Dir dann ein Urteil. Im nächsten Heft der Psychologischen Rundschau wird es wahrscheinlich eine Diskussion zwischen deutschen Psychologen zu einem aktuellen Themengebiet geben. Oder geh auf Tagungen: In Nürnberg findet im September der Kongreß der Deutschen Gesellschaft statt. Dann kannst Du einen Eindruck davon bekommen, wie Forschung abläuft.
Kannst du dich an
einen Überblick über den Forschungsstand der gesamten
Psychologie erinnern?
Ja, jetzt doch: Die Enzyklopädie der Psychologie in zig Bänden ist vielleicht das, was Du meinst.
Mir unverständlich, wie ich sie vergessen konnte. Ich schreibe doch an einem Kapitel mit. 
Grüße,
Oliver Walter
Hallo Oliver,
Aus meiner Sicht sollte
sichergestellt werden, dass jede als bedeutsam empfundene
Hypothese einer Mindesanzahl von Falsifikationsversuchen
unterzogen wird […]
das geschieht, aber nicht so, wie Du es Dir vorstellst,
Ich glaube, dass wir beide durchaus die gleiche Vorstellung davon haben, wie Forschung in der Psychologie praktiziert wird. Was ich beschriebenhabe, halte ich nicht für die Normalität sondern für einen Zielzustand.
Oder geh
auf Tagungen: In Nürnberg findet im September der Kongreß der
Deutschen Gesellschaft statt. Dann kannst Du einen Eindruck
davon bekommen, wie Forschung abläuft.
Dort werde ich in der Tat teilnehmen undzwar mit einem Posterbeitrag.
Ja, jetzt doch: Die Enzyklopädie der Psychologie in zig
Bänden ist vielleicht das, was Du meinst.
Jein, ich hoffte zwar auf eine Zusammenstellung der bisherigen „Erkenntnisse“ und aktuellen Ziele, allerdings in komprimierter Form: als Agenda, Review oder Vortrag.
Falk