Oh weh oder: Klio hilf!

Mein lieber Schwan,

Marion nannte es starken Tobak, was in diesem Artikelnbaum in schönster Eintracht fabriziert wurde. Ich nenne es falsch, weil es allen historischen Erkenntnissen widerspricht, die wir in den letzten 60 Jahren gewonnen haben. Ich finde es auch erstaunlich, mit welcher Sicherheit hier behauptet wird, was Stauffenberg dachte oder wollte.

Wenn ich die ehrenrürigsten Dinge (Stauffenberg als Nazi bis zuletzt) weglasse, bleiben übrig:

  • Stauffenberg und Demokratie. In der Tat wollten die meisten keine Rückkehr nach Weimar. Aber das wollten „wir“ ja auch nicht. Daher der Unterschied zwischen GG und WRV. Tatsache ist aber, das Stauffenberg nicht den konservativen (hier klingt das immer wie Fast-Nazi) Goerdeler, sondern den Sozialdemokraten Leber. Wenn das reaktionär sein soll, dann bitte…

  • Stauffenberg war sicher mit Leib und Seele Offizier. Wenn man das mit Militarist gleichsetzt, dann bitte… Dass es aber auch das Bild des gebildeten, selbst denkenden Offiziers gibt, kommt Euch nicht in den Sinn? Und gerade Stauffenbergs literarische Bildung sollte so intensiven Kennerns seines Denkens und Wollens doch bekannt sein.

  • Ich finde es (gemäß dem Gleichnis vom verlorenen Sohn) allemal anerkennswerter (übrigens auch spannender), wenn jemand seine frühere Positionen revidiert. Insofern ist Stauffenbergs frühe Zustimmung zum NS verzeihlich. Wenn nicht, sollten wir schnellstens einen neuen Außenminister einsetzten. Der hat sich ja auch geändert.

  • Die Beteiligten vom 20. Juli wussten sicher, dass es nicht mehr um die Verhinderung der Niederlage ging. Die Worte Tresckows sind ja bekannt. Der von Stauffenberg abgesegnete Rundfunkaufruf und seine Befehle sprechen eine fundamental andere Sprache als hier behauptet.

Gruß,
Andreas

hoppla: war Antwort auf ‚Attentäter des 20. Juli‘