Ohne Krankenversicherung Kostenfalle

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Wie Nicht-Versicherte in die Kostenfalle geraten

Von Antonia Götsch

Immer mehr Menschen in Deutschland leben ohne den Schutz einer Krankenversicherung. Handwerker und kleine Dienstleister fallen durch die Lücken zwischen privatem und gesetzlichem System. Jede Krankheit wird zur existentiellen Bedrohung. (…)

Berlin - Als Peter Gomm endlich zum Arzt ging, war die eitrige Beule auf seinem Rücken so groß wie ein Hühnerei. Creme und Penicillin-Tabletten, die er sich von Freunden billig aus Polen mitbringen ließ, halfen nicht. Gomm medikamentiert sich immer selbst. Seit einem Jahr und zwei Monaten lebt er ohne Krankenversicherung.

Zusammengesunken sitzt der 64-jährige Berliner im Wartezimmer der Malteser Migranten Medizin. Die langsam heilende Wunde auf seinem Rücken ist vier Zentimeter tief. Gomm muss zweimal wöchentlich zur Nachbehandlung, damit sie sich nicht entzündet.

Eigentlich ist die Praxis der Malteser vor drei Jahren als Anlaufstelle für Flüchtlinge und illegale Zuwanderer entstanden, doch zunehmend kommen auch Deutsche zu Adelheid Franz. „Selbständige, deren Einkommen nicht ausreicht, um die Krankenversicherung zu bezahlen, Rentner, aber auch Studenten“, schildert die Ärztin. Etwa 40 Betroffene kamen seit Januar, dass sind schon jetzt doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Franz berät und behandelt kostenfrei. Wenn sie ihre Patienten an Krankenhäuser und Kollegen überweist, müssen die einen Teil der Kosten selber tragen. „Jeder soviel er kann“, sagt Franz.

Zahl der Nicht-Versicherten steigt

Rund 190.000 Menschen in Deutschland haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes keine Krankenversicherung, damit hat sich die Zahl der Nicht-Versicherten in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt und bei den Selbstständigen sogar auf 32.000 Betroffene verfünffacht. Akademiker und Unternehmer landen im Nichts zwischen gesetzlichem und privatem System und wundern sich, wie ihnen so etwas passieren konnte. „Auf mindestens 250.000“ schätzt Lilo Blunck, Geschäftsführerin vom Bund der Versicherten (BdV), die Zahl der Betroffenen. Die Tendenz sei steigend, denn die Rückkehr in die gesetzlichen Kassen ist mit der Gesundheitsreform im Jahr 2000 schwieriger geworden. Die schlechte wirtschaftliche Lage tut ihr Übriges.

Malteser Hilfsdienst
Medizinerin Adelheid Franz: Immer mehr deutsche Patienten kommen in die Praxis des Malteser Hilfsdienstes
Gründe, warum Menschen den Versicherungsschutz verlieren, gibt es viele: Wer über den Ehepartner versichert ist, muss sich nach einer Scheidung innerhalb von drei Monaten selbst versichern, auch nach der Rückkehr aus dem Ausland gilt eine solche Frist. Privatversicherte, die ihre Beiträge nicht bezahlen, können schon nach einem Monat gekündigt werden, die Entscheidung liegt im Ermessen der Anbieter. Gesetzliche Kassen hingegen müssen ihre freiwilligen Mitglieder nach zweimonatigem Zahlungsrückstand aussortieren - so steht es im Sozialgesetzbuch.

„Der Verlust der Krankenversicherung trifft vor allem Selbstständige - Kioskbesitzer und kleine Dienstleister“, sagt Blunck vom BdV. „Gerade die Ich-AGs sind gefährdet. Viele werden nicht mehr in der Lage sein, ihre Beiträge zu zahlen, wenn die Fördermittel auslaufen.“ Das Ende der Förderung könnte sich damit gleich zum doppelten Problem auswachsen: Einerseits entfallen die Zuschüsse der Arbeitsagentur; zum anderen erhöhen sich für alle, die sich freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert haben, die Beiträge, da sie als Ich-AG einen ermäßigten Tarif bezahlen.

„Viele unterschätzen die Gefahr einer Kündigung“

Gomm ist selbstständiger Elektriker. Als ein großer Kunde, für den er mehrere Häuser mit Strom ausgestattet hatte, nicht zahlte, stand er plötzlich mit 24.000 Euro Schulden da. „Die Versicherung hat mir zwar Mahnungen geschrieben, doch ich konnte ja nicht bezahlen“, sagt Gomm. Die DBV-Winterthur kündigte ihm nach zwei Monaten. „Mir war gar nicht klar, was da alles dran hängt“, berichtet der Elektriker. Eine neue Versicherung findet er nicht, mit seinen 64 Jahren ist er ein schlechtes Risiko. „Nur einmal hatte ich ein Angebot, mit einem Monatsbeitrag über 600 Euro. Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Gomm.

„Viele Menschen unterschätzen die Gefahr einer Kündigung“, warnt Jürgen Viezens, Referent des BKK Landesverbandes Nordrhein-Westfahlen. Wer einmal aus dem gesetzlichen oder privaten System gefallen ist, schafft es vor allem als Alter oder Kranker nicht wieder zurück.

Die gesetzlichen Kassen nehmen freiwillige Mitglieder grundsätzlich nur im direkten Anschluss an eine bestehende Versicherung auf. „Wer nicht innerhalb von drei Monaten einen Antrag stellt, kann später kaum wieder zurück“, sagt Viezens. Das gilt für Kinder, die aus der Familienversicherung herauswachsen genauso wie für Arbeitnehmer, die sich selbstständig machen.

Die privaten Versicherer suchen sich ihre Mitglieder aus. Jenseits der 30 Jahre sind die Beiträge nicht mehr verlockend niedrig. Zudem können die Altersrückstellungen, die junge Mitglieder einzahlen, damit die Beiträge im Alter nicht steigen, nicht von einer privaten Kasse zur nächsten mitgenommen werden. „Die Angebote für eine Neuversicherung liegen dann zum Teil bei 600 bis 700 Euro“, sagt Bianca Höwe, die Privatversicherte beim BdV berät. Auch wenn die Kasse nie gewechselt wurde, werden die Prämien im Alter häufig zur Belastung. „Die Altersrückstellungen gleichen die fortlaufenden Beitragsanpassungen nicht aus“, erklärt Höwe. Privatpatienten, die ihr Leben lang hohe Prämien eingezahlt hätten, müssten dann als Rentner oftmals in den günstigen Standardtarif wechseln. Dieser ist gesetzlich vorgeschrieben und darf nicht mehr kosten als der Höchstbetrag der gesetzlichen Kasse, in diesem Jahr maximal 500 Euro. Die über Jahrzehnte bezahlten Ansprüche aus Zusatzversicherungen, Chefarztbehandlung und Einzelzimmer gehen dabei verloren.

Privatpatient, weil das Einkommen zu niedrig ist

Viele Kleinselbstständige schließen in jungen Jahren eine private Krankenversicherung ab, obwohl sie steigende Beiträge befürchten. Monika Wolf* ist Privatpatientin, nicht weil sie so viel, sondern weil sie wenig Geld verdient, etwa 1200 Euro Brutto im Monat. Die gesetzlichen Kassen bemessen den Mindestbeitrag aber an einem Einkommen von 1800 Euro, der so genannten Mindestgrenze. Die selbstständige Fremdsprachenlehrerin würde daher etwa 260 Euro pro Monat bezahlen. „Das kann ich mir nicht leisten und deshalb habe ich mich schweren Herzens für einen abgespeckten Basisschutz bei einer Privaten entschieden“, sagt Wolf. Der kostet 130 Euro monatlich, die 1200 Euro Selbstbehalt hat die Lehrerin in fünf Jahren noch nie überschritten. „Aber immerhin habe ich im Gegensatz zu vielen Kolleginnen einen Schutz, wenn der absolute Notfall eintritt“.

Denn für Nichtversicherte kann jede Krankheit zum finanziellen GAU werden. Eine Blinddarmoperation kostet 2700 Euro, ein Beinbruch rund 3000 Euro, bei einem Herzinfarkt wird die Summe schnell fünfstellig. Die Berliner Charité rechnet für eine Bypass-OP und die anschließende Versorgung etwa 22.000 Euro ab.

DPA
Arztbesuch: „Die haben gedacht, ich bin Privatpatientin“
„Ich hatte ständig Angst, dass mir etwas schlimmes passieren könnte, dass ich stürze und mir das Bein breche“, berichtet Alexandra Krause*, die über ein Jahr lang unversichert war. Selbst ihr Hausarzt ahnte nichts von der Misere. „Ich habe mir die Rechnungen nach Hause schicken lassen und die haben wahrscheinlich gedacht, ich bin Privatpatientin“, sagt sie. „Es ist ja auch peinlich, man kommt sich vor wie einer, der auf der Straße lebt.“ Krause hat in den Wirren ihrer Scheidung zu spät an die Krankenversicherung gedacht: „Ich wusste gar nicht so genau, ab wann die Scheidung rechtsgültig ist.“ Von diesem Tag an läuft die Dreimonatsfrist.

Ausweg: Anstellung oder Arbeitslosengeld

Einziger Ausweg für die Betroffenen ist oft ein Angestelltenverhältnis, denn die Versicherungspflicht ermöglicht die Rückkehr in das gesetzliche Krankensystem. Wer den Schutz ein Jahr aufrechterhält, darf sich danach auch wieder freiwillig gesetzlich versichern.

Dem Berliner Elektriker Gomm würde aber selbst eine Anstellung nichts nützen, denn für Menschen, die älter als 55 Jahre sind, hat der Gesetzgeber besondere Hürden festgeschrieben. Egal ob angestellt oder nicht, wenn die Antragssteller in den letzten fünf Jahre keinen Bezug zur gesetzlichen Krankenkasse nachweisen können, bleibt ihnen der Zugang versperrt. Diese Regelung schrieb Ministerin Andrea Fischer im Zuge der Gesundheitsreform in das Sozialgesetzbuch, um die gesetzlichen Kassen gegen die Rückkehr älterer Privatversicherter abzuschotten. Wer in jungen Jahren Beiträge spart, soll in der Privaten bleiben, auch wenn die Prämien steigen. Was Mitnahmeeffekte verhindern soll, trifft nun auch Menschen, die durch eine finanzielle Notlage oder Unkenntnis aus dem System fallen.

Für Gomm ist der Gang zum Arbeitsamt die letzte Möglichkeit. Eigentlich will der Elektriker kein Geld vom Staat annehmen. Er kann sich schließlich immer noch von seiner Arbeit ernähren, auch wenn seine Firma nur noch aus ihm besteht. „Ich nehme keine Almosen, so bin ich nicht aufgewachsen“, erklärt er. Doch wenn er nur einen Euro Unterstützung bekäme, wäre er wieder krankenversichert. „Vielleicht gehe ich doch hin“, sagt Gomm, „langsam haben mich meine Kinder weich geklopft. Sie sollen sich nicht mehr so viele Sorgen um mich machen.“

(* Name geändert)

Hallo!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,351455,00.html
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Diese Regelung schrieb :Ministerin Andrea Fischer im :Zuge der Gesundheitsreform in :das Sozialgesetzbuch, um die :gesetzlichen Kassen gegen die :Rückkehr älterer :stuck_out_tongue:rivatversicherter
abzuschotten. Wer in jungen :Jahren Beiträge spart, soll :in der Privaten bleiben, auch :wenn die Prämien steigen.

Diese Maßnahme war eine Rieseneselei. Die aufgebauten Barrieren bis hin zur Unmöglichkeit des Beitritts zur GKV sind nur für Leute mit Tunnelblick verständlich, tatsächlich aber kontraproduktiv, wenn es denn um den Schutz der GKV geht. Vielen Nichtversicherten bleibt auf diese Weise nur der Weg in die staatliche Unterstützung, sei es ALG2 oder Grundsicherung. Über diesen Umweg hat die GKV die älteren Mitglieder zu Minimalbeiträgen an der Backe und nicht nur dieser Beitrag wird aus Steuermitteln finanziert, sondern gleich noch eine weitere Unterstützung aus öffentlicher Kasse, die ja für sonst nicht versicherbare Menschen gerade erst die Voraussetzung zur Aufnahme in die GKV schafft.

Mir kommt die Galle hoch. Da sind Ideologen am Werk, die ihr Handwerk einfach nicht verstehen! Und die Gesundheitsministerin, diese dumme Pute, sieht auf Nachfrage keinen Handlungsbedarf. Wählt sie ab, jagt sie zum Teufel, das Pack taugt nichts!

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,
was wäre denn die Lösung aus deiner Sicht ??

Die „armen“ Menschen waren beispielsweise 20 Jahre lang PKV versichert,
haben Beiträge nur für das eigene Risiko gezahlt und an das Alter nicht
gedacht - wer tut das schon.
Jetzt langt die Kohle nicht mehr und die Wehwehchen kommen daher.
Und nun sollen die Versichertengemeinschaft der verschiedenen
gesetzlichen Kassen diese Menschen wieder in ihren Schoß aufnehmen
und das natürlich zu einem recht niedrigen Beitrag.

Das wollte aber der Gesetzgeber nicht, egal ob er Schwarz/Gelb
oder Rot/Grün war oder ist.
Also, dein Lösungsvorschlag - vielleicht geht es ja ohne „das Pack
wegzujagen“

Gruss

Günter Czauderna

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Hallo Guenter!

Die „armen“ Menschen waren :beispielsweise 20 Jahre lang :stuck_out_tongue:KV versichert, haben :Beiträge nur für das eigene :Risiko gezahlt und an das
Alter nicht gedacht - wer tut :das schon. Jetzt langt die :Kohle nicht mehr und die :Wehwehchen kommen daher.
Und nun sollen die :Versichertengemeinschaft der :verschiedenen gesetzlichen :Kassen diese Menschen wieder :in ihren Schoß aufnehmen
und das natürlich zu einem :recht niedrigen Beitrag.

Das wollte aber der :Gesetzgeber nicht…

Aha! Was wollte der Gesetzgeber? Wollte er Schuldfragen erörtern in der Art, hättest Du mal in jungen Jahren…? Vermutlich. Wollte er Menschen unbehandelt irgendwo krepieren lassen? Vermutlich nicht. Er wollte die GKV vor Leuten schützen, die in guten Zeiten die Vorteile der privaten Versicherung mitnehmen, um sich in schlechteren Zeiten an die GKV zu halten. Dabei dachte der Gesetzgeber aber genau so wenig nach, wie es die Leute taten, vor denen er die GKV schützen wollte. Er machte sogar genau den gleichen Denkfehler, indem er nämlich nicht berücksichtigte, daß sich die wirtschaftlichen Verhältnisse bei ausnahmslos jedem Menschen in diesem Land verschlechtern können. Wenn man für diesen Fall die Aufnahme in die GKV an den Bezug von Unterstützung aus öffentlichen Kassen knüpft, passiert genau das, nämlich Bezug von Unterstützung aus öffentlichen Kassen.

Wenn wir unversicherte Menschen unbehandelt verrecken lassen wollen, ist das eine klare Linie. Wenn wir das aber nicht wollen, ist es schädlich, die Versicherbarkeit an den Bezug von Unterstützung für den Lebensunterhalt zu knüpfen, weil man auf diese Weise viele Menschen in die Unterstützungssysteme treibt. Die haben nämlich gar keine andere Alternative. Wer sich dennoch mit Schuldfragen (hätte er in jungen Jahren…) aufhält, aber gleichzeitig unbehandeltes Verreckenlassen von sich weist, hat den Schuß nicht gehört, handelt nicht konkludent.

Denkt man die Problematik zu Ende und schließt unbehandeltes Verreckenlassen aus, kommen wir an gesundheitlicher Grundsicherung für jeden Bürger nicht vorbei. Die haben wir faktisch, aber nur für Leute, die auf dem Klavier zu spielen verstehen und sich um wenigstens einen einzigen Euro Unterstützung kümmern, um auf diese Weise auf Staatskosten in der GKV versichert zu sein.

Die Kopplung der Versicherbarkeit für bestimmte Bevölkerungsgruppen an den Bezug öffentlicher Leistungen ist das Übel. Dabei muß für die GKV die Möglichkeit entfallen, Mitglieder rauszuschmeißen. Die Möglichkeit (und sogar die Pflicht unter bestimmten Voraussetzungen) hat die GKV, aber das ist nur ein Beschäftigungsprogramm für Bürokraten, weil das ausgesteuerte Mitglied über den Bezug öffentlicher Leistungen sogleich wieder zum Mitglied wird. Was bitte soll das Ganze?

Vermutlich saugen wir Deutschen die Neigung zum Wälzen von Schuldfragen schon mit der Muttermilch auf. Dabei ist das Problem wirklich einfach zu lösen: Entfall der Zugangsbeschränkungen zur GKV - Fertig! Wer jetzt wieder „Ja, aber…“ einwendet, wälzt Schuldfragen und kommt dennoch nicht am zwingenden Ergebnis vorbei oder muß konsequent für unbehandeltes Verreckenlassen eintreten. Ein bißchen schwanger geht eben nicht, aber genau das wird versucht.

Ich drösel die Problematik noch einmal von einer anderen Seite auf: Die Leistungen z. B. an einen älteren ALG2-Empfänger aus Bargeld, Miete, Heizung, Renten- und Krankenversicherungsbeiträgen summieren sich auf monatlich rund 1.000 €. Wenn der gleiche Mensch aber 1.000 € selbst verdienen könnte, wird er von der GKV nicht versichert, weil er zu alt ist und den Beitrag für eine PKV kann er nicht aufbringen. Ist dieser ältere Mensch dumm genug, arbeitet er, verdient seinen Lebensunterhalt selbst und verzichtet auf eine KV. Ist er aber nicht dumm genug, läßt er das Arbeiten bleiben, bezieht staatliche Unterstützung und ist selbstverständlich krankenversichert. Ließe man die Altersgrenze für die Aufnahme in die GKV grundsätzlich fallen und nicht nur für Bezieher öffentlicher Unterstützung, würde unter dem Strich eine Entlastung der öffentlichen Kassen resultieren.

Die Schätzungen der Anzahl Nichtversicherter reichen von 190.000 bis 300.000 Menschen. Bei ernsthaften Erkrankungen fallen die Behandlungskosten für diese Menschen ohnehin der öffentlichen Kasse anheim. Schon von daher sind Zugangsbeschränkungen zur GKV letztlich für die Katz. Nicht bekannt ist jedoch die Zahl derer unter den derzeit über 5 Millionen Erwerbsloser, die nur Unterstützung beziehen, weil sie sonst keine Möglichkeit der KV haben. Ungezählte gescheiterte Ich-AGler und ältere ehemals Selbständige gehören zu diesem Personenkreis.

Ein bißchen off topic: An die monatliche Meldung von 5 Millionen Erwerbslosen hat sich die Öffentlichkeit inzwischen gewöhnt. Wenn die Gesundheitsministerin die in letzter Konsequenz ohnehin wirkungslose Zugangsbeschränkung zur GKV fallen ließe und über die dann entfallende Kopplung von Unterstützung und Zugang zur GKV niemanden mehr in den ALG2-Ausweg treibt, wären viele selbständige und angestellte Tätigkeiten wieder möglich, die bisher nicht möglich sind, weil die Leute sonst ihre Krankenversicherung verlören. Ich halte es für eine Spekulation mit bester Wahrscheinlichkeit, daß allein mit dieser Maßnahme die Zahl der Erwerbslosen wieder eine 4 vor dem Komma hat. So ganz nebenlei entlasten jeweils 100.000 aus ALG2 heraus kommende Menschen die öffentliche Kasse um 100 Millionen - monatlich!! Beide Effekte zusammen sind besser als 'ne Oderflut oder eine Mobilcom-Pleite und könnten 2006 wahlentscheidend sein. Wäre ich Sozi, würde ich versuchen, über den eigenen Schatten zu springen, entgegen sonstiger Gewohnheit nachdenken und mir den Vorschlag mal durch den Kopf gehen lassen.

Diese Wahlhilfe Unternehmensberatung erteilte ich kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst :smile:

Gruß
Wolfgang

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Mein Vorschlag: Gesund bleiben
Mahlzeit.

Faktisch ist unser Gesundheitswesen ein einziges Deseaster. Dank des technischen Fortschritts werden nämlich Krankheiten (fast) geheilt mit denen man in der guten alten Zeit verstorben wäre. (fast), weil es mittlerweile kein 100% gesund oder 100% krank mehr gibt. Was zusätzliche Behandlungen erforderlich machen dürfte…
Und die Interessen in der Gesundheitsindustrie nicht zu vergessen. Da geht’s um einen Milliardenmarkt. Ganz zur Not werden (psychische) Krankheiten erfunden für deren Heilung die Krankenkassen zahlen. Und Krankenkassen interessieren sich nicht unbedingt für das Portemonnaie eines Versicherten: http://www.storm-knirsch.de/Krankenkassen.htm
Tja, wie schrieb W.Krämer schon 1989 ? „Wir kurieren uns zu Tode“
Oder Frontal anno '97: „AOK - Abhauen Oder Krankbleiben“…
Usw…

So gesehen tut eigenständige Gesunderhaltung Not: keine Zigaretten, richtig Sport treiben, richtige Ernährung, Beisserchen pflegen…

In diesem Sinne
mfg M.L.

***Werbung***
http://www.freenet.de/freenet/fit_und_gesund/index.html

Hallo Wolfgang,
vielen Dank für deine mehr als ausführliche Erklärung für einen
GKV-Mann, der den Job jetzt 37 Jahre macht.
Zusammenfassend hätte dein Vorschlag „Einheitsversicherung“ oder
„Einheitskasse“ oder „Bürgerversicherung“ lauten können.
Ich bin mal gespannt was nach der Wahl 2006 da passiert.

Gruss

Günter