Ohne Vater, weil er sterben wird?

Ich möchte gerne den Vater meines Kindes davon überzeugen, das er nicht ganz richtig liegt, bzw. das es auch andere Sichtweisen gibt.

Folgende Situation:
Er hat sich aufgrund seiner Erlebnisse (Mutter vor 2 Jahren, Vater vor 1 Jahr und besten Freund dieses Jahr verloren) von mir als Partner schon in der Schwangerschaft zurückgezogen.
Seit der Geburt unserer jetzt 4 Wochen alten Tochter ist es nur kurzzeitig besser geworden bis er zu mir sagte, er möchte, das wir glücklich sind und hofft, dass ich jemand kennenlerne, der lieb und nett zu uns ist.

Seine Begründung ist sehr subjektiv und auf seine Erlebnisse gestützt:
er möchte nicht das wir ihn leiden und dann mit wahrscheinlich 50 sterben sehen (laut Ärzten ist das realistisch). So wie er es bei seinen Liebsten mit ansehen musste.
Ich muss dazu sagen, das er mehrere Krankheitsbilder hat: Bluthochdruck, Gicht, entzündete Herzklappe, usw. Hinzu kommt seine psychische Labilität, bzw. Depression und Verlustängste.
Mir scheint, das sein Argument für ihn das einzig Richtige ist, er sich damit aber auch irgendwie selber belügt.

Aus dem Grund brauch ich eure Hilfe, denn ich möchte ihm gerne (am liebsten Experten-) Meinungen vorlegen, die andere Sichtweisen und Erfahrungen aufzeigen. Ich möchte nicht, das seine Tochter ohne Vater aufwächst, nur weil er vielleicht in 20 Jahren sterben wird. Ich finde, jede Minute die Vater und Tochter miteinander verbringen können ist wertvoll.

Das ein depressiver Vater vielleicht kein guter Vater sein kann und das man aus dem Grund woanders ansetzen müsste (Psychotherapie) möchte ich auch nicht zum Thema machen, mir geht es wirklich erstmal nur um die Tatsache, das die Aussicht auf den Tod in 20 Jahren kein Grund auf totalen Rückzug gegenüber seinem Kind sein darf.

Bitte lasst euch auch nicht von eventuellen anderen Umständen ablenken, wie, das ich umsonst um ihn kämpfe. Ich weiß was ich tue, ich bereue nichts und solang ich merke, das er seine Tochter mag (und mich auch noch), werde ich weiter um ihn kämpfen.

Ich danke euch schonmal für eure Antworten.

Hallo,

Das ein depressiver Vater vielleicht kein guter Vater sein
kann und das man aus dem Grund woanders ansetzen müsste
(Psychotherapie) möchte ich auch nicht zum Thema machen

ich aber, das eine resultiert imho aus dem anderen, daher ist jeder andere Ansatz sinnfrei.

Gruß,

Malte

Hallo Rica!
Ich bin zwar keine Psychologin aber eine Expertin in Sache „Ohne Vater aufwachsen“ und „Mit einem Stiefvater aufwachsen“.
Als ich 5J alt war, ging die Ehe meiner Eltern in die Brüche. Da mein Vater Alkoholiker war(ist?), war das das Beste für mich und meine Mutter, denn er war meist betrunken(ich habe keine Erinnerungen an ihn, wo er nüchtern ist), meine Mutter schlug und mir nicht sonderlich viel Zuwendung schenkte. ABER ich weiss noch, wie ich als Kind darunter gelitten habe: ich beneidete meine Klassenkameraden, die eine vollständige Familie hatten. Es gab in der Schule öfters Projekte, wo Kinder zuhause zusammen mit dem Vater oder der Mutter was basteln mussten. Und jedes Mal, wenn es den Vater betraf, habe ich unter bitterlichen Tränen alles alleine gemacht. Meine Mutter hat später ein zweites Mal geheiratet und der Mann ist für mich wirklich wie ein Vater aber eben nur WIE. Ich kann ihn bis heute nicht Vater oder Papa nennen. Obwohl ich 10J war als er in unsere Familie kam und ich heute 30J bin! Wie du siehst, selbst ein Vater, der nichts taugt ist besser als kein Vater. Natürlich ist ein Alkoholiker absolut indiskutabel aber solange dein Mann ein liebevoller Vater ist, wird er eurer Tochter gut tun. Sie wird sich später gerne an ihn erinnern, da bin ich mir vollkommen sicher!
Und außsedem irren sich die Ärzte oft. Bei meinem Cousin, der eingeborenem Herzfehler hat, hieß es, er würde seinen 10 Geburtstag nicht erleben. Und heute ist er 25J, natürlich muss er auf seine Gesundheit mehr achten, als die anderen aber er lebt.

Viel Erfolg

Aber nur, wenn man die Hoffnung aufgibt, das die Depression nicht bewältigt werden kann.
Keiner hat es verdient, das man sich von einem abwendet, nur weil man „Krank“ ist.

Und es ist ein Unterschied ob man nicht kann oder nicht will.

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Tach,

Aber nur, wenn man die Hoffnung aufgibt, das die Depression
nicht bewältigt werden kann.
Keiner hat es verdient, das man sich von einem abwendet, nur
weil man „Krank“ ist.

Eine Depression ist etwas voellig anderes als „ich hab krass schlechte Laune und die Welt ist mal wieder boese zu mir“ sondern in der Tat eine Krankheit, die in der Tat in vielen Faellen behandelt werden muss, von einem Facharzt. Ich bin nun wahrlich kein Experte auf dem Gebiet der Psychotherapie, habe aber so meine Erfahungen mit depressiven Mitmenschen, die mir auch sehr nahe standen, gemacht, und ich denke, dass jemand, der seine Familie und sein Neugeborenes aufgibt professionelle Hilfe braucht, ob Du es nun hoeren willst oder nicht, insofern sind die Gaensefuesschen beim „krank“ voellig unangebracht, ganz unabhaengig von seiner koerperlichen Verfassung.

Und es ist ein Unterschied ob man nicht kann oder nicht will.

-v bitte

Gruss
Paul

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Hallo,

Das ein depressiver Vater vielleicht kein guter Vater sein
kann und das man aus dem Grund woanders ansetzen müsste
(Psychotherapie) möchte ich auch nicht zum Thema machen

ich aber, das eine resultiert imho aus dem anderen, daher ist
jeder andere Ansatz sinnfrei.

Aber nur, wenn man die Hoffnung aufgibt, das die Depression
nicht bewältigt werden kann.

Lies nochmal selbst, was Du da schreibst. Das ist nicht nur so Blödsinn, wie es da steht, sondern auch so, wie es gemeint ist.

Eine Depression ist eine Krankheit, die nicht „einfach so“ wieder weggeht.

Keiner hat es verdient, das man sich von einem abwendet, nur
weil man „Krank“ ist.

Wo wendet sich denn bitte jemand ab? Wie kommst Du denn bitte auf so seltsame Gedanken?

Und es ist ein Unterschied ob man nicht kann oder nicht will.

Äh, ja. Aha. So. Was will die Autorin damit nur sagen?

.m

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Hallo,

da bist Du aber in eine komplizierte Situation geraten. Du solltest Dich weder abwenden, noch leiden, aber Du solltest handeln und Stellung beziehen. Im Interesse eurer Beziehung und im Interesse des gesunden Aufwachsen eurer Tochter. Kinder brauchen unbedingt ein stabiles Umfeld, um gesund heranzuwachsen. dazu gehören Eltern, die „da“ sind, ob sie krank sind oder nicht, spielt keine Rolle. Niemand weiss wer wann stirbt, es geht nur darum wie man die Zeit bis dahin verbringt. Dein Freund hat schlimme Schicksalsschläge erlebt und Du hast Dich anscheinend dafür entschieden ihm beizustehen. Das ist sehr gut, aber Du musst dabei auch konsequent bleiben und weder Dich noch das Seelenheil des Kindes dafür aufs Spiel setzen.

Wie bereits erwähnt ist eine Depression eine Krankheit, die von einem Facharzt behandelt werden MUSS, damit es zu einer Rettung der Situation kommt. Der erste Weg ist der Deines Freundes zum Psychiater, der zweite für Euch beide zur Familienberatung.

Ein Kind kann ohne Vater aufwachsen - es gibt Väter, die nicht mehr mit den Müttern klarkommen und sich davon machen (oder die Mutter macht sich davon), Väter, die nicht „gefunden“ werden und Väter, die tot sind. Das alles kann für ein Kind leichte bis schwere Seelenleiden zur Folge bringen. Aber - ein Vater der täglich physisch präsent ist, psychisch aber nicht greifbar ist, leidend, sich dem Kind aus Verlustangst abwendet, das ist unerträglich - und diesen Zustand solltest Du unbedingt vermeiden.

Viel Glück!

Hallo,

mein Mann, Vater einer damals 9 jährigen Tochter und eines 10 jährigen Sohnes, hat im März 2007 völlig überraschend erfahren, dass er Krebs hat.
Im Herbst des Jahres ist er gestorben.

Soweit die Fakten.

Die Kinder haben darunter natürlich gelitten, aber nicht so, wie wir Erwachsene leiden. Für sie geht das Leben sehr viel schneller weiter.
Meine Tochter meinte z.B. nach dem Tod meines Mannes einmal, Ihr Vater wäre ja sehr lange krank gewesen - mir kam das halbe Jahr recht kurz vor.

Sie erinnern sich beide an ihn, aber durchaus nicht nur schmerzhaft. Sie haben vieles von ihm gelernt oder ünernommen, viel mit ihm erlebt, das für sie nie weg sein wird.

Einen Teil ihres Lebens hatten sie zwei Elternteile, was sicher für beide gut war.

Trotzdem kommen wir jetzt, knapp ein Jahr nach seinem Tod, auch zu Dritt ganz gut zurecht - die Kinder besser, als ich.

20 Jahre sind dagegen eine lange Zeit. Ich kann Deinen Freund nicht verstehen, es sein denn, er will keine Verantwortung übernehmen.

Wenn die Kinder 20 sind, können sie erst recht mit dem Tod eines Elternteils fertig werden. Das ist dann zwar auch noch sehr traurig, aber kein Einschnitt im täglichen Leben mehr. (als mein Vater starb, war ich auch erst 21 - es war schlimm, aber nach einem viertel Jahr war das Gröbste überstanden).

Ich schätze, seiner Weigerung liegt etwas anderes Zugrunde.
Wenn er seinen Kindern ein Vater sein möchte, soll er das sein, so lange es eben geht. Selbst nur ein Jahr ist besser als garkeines.

Falls er es aber partout nicht will, macht es auch keinen Sinn, ihn zu überreden - ein unwilliger Vater kann mehr schaden als nutzen, ein psychisch labiler ebenfalls.

Wollte nur gesagt haben, dass eine Lebenserwartung von `nur´ noch 20 Jahren kein Argument ist, die Kinder links liegen zu lassen. Der Rest ist allerdings Ermessenssache.

Gruß, Anne

Hallo Rica,

er möchte,
das wir glücklich sind und hofft, dass ich jemand kennenlerne,
der lieb und nett zu uns ist.
Seine Begründung ist sehr subjektiv und auf seine Erlebnisse
gestützt
Mir scheint, das sein Argument für ihn das einzig Richtige
ist, er sich damit aber auch irgendwie selber belügt.

Und insbesondere dich.

Aus dem Grund brauch ich eure Hilfe, denn ich möchte ihm gerne
Meinungen vorlegen, die andere
Sichtweisen und Erfahrungen aufzeigen.

Aus meiner Familie: Sie haben sich kennengelernt in jungen Jahren. Auf Kur, gleiche unheilbare Krankheit. Keine Kinder möglich, aber gemeinsames Leben für ca. 35 Jahre. Ohne Kinder. War nicht so glücklich, sie haben andere Paare/Familien gesehen und „erlebt“. Und sie haben etwas sehr wichtiges vermisst. Und dies versucht anderweitig zu kompensieren, was von Außenstehenden mit „Verwunderung“ oder Ärgerem belohnt wurde.

Ich möchte nicht, das
seine Tochter ohne Vater aufwächst, nur weil er vielleicht in
20 Jahren sterben wird. Ich finde, jede Minute die Vater und
Tochter miteinander verbringen können ist wertvoll.

Richtig (mit Ausnahme „seine“. Es ist eure Tochter). Es ist nicht so ungewöhnlich, dass Kinder in nicht soooo intakten Familien aufwachsen. Die Krankheit eines Elternteils muss nicht ein Nachteil sein. Es prägt den Charakter, aber nicht unbedingt zum Negativen. Es ist nur ein Baustein von vielen.

Du hast drei Baustellen: Vater, Kind, dich. Alle benötigen ihre Zeit zur Fertigstellung. Die letzte hast du wohl noch sehr gut im Griff, wenn ich mir das gesamte Posting ansehe. Bei Vater bin ich mir nicht so hundertprozentig sicher. Er muss sicherlich an sich arbeiten und dies auch mit entsprechender Hilfe von außen. Aber sich „mit besten Wünschen“ so einfach aus der Mitverantwortung stehlen??? Das kannst du besser beurteilen und mit ihm entsprechend kommunizieren. Ich würde in diesem Punkt schon deutlich mein Ansicht schonungslos äußern.
Und eure Tochter?
Sie wird es mit deiner Unterstützung ohne Schaden und ohne Groll auf euch überstehen. Da bist du momentan zwar alleine gefordert. Aber bei Bedarf entsprechend Hilfe bei Freunden, Verwandten, Bekannten anfordern, ohne Scheu.

Gruß
Der Franke

Hallo Rica,

Mal anders herum gedacht - er bringt sich um die schönsten 20 Jahre seines Lebens, wenn er sie nicht mit seiner Tochter verbringt und ihr alles das beibringt, was ihm wichtig ist im Leben und weiß, dass er einen lebensfähigen Menschen zurück lässt, in dem er ein Stück weiter lebt und geliebt wird. … und was ist, wenn er nicht in 20 Jahren den Löffel abgibt - er wird es sich nie verzeihen, seine Tochter nicht kennen gelernt zu haben. (ich sehe wie viel Spaß mein Mann mit unserem Baby hat, obwohl er nie so der Kinerfan war und ich glaube er möchte dieses Kind um nichts auf der Welt wieder her geben und ab und an wird der Gedanke laut, dass er schon viel früher Kinder bekommen hätte, wenn er gewußt hätte wieviel Spaß die machen)

Ich kenne einige denen man seit mehr als 20 Jahren sagt, dass sie nicht mehr lange machen etc… und die sind nicht unterzukriegen- nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn diese Leute sich 20 Jahre in ihr Zimmerchen eingeschlossen und auf ihr Ende gewartet hätten.

Auf der anderen Seite habe ich auch Familien kennen gelernt, wo von heute auf morgen der Vater an nem Tumor verstorben ist - dennoch war er den Kindern in der Zeit ein guter Vater und sie haben viel von ihm gelernt und werden ihm auch immer einen Platz in ihrem Herzen einräumen…und was ist, wenn Du morgen stibst??? Wer kümmert sich dann um das Kind, wenn nicht der Vater?

Die Sache mit dem Tod - man weiß es einfach nicht - darum jeden Tag einfach nur leben und genießen.

Manche Männer leiden während der Schwangerschaft unter Hormonschwankungen - vieleicht lässt er sich wirklich mal von einem Arzt checken. Ähnlich wie Wochenbettsdepressionen bei der Mutter, können diese auch bei Männern vor kommen. Eventuell kommen da gerade bei Euch mehrere Dinge zusammen.Seit der Geburt unseres Kindes kann mein Mann auch keinen Film mehr sehen, in dem ein Baby schlecht behandelt wird, ohne dass ihm die Tränen in den Augen stehen - früher hat man so was in nem Krimi etc. einfach weg gesteckt.

So, und jetzt schnappst Du Dir Deinen Schatzi und forderst ihn mal ein wenig - schließlich bist Du noch im Wochenbett und da hast Du und Dein Kind ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient - er soll mal die Kleine schnappen und bei dem schönen Wetter ne Runde mit ihr spazieren gehen, sie mal wickeln und baden etc… damit du mal ne Runde durchschnaufen kannst und binde ihn gleich in das Familiengeschehen mit ein - morgens das Baby fertig machen für den Tag wäre ein super Job oder abends vorm Schlafen mit ihm ne Weile spielen (sind ja immer nur ein paar Minuten in denen die Kleinen wach sind, aber da soll er sich mal was einfallen lassen mit Deiner Unterstützung)Mach ihm mal klar, dass es gerade ausnahmsweise nicht um ihn geht (das ist nämlich schön, wenn man so viel jammert und einen alle bemitleiden und man auch noch das Umfeld zur Verzweiflung treibt indem man so bescheidenen Ideen produziert mit denen man sich bei allen Verändrungen, die Du gerade erfährst auch noch beschäftigen soll) sondern um Euer Baby.

…und wie gesagt - der Weg zum Therapeuten kann sich echt lohnen, um mal ne neue Sicht der Dinge zu bekommen.

Viel Spaß mit dem Zwerg und hoffentlich bald wieder einen normal laufenden Vater.

Alexandra