Ohnmachten

Hallo Wissende,

Ich hoffe, meine Frage läßt sich medizinisch beantworten. Möglicherweise handelt es sich hier eher um ein gesellschaftliches Phänomen:

Wenn man Romanen und Filmen glauben kann, fielen im 18. und 19. Jahrhundert die Damen von Welt schon bei geringen Aufregungen reihenweise in Ohnmacht. Das Riechfläschchen gehörte deshalb wohl in die Handtasche jeder Dame, die etwas auf sich hielt.

Es könnte sein, dass oftmals die Ohnmachten nur gespielt wurden, weil es sich so für eine Dame in bestimmten Situationen so gehörte, dennoch meine ich, dass die Damenwelt tatsächlich so empfindlich und erregbar war. Das würde aber bedeuten, dass unsere heutige Damenwelt eher abgestumpft ist, oder was können die Gründe für die damalige Empfindlichkeit bzw. heutige Unempfindlichkeit sein?

Wolfgang D.

oder was können die Gründe für die damalige Empfindlichkeit
bzw. heutige Unempfindlichkeit sein?

Hi

Hast du denn nicht Fluch der Karibik geguckt? :wink:

Häufig war es wohl auch das zu eng geschnürte Korsett, dass das Atmen erschwerte.

Sport dürfte in gehobeneren Kreisen wohl auch selten der Fall gewesen sein, von anderen Schwächungen durch Krankheiten etc. ganz zu schweigen.

Grüße

Karana

Hallo Wolfgang,
diese Ohnmachten kamen von den starken Einschnürungen durch die Korsetts der damaligen Wespentaillemode. Vor und nach den Korsetts fielen die Frauen nicht übermäßig oft in Ohnmacht.
LG Vera

Hallo Wolfgang,

Ich hoffe, meine Frage läßt sich medizinisch beantworten.

Ich denke ja.

  1. Jahrhundert die Damen von Welt schon bei geringen
    Aufregungen reihenweise in Ohnmacht.

Es könnte sein, dass oftmals die Ohnmachten nur gespielt
wurden, weil es sich so für eine Dame in bestimmten
Situationen so gehörte, dennoch meine ich, dass die Damenwelt
tatsächlich so empfindlich und erregbar war. Das würde aber
bedeuten, dass unsere heutige Damenwelt eher abgestumpft ist,
oder was können die Gründe für die damalige Empfindlichkeit
bzw. heutige Unempfindlichkeit sein?

Glücklicherweise sind wir, so denke ich, nicht abgestumpft, obwohl wir nicht mehr in Ohnmacht fallen, aber wir bekommen wieder ausreichend Atemluft, - so wie die Herren auch, die ja damals nicht in Ohnmacht fielen und trotzdem nicht als abgestumpft galten :smile:

Ab Anfang des 19. Jh. kam das Korsett in Mode, dessen sehr enge Schnürung zur Wespentaille, neben den Bauchorganen, eben auch die untere Lunge sehr stark einengte.

Folgender Link ist dazu sehr aufschlussreich:
http://www.korsetts.de/Anwendung_und_Wirkung_von_Kor…
Zitat aus dem Link:

„Dies war am deutlichsten an der Lunge zu bemerken, denn durch die starke Verengung auch des Brustkorbes wurde das nutzbare Lungenvolumen vermindert, ja meist war ein tieferes Durchatmen gar nicht mehr möglich. Dies äußerte sich dann darin, daß die schlank geschnürten Damen selbst bei der kleinsten Anstrengung in Atemnot kamen, wenn nicht sogar in Ohnmacht fielen.“ Zitatende.

Gruß, Renate

Möglicherweise handelt es sich hier eher um ein
gesellschaftliches Phänomen:
Wenn man Romanen und Filmen glauben kann, fielen im 18. und
19. Jahrhundert die Damen von Welt schon bei geringen
Aufregungen reihenweise in Ohnmacht.

Hallo,
heute sind manche Aufregungen eher normal geworden. Derzeit hat praktisch jede Frau hunderte Schicksalsschlaege und Morde schon hinter sich, aus dem ueblichen Fernsehkonsum.
Gruss Helmut

Weitere Erklärung
Hi,
es gab schon immer sogenannte Modekrankheiten. Zu manchen Zeiten erblindeten die Leute vorrübergehend, eine zeitlang war es „in“ in Ohnmacht zu fallen und heutzutage steigt die Diagnose von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen stark an. Es ist icht so, dass die LEute damals und heute „Nichts“ hatten, aber oft waren es probleme der Aufmerksamkeit, gesellschaftlicher Anerkennung und Überforderung, die sich in jeweils gesellschaftlich anerkannten Symptomen äußern. Kurz nach dem Mittelalter wären depressive Symptome gar nicht erkannt worden, eine Erblindung wurde jedoch als Krankheit anerkannt. Die Symptome waren und sind weder erfunden noch gespielt, auch sind sich die Betroffenen der Ursachen nicht bewusst. Es ist ein Phänomen, das sich in vielen Zeitaltern beobachten lässt und noch nicht restlos geklärt werden konnte.
LG maja

Ein anderesBeispiel
Hallo,

ein typisches Beispiel sind die Kriegszitterer in und nach dem Ersten Weltkrieg. Nach dem Zweiten gab es keine oder nur wenige. Die Zeiten waren nicht danach. Alle waren mit dem Wiederaufbau beschäftigt, und Schwäche zu zeigen, war nicht opportun.
Das Krankheitspanorama war ein anderes als das heutige.

Montanus