Hallo!
Insbesondere bei Lancia
(aber auch bei wirklich jedem anderen Auto) könnte eine zusätzlich einzubringende Hohlraumversiegelung als Rostschutz nicht schaden!
Im Oldtimerbereich haben zwei verschiedene Produkte die Vorherrschaft übernommen: einmal Mike Sanders Korrosionsschutzfett (habe leider auf die Schnelle keinen Link gefunden) und andererseits FluidFilm von Hodt: http://www.fluidfilm.de/
Ersteres ist ein ziemlich festes Fett, welches kräftig aufgeheizt werden muß und in die Hohlräume eingespritzt wird. Letzteres ist eine flüssige Masse auf Basis von Wollwachs, welche kalt in die Hohlräume eingebracht werden kann.
Welches von beiden besser ist ist eine Glaubensfrage, hier haben sich inzwischen regelrechte Lager gebildet die jeweils „ihr“ Mittel zum Spitzenreiter gekürt haben.
Beide haben unbestreitbar Vor- und Nachteile, welches Mittel nun WIRKLICH besser ist muß jeder für sich entscheiden.
Vorteile von Mike Sanders:
es wird nach Abkühlung recht fest, ohne jedoch an Elastizität zu verlieren. Es besteht also wenig Gefahr, daß diese Versiegelung durch evtl. eingedrungenes Wasser o.ä. abgespült werden könnte.
Nachteile:
Die Verarbeitung ist nicht ganz einfach (das Fett muß kräftig erhitzt werden um verarbeitet werden zu können) Wenn man hierbei etwas falsch macht, kann man sich bei der Arbeit damit MÄCHTIG BÖSE verbrühen!
Außerdem muß das Fett, um auch in die schmalsten Ritzen einziehen zu können, auch noch „vor Ort“ fließfähig, also heiß sein. Wenn das nicht der Fall ist, kann das Fett VOR dem Falz aushärten und so geradezu ein Rostnest entstehen lassen!
Ich habe einmal ein Bild von einem stark verrosteten Radlauf gesehen, der erst wenige Jahre zuvor erneuert und anschließend mit Sanders behandelt worden war: das Fett hatte VOR dem Falz ausgehärtet und so dem Rost regelrecht Vorschub geleistet. So etwas kann man aber von außen nicht erkennen - und wenn man in den Hohlraum hineinblickt sieht man nur einen schönen deckenden Fettüberzug!
Die Vorteile von Fluidfilm:
es kann kalt verarbeitet werden, demensprechend ist die Behandlung deutlich einfacher und unkomplizierter.
Es ist auch in kaltem Zustand fließfähig, d.h. es zieht (bei ausreichend angewandter Menge) auch bei Kälte und auch Nässe in jede Ritze hinein und verdrängt die Feuchtigkeit vom Blech.
Nachteile: das Mittel härtet nicht aus sondern behält eine geleeartige Konsistenz, so daß unter ungünstigen Bedingungen etwa eingedrungenes Wasser das Mittel nach und nach abwaschen könnte.
Dementsprechend sollte man die Behandlung mit FluidFilm zumindest alle zwei Jahre wiederholen, um die Schutzwirkung aufrechtzuerhalten. Wenn das Fahrzeug sommers wie winters, bei Regen Schnee und Sonnenschein im Einsatz ist, könnte man dies evtl. auch häufiger wiederholen…
Mein eigener Oldtimer ist mit FluidFilm behandelt und ich habe vor, diese Behandlung auch dieses Jahr wieder zu wiederholen.
Inzwischen habe ich mir allerdings auch überlegt ob es Sinn machen würde, direkt im Anschluß an eine FluidFilm-Behandlung noch einmal mit Mike Sanders nachzuarbeiten: theoretisch müßten die Hohlräume bereits durch FluidFilm gut geschützt sein, und diesen Überzug würde ich seinerseits durch das Sanders vor Abtrag schützen…
(Dies ist nur meine ganz persönliche Überlegung, ohne Garantie für Erfolg oder Machbarkeit!)
*****
Weitere Tips zum Thema „wie züchte ich mir einen Oldtimer“:
-
Wenn nicht benutzt, sollte das Fahrzeug immer in einer (gut belüfteten, besser noch ENTFEUCHTETEN) Garage stehen. (Heizung OHNE Belüftung oder Entfeuchtung ist kontraproduktiv, wegen möglicher Kondenswasserbildung und fehlender Möglichkeit zum Durchtrocknen!)
-
Nicht viel fahren, aber auch nicht NUR in der Garage stehenlassen.
Ersteres verschleißt naturgemäß das Fahrzeug, letzteres ruft Standschäden hervor.
Optimal wäre es, wenn das Auto durchschnittlich einmal pro Woche für etwa 100 km am Stück bewegt würde - aber wer kann das schon?
Ständiger Kurzstrecken- und Stadtverkehr sind TÖDLICH!
-
regelmäßige Wartung!
Das muß nicht in der Markenvertretung sein, aber sie muß gründlich und vollständig gemacht werden.
Ölwechsel und -kontrolle sind selbstverständlich, ebenso auch Kontrolle aller anderen Flüssigkeiten (Brems- und Kühlflüssigkeit, Getriebe- und ggf. Differentialöl etc.)
Übrigens: auch Brems- und Kühlflüssigkeit müssen regelmäßig gewechselt werden!
Bewegliche Teile müssen stets geschmiert sein (auch Tür- und Haubenscharniere, Fangbänder, Türöffner, Fensterheber etc.). Das wird gerne und oft vergessen, weil es die ersten zehn oder 15 Jahre nichts ausmacht - aber nach 30 Jahren sind die Fensterheber verharzt und verschlissen, die Türscharniere schwergängig und die Fangbänder ausgeschlagen…)
-
Pflege!
Das Auto sollte regelmäßig gewaschen und konserviert werden - Polieren sollte man den Lack nur, wenn es gar nicht anders geht, weil jede Politur etwas vom Lack abträgt.
Merke: Politur ist nur dann nötig, wenn vorher beim Waschen und Konservieren irgendwann einmal gespart wurde!
Insbesondere starke Verschmutzungen (Vogelkot, Baumharz, Ruß, Teer und andere Verklebungen) sollten UMGEHEND entfernt und abgewaschen werden - wenn dies nur mit Lösungsmitteln möglich ist, muß die betreffende Stelle sofort wieder neu konserviert werden, weil der Lack dabei von jeglicher Schutzschicht befreit wurde.
-
Benutzung: bewege das Auto schonend, fahre keine längeren Strecken mit Vollgas, fahre ihn vor höher Belastung (Drehzahl!) stets gut warm und stelle es beim Parken möglichst in den Schatten (Sonnenlicht ist tödlich für Polster und Kunststoffteile!)
Wenn kein Schattenplatz verfügbar ist, richte das Auto mit der Frontscheibe zur Sonne und klemme eine große Sonnenblende in die Scheibe (diese Pappdeckel aus dem Zubehör)
Es gibt noch ein paar andere Sachen die zu beachten wären, aber diese hier sind am wichtigsten!
Was fällt uns auf?
Richtig: Du mußt das Auto einfach so behandeln, als WÄRE es bereits ein Oldtimer!
Es ist also als Alltagswagen nur noch eingeschränkt zu gebrauchen…
Natürlich KANNST Du ihn trotzdem als Alltagswagen benutzen, vielleicht wird er dann trotzdem (bei entsprechender Pflege) ein rüstiger Oldtimer, aber die Gefahr daß er das nicht schafft, ist natürlich um so größer, je mehr Du das Auto beanspruchst.
Schönen Gruß,
Robert
*dessen Alltags-smart trotz ebensolchen Potentials wohl leider nicht zum Oldtimer reifen können wird - mit nach nicht einmal vier Jahren bereits 100tkm auf der Uhr*