Online - Medikamente bestellen

Ärzte, Apotheker und die restliche Gesellschaft
Hallo Rainer,

Klar, warum kommt mir das so bekannt vor?
Ach ja, das sagen die Süchtigen auch immer, ich kenn mich
damit aus, mir kann nichts passieren.

Kann es sein, dass du gerade ein klitzekleines bißchen überbordest ?

Sicher ist niemand vor einer Abhängigkeit gefeit…aber wenn ich mir so anschaue, was und wie Bettina hier schreibt und mir dann auch noch ihre ViKa anschaue denke ich, sie hat sich definitiv unter Kontrolle und weiß um die Abhängigkeitsgefahren Bescheid…das alles kann sich ruckzuck ändern, wenn sie und wir alle in eine Situation kommen, in der es uns so schlecht geht, dass wir depressiv werden…da brauchen wir uns nichts vormachen.

Aber lieber Rainer, da würde es dich dann ja wohl am härtesten
treffen, du sitzt direkt an der Quelle…

Und wenn jemand so drauf ist, dass er ums Verrecken ein hochpotentes Mittelchen haben will, wird er es kriegen…wen nicht vom ersten, dann aber spätestens vom dritten Arzt.

Im Überigen finde ich es immer wieder sehr interressant, wieviele Ärzte, Apotheker und deren Ehepartner Tablettenabhängig sind…ich will dir damit um Gottes Willen nicht zu nahe treten, aber es ist Fakt.

Betäubungsmittel für Alle übers Internet!

Nun, BTM ist nicht gleich BTM…und natürlich nicht für alle !
Aber ehrlich gesagt, ob ich nun zu meinem ehemaligen Hausarzt gehe und er schreibt mir das Rohypnol auf bei Schlafstörungen, die ca. 2 Wochen anhielten, oder ich hole mir etwas weniger hochwirksames aus dem Netz…was ist nur gefährlicher ??
Ich fand das derart verantwortungslos von dem Arzt, dass ich dankend abgelehnt habe und nie wieder einen Fuß in diese Praxis gesetzt habe.

Schließlich wollen wir ja mündige Bürger sein, nicht wahr?
Das mußte ich jetzt mal loswerden :wink:

Ja, das wollen wir…sage mal, glaubst du als Apotheker eigentlich diesen ganzen Kram besser im Griff zu haben ?
Was, wenn du in eine beschissene Situation kommst ??
Und nur weil du studiert hast, bist du weder besser noch geschützter als andere. Wie gesagt, das ist bei weitem kein Angriff, ich habe nicht das geringste gegen Ärzte und Apotheker, komme selber aus einer solchen Familie…es ist nur mal ein Denkanstoß und auch gleichzeitig eine Frage an dich.

Lieben Pfingstgruß,
Vanessa

Hallo Bettina,

Ich weiß selber, da ich statistisch gesehen ein „Ausreißer“
bin. Denke aber auch, das deutlich gemacht zu haben :smile: !

Wenn es eine statischtische Ausnahme ist, Arzneimittel sicher beurteilen zu können, so sollte man der Mehrheit der Bevölkerung nicht unbedingt die Möglichkeit an die Hand geben, Medikamente in (unwissender) Eigenverantwortung zu beziehen, oder? :wink:

Oliver

Hallo Oliver,

du hast mit einigen Dinger sicher verdammt Recht…aber…ABER !

Du bist ziemlich blauäugig diesbezüglich. Wenn ein Patient von einem Arzt etwas verschrieben bekommen möchte, dann bekommet er es !!! u.U. nicht vom ersten, den er aufsucht, aber dann sicher vom zweiten oder vom dritten.
Und glaube mir, ich weiß sehr genau, wovon ich spreche. Ich habe es in meinem Job in der Drogenberatung täglich mitbekommen…der Handel mit Benzodiazepinen und Barbituraten war irrsinnig.
Und diese Mittel stammten nicht in erster Linie von gefälschen Rezepten oder Diebstählen, nein, es gibt bei uns ne Menge Ärzte, die bekannt dafür sind, diese Mittel zu verschreiben ohne mit der Wimper zu zucken.
Da bekommt ein Mensch eine Familienpackung Diazepam…für die nächste Woche *lol*…und dann, wie dumm, hat er sie doch tatsächlich in der U-Bahn liegenlassen…welch Mißgeschick *lol*

Und ich weiß es von meiner Mutter, sie arbeitet als Psychiaterin…zu viele Ärzte gehen sehr verantwortungslos mit Arzneimitteln um. Diese Patienten darf dann u.a. meine Mutter in der Klinik wieder entziehen.
Weißt du eigentlich, wie hoch die Dunkelziffer der Tablettenabhängigen bei uns ist ?
Und das nicht erst seit gestern…

Im Überigen sind es erstaunlich viele Ärzte, Apotheker und deren Angehörige, die Tablettenmißbrauch betreiben. Ich will hier niemandem zu nahe treten und auch nichts unterstellen, aber das mußte ich einfach noch mal sagen.

Im Vergleich zu dem, wie viele Ärzte ihre Verschreibungen handhaben, ist die Netz-Apo wirklich lächerlich.

Lieben Gruß,
Vanessa

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

*seufsz*

Sage mal… :wink:

wird das jetzt ein Kreuzverhör? (Studiertest Du Med. oder Jura??) Ich lasse mich nicht festnageln, da keine einzige Antwort zu dieem Thema generalisiert werden kann und darf! DAS wäre nach meinem ethischen Verständnis nicht vertretbar.

Wenn es eine statischtische Ausnahme ist, Arzneimittel sicher
beurteilen zu können, so sollte man der Mehrheit der
Bevölkerung nicht unbedingt die Möglichkeit an die Hand geben,
Medikamente in (unwissender) Eigenverantwortung zu beziehen,
oder? :wink:

Mündigekeit ist…!!! Und (weiß nicht, ob Du da jetzt mitkommst *ggg* …aber ich halte es mit Camille Claudel: „Ich fordere die Freiheit mit Gebrüll!“ (auch wenn sich meine Reißzähne leider erst im Stadium der Adolezenz befinden).

Gruß Bettina

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Wenn es eine statischtische Ausnahme ist, Arzneimittel sicher
beurteilen zu können, so sollte man der Mehrheit der
Bevölkerung nicht unbedingt die Möglichkeit an die Hand geben,
Medikamente in (unwissender) Eigenverantwortung zu beziehen,
oder? :wink:

Hallo Oliver,

das klingt alles sehr vernünftig. Aber man muß auch zur Kenntnis nehmen, daß es Wunschdenken ist, wenn es in anderen Ländern einen anderen Umgang mit Medikamenten gibt, wenn es die Möglichkeit der online-Bestellung gibt und wenn es den freien Warenverkehr gibt. All das gibt es. Weder Urteile hiesiger Gerichte noch die Sorgen über möglichen Mißbrauch können daran etwas ändern. Deshalb sollte man aus der gegebenen Situation das Beste machen, statt zu versuchen, sich auf längst überrannten Positionen einzuigeln.

Gruß
Wolfgang

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Es stand und steht doch jedem
Bürger frei, zu schlucken, was er für verantwortbar hält.

Sollte es wirklich einem *jeden* freistehen? Es gibt in
unserem Lande Millionen von psychisch kranken, Psychotikern
und Hirmleistungsgestörten, die aufgrund ihrer Erkrankung eine
eingeschränkte Urteilsfähigkeit haben (z.B. die manische Phase
einer bipolaren Depression…) Diese Menschen tun sich selbst
oft unsinnnige Dinge an. Unsere Aufgabe ist unter anderem, sie
vor sich selbst zu schützen. Und dazu gehört ein beschränkter
Zugang zu bestimmten Medikamenten.

Tja, wenn der Patient großes Glück hat, nimmt der Arzt sich etwas Zeit und erkennt, was los ist…dazu muß man aber wirklich entweder eine gehörige Portion Glück haben oder ehrlich sein.

Es macht fast jeder mal in seinem Leben (sub-)manische Phasen
und Depressionen durch. Da bin ich dann ganz froh, sofern es
mich mal selbst treffen sollte, daß ich von unsinniger
Selbstmedikation einigermaßen geschützt bin :wink:

Glaubst du deinen letzten Satz wirklich ???

Wie lange praktizierst du schon ?
Es interressiert mich, weil mir scheint, dass viele Ärzte erstmal sehr idealistisch an das Ganze herangehen und dann sehr schnell merken, dass sie mit ihrem Idealismus nicht einen Schritt weiterkommen.

Gruß,
Vanessa

(off topic)
Hi Vanessa :smile:

Sicher ist niemand vor einer Abhängigkeit gefeit…aber wenn
ich mir so anschaue, was und wie Bettina hier schreibt und mir
dann auch noch ihre ViKa anschaue denke ich, sie hat sich
definitiv unter Kontrolle

höhöhö…*LOL* (wollen wir uns mal Treffen???)

Sonnige Grüße! *k*

Bettina

(…dankend für die Verteidigung…übrigens: im Zweifel für den Angeklagten :wink: )

Hallo Vanessa,

Du bist ziemlich blauäugig diesbezüglich. Wenn ein Patient von
einem Arzt etwas verschrieben bekommen möchte, dann bekommet
er es !!! u.U. nicht vom ersten, den er aufsucht, aber dann
sicher vom zweiten oder vom dritten.

Das ist bekannt. Es läßt sich nur über eine zentrale, elektronische Führung der Krankenakten vermeiden. Und das kommt in nicht allzulanger Zeit, denke ich.

Mir geht es eigentlich weniger um Medikamentenabhängigkeit, welche sich (auch mit elektronischer Akte) kaum verhindern läßt.

Ich denke vielmehr (als Beispiel) an den 60jährigen Frührentner, welcher jeden Pfennig zweimal umdrehen muß. Er hat neuerdings dicke Beine und will einen Arztbesuch vermeiden, weil ihm seine Krankenkasse neuerdings eine Kostenbeteiligung abverlangt. Also surft er (die älteren Leute gehen ja mit der Zeit) mal auf dem Net und erfährt, daß dicke Beine mit Herzschwäche zu tun haben. Auf der Website wird dann auch gleich Digitalis angepriesen, welches er sich umgehend bestellt… Da Du ja medizinisch vorbelastet bist, brauch ich ja nicht weiter auszuführen, was dann passieren kann *ggg*

Oliver

Hallo Wolfgang

Tatsache ist ferner, daß im benachbarten Ausland teilweise
anders mit Medikamenten verfahren wird, als hierzulande. Ich
sage nicht besser oder schlechter, einfach nur anders. Wenn es
ein Medikament bei uns nur per Verschreibung gibt, in Holland
oder sonstwo bekommt man es aber gegen Bares ohne weiteres,
muß man das zur Kenntnis nehmen. Man muß dabei auch zur
Kenntnis nehmen, daß sich hiesige Gerichte dann auf den Kopf
stellen und mit den Talaren wedeln können, es ändert rein
nichts, das Zeug ist plötzlich frei verfügbar.

Und das finde ich falsch und gefährlich.
Wenn ich sehe, daß es in manchen Ländern Antibiotika oder Mittel wie Valium ohne Rezept gibt, sträuben sich mir die Haare, jeder Fachmann weiß, wie riskant das ist.
Unser Gesundheitssystem hat sich bewährt, es ist weltweit eins der Besten.
Und daß im Internet Alles billiger ist, ist ein Märchen, ich habe sogar Angebote gefunden bei Viagra und Propecia, die 30 Prozent teuer waren als der Apothekenpreis.
Die kochen auch nur mit Wasser.
Ich würde ganz gerne einen Internetshop eröffnen, was DocMorris kann, kann ich auch, aber der Gesetzgeber läßt das (noch?) nicht zu.
Schaun wir mal :wink:
Gruß
Rainer

Hallo Wolfgang,

Du hast mit Deinen Argumenten natürlich genauso recht. Der Handel mit Medikamenten wird freier werden, ob das nun gut ist oder nicht. Das heißt aber nicht - und so verstehe ich manche (nicht Deine) Postings, daß sich der Staat als Regulativum nun völlig zurückziehen sollte. Ganz im Gegenteil. Das geht natürlich nur, wenn man dabei ein ganzes Stück mit der aktuellen Entwicklung geht - also den Internethandel prinzipiell erlaubt, gleichzeitig aber einige Regularien einbaut, die ganz einfach nötig sind, um die schwächeren, unüberlegten und unzurechnungsfähigen zu schützen.

Oliver

Hallo Vanessa,

Tja, wenn der Patient großes Glück hat, nimmt der Arzt sich
etwas Zeit und erkennt, was los ist…dazu muß man aber
wirklich entweder eine gehörige Portion Glück haben oder
ehrlich sein.

Das siehst Du zu pessimistisch. Eine gezielte (rein organische) Diagnose zeichnet sich dadurch aus, daß sie schnell erstellt ist. Klar, auf den Patienten wirkt es dann oft so, als hätte der Herr Doktor geschludert.

Es macht fast jeder mal in seinem Leben (sub-)manische Phasen
und Depressionen durch. Da bin ich dann ganz froh, sofern es
mich mal selbst treffen sollte, daß ich von unsinniger
Selbstmedikation einigermaßen geschützt bin :wink:

Glaubst du deinen letzten Satz wirklich ???

Allerdings. Selbstdiagnose geht in die Hose. Unter Medizinern ist das ein geflügeltes Wort. Ich selbst habe schon meinen Karies als Zahnfleischentzündung interpretiert und wochenlang Antibiotika geschluckt. Und ich erinnere mich an einen Oberarzt der Chirurgie, der einen entzündeten Mückenstich am Knie hatte. Seine chirurgische Eigentherapie endete mit einer Gelenksdestruktion durch septische Arthritis und einer Gelenkprothese…

Wie lange praktizierst du schon ?
Es interressiert mich, weil mir scheint, dass viele Ärzte
erstmal sehr idealistisch an das Ganze herangehen und dann
sehr schnell merken, dass sie mit ihrem Idealismus nicht einen
Schritt weiterkommen.

Ich betreibe Medizin sehr rational. Das ist schließlich unsere erste Aufgabe in der Schulmedizin. Jedes Medikament hat seine strenge, in Studien objektivierbare Indikation. Insofern ist die Rationalität mein Ideal.
Ich würde damit genau dann Baden gehen, wenn das Krankheitsbild sich nicht rational einordnen läßt. Das ist aber stets eine Folge mangelnden Wissens. Der rationale Ansatz per se trägt immer. Gegen Idealverlust hilft also bei mir ein fundiertes Lehrbuchstudium :wink:

Oliver

Hi Vanessa :smile:

Sicher ist niemand vor einer Abhängigkeit gefeit…aber wenn
ich mir so anschaue, was und wie Bettina hier schreibt und mir
dann auch noch ihre ViKa anschaue denke ich, sie hat sich
definitiv unter Kontrolle

höhöhö…*LOL* (wollen wir uns mal Treffen???)

Klar, aber immer doch…wo ??? wann ???

Sonnige Grüße! *k*

Sonne ??? Ich komm sofort *g*

Was heißt eigentlich „*k*“ ?

Bettina

(…dankend für die Verteidigung…übrigens: im Zweifel für
den Angeklagten :wink: )

Naaajaaa, ganz so uneigennützig bin ich dann doch nicht *fg*…sitzen wir eigentlich schon auf der Anklagebank ? Hiiiiilfeeee…hab mal wieder was verpasst :wink:

Beste Grüße zurück,
Vanessa
P.S. Hey Bettina, wirf heute mal nicht soviel ein *lol*…bei dieser Diskussion mit lauter Männern vom Fach müssen wir einen klaren Kopf behalten :wink:

*

…entschuldige, daß ich mich hier noch kurz einklinke…

…ein ganzes Stück mit der
aktuellen Entwicklung geht - also den Internethandel
prinzipiell erlaubt, gleichzeitig aber einige Regularien
einbaut, die ganz einfach nötig sind, um die schwächeren,
unüberlegten und unzurechnungsfähigen zu schützen.

Das ist in meinen Augen der einzige mögliche (und hoffentlich)umsetzbare Weg einen halbwegs mündigen Umgang mit „gefährlichen“ Medis zu handhaben.

Bettina

Hallo Vanessa,

Du bist ziemlich blauäugig diesbezüglich. Wenn ein Patient von
einem Arzt etwas verschrieben bekommen möchte, dann bekommet
er es !!! u.U. nicht vom ersten, den er aufsucht, aber dann
sicher vom zweiten oder vom dritten.

Das ist bekannt.

Und warum findest du dann die Internet-Apotheken so verwerflich ?

Es läßt sich nur über eine zentrale,
elektronische Führung der Krankenakten vermeiden. Und das
kommt in nicht allzulanger Zeit, denke ich.

Na…du bist scheinbar echt nen hoffnungsloser Idealist :wink:

Mir geht es eigentlich weniger um Medikamentenabhängigkeit,
welche sich (auch mit elektronischer Akte) kaum verhindern
läßt.

Ok…aber mein Thema war das schon, und auch die anderen möglichen Gefahren, wie Nebenwirkungen usw., die von diesen Medikamenten ausgehen.

Ich denke vielmehr (als Beispiel) an den 60jährigen
Frührentner, welcher jeden Pfennig zweimal umdrehen muß.

Verstehe ich das richtig, dass du damit andeuten willst, Geld stünde über der Gesundheit ? Das kann ja nicht sein…

Er
hat neuerdings dicke Beine und will einen Arztbesuch
vermeiden, weil ihm seine Krankenkasse neuerdings eine
Kostenbeteiligung abverlangt.

Wenn wir diesen ganzen Schlamassel mit den völlig überhöhten und ungerechtvertigten Apotheker-Preisen nicht hätten, wäre auch diese Problematik deutlich entschärft.
Warum kosten eigentlich die Pille, Aspirin usw. in vielen Ländern nur die Hälfte von dem, was es in Deutschland kostet ?
Und auch andere, hier rezeptpflichtige Medikamente gibt es dort wesentlich billiger.

Also surft er (die älteren Leute
gehen ja mit der Zeit) mal auf dem Net und erfährt, daß dicke
Beine mit Herzschwäche zu tun haben. Auf der Website wird dann
auch gleich Digitalis angepriesen, welches er sich umgehend
bestellt…

Also, erstmal denke ich, prozentual wirst du verdammt wenig ältere Rentner im Net treffen…
Und dann ist meines Erachtens nach Dummheit !
Bevor ich ein Medikamt einnehme, ob verschrieben oder nicht, informiere ich mich aber ganz genau.
Letztendlich ist jeder Mensch für sein eigenes Tun und Handeln selber verantwortlich.

Da Du ja medizinisch vorbelastet bist, brauch ich
ja nicht weiter auszuführen, was dann passieren kann *ggg*

Ich bin nicht vorbelastet in diesem Sinne, und das weißt du auch ganz genau…Digitalis kenne ich nicht bzw. weiß nur, dass auch dies von den Ärzten zu schnell verordnet wird und erhebliche Schäden anrichten kann.
Und ich weiß ganz allgemein, dass Wasser in den Beinen alles bedeuten kann und längst nichts mit dem Herzen zu tun haben muß.
Aber woher weiß ich das alles und dieser Rentner nicht ?
Wenn dieser Rentner im Netz surft, unterstelle ich ihm, dass er lesen kann…also kann er auch die Nebenwirkungen lesen…und dann kann er immer noch entscheiden, ob er das einnehmen will oder nicht.
Ein kleines bißchen Verstand hat wohl jeder Mensch…im Alter sollte dann allerdings ausgeprägter sein.

Gruß,
Vanessa

Hi Vanessa,

natürlich sind Ärzte und Apotheker besonsers gefährdet. Selbstdiagnose geht in die Hose, s.o. - man glaubt, die Sache im Griff zu haben, aber wenn man mal einen Moment lang nicht aufpaßt…und wer kann schon dauernd aufpassen.
Das ist aber noch lang kein Grund, alle Menschen durch Medikamentenfreigabe in dieselbe unglückliche Situation zu bringen :wink: Immerhin ist sich nicht ein jeder über o.g. Meschanismen bewußt.

Oliver

Hallo nochmal,

Tja, wenn der Patient großes Glück hat, nimmt der Arzt sich
etwas Zeit und erkennt, was los ist…dazu muß man aber
wirklich entweder eine gehörige Portion Glück haben oder
ehrlich sein.

Das siehst Du zu pessimistisch. Eine gezielte (rein
organische) Diagnose zeichnet sich dadurch aus, daß sie
schnell erstellt ist. Klar, auf den Patienten wirkt es dann
oft so, als hätte der Herr Doktor geschludert.

Oliver, mein Statement bezog sich auf diese deine Aussage, und da sprachst du noch von einer psychischen Störung…und nur darauf bezogen mein Pessimismus :

" Sollte es wirklich einem *jeden* freistehen? Es gibt in unserem Lande Millionen von psychisch kranken, Psychotikern und Hirmleistungsgestörten, die aufgrund ihrer Erkrankung eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit haben (z.B. die manische Phase einer bipolaren Depression…) Diese Menschen tun sich selbst oft unsinnnige Dinge an. Unsere Aufgabe ist unter anderem, sie vor sich selbst zu schützen. Und dazu gehört ein beschränkter Zugang zu bestimmten Medikamenten."

Nun sprichst du von einer organischen Störung…da sieht es natürlich anders aus.

Es macht fast jeder mal in seinem Leben (sub-)manische Phasen
und Depressionen durch. Da bin ich dann ganz froh, sofern es
mich mal selbst treffen sollte, daß ich von unsinniger
Selbstmedikation einigermaßen geschützt bin :wink:

Glaubst du deinen letzten Satz wirklich ???

Allerdings. Selbstdiagnose geht in die Hose. Unter Medizinern
ist das ein geflügeltes Wort. Ich selbst habe schon meinen
Karies als Zahnfleischentzündung interpretiert und wochenlang
Antibiotika geschluckt.

Herzlichen Glückwunsch :wink:
Aber du bist ja auch kein Zahnarzt, oder ?!

Und ich erinnere mich an einen
Oberarzt der Chirurgie, der einen entzündeten Mückenstich am
Knie hatte. Seine chirurgische Eigentherapie endete mit einer
Gelenksdestruktion durch septische Arthritis und einer
Gelenkprothese…

Noch besser… :wink:

Wie lange praktizierst du schon ?
Es interressiert mich, weil mir scheint, dass viele Ärzte
erstmal sehr idealistisch an das Ganze herangehen und dann
sehr schnell merken, dass sie mit ihrem Idealismus nicht einen
Schritt weiterkommen.

Ich betreibe Medizin sehr rational. Das ist schließlich unsere
erste Aufgabe in der Schulmedizin. Jedes Medikament hat seine
strenge, in Studien objektivierbare Indikation. Insofern ist
die Rationalität mein Ideal.

Schön, beantwortet aber meine Frage keineswegs.

Ich würde damit genau dann Baden gehen, wenn das
Krankheitsbild sich nicht rational einordnen läßt. Das ist
aber stets eine Folge mangelnden Wissens.

Oder aber Oberflächlichkeit, Zeitmangel, Karrieregeilheit, Streben nach mehr Macht und Geld.

Der rationale Ansatz
per se trägt immer. Gegen Idealverlust hilft also bei mir ein
fundiertes Lehrbuchstudium :wink:

Nun gut, nur wie gesagt, meine Frage hast du keinesfalls damit beantwortet.

Gruß,
Vanessa

Ich denke vielmehr (als Beispiel) an den 60jährigen
Frührentner, welcher jeden Pfennig zweimal umdrehen muß.

Verstehe ich das richtig, dass du damit andeuten willst, Geld
stünde über der Gesundheit ? Das kann ja nicht sein…

Für Dich nicht, für mich nicht, der Rentner kann es sich aber vielleicht nicht leisten.

Warum kosten eigentlich die Pille, Aspirin usw. in vielen
Ländern nur die Hälfte von dem, was es in Deutschland kostet ?

Das liegt daran, daß die Kontrolle der Abgabe Geld kostet. Man spart dafür aber Folgekosten ein, die durch unsachgemäße Selbstmedikation entstehen. Bedenke, daß unser Gesundheitssystem im Vergleich zu anderen Ländern immer noch eines der Besten, aber nicht unbedingt eines der teuersten ist. Siehe USA.

Also, erstmal denke ich, prozentual wirst du verdammt wenig
ältere Rentner im Net treffen…

Mein Beispiel hat heute noch anekdotishcen Charakter. Aber warte mal noch ein paar Jahre. Die Einsparung eines Arztbesuches läßt sich ja hervorragend politisch-korrekt als Kostendämpfungsmaßnahme verkaufen.

Und dann ist meines Erachtens nach Dummheit !
Bevor ich ein Medikamt einnehme, ob verschrieben oder nicht,
informiere ich mich aber ganz genau.
Letztendlich ist jeder Mensch für sein eigenes Tun und Handeln
selber verantwortlich.

Da Du ja Erfahrungen mit Suchtkranken gemacht hast, weißt Du sehr genau, daß viele Leute nicht in der Lage sind, Verantwortung für ihr Tun und Handeln zu übernehmen. Manchmal kann man das ja selbst nicht mal. Um diese Menschen zu schützen, mußt Du meiner Ansicht nach Einschränkungen bei der Einkaufsfreiheit hinnehmen.

Ich bin nicht vorbelastet in diesem Sinne, und das weißt du
auch ganz genau…Digitalis kenne ich nicht bzw. weiß nur,
dass auch dies von den Ärzten zu schnell verordnet wird und
erhebliche Schäden anrichten kann.

Fehlverordnugen gibt es, sind aber nicht die Regel. Hingegen wären sie die Regel, wenn sich jeder sein Digitalis selbst verordnen könnte.

Wenn dieser Rentner im Netz surft, unterstelle ich ihm, dass
er lesen kann…also kann er auch die Nebenwirkungen
lesen…und dann kann er immer noch entscheiden, ob er das
einnehmen will oder nicht.

Den „Waschzettel“ lesen kann jeder. Um ihn auch zu beurteilen, braucht es aber mehr. Nicht nur fachlicherseits - man muß auch wissen, „wie der Hase läuft“, das heißt, wer entscheidet, welche Nebenwirkung drauf steht und welche nicht, wer hat da welches Interesse usw.

Kannst Du das? Schön. Aber es müßte ein jeder können, auch unserer Rentner, wenn Arzneimittel freigegeben wären.

Oliver

Nun gut, nur wie gesagt, meine Frage hast du keinesfalls damit
beantwortet.

Dann hab ich sie falsch verstanden :wink: Du fragtest doch nach meinen (persönlichen) Idealen, oder? Die haben sich erst im Rahmen praktischer Tätigkeit gebildet.
Mit dem Idealverlust meintest Du wohl das „Helferideal“… das geht gerne verschütt in der Klinik, stimmt. Aber als „Helfer“ würde ich auch eher Alternativmediziner werden *g*

Oliver

World-wide, world-wide über alles… (nach Haydn)
[Vieles Bedenkenswertes]

Ja. Großes Thema. „Warum Globalisierung gut ist und warum sie für uns alle gut ist“

Mit anderen Worten: Ich oute mich als jemand, der nicht pauschal der Globalisierung das Wort redet.

(Anmerkung an Wolfgang: ich habe Deine kritische Bemerkung diesbezüglich sehr wohl gelesen)

„Wir“ müssen uns tatsächlich fragen, wieviel Reglementierung wir wollen und wie mündig der Bürger ist.

"Ich habe Dir damals gesagt, daß es keine gute Idee ist, das Geld statt der Krankenkasse zu geben Deinem Dealer den highesten Kick abzukaufen. Wenn Du jetzt die 5000 Mark für die Behandlung des Spritzenabszesses nicht zahlen kannst, leg’ ich halt zuhause (so Du eins hat) ins Bett"

Ach du lieber mündiger Bürger!

Es gibt in diesem Bereich kein Schwarz-Weiss. In einer kleiner gewordenen Welt findet sich „nebenan“ immer wieder jemand, der Standards unterbietet. Abschaffung aller Standards zugunsten des „mündigen Bürgers“?

Um nocheinmal in den Bereich des Gesundheitswesens zurüchzukehren: ich halte angloamerikanische Verhältnisse für denkbar wenig erstrebenswert, auch wenn dort die „Bemündigung“ des Bürgers weiter fortgeschritten ist.

Was machen wir nun daraus? Es bleibt wohl kaum anders übrig, als sich den Einzelfall anzusehen, zu diskutieren und Konsequenzen daraus zu ziehen. Das Totschlagargument „Wir sind doch mündige Bürger“ ist zwar bequem, aber auch leichtsinnig.

Ich glaube nicht, daß wir dessen gesamte Konsequenz wirklich tragen wollen.

Dennoch gilt andererseits:

„Es wird niemals möglich sein, ein gesellschaftliches Problem durch Papier zu lösen, egal wieviele Paragraphen man 'draufdruckt“

Sebastian

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Betäubungsmittel für Alle übers Internet!

Nun, BTM ist nicht gleich BTM…und natürlich nicht für alle !
Aber ehrlich gesagt, ob ich nun zu meinem ehemaligen Hausarzt
gehe und er schreibt mir das Rohypnol auf bei Schlafstörungen,
die ca. 2 Wochen anhielten, oder ich hole mir etwas weniger
hochwirksames aus dem Netz…was ist nur gefährlicher ??
Ich fand das derart verantwortungslos von dem Arzt

Eben. Dann muß man[1] mit dem Arzt ein Wötschen reden - und nicht stattdessen fordern, daß alle global alles dürfen nur weil manch ein Arzt auch verantwortungslos handelt.

Sebastian

[1] das kann auch die Ärztekammer sein.

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