Hallo Chris,
dumm gelaufen, das Ganze. Wenn jemand der selbst in der Branche ist, nicht mehr weiter weiß, dann sieht die Sache wirklich beschissen aus. Soll man zwar eigentlich nicht sagen, aber die Lage ist halt so.
Die theoretischen Ratschläge kennst Du ja alle selbst. Drohungen wirken nur wenn sie umgesetzt werden, und so lange Du zu den letzten Konsequenzen nicht selbst bereit bist… Obwohl das am Ende jeder für sich entscheiden muß, wie weit er den Leidensweg mitgehen kann, was er verkraftet und was nicht. Kluge Ratschläge mit weisen Theorien sind sehr schön, wenn man sie anderen geben kann, wenn man selbst mit drin steckt, sieht das immer anders aus.
Auf alle Fälle solltest Du schlau genug sein, Dir nicht´s selbst vorzumachen. Wenn ihn nicht irgend etwas ganz Einschneidendes dazu zwingt, wird er seine Meinung nicht ändern. Bei Alkohol ist das einfacher. Spätestens, wenn die Sache lebensbedrohend wird fällt die Entscheidung. Entweder es klickt, wie bei mir, und dann wird es was (will ich zumindest stark hoffen, bin nun bald 6 Jahre trocken) oder es klickt nicht, wie bei meinem Vater, und dann endet die Sache auf dem Friedhof. Wie lange man alledings Internetsucht durchhalten kann, kann ich nicht mal ahnen. Eventuell wenn die Arbeit irgendwann flöten geht und das Geld knapp wird, aber das kann dauern.
Vielleicht hilft eine vorübergehende Trennung, obwohl, wenn ihm die Familie eh schon egal ist…
Zumindest mußt Du Dir Gedanken darüber machen, wie lange Du das durchstehen kannst, auch Deiner Tochter zu liebe. Wenn Du auch auf der Schnauze liegst, kannst Du gar keinem mehr helfen. So traurig es klingt: Kaputte Angehörige gibt es schon mehr als genug und es tut mir immer in der Seele weh, wenn ich sehe, wie außer dem Betroffenen auch die Angehörigen leiden, die ja nun wirklich nichts dafür können.
Trotzdem wünsche ich Dir weiterhin viel Glück, Du kannst es brauchen. Und denk daran, ein Fünkchen Hoffnung besteht immer. Wenn bei mir damals ein paar Leute nicht so verdammt hartnäckig gewesen wären, wäre ich heute tot. Das ist Deine einzige Chance: Hartnäckigkeit. Immer wieder ansprechen, immer wieder drauf mit dem Finger auf die Wunde. Ohne Schuldzuweisungen, er ist schließlich krank und nichts anderes. Eventuell hat er dann doch mal die Schnauze voll davon und fängt an, über sich selbst nachzudenken. Es wir schwer werden, aber es muß sein. Ich wünsche Dir mit ganzem Herzen die nötige Kraft dazu.
Übrigens, wenn es Dir hilft oder Dich erleichtert, schreib mir ne Mail [email protected] . Ich verspreche Dir auch, zu antworten. Keine Bange, ich vertrage eine ganze Menge und helfe gern, wenn ich kann.
Alles Gute
Gernot Geyer