Hallo Barbara, Hallo Martin,
ich möchte die Diskussion z. Zt. noch öffentlich weiterführen, da ja immerhin 3 Personen daran beteiligt sind.
Zum ersten freut es mich, dass ihr mir in einigen grundlegenden Punkten zustimmt. Bei den strittigen Punkten geht es meiner Ansicht nach vor Allem um die jeweilige persönliche Sichtweise.
Mit dem „Elitegedanken“ wurde ich wahrscheinlich missverstanden. Natürlich steht das Christentum allen Menschen, die dort ihr persönliches Heil suchen, offen. Das gilt, so weit mir bekannt, für alle Religionen. Wenn ich das wirklich möchte, kann ich auch z. B. zum Islam konvertieren. Das war aber nicht der eigentliche Inhalt des Gedankens. Nach meiner Wahrnehmung hat in der heutigen Zeit das Thema „Religion“ für die meisten Angehörigen einer Glaubensrichtung keinen besonders hohen Stellenwert. Dies liegt m. A. an der „Glaubenszugehörigkeit per Geburtsrecht“. Ob und wie weit und natürlich auch welche Religion für einen Menschen wichtig ist, kann erst nach Erreichen einer gewissen geistigen Reife entschieden werden. Mir ging es aber vor Allem um den Weg zur Erlösung in den fundamentalistischen Religionen. Hier wird nunmal von orthodoxer Seite die strikte Einhaltung der 7 noachidischen Gesetze, der 10 Gebote, der 5 prophetischen Glaubensgrundsätze etc. etc. verlangt; zusammen mit einem gottgefälligen und gottesdienerischen Leben. Gerade die Übersetzung des Wortes ISLAM, „Unterwerfung“ sagt m. E sehr viel über die Glaubensinhalte dieser Religion. Die blosse Zugehörigkeit oder auch die Taufe sind sicherlich kein Freifahrtschein ins Paradies, temporärer oder auch ewiger Verdammnis anheim zu fallen, ist nach den reinen Glaubenssätzen nicht besonders schwer.
Das mit den Satanisten ist evtl. etwas polemisch; auch hier kann ich aus meinen (zugegebener-weise recht spärlichen) eigenen Erfahrungen und natürlich aus der Literatur schöpfen. Meine persönlichen Erfahrungen beschränken sich auf sog. „Satanisten“ aus der Black-Metal-Ecke. Grundsätzlich meine ich auch die Art des Satanismus, die Satan ganz im Sinne der christlichen Kirche als Widersacher Gottes und Verkörperung des absoluten Bösen sieht (dessen Anbetung ich definitv nicht verstehen kann). Warum jetzt kriecherisch? Der Satanist dieser Ausrichtung begibt sich in absolute Abhängigkeit, da die klassische Form der Teufelsanbetung ja auf einer Art Gegengeschäft beruht. Er lebt (zumindestens wenn er einen Rest Verstand besitzt), in kontinuierlicher Angst, da er weiss, dass er irgendwann einen Preis zu bezahlen hat. Er gibt in den Ritualen der Anbetung einen guten Teil seiner Menschenwürde auf. Er wird peinlich darauf bemüht sein, den Anweisungen und Bedingungen seines Herrn zu folgen, auf dass der Preis nicht vieleicht vorzeitig eingefordert werden kann. Kricherisch vieleicht auch deswegen, weil sich der Satanist gleich zwei Religionen, nämlich dem Christentum, dass er parodiert (LaVey: Satan ist der beste Freund des Christentums, er hält es beschäftigt…) und dem Satanismus, anbiedert…
Auch hier natürlich wieder rein persönliche Eindrücke. Rein prinzipiell halte ich den Satanismus für einen reine Modeerscheinung (schliesslich ist er historisch nicht begründet); es ist halt chic, gegen etablierte Ordnungssysteme zu rebellieren. Kaum einer, der mit umgekehrten Kreuzen und Pentragrammen ´rumläuft, meint das wohl wirklich ernst. Die wenigen Fälle, die mir untergekommen sind, sind m. E. eher ein Fall für den Psychiater…
Natürlich ist mir bekannt, dass es auch andere Ausrichtungen des Satanismus gibt (die Homepage der Church of Satan ist eher amüsant denn erschreckend zu lesen), aber auch hier sehe ich mehr den Schockeffekt für´s Establishment als eine wirklich religiöse Bedeutung.
Falls sich jetzt irgendjemand auf die Füsse getreten fühlt, tut mir das leid. Jeder kann, darf und muss für sich selbst entscheiden, wo er sein Heil sucht…
Zum Thema Glaubenssätze:
Die Frage ist für mich: Wer entscheidet, ob ein Ziel lobenswert ist? Unglücklicherweise hat alles, was man tut, minimal zwei Seiten. Vieles, was mir persönlich nützt, kann Anderen schaden. Wenn ich mein Leben aber nur darauf ausrichte, niemandem etwas Schlechtes zu tun, werde ich immer auf der Verliererseite stehen.
Satanisten - Thelemiten
Der Satanist egal welcher Prägung erkennt eine oder mehrere Wesenheiten als Gottheit an und betet diese auch formal-ritualistisch an. Damit unterscheidet sich der Satanismus zwar in den Glaubensinhalten, nicht jedoch in der allgemeinen religiösen Ausrichtung von den „guten“ Religionen.
Für mich ist der thelemitische Gedanke Rabelais´ massgebend, der von Crowley mit einigen „Gesetzen“ verfeinert wurde. Das rabelais´sche philosophische Gedankenmodell der Abtei THELEMA wurde errichtet, um die menschlichen Tugenden zu verfeinern. Dem Thelemiten ist es freigestellt, an einen, viele oder gar keine Götter zu glauben. Thelma wird beschrieben als ein Ort voller Schönheit, Weisheit und Toleranz. Ebenso unterstreicht die thelemitische Philosophie die Notwendigkeit der Emanzipation. Crowleys zweites Gesetz ist „Every man and every woman is a star“. Damit wird die prinzipielle Individualität, aber auch die Gleichstellung aller Menschen unterstrichen. Das dritte Gesetz ist: „Love is the law, love under will“. Aus der Liebe und der willentlichen Vereinigung von Liebenden wird neue Macht entstehen.
Natürlich sind einige (nicht alle) Thelemiten Anhänger der Magick oder Chaos-Magie. Diese dient jedoch nicht zum Handel mit „Dämonen“ etc., sondern zur Stärkung der Willenskraft im Kampf mit dem Übernatürlichen.
Nochmal, ich bin nicht im Besitz irgendwelcher Wahrheiten und dies sind nur meine persönlichen Eindrücke. Ich bin jedenfalls fasziniert von der thelemitischen Philosophie und noch mehr vom dynamischen Diskordianismus aufgrund des radikalen Freiheitsgedankens, den mir keine andere Religion bieten kann.
„Non serviam“
Gruss
Peter