OP Beckenringfraktur ?

Hallo zusammen,

Eine 89jährige Patientin, noch leicht benebelt von Narkose wegen einer Spiegelung, stürzt im Krankenhaus beim Versuch von der Toilette wieder ins Bett zu kommen. Eine Schwester hatte sie dorthin geführt und dann dort vergessen, auch nach mehrmaligem Klingeln der Patientin kam keiner. Nach über einer Stunde hat sie dann versucht alleine ins Bett zu gelangen, beim aufstehen und dabei abstützen auf dem Rollator fiel dieser um und riss sie mit nach unten.

Seitens der Ärzte im Krankenhaus wurde wenige Stunden später das Knie / Unterschenkel geröngt, sonst nichts. Dabei keine Auffälligkeiten. Der kleine Finger stand zu diesem Zeitpunkt halbmondförmig nach oben gebogen von der geschwollenene, 3x so dicken, Hand ab. Erst als wir Angehörigen das Pflegepersonal 8 Stunden nach Unfall darauf aufmerksam gemacht hatten wurde auch dies durchleuchtet: Gebrochen und Ausgekugelt. Ruhigstellung in Gipsschale.

In den nächsten Tagen ergaben sich immer stärkere Schmerzen im Bereich Oberschenkel - Hüfte - Po. Patientin erhielt hierauf lediglich Schmerzmedikamente. Die Patientin wurde 2,5 Wochen nach Sturz aus dem Krankenhaus entlassen, weitere Untersuchungen wegen dieser Schmerzen gab es keine.
Hausarzt hat die Patientin am selben Tag besucht und vermutete zunächst dass die starken Schmerzen von einem Bluterguss kommen und verordnete andere Schmerzmittel. Die Schmerzen wurden jedoch am Folgetag noch sehr viel stärker, Patientin kann mittlerweile nicht mehr stehen, nicht mehr sitzen und nicht mehr liegen. Sie hält es vor Schmerzen nicht mehr aus.

Es folgte eine erneute Einweisung in ein (nun anderes, aber verbundenes) Krankenhaus um Beckenfraktur bzw. Ursache der Schmerzen fest zu stellen. Erste Diagnose des Arztes nach erstmaligem Röntgen: Wahrscheinlich Beckenringfraktur „links“. Morgen folgt ein CT zur genaueren Abklärung. Arzt äußerte sich dabei sehr verwundert über die Krankengeschichte, das andere Krankenhaus hat über diese Vorfälle nämlich rein gar nichts in die vorliegende Patientenakte geschrieben.

Ich würde mich nun dafür interessieren wie man hier normalerweise weiter vorgeht. Bzgl. Beckenringfraktur habe ich im Internet zwei Dinge gefunden:

  1. Stabile Fraktur -> Behandlung mit mehrwöchiger Bettruhe, dann Mobilisierung mit Krankengymnastik.
  2. Instabile Fraktur -> Dann OP mit Schrauben, 2 Monate Bettruhe.

Was genau vorliegt wie geschrieben noch unbekannt.

Wird eine fast 90jährige Patientin noch operiert, oder gibt es da andere Therapien? Ich habe ein bisschen Angst dass das zuviel für sie ist. Wie darf man sich einen derartigen Eingriff vorstellen, wird da viel aufgeschnitten oder geht man hier mittlerweile auch mit der Schlüssellochtechnik vor? Vermute eher nicht, die Schrauben müssen ja auch irgendwie zum Knochen…

Wie sind die sinnlos vergeudeten 3 Wochen seit dem Sturz einzuordnen, wurde der nun eingeleitete Heilungsprozess dadurch bereits im Vorfeld erheblich geschädigt?

Viel Text - danke fürs lesen und noch mehr Dank für sinnvolle Antworten

Es besteht natürlich die Gefahr, dass die OP, die Narkose und die Zeit der Immobilisation zuviel für einen 90jährigen Menschen ist.

Sogar sehr wahrscheinlich jeder der Faktoren.

Ihr solltet Euch darauf einstellen, dass (insofern operiert wird) die Mobilität sich nicht wieder vollständig erholen wird. Das ist nur realistisch.

Allein 6-8 Wochen Bettruhe ist für einen Menschen in dem Alter (aus eigener Erfahrung) zuviel. Da können dann noch Dinge, wie Verdauungsstörungen/Inkontinenz, Thrombose oder Lungenentzündung hinzu kommen.

Auch sollte man den psychischen Faktor nicht unterschätzen. Menschen in dem Alter haben große Schwierigkeiten, sich allein psychisch von dieser Situation (Abhängigkeit, Erleben der eigenen körperlichen Unfähigkeit) zu erholen.

In dem Alter ist das ohne Frage ein sehr schwerwiegender Einschnitt, der zu einem massiven Abbau führen kann (nicht muss).

Viel Glück Euch und gute Besserung der Patientin !

Liebe Grüße, Jan

Hallo,

bei einer Beckenringfraktur wird wie Du schon festgestellt hast erstmal nach stabil und instabil unterschieden. Eine OP wird in dem Alter aber abgewägt im Gegensatz zu einer Bettruhe, denn der Vorteil der OP ist eindeutig, dass der Patient danach wieder mobilisiert werden darf. Bettruhe ist für Patienten diesen Alters eher schädlicher als eine OP, denn es drohen sowohl Thrombosen und Lungenentzündungen als auch die Gefahr, dass die Patienten nicht mehr aus dem Bett kommen. Deshalb wird bei uns eher operiert damit der Patient so schnell wie möglich wieder mobil wird.

Grüße
Jessica

Hallo Alexander

Ich bin nur insofern „Experte“, als ich selber schon eine Beckenringfraktur hatte.

Wenn wie bei mir damals eine stabile Fraktur vorliegt, muss nicht operiert werden. „Bettruhe“ war bei mir allerdings nicht mehrere Wochen untätig im Bett liegen, sondern ich hatte von Beginn weg Krankengymnastik, zunächst nur Übungen im Liegen, um die Muskulatur zu erhalten, doch konnte ich schon nach wenigen Tagen auch sitzen und einige Schritte an Krücken gehen, durfte bloss unter keinen Umständen das Bein der betroffenen Seite zu sehr belasten. Trotzdem habe ich stark an Muskulatur und Kraft abgebaut. Eine längere Bettlägrigkeit ist im hohen Alter der Dame äusserst heikel. Hier wird zentral sein, wo und wie der Bruch genau verläuft (bei mir z.B. gleich neben der Hüftpfanne, weshalb ich vorsichtiger sein musste als andere) und in welchem Allgemeinzustand, körperlich und kognitiv, die Dame ist.

Ist eine OP notwendig, hat dies den Vorteil, dass meines Wissens danach viel rascher belastet und mobilisiert werden kann. Allenfalls würde dies also die Risiken der OP aufwiegen.

Die drei Wochen ohne Diagnose und Behandlung könnten durchaus Folgen gehabt haben: Auch wenn ursprünglich eine stabile Fraktur vorgelegen hatte, könnte sich durch die Belastung beim Draufstehen im Nachhinein etwas verschoben haben. Das wäre haftpflichtrechtlich dann interessant, denn wie beweist man, dass die Nichtbehandlung die Sache verschlimmert hat? Aber das ist wohl erst später Thema.

Ob mit oder ohne OP halte ich eine gute pflegerische und krankengymnastische Betreuung für die Zeit, in der sie nicht aus dem Bett kommt, für zentral. Wie gesagt gibt es ganz einfache Übungen, die man auch im Bett machen kann.

Ich war im Zeitpunkt des Unfalls 32, einigermassen sportlich und ging regelmässig ins Krafttraining. Beste Vorausseetzungen also, und schon nach vier Wochen durfte ich anfangen, die betroffene Seite wieder zu belasten (ohne OP, wie gesagt). Dennoch hat es auch bei mir gut drei Monate gedauert, bis ich wieder einigermassen voll mobil war. Ich würde euch viel lieber ermutigende Nachrichten geben, aber leider ist sowas für eine 89jährige Frau eine wirklich ernsthafte Sache :frowning:

Ich wünsche ihr und euch alles Gute!

Qu.